Prince George’s County

Reich, aber ohne schicke Bio-Läden

Willi Kozanek, 2. September 2011, 09:00
  • Artikelbild
    foto: privat

    Der stolze Bezirkshauptmann Rushern Baker (erste Reihe, 2.v.l.) beim Joggen mit dem Prince George's County Police Department.

  • Artikelbild
    foto: privat

    "Es ist schon seltsam, dass wir in unserem Bezirk keine Apple-Filiale, keinen Nordstrom oder Wholefoods haben", beklagt Rushern Baker.

Prince George’s County ist der reichste amerikanische Bezirk mit afroamerikanischer Mehrheitsbevölkerung. Der Bezirkshauptmann beklagt aber Ausbleiben weißer Amerikaner

"Es ist schon seltsam, dass wir in unserem Bezirk keine Apple-Filiale, keinen Nordstrom oder Wholefoods haben." Rushern Baker, Bezirkshauptmann von Prince George's County, lächelt, während er über das Ausbleiben der typischen hochpreisigen Supermärkte rätselt.

Baker spricht vorsichtig, er will nichts Kontroverses sagen. Dass aber zum Beispiel die Lebensmittelkette Wholefoods keine Filiale in seinem Bezirk hat, ärgert ihn. Über die Gründe des Ausbleibens will er aber nicht mutmaßen. Wholefoods ist bekannt als eine Lebensmittelkette, die sich an Konsumenten richtet, die biologisch angebaute und fair gehandelte Lebensmittel bevorzugen. Womöglich sieht Wholefoods dieses Klientel in Prince George's County einfach nicht vorhanden.

Afroamerikanische Mehrheitsbevölkerung

Dabei gehört Prince George's County zu den reichsten hundert Bezirken in den Vereinigten Staaten. Mehr als ein Drittel der Haushalte in Prince George's County verfügt über ein Haushaltseinkommen von mehr als 100.000 Dollar, gut ein Drittel der Einwohner haben zumindest einen Bachelor-Abschluss. Und während Washington DC in den letzten sechzig Jahren 200.000 Einwohner verlor, gewinnt Prince George's County jedes Jahr an Bevölkerung. Rushern Baker ist "verdammt stolz darauf, der Hauptmann des reichsten Bezirkes mit afroamerikanischer Mehrheitsbevölkerung der USA zu sein." Er meint, dass die Politiker von Prince George'es County es in den nächsten Jahren hinbekommen werden auch Geschäfte in seinen Bezirk zu holen, die traditionell eine wohlhabende, weiße Bevölkerung ansprechen.

"White Flight" trotz hohem Einkommen

Prince George's County sei der der erste Bezirk, dessen Mehrheitsbevölkerung von weißen zu schwarzen Amerikanern wechselte und dessen Einkommen daraufhin gestiegen ist, erzählt Baker stolz. Als die "white flight" in Prince George's County bereits Alltag war, zog Baker mit seiner Frau und seinem Sohn in den Bezirk in Maryland. Zu dieser Zeit waren 60 Prozent der Einwohner Weiße, heute sind zwei Drittel der Bewohner Afroamerikaner. Warum dieser Bevölkerungswechsel passierte, weiß Baker nicht zu erklären, er spricht lieber über die Bedeutung von Bildung. Der Zugang zu dieser ist seiner Meinung nach auch verantwortlich dafür, dass Familien aus den großen Ostküstenstädten nach Prince George's County zogen. "Als mein Sohn schulpflichtig wurde, wollte ich ihm die beste Bildung ermöglichen. Und die gab es nicht in Washington DC, sondern in Prince George's County.", meint Baker. Der Politiker will, dass die Schulen in seinem Bezirk multikultureller werden. Zurzeit sind drei Viertel der Schüler afroamerikanisch, nur fünf Prozent sind Kinder weißer Amerikaner.

Baker hat sich zur Aufgabe gemacht die zunehmende Segregation im Nordosten der USA in seinem Bezirk aufhalten, er wünscht sich, dass auch junge, weiße Familien nach Prince George's County ziehen. Der 52-Jährige betont, dass das in den letzten Jahren auch geschehen ist, obwohl die Zahlen gegen ihn sprechen - seit 2000 ging die Zahl der weißen Einwohner um knapp die Hälfte zurück.

Hohe Mordrate

Vielleicht sind die ausbleibenden hochpreisigen Supermärkte und Elektroläden aber nicht das größte Problem des Bezirks. In Prince George's County und Baltimore City passierten in den letzen 20 Jahen 75 Prozent aller Morde, die im Staat Maryland verübt wurden. In den letzten zwei Jahrzehnt verzeichnete der Bezirkt eine stetig wachsende Mordrate. In den Jahren 2000 bis 2005 stieg die Rate um über 23 Prozent.* Allein im Januar dieses Jahres gab es im Bezirk sechzehn Morde. Rushern Baker räumt ein, dass es in seinem Bezirk auch sogenannte Problemviertel gibt. Das Problem liege aber nicht in Prince George's County, sondern sei ein "bezirksübergreifendes us-amerikanisches Dilemma".

p1234
02

Presidential elections results 2008:
Republican: 10.3% 34,246
Democratic: 89.1% 297,654

Ich glaub ich zieh jetzt auch nach Prince George's County!

Sie sind doch der Rührer!
10

SO, damit man auch mal weiß, wo dieses Conty im Detail liegt:

http://en.wikipedia.org/wiki/Prin... ,_Maryland

porteño1
01

Der Aufwand wär doch nicht nötig gewesen. Schon in der Mitte des Artikels erwähnt der Schreiberling, daß von Maryland die Rede ist, sodaß auch ein Ungebildeter wie ich ahnt, wo das county liegt :-)

daStandard.at live
51
Lieber Leser,

Sie wissen aber schon, dass "Schreiberling" eine abwertende und beleidigende Bezeichnung ist?!

Versöhnliche Grüße vom daStandard.at-Team

Gnowl
 
11
"Schreiberling" klingt doch eher salopp bis leger

"Pamphletist" oder "Schmierblattkalligraph" oder "Sudelpropagandist"... Das hätte Kraft und Sülze!?!
;-)

porteño1
11

Ich stehe nicht an, den "Schreiberling" zurückzunehmen (war nicht böse gemeint, immerhin ist Der Standard mein Leibblatt). Inhaltlich haben der Rührer und ich aber nicht ganz unrecht, oder!?

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.