Nachbarschaftsprojekt im 15. Bezirk

Aufwind für den Schwendermarkt

Jasmin Al-Kattib, 26. August 2011, 16:00
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    Tamara Schwarzmayr und Nadja Prauhart laden mit "Samstag in der Stadt" zu vielfältigen Events am Wiener Schwendermarkt.

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    Azar Dadgostar ist Malerin und hat ihre Ausbildung zur Kulturlotsin
    im Rahmen der Kulturhauptstadt Linz 2009 ablsolviert.

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    Mohammed Baktiar lud vor drei Wochen zu einem Koch-Workshop ein und erklärte alles über die Küche aus Bangladesch. Beim Abschlussfest am 24. September wird es seine köstlichen Speisen wieder geben.

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    Bei Kaffee, Keksen und kleinen kulinarischen Überraschungen lässt es sich besonders gut neue Leute aus der Nachbarschaft kennen lernen.

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    Beim Anpflanzen des mobilen Schwendergartens haben einige Leute aus der Nachbarschaft mitgeholfen - sie pflegen und gießen die Kräuter, Blumen und Gemüsepflanzen auch regelmäßig.

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    Frisch geernteter Salat!

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    Mitte August gab es einen Manufaktur-Markt, wo Selbstgemachtes
    feilgeboten wurde.

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    Trang Dang, die charismatische Köchin des vietnamesischen Imbiss am Schwendermarkt, fehlt den Anrainern.

Das Projekt "Samstag in der Stadt" haucht dem Schwendermarkt im 15. Wiener Bezirk mit Marktaktivitäten, Koch-Workshops und Kulturevents neues Leben ein

"Ich bin bescheiden, ich trinke immer nur Kaffee, den Wasserkaffee, sag ich immer, der ist sehr dünn, aber das macht nichts", schmunzelt Heinz, mittlerweile Stammgast bei "Samstag in der Stadt" am Schwendermarkt, und lehnt sich entspannt in einen der bunten Sommer-Liegestühle zurück. Der bereits pensionierte Wiener wohnt ums Eck und ist auch an diesem sonnig-heißen Augustnachmittag zu Besuch am Platz in der Schwendergasse.

Heinz genießt das Treiben, das hier seit einiger Zeit jede Woche stattfindet. Letztes Jahr im Herbst war er zum ersten Mal da, erzählt er, "da habe ich Tamara und Nadia kennen gelernt, viel geplaudert und von meinem Leben erzählt." Immer sind neue Leute hier, man stellt sich vor und hört spannende Geschichten von anderen Menschen, die man sonst nicht kennen gelernt hätte. Da verzeiht Heinz auch gerne den - zumindest für seinen Geschmack - wässrigen Kaffee.

Ideen für die Platzgestaltung

Der Verein "Kunst- und Kulturprojekt Samstag" besteht aus zwei engagierten jungen Frauen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, mit kulturellen Aktionen Wiens Bevölkerung zur Teilhabe an der Gestaltung des öffentlichen Raums einzuladen. Nach mehreren erfolgreichen Projekten veranstalten Tamara Schwarzmayr und Nadia Prauhart nun seit Mai 2011 regelmäßige Events für die Nachbarschaft des Schwendermarkts im 15. Wiener Gemeindebezirk. "Wir haben den Markt schon letztes Jahr an vier Samstagen bespielt", erzählt Nadia von der Startphase der Aktion nahe der äußeren Mariahilfer Straße. "Es sind dann immer mehr Leute an uns heran getreten, die Ideen hatten, wie man den Platz hier gestalten könnte."

Liegestühle und Kaffee

Aufgrund des großen Echos im Vorjahr wurde das Programm von "Samstag in der Stadt" ausgeweitet: Diesen Sommer fanden bereits Kochworkshops, gemeinsames Gärtnern oder eine mobile Werkstätte zum Zimmern selbst gemachter Möbel statt. Tamara und Nadia verbringen jede Woche abwechselnd donnerstags oder samstags hier, bieten neben Mitmachaktionen auch Hängematten und im Möbelworkshop entstandene Liegestühle zum Chillen und locken mit Kaffee, Keksen und allerlei Frischem aus dem Schwendergarten die Anrainer zu ihrem kulturellen Treffpunkt. Im Bezirk mit dem höchsten MigrantInnen-Anteil in Wien fungieren sie mit vielerlei Infomaterial auch als Anlaufstelle für alle, die sich über diverse Beratungen, Mietrechtsfragen, Kinderbetreuung, Deutschkurse oder andere Themen rund um das Leben und Wohnen in der Gegend informieren möchten.

