Sozial verträglicher Tourismus

Faires Reisen

Olivera Stajić, 25. August 2011, 08:30
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    Der diesjährige Welttourismustag steht unter dem Motto "Tourismus verbindet Kulturen".

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    Gemeinsames Kochen von Ladakhis und Touristen.  Eine Weltweit Wandern-Reise nach Ladakh/Indien im Jahr 2009.

Reiseveranstalter und Reisende setzen immer öfter auf nachhaltigen Tourismus. Mit Ethik lässt sich auch Geld verdienen

Unansehnliche Betonburgen, die von Pauschaltouristen belagert und in der Regel im Laufe des gesamten All Inclusive Urlaubs nicht verlassen werden. Oder luxuriöse und streng bewachte Hotelanlagen, deren gutbetuchte Gäste keinerlei Interesse an den Lebensverhältnissen der Einheimischen haben. Der (Massen)Tourismus hat viele hässliche Gesichter und ist dennoch für viele Länder eine wichtige Einnahmequelle oder gar die einzige Möglichkeit wirtschaftliches Überleben zu sichern.

Klimaerwärmung

Dass dieser wichtige Wirtschaftszweig oft Ursache von schweren sozialen, kulturellen und ökologischen Problemen sein kann, ist längst nachgewiesen. Am eindringlichsten lassen sich seine Auswirkungen auf das Welt-Klima schildern: Laut der UN-Welttourismusorganisation (UNWTO) verursacht der Tourismus rund fünf Prozent der globalen CO2-Emissionen. Berücksichtigt man neben dem CO2 noch andere Treibhauseffekte, wächst laut einer Studie aus dem Jahr 2009 der Anteil des Tourismus am menschenverursachten Klimawandel auf 12,5 Prozent. Der größte Teil der tourismusbedingten Emissionen - rund drei Viertel - verursacht der der Flug- beziehungsweise der Autoverkehr. Ein Fünftel trägt die Unterbringung der Reisenden bei.

Gegentrend Nachhaltigkeit

Aufwendig organisierte Individualreisen waren lange Zeit der einzige Gegentrend zum Massentourismus und eine der wenigen Möglichleiten den eigenen Urlaub nach sozial verantwortlichen und ökologisch verträglichen Gesichtspunkten zu planen. In den letzten Jahren sind allerdings vermehrt Reiseveranstalter in Erscheinung getreten, die auf Corporate Social Responsibility (soziale Verantwortung) und nachhaltige Angebote setzen. Kulturell angepasstes, ökologisch tragfähiges und für die einheimische Bevölkerung wirtschaftlich sinnvolles Reisen ist ein neuer Trend mit viel Potential.

Entwicklung vor Ort

Reiseunternehmen, die auf sogenannten "positiven Tourismus" setzen, wollen ihren Anspruch auf die Nachhaltigkeit in möglichst vielen Bereichen durchsetzen. "Wir versuchen mit unserem Angebot eine positive Entwicklung vor Ort zu bewirken. Wenn die Menschen in einem Land für Mülltrennung nicht sensibilisiert sind, dann schulen wir unsere Mitarbeiter vor Ort, um zu vermitteln wieso Müllvermeidung und - trennung für eine Region wichtig sind. Damit wollen wir zum Nachdenken und Nachahmen anregen", erklärt Sophie Borckenstein an einem einfachen Beispiel, was der Grazer Reiseveranstalter "Weltweit Wandern" unter sozial verantwortlichem Tourismus versteht.

Die Wanderreisen gehen nach Europa, Afrika, Asien und Amerika, mit den Schwerpunkten Marokko, Himalaya und Osteuropa. Ein Schwachpunkt bei der Gestaltung der Reisen sind Fernflüge, räumt Borckenstein ein. "Man kann von den Menschen heutzutage nicht mehr erwarten, dass sie per Schiff nach Peru anreisen. Wir achten aber darauf, dass die Flugstrecke in einem gerechten Verhältnis zur Aufenthaltsdauer steht. Unsere Südamerikareise sind zum Beispiel mindestens 18 Tage lang", erklärt die Sprecherin des Grazer Reiseunternehmens.

