Im Portrait

"USA sind großartigstes Land der Welt"

Willi Kozanek, 9. September 2011, 18:00
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    foto: willi kozanek

    "Die USA sind vergleichsweise ein sehr junges Land. Und doch so fortgeschritten und tolerant", meint Abdullah.

Wieso der saudische Student Abdullah seine Wahlheimat nie wieder verlassen möchte

Von seiner Überzeugung, dass die USA das beste Land der Welt sind, lässt sich Abdullah* nicht abbringen. "Die USA sind vergleichsweise ein sehr junges Land. Und doch so fortgeschritten und tolerant. Ich habe nirgends so wenig Rassismus erlebt wie in Nordamerika." Der gebürtige Saudi sagt bewusst "Nordamerika", weil es Kanada war, wo sich seine Ansichten radikal gewandelt haben. Abdullah wurde in Toronto zum Atheisten, nachdem er dort mit Menschen, die ihre Wurzeln in allen Teilen der Welt hatten, gefeiert und gelebt hatte. "Die Atmosphäre war so locker dort, so offen. Ich habe mich zum ersten Mal in meinem Leben frei gefühlt und dieses Gefühl werde ich nicht mehr aufgeben."

Bewusst Wurzeln und Kultur aufgegeben

Abdullah war als Jugendlicher fasziniert von der amerikanischen Popkultur. Er hörte amerikanische Musik, sah amerikanische Filme, las amerikanische Bücher. Gemeinsam mit ein paar Freunden wurde er immer mehr zum Außenseiter in der konservativen saudiarabischen Kultur. Wenn Abdullah gefragt wird, ob er nicht seine saudiarabischen Wurzeln, seine Kultur verloren hat, dann entgegnet er, dass er Kultur und Wurzeln bewusst aufgegeben hat. Er meint, dass dies bereits in Saudi Arabien geschehen sei, nicht erst in den Staaten. Der Mittzwanziger schuf sich gewissermaßen eine neue Identität. Keiner seiner Freunde redet ihn mit seinem vollen Vornamen an, meist wird eine kurze, englische Form gewählt.

09/11 Ausschlaggeber für Auswanderung

Die Entscheidung nicht in Saudi Arabien bleiben zu wollen und in die USA auszuwandern traf Abdullah schon sehr früh. Nach den Anschlägen von 9/11 war für ihn vieles nicht mehr so wie früher. "In meiner Schule feierten viele Mitschüler die Anschläge. Ich dachte, dass es zumindest sehr eigenartig ist, sich über den Tod vieler unschuldiger Menschen zu freuen. Die Regierung in Saudi Arabien ist heute offener und progressiver als die Einwohner des Landes. Nach 09/11 war die Regierung schockiert, dass fünfzehn der neunzehn Attentäter Staatsbürger ihres Landes waren", schildert der Student.

Ultrakonservative Wahhabiten, ultrakonservative Amerikaner

Manchmal denkt Abdullah daran wie es wäre Kinder zu haben: "Ich würde nicht wollen, dass meine Kinder in eine saudische Schule gehen. Mir wurde dort erklärt, dass Darwin ein Verrückter ist und dass Blumen deshalb so schön sind, weil Allah sie erschaffen hat." Abdullah hofft aber auf eine starke junge Generation in Saudi Arabien, die sich gegen die verkrusteten Traditionen und den ultrakonservativen und dogmatischen wahhabitischen Islam auflehnt. Dieselben Hoffnungen hegt er auch für die junge Generation von arabischen Muslimen in den USA. "Manchmal spreche ich mit arabischen Taxifahrern hier. Wenn ich sie frage, wie ich hier eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung bekommen könnte, dann fragen sie mich, warum ich denn überhaupt in den USA leben will. Sie meinen, dass sie sofort wegziehen würden, wenn sie genügend Geld hätten." Abdullah glaubt aber nicht, dass sie die Vereinigten Staaten tatsächlich verlassen würden. "Sie genießen die Freiheit, die sie hier in den USA haben. In ihren Heimatländern könnten sie vieles, was für sie hier selbstverständlich ist, nicht leben."