Kulturlotsin führt durch Bezirk

Fix auf dem Programm dieses Sommers steht auch ein regelmäßiger Informationsspaziergang, der sich vor allem an Frauen mit und ohne Migrationshintergrund richtet. Der Rundgang mit Kulturlotsin Azar Dadgostar findet an diesem Nachmittag bereits zum zweiten Mal statt. "Die Rundgänge durch den 15. Bezirk sind eine Fortsetzung einer bei 'Linz 09' entstandenen Idee, Frauen mit migrantischem Hintergrund zu Kulturlotsinnen auszubilden", berichtet Tamara, die beim Programm der Kulturhauptstadt Linz 2009 für Stadtteil- und Migrationsprojekte zuständig war. "Die Frauen sollten Rundgänge im Viertel rund um die internationale, aber wenig bekannte Wiener Straße hinter dem Linzer Bahnhof gestalten - und ihre eigene Biografie mit dem Viertel verbinden."

Rundgänge offen und flexibel

Die aus dem Iran stammende Malerin Azar war eine der Frauen, die die viermonatige Ausbildung zur Kulturlotsin in Linz absolvierten. Heute informiert sie andere Frauen über Themen wie Weiterbildung, Freizeitmöglichkeiten oder Behördenfragen im 15. Bezirk. "Wenn ich alle Informationen, die ich heute an diese Frauen weitergeben kann, damals selbst gehabt hätte, hätte ich mir viel Hin-und-her-Laufen erspart", lacht die vor 11 Jahren nach Österreich emigrierte Künstlerin, während sie die TeilnehmerInnen ihres Rundgangs zuerst zur Volkshochschule, und dann weiter zur Bezirksbücherei führt. Beide Einrichtungen verfügen über ein breites, dem mehrsprachigen und interkulturellen Bezirk angepasstes Programm. Der jeweilige Ablauf von Azars Rundgängen ist sehr offen und wird den Fragen und Interessen der Teilnehmerinnen spontan und flexibel angepasst.

"Eigentlich immer hier"

Nach einer Fülle von Informationen rund um Bildungsmöglichkeiten im Bezirk wird zu Kaffee, Keksen, Oliven, Brot und frisch gepflücktem Salat aus dem eigenen Garten eingeladen. Während Raimunda, gebürtige Brasilianerin und regelmäßige Samstag-Besucherin, den Salat und die Tomaten wäscht, schneidet und zubereitet, macht es sich ihre Freundin Arlete, die heute zum ersten Mal dabei ist und wie Raimunda seit über 30 Jahren in Österreich lebt, im Schatten bequem. Auch die drei 10-jährigen Freunde Emre, Nikola und Mertcan, die fleißig im Schwendergarten mithelfen und regelmäßig die Pflanzen gießen, sind heute da. "Wir sind eigentlich immer hier, zum Radfahren und Fußballspielen", erzählt Emre, dessen Familie aus der Türkei stammt. Er selbst ist, wie seine Freunde auch, hier in Wien geboren.

Hot Dogs einmal anders

Mohammed Baktiar, der vor drei Wochen einen Workshop zur Küche aus Bangladesch veranstaltet hat, baut in diesem Sommer seinen Spinat im Schwendergarten an, nachdem sich Nachbarn über das Gemüse am Fensterbrett seiner Wohnung beschwerten. Auch heute kann er es nicht lassen, in der improvisierten Kochstelle im kleinen Markt-Lagerraum, der als Info-Point des Samstag-Projekts eingerichtet wurde, Kulinarisches vorzubereiten. Von seinen etwas anderen Hot Dogs - im Fladenbrot serviert - ist man nach dem Spaziergang und den vielen Gesprächen restlos begeistert.

Was wünschen sich die Anrainer?

Je tiefer die Sonne steht, desto mehr Leute kommen vorbei und machen es sich in der Runde beim Schwendermarkt bequem. "Wir beziehen die Bevölkerung ganz stark in unsere Projektarbeit mit ein und versuchen herauszufinden, was die Wünsche der Menschen sind, was sie gerne hier am Platz beziehungsweise am Markt hätten", sagt Nadia. Neben der Thematisierung des öffentlichen Raumes und der Miteinbeziehung der Bevölkerung ist auch die Wiederbelebung des Schwendermarkts Thema ihres Projekts. Die Geschäftslokale sind zwar fast alle besetzt, von buntem Markttreiben kann aber nicht die Rede sein.