Konservative Österreicher

Reiseveranstalter, die auf Nachhaltigkeit setzen, gibt es in Österreich noch immer zu wenige, bedauert Karin Chladek von respect, dem Institut für Integrativen Tourismus und Entwicklung. "Österreich ist ein konservatives Land, wenn es um Reisen geht. Die Menschen wollen tendenziell sehr beschützt sein und nicht sehr mit der einheimischen Bevölkerung zu tun haben", meint Chladek und betont, dass das ihre "sehr persönliche" Meinung ist. Dabei ist nachhaltiges Reisen  in der Regel nur möglich, wenn man nahm an Mensch und Land bleibt und wenig Berührungsängste hat. Auf lokale Wertschöpfung wird Wert gelegt: "Das heißt für uns, dass wir für unsere Kunden kleine einheimische Unterkünfte organisieren", erklärt die Sprecherin von "Weltweit Wandern".

CSR-Siegel

Die strengen Nachhaltigkeitsrichtlinien verhalfen dem Wanderreisen-Veranstalter zum Corporate Social Responsibilty-Siegel TourCert. Das Grazer Unternehmen wurde als einziger österreichischer Reiseveranstalter mit dem, in Deutschland entwickelten Zertifikat ausgezeichnet, welches in die Bewertung einerseits das Umweltverhalten der Reiseveranstalter im Heimatland untersucht, aber auch die Nachhaltigkeitsqualität der Produkte, also der Reisen, evaluiert. "Darüber hinaus werden die Zulieferer durch den Veranstalter untersucht. Das sind seine Unterkünfte, Partneragenturen und Reiseleiter", erklärt Ilyta LaCombe, von der Kontaktstelle für Umwelt & Entwicklung, die das TourCert vergibt.

Österreich setzt ausf Umweltschutz

Dass CSR auch in der Torismusbranche immer mehr Anklang findet beweisen, unter anderem, die rund 50 europäischen Gütesiegel, die den umweltbewussten UrlauberInnen bei der Wahl Ihrer Hotels und Reiseziele helfen sollen. In Österreich bietet das Österreichische Umweltzeichen für Tourismusbetriebe den Reisenden eine Orientierung. Zahlreichen Hotels und Gastronomie-Betriebe wurden bereits ausgezeichnet und berücksichtigen eine Vielzahl an Umweltaspekten, vom Abfallmanagement, über Energiesparen bis zu gesunder Ernährung und umweltfreundlicher Anreise.

Der Markt wächst

Über das Potenzial des österreichischen Marktes für Nachhaltige Reisen kann man wenig sagen. Bisher wurden keine Zahlen erhoben. Derzeit läuft allerdings ein Gästebefragungsprojekt, das die Österreich Werbung gemeinsam mit dem BMWFJ und der WKÖ, der Firma Manova und den neun Landestourismusorganisationen entwickelt hat, in dessen Rahmen auch Fragen zum Thema "Nachhaltigkeit" gestellt werden. Die Ergebnisse werden Ende 2011 erwartet. Für den deutschen Markt hat die GfK (Gesellschaft für Konsumforschung) bereits im Jahr 2009 Zahlen veröffentlicht, die den potentiellen Markt CSR-affiner Haushalte bei 7,5 Millionen Haushalten erhoben. Dies entspricht 33 Prozent der reiseaktiven Haushalte.

Das Angebot an Reiseveranstaltern, die auf CSR setzen, wächst, denn mit dem Thema Ethik lässt sich Geld verdienen. Doch bei den Kunden ist Vorsicht geboten. Anders als in der Lebensmittelbranche sind die sind die Begriffe "Bio" und "Ökö" im Tourismus nicht geschützt. Es reicht also nicht, sich selbst so zu bezeichnen - das Geld der Ökö-Touristen muss auch tatsächlich er lokalen Bevölkerung zu Gute kommen.

Friede und Völkerverständigung

Und dann wäre da noch ein weiterer Anspruch, der in Zeiten der "billiger geht es noch immer"-Pauschalreisen fast vergessen scheint: Der Tourismus hatte an seinen Anfängen auch den Anspruch einen Beitrag zur Völkerverständigung zu leisten. "Dieser Anspruch zur Völkerverständigung und Frieden beizutragen, ist alt aber nicht überholt und vergessen", meint Karin Chladek. So steht der diesjährige Welttourismustag, am 27. September unter dem Motto "Tourismus verbindet Kulturen". Symbolträchtig finden die offiziellen Feiern heuer in Aswan, Ägypten statt.

