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Seit 2001 schneidet der gebürtige Marokkaner Nadif Haare in Margareten.
"Welcome to Chez-Nabil", ist auf der modernen Friseur-Website zu lesen. Der Mann, dem der Friseursalon in der Arbeitergasse im fünften Wiener Gemeindebezirk gehört, heißt allerdings nicht Nabil. "Das war der Name meines Vorgängers und wir haben das so beibehalten", erklärt Nadif, Besitzer und Chef des "Chez-Nabil".
Die Liebe war's
Mit einem festen Händedruck und einem charmanten Lächeln begrüßt er seine Kundschaft. Der 38-Jährige hat im Jahr 2001 Marokko verlassen und lebt seitdem in Wien. "Der Grund war meine damalige Freundin, die ich in Marokko kennen gelernt habe. Ihre Mutter, die in Wien lebte, war an Krebs erkrankt, weshalb meine Freundin bei ihr sein wollte", erinnert sich Nadif daran, wie es ihn nach Österreich verschlagen hat und er ergänzt: "Ich habe schon an vielen Orten in Europa gelebt: von Portugal bis Schweden. Aber keine Stadt ist in Sachen Lebensqualität mit Wien vergleichbar."
Autodidakt
Sein einwandfreies Deutsch hat er nicht etwa einem Sprachkurs zu verdanken, sagt Nadif. Vielmehr habe er die Sprache autodidaktisch erlernt: Bücher, Fernsehen und nicht zuletzt der intensive Kontakt zu seinen Mitmenschen habe dazu beigetragen, dass er innerhalb weniger Jahre fließend Deutsch gelernt hat. "Mir war von Anfang an wichtig, unabhängig zu sein. Das gilt auch für meinen Sohn und meine Frau, die 2006 von Marokko nach Wien gekommen ist. Zuhause sprechen wir ausschließlich Deutsch miteinander", sagt Nadif. Der vierjährige Amin spricht nicht arabisch, bei Besuchen in Marokko lerne er sehr rasch und könne sich gut mit der Familie verständigen.
"Harte Schule"
Nadifs Frau Chaimaa unterstützt den Friseurmeister im Geschäft. Nach einigen Semestern Chemiestudium möchte sie nun eine Ausbildung zur Friseurin angehen. "Wir haben uns in unserer Heimatstadt Fès kennen gelernt, wo wir Nachbarn waren", erzählt die hübsche 23-Jährige und schaukelt dabei ihren quirligen Sohn auf den Beinen. Deutsch beherrscht sie ebenso gut wie Nadif. "Chaimaa ist an einem Donnerstag nach Wien gekommen und am Montag habe ich sie für einen Deutschkurs angemeldet", erzählt der gebürtige Marokkaner. "Ich habe ihr meine Visitenkarte mit der Adresse in die Hand gedrückt und gesagt: Wenn Du bis zehn Uhr abends nicht nachhause findest, schicke ich den Suchtrupp los." Nadif lacht und meint, es sei eine harte Schule, aber nur so lerne man.
Fotoapparat gegen Schere getauscht
Nadif ist Friseur aus Leidenschaft. Er hat rasch erkannt, dass seine Bestimmung nicht in seinem ursprünglichen Berufswunsch als Fotograf lag. "Als mich eines Tages ein Friseur beauftragte, die Frisuren in seinem Salon zu fotografieren, konnte ich nicht anders, als den Fotoapparat gegen die Schere zu tauschen. Ich war von den Möglichkeiten, sich an den Haaren der Menschen kreativ auszutoben, sofort fasziniert", erinnert sich der 38-Jährige. Danach absolvierte er eine dreijährige Ausbildung an einer Privatschule - in Marokko gibt es keine Lehrausbildung - und eröffnete einen eigenen Friseursalon in der nordmarokkanischen Stadt Fès.
Starker Familienzusammenhalt
Dort arbeitete sein fünf Jahre jüngerer Bruder schon an seiner Seite, wie auch jetzt im Margaretner "Chez Nabil". Die Familie hat für den Wahlwiener Nadif oberste Priorität. Der Familienzusammenhalt sei in Marokko durchschnittlich wichtiger als für die Menschen in Österreich. "Meine Mutter hätte mir nie, als ich 18 Jahre alt geworden bin, gesagt, ich solle ausziehen und selbstständig werden. Natürlich ist das einerseits sehr positiv, weil es die Eigenständigkeit und Unabhängigkeit eines Menschen fördert. Ich würde meinen Sohn mit 18 aber auch nicht aus dem Haus schmeißen", sagt er. Man könne ohnehin nicht vermeiden, dass die Kinder irgendwann ausziehen.