Vietnamesischer Imbiss fehlt

Das Geschäft neben Ashraf Zayeds Gemüseladen steht leer, und genau dieses Lokal hat so viel zur Belebung des Schwendermarkts beigesteuert. Hier hat Trang Dang bis vor kurzem ihren gut besuchten vietnamesischen Imbiss betrieben (daStandard.at berichtete). Derzeit ist sie auf der Suche nach einem anderen Standort, da sie mangels eines fixen Vertrags mit ihrem Vermieter Hals über Kopf ausziehen musste. Tamara ist nicht die einzige, die Trang sehr vermisst: "Trang geht uns allen total ab. Am Tag, nachdem sie ausgezogen ist, sind die Leute bei uns Schlage gestanden und haben ständig gefragt, wo sie ist." Im letzten Sommer noch bekochte die charismatische Köchin im Rahmen von "Samstag in der Stadt" hier eine ganze Tafel an Sommergästen.

Ein einziger Marktfahrer übrig

"Es gibt nur noch einen Marktfahrer, der regelmäßig zum Schwendermarkt kommt. Das ist Johann Wötzl aus der Nähe von Mistelbach, er kommt seit 30 Jahren und hat viele Stammkunden," erklärt Tamara die praktisch nicht vorhandene Marktsituation, die auch von den Anrainern stark kritisiert wird. Alle anderen Standplätze im Freien bleiben Woche für Woche leer. Darum versuchen Tamara und Nadia die Leute aus der Gegend motivieren, wieder hierher zu kommen. 

Kontinuierliche Marktaktivität wichtig

Einige ethnische Communities sowie auch Marktleute vom Brunnenmarkt etwa wurden bereits gefragt, ob sie zusätzliche Markttage hier am Schwendermarkt abhalten möchten. Fixe Zusagen sind bisher noch ausgeblieben, im Herbst wird sich das Projektteam damit aber noch intensiv beschäftigen. "Wichtig wäre, hier wieder eine kontinuierliche Marktaktivität zu schaffen", meint Tamara, und Nadia führt fort: "Wir haben aber festgestellt, dass solche Sachen einen langsamen Prozess brauchen. Wir setzen Impulse, und wenn die Leute etwas damit machen, ist es gut. Und sie machen eigentlich immer was damit." (Jasmin Al-Kattib, 26. August 2011, daStandard.at)



Sa, 27. August 2011, 11.00 - 17.00
Möbel bauen mit Tischlerei Nasri, 11.00 - 16.00
Recycling-Workshop mit Regina Lustig, 14.00
Rundgang mit Kulturlotsin Azar Dadgostar, ab 15.00

Do, 1. September 2011, 16.00 - 21.00
Geschichtencouch mit fotoK, 16.00
Konzert mit B. Fleischmann / C. Kurzmann, 19.30

Sa, 10. September 2011, 13.00 - 20.00
Platzfest: Workshops, Essen, Musik
Der Schwendermarkt als Dependance des Reindorfgassen-Straßenfests.

Gesamtes Programm bis Ende September:
Samstag in der Stadt

 

Dhimmi
20
27.8.2011, 17:20
"sowie auch Marktleute vom Brunnenmarkt etwa wurden bereits gefragt"

"Je dreckiger desto Markt"

Wollt ihr wirklich so etwas wie den Brunnenmarkt auch haben?
Würd ich mir gut überlegen.

beliar
10
28.8.2011, 10:13

und was ist am brunnenmarkt so schlecht? dreckig? der einzige markt in wien wo man noch einkaufen kann, wenn man von fischen absieht, na gut, leutchen die mit türken, indern, pakistanis... probleme haben sind beim billa besser aufgehoben, das einzig gute am schwendermarkt ist/war ein fleischer und das türkische restaurant

suchanfrage
00
26.8.2011, 22:17

Trang Dangs Kochkünste fehlen mir auch. Der Besuch hat sich immer gelohnt, obwohl es im Winter dort schon mal recht kalt war, aufgrund fehlender Isolierung. Die hauseigene Bhut Jolokia Sauce hat das aber wieder zufriedenstellend ausgeglichen. Ich würde es begrüßen, wenn hier die neue Anschrift gepostet werden würde.

Wolfi Krawattl
00
27.12.2011, 06:05
Neue Anschrift

Neustiftgasse 50
1050Wien
bereits geöffnet

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