Es wäre gewiss überzogen, von nachhaltigen Tourismus auch noch zu erwarten, dass er demokratische Prozesse gezielt unterstütz. Zum kräftigen wirtschaftlichen Wachstum der einzelnen Länder kann er aber auch in Zukunft beitragen. Es gibt Hochrechnungen, dass im Jahr 2020 bis zu 10 Prozent der Menschheit direkt oder indirekt durch den Tourismus beschäftigt wird. (Olivera Stajić, 25. August 2011, daStandard.at)

Kommentar posten
14 Postings
dilino
00

Reisen = Bewußtseinserweiterung
Massentourismus = Magenerweiterung

petitecruyff
 
00
26.8.2011, 10:52
interessante Konferenz zum Thema Nachhaltigkeit

War jetzt schon 2 mal auf folgender Konferenz und werde auch heuer wieder hingehen. Wird sicher spannend! http://www.nachhaltigkeitskonferenz.at/d/
Tourismus wirklich nachhaltig zu gestalten ist eine sehr komplexe Thematik, habe selbst Forschungsarbeiten dazu geschrieben....

Rene Stangeler
00
26.8.2011, 10:11
Sobald eine Reisebüro

die Finger im Spiel hat bleibt der Grossteil des Reisebudgets in Händen des Reiseveranstalters.
Bei meinen Reisen kommt (ausser die Anreiskosten/Flugkosten) alles der örtlichen Bevölkerung zugute. Ich übernachte in kleinen Pensionen oder Privathotels, esse dort wo auch die Einheimischen essen, benutze die gleichen Transportmittel welche auch Einheimisch benützen (Überlandbusse, Sammeltaxis usw) kaufe Obst auf Märkten ein, bringe meine Wäsche zu einer örltichen Wäscherei, verbringe die Nächte nicht in Hotelbars sondern in irgenwelchen Kneipen. Falls ich mal einen Ausflug mache welche zu umständlich/zu zeitaufwändig sind um die Ziele auf eigene Faust zu erreichen buche ich diese bei kleinen Anbietern vor Ort.
Geht alles ganz einfach.

Rotzpipn freche
10
26.8.2011, 09:57
sozial verträglichen Tourismus

gibt es nicht! Da wird den Leute um viel Geld Völkerverständigung vorgegaukelt und ein paar Einheimische lassen sich um ein paar müde Kröten in "traditioneller" Tracht und Tanz zum Dodl machen. Alles ungefähr so realistisch wie der Tiroler in der Lederhosn.
Und die wirklich "Alternativen", die allein mit dem Rucksack drauflosstürmen, sind manchmal auch nicht besser. Hab dazu vor Jahren ein Interview (leider vergessen in welcher Zeitung das stand) mit einer thailändischen Prostituierten gelesen. Die hat gesagt, dass ihr die "Neckermänner" wesentlich lieber sind, da diese im Gegensatz zu den "Alternativtouristen" nicht um den Preis feilschen und so wie diese alles gratis wollen, nur weil sie sie schon zum Essen eingeladen haben und sich ja a

petitecruyff
 
00
26.8.2011, 11:52
Konzept nicht verstanden

Klassischer Fall von Schubladendenken. Das Konzept der Nachhaltigkeit hast du auch nicht ganz verstanden.
Jene, die du beschreibst, sind 08/15 Massentouristen bzw Nischentouristen.
Wer die von dir beschriebenen Angebote als nachhaltig beschreibt, ist ein Scharlatan. Es gibt aber sehr wohl tolle Projekte, wo sehr viel Wertschöpfung(monetär, Bildung usw) in der Region bleibt! Das Jetwing Projekt in Sri Lanka zum Beispiel. Dort wurde wirklich nachhaltig etwas für die Bevölkerung geschaffen, zu fairen Arbeitsbedinungen, Leute ausgebildet usw... Und als Tourist kann man es mit allem Komforts genießen....