Vaterrolle
Stattdessen versuche er jetzt, die Zeit mit seinem Sohn so intensiv wie möglich zu nutzen. "Außer er weckt mich morgens um vier, um zu spielen. Dann sage ich 'nein'", schmunzelt Nadif. Auf die Frage nach seinen Freizeitaktivitäten sagt er: "Die sind im Vergleich zu früher rar geworden. Bei einem Hernalser Fußballverein habe ich im Mittelfeld gespielt - und zwar sehr gut - aber einige Meniskusverletzungen später war es damit vorbei." Als Vater möchte er das Heranwachsen seines Sohnes möglichst nah mitbekommen, weshalb kaum Zeit für Hobbys bleibt.
"Die Leute verstehen Integration falsch"
Wie definiert der leidenschaftliche Friseur für sich "Integration"? Die Kenntnis der Sprache ist für ihn das wesentlichste Element. "Viele Leute verstehen Integration falsch. Sie sind der Meinung, man müsse seinen kompletten kulturellen Background begraben. Was ich aber in meinen eigenen vier Wänden mache, geht niemanden etwas an: Ob ich arabisch spreche, marokkanisch koche oder fremdsprachige Fernsehsender sehe", betont er.
Beharrlichkeit
In Österreich - diese Erfahrung machte Nadif in der Vergangenheit nicht nur einmal - können bürokratische Hindernisse einem das Leben manchmal schwer machen. Als er den Plan gefasst hatte, einen Friseurladen in Wien zu eröffnen, wollte er sich bei der Jungunternehmerberatung informieren, welche Anträge dafür notwendig seien. "Der Herr sagte mir damals, ich sei ohne Staatsbürgerschaft nicht zur Gründung eines Geschäfts berechtigt. Schriftlich wollte man mir das aber nicht bestätigen. Das hat mich nicht überzeugt, also habe ich es einfach beim Handelsgericht Wien probiert. Dort habe ich mir für damals 180 Schilling Stempelmarken gekauft und einen Antrag für eine Geschäftsgründung ausgefüllt. Das war's.
Zur Eröffnung des Friseursalons "Chez-Nabil' stattete ihm der Herr von der Jungunternehmerberatung einen Besuch ab und entschuldigte sich mit einem Blumenstrauß.
Zwischen Staatsbürgerschaft und Visa
Das leidige Thema der Staatszugehörigkeit wollte Nadif klären, als kürzlich sein Pass auslief. Anstatt das marokkanische Dokument zu verlängern, beantragte er die österreichische Staatsbürgerschaft. "Es hieß, es würde kein Problem geben, da ich ja berufstätig bin. In fünf bis sieben Monaten sollte ich Bescheid bekommen. Das ist jetzt über ein Jahr her", klagt der Friseur. Damit verbunden ist ein administrativer wie finanzieller Aufwand, denn für seinen Sohn, obwohl er in Wien geboren ist, muss Nadif alle sechs Monate ein Visum beantragen. (Eva Zelechowski, daStandard.at, 26. August 2011)
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http://de.wikipedia.org/wiki/Leg_... t_Zohan_an
klingt ja sehr entspannt, und das man bei ämtern probleme hat wohl weniger mit den anliegen zu tun als mit den ämtern selbst, ist also kein spezielles migrantenthema.
ich hab auch jedes jahr mit irgendeinem beamten wickel, zu mir ist allerdings bisher keiner mit einem blumenstrauss gekommen :-)
gratulation jedenfalls, weiter so...
Aber leider ist Herr Nadif der einzige Migrant (aus dem Maghreb, dem Nahen Osten, dem Balkan), der sogar zuhause deutsch spricht.
Die anderen sitzen vor der Glotze und ziehen sich die vor allem türkischen TV-Programme rein.
Und viele davon wissen gar nicht, wo sie leben. Österreich? Was? Hahaha.
so ein quatsch...
erstens wie kommen sie darauf, dass alle der 220.000 türkischstämmigen menschen in ö nur türkische fernsehprogramme ansehen? zumindest die kinder und teenies schauen oft deutsche fernsehsender.
zweitens, welche fernsehsender jemand zuhause laufen hat, ist völlig irrelevant und gehört in deren privatsphäre, oder glauben sie die polnischen, tschechischen, chinesischen oder indischen zuwanderer gucken 24 stunden nur orf oder rtl?
sind sie auch einer, der bei menschen, die sich auf türkisch, serbisch, arabisch, slowakisch oder chinesisch unterhalten, annehmen, diese menschen seien automatisch auch nicht des deutschen mächtig? bisserl weniger scheuklappen-denken bitte.
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