Der Wahl-Amerikaner äußert aber auch Bedenken über die Zukunft der jungen muslimisch-arabischen Amerikaner. Er meint, dass es für viele sehr schwer sein muss, wenn sie einerseits in einem wertekonservativen Haushalt leben und ihnen gleichzeitig in der Schule beigebracht wird, dass zum Beispiel Homosexualität etwas Normales ist. "Es gibt viele liberale arabische Muslime in den USA und es gibt sehr viele ultrakonservative Amerikaner. Aber es ist für mich persönlich traurig auf den Straßen eines arabisch geprägten Stadtviertels in Queens, New York, zu spazieren und zu bemerken wie wenige Frauen plötzlich zu sehen sind.", meint Abdullah.

Kein "amerikanischer Held" in Saudi Arabien

Nach Saudi Arabien zurückzukehren und an der von ihm gewünschten Werteliberalisierung mitzuhelfen wird Abdullah jedoch nicht - "dafür bin ich zu egoistisch, ich will in den USA sein, mich nicht in Saudi Arabien als ein westlicher Held aufspielen." Dafür will er in seiner neuen Heimat mitanpacken, damit die USA das bleiben wofür sie standen und stehen: Ein offenes und tolerantes Land, wie Abdullah glaubt. "Es gibt dieser Tage aber eine Menge weißer, konservativer Männer und Frauen, die meinen, dass Darwin ein Verrückter war und die Offenheit und Toleranz Amerikas zu zerstören versuchen." (Willi Kozanek, 9. September 2011, daStandard.at)

* Name von der Redaktion geändert. Abdullah wollte seinen echten Namen nicht veröffentlichen, da dies seinen Worten nach "Probleme nach sich ziehen könnte".

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 36
1 2
josefa maier449
00
12.10.2011, 17:39
Ich habe schon 2x 2 Jahre in den USA gelebt.

Ich finde Österreich auch sehr lebenswert, ich bin hier verheiratet.
Aber ich finde auch, dass Amerika, wie ich es erlebt habe, dass großartigste Land ist. Gerne würde ich dort leben. Vielleicht schaffe ich es wirklich hinüberzugehen und zu bleiben.

Sanatorium "San Voibeinand"
40
23.9.2011, 21:17
"USA sind großartigstes Land der Welt"

Ahahahahahahahahaa. Sorry... Wahahahahahahaha.

Timagoras
 
13
14.9.2011, 13:21

für viele hier ist er sicher ein abtrünniger und "verräter" (und sowieso von der CIA bezahlt).
weil das KANN's ja gar nicht geben, dass sich der "dort" wohlfühlt ... ;o)

Der Waehlerwille
 
14
11.9.2011, 15:51
"IIn meiner Schule feierten viele Mitschüler die Anschläge."

Für all jene die behaupteten in islamischen Staaten hätte es keine Begeisterungsstürme zu den Anschlägen gegeben ...

Deserteur
32
10.9.2011, 23:21
...so fortgeschritten und tolerant?

Das glauben aber wirklich nur die US-Bürger, die nie in Europa waren!
In US-Schulen wird den Schülern vermittelt, dass die USA das modernste und fortschrittlichste Land der Welt sind und alle anderen, auch in Europa, unterentwickelte Gebiete wären.
Kommen die dann später einmal als Touristen nach Europa, wundern sie sich, welch "hochentwickelten und kultivierten Eindruck" die europäischen Städte machen!

CinnamonGirl
00
14.10.2011, 13:01

was denwissenschaftsstand betrifft, stimmt es daß die usa europa weit voraus sind..

8 Millionen Lebensmenschen
11
14.9.2011, 19:22

"Kommen die dann später einmal als Touristen nach Europa, wundern sie sich, welch "hochentwickelten und kultivierten Eindruck" die europäischen Städte machen!"

In Wien sicher nicht.