petitecruyff
 
00
26.8.2011, 09:07
mehr zum Thema Nachhaltigkeit

Es gibt im Mostviertel eine jährliche Konferenz zum Thema Nachhaltigen Tourismus mit viel Chance zum Diskutieren und Netzwerken.
Hier die Info: http://www.nachhaltigkeitskonferenz.at/d/
Die Konferenz steht jedes Jahr unter einem anderen Leitthema, war jetzt schon 2 Mal dabei- ist extrem interessant!

revach
01
25.8.2011, 19:02
nepal

war im nepal auf einem trek, habe Gepäck 1 tag selber eschleppt und nach der ersten Übernachtung einen träger angeheuert, laxman hat doppelt so viel verdient wie er bei einem organisierten trek verdient und ich habe halb so viel wie bei einem organisierten trek bezahlt, das war eine gute Erfahrung...

Ernesto Chavez
10
25.8.2011, 16:05
Faires Reisen heisst Zu Hause Bleiben

und wer das nicht weiss
ist dumm.
Bumm.
(c Mira Lobe)

Marquis
17
25.8.2011, 11:18
Faires Reisen oft scheinheilig

In Realität sind diese Reisen extrem teuer und wollen den Anschein vermitteln, exklusiv und besonders authentisch zu sein. Dann fliegst mit dem selben Flugzeug wie alle anderen, sitzt in irgendwelche Busse und läßt dich zu Einheimischen führen, die für Geld lächeln und so tun als wären sie deine Freunde.

Man braucht kein faires Reisen, wenn man sich für ein Land , seine Sprache und den Menschen interessiert, kann man sich diese ganzen elitären Pseudo-Authentizität Quatsch sparen und dazu auch eine Menge Geld.

Nadann Weitweg
40
25.8.2011, 13:18
Antwort

Ich war bei der oben abgebildeten Reise dabei. Sie haben Recht, diese Reisen kosten mehr Geld als irgendwelche Billigreisen aus dem Supermarkt. Jeder soll sich aussuchen was zu ihm und seinem Geldtascherl passt.

Rene Stangeler
10
26.8.2011, 10:23
Gleichwertiges hätten sie

zu einem Bruchteil des Preises bekommen können wenn sie auf eigene Faust unterwegs gewesen wären.
Wer aber gerne wie ein Kindergartenkind an der Hand genommen werden will um die Welt zu sehen - warum nicht.
Mir sind solche Gruppenreisen höchst zuwider (hab mich einmal dazu breitschlagen lassen - mach ich sicher nie mehr wieder). Alleine der Druck nicht frei über meine Zeit verfügen zu können (wenns mir wo gefällt bleibe ich länger, wenn nicht reise gleich weiter) ist Grund genug für mich nicht mit Gruppen (und sei sie noch so klein) zu reisen.
8 Stunden in einem Kleinbus in Laos bringt mehr Nähe zur Bevölkerung als jede geführte Tour zu einem "ursprünglichen" Dorf, 2 Stunden Aufenthalt inklusive Foto mit dem Dorfältesten.

Nadann Weitweg
00
26.8.2011, 13:36

Wie koennen Sie das denn beurteilen? Sie scheinen ja viel zu wissen ohne es je probiert zu haben. Respekt gegenueber anderen ist im In- wie Ausland noetig.

Rene Stangeler
10
26.8.2011, 16:35
Ich weiss jetzt nicht genau

was sie meinen mit Respekt? Da das Reisbüro und die Reiseleitung nicht gratis sein wird war ihre Reise sicher teurer als eine eine individuell gemachte Reise. Auch von den Unterkunftgebern wird eine Provision an den Veranstalter gezahlt, das heisst den Einheimischen bleibt weniger von den Mieteinkünften. Dass ein Zeitplan eingehalten werden muss werden sie ja nicht abstreiten, Hotels in der nächsten Etappe sind voraus gebucht, ebenso Transportmittel. Man kann Glück haben und die Gruppe ist homogen, andererseits können extrem nervende Menschen dabei sein, man weiss es nicht, ist aber dann ausgeliefert.
Reisen ist so einfach (speziell in Asien, Afrika ist schwieriger) , auch ohne "Kindermädchen" und Vollkasko.

2+2= 5
10
26.8.2011, 07:38

Nur weil ihre Reise mehr kostete is sie besser?
Siehst man das der Vorredner recht hatte.

Kaufen sie sich mit ihren guten Gewissen ein eis und gems a ruh.

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