Auch Briefträger brauchen Liebe..
03
11.9.2011, 18:05

Das glaubt ein Eu Bürger

christoph hofbaur
611
11.9.2011, 03:34

Das glauben aber wirklich nur die EU-Bürger! Im Rest der Welt wird Europa bezeichnenderweise mittlerweile als "lebendiges Museum" angesehen, bis 1914 war Wien noch eine der Hegemonien der westlichen Zivilisation, europaische Staedte waren einmal Hochburgen technologischen Fortschrittes und Kultur.
Mittlerweile ist Infrastruktur in asiatischen Grosstaedten meist besser ausgebaut als in Europa.

Amerika ist stark anpassungsfaehig, und gesellschaftlich toleranter als Europa. Dort kann ein Migratenkind Praesident werden, in Europa undenkbar. Da gibt's noch immer unueberwindbare Barrieren, und man ist vorallem stolz darauf, wie toll doch alles einmal war.

Nick Tameer
01
30.1.2012, 06:30

So? In Deutschland wäre das z.B. durchaus denkbar und in Frankreich ist es sogar der Fall. Obama ist übrigens gar kein "Emigrantenkind", sondern hat bloß einen afrikanischen Vater, der sich zum Studium in den USA aufgehalten hat.

christoph hofbaur
00
30.1.2012, 11:04

der obama ist ein kind eines nicht-weissen-nicht-staatsbuerger, grund genug in europaeischen laendern von einer mehrheit der bevoelkerung nicht als staatsoberhaupt gewaehlt zu werden.

frankreich ist ein gutes beispiel, araber werden nicht integriert, als menschen zweiter kategorie behandelt, die man in vorstadtghettos zusammenpfercht und denen man keinerlei bis wenig aufstiegschancen zugesteht. dauert noch einige generationen bis da ein noch so kompetenter araber zum praesidenten gewaehlt werden wuerde. die "le pens" haben ja schon ein problem damit, dass sie fuer die grande nation fussballweltmeister werden..

Hackbrett Schorsch
01
17.12.2011, 20:32

Geh bitte! Klar gibt es Städte in Asien, welche an Europa in Sachen Infrastruktur drankommen, aber auf einem vergleichbaren Level sind's dorten noch lange nicht.

Brauchst dir nur mal diverse Lebensqualität Studien ansehen, wo so Sachen wie Infrastruktur auch enthalten, dann weißt wo deine Asiaten sind.

Übrigens kann ein Migrant in den USA gar nicht Präsident werden und über Elektrozäune redet in Europa auch keiner.

Der Kluge
00
9.10.2011, 02:06

Wir haben uns halt in 2 Weltkriegen zerstört und danach unseren Willen verloren.

Deserteur
31
12.9.2011, 03:34
Der Dreck auf der Straße, die Slums, die Kriminalität und die sichtbare Armut in vielen Metropolen, sowohl in Asien als auch in Amerika, sprechen da eine deutlichere Sprache, als irgendwelche technischen Superlativen!

CinnamonGirl
01
14.10.2011, 13:03

fahren sie einmal nach marseille..teile davon werden ihnen wie nord-afrikanische slums vorkommen..

Timagoras
 
04
14.9.2011, 13:16
"Der Dreck auf der Straße, die Slums, die Kriminalität und die sichtbare Armut in vielen Metropolen"

.
schon mal in süditalienischen metropolen gewesen?

bei allen vorteilen, die es in Europa gibt, aber dieser eurozentrismus bzw. diese europäische überheblichkeit ist wirklich nicht immer angebracht.

Sanatorium "San Voibeinand"
11
23.9.2011, 21:30
auch in Österreich gibt es Dreck auf der Straße, hin und wieder aber ziemlich übersichtlich und in Blau gehalten

Amota
11
11.9.2011, 12:18

Europa ist immer noch eine Hochburg technologischen Fortschritts und Kultur....
Infrastrukturtechnisch ist Europa auch besser ausgebaut als die USA und als die meisten asiatischen Grossstädte ebenfalls (sieht man mal von irgendwelchen prestigeprojekten ab).

Auch Briefträger brauchen Liebe..
01
11.9.2011, 18:07

wenn man intelligent ist, höt man mit solch abwegigen Vergleichen auf. Amerika ist in Europa und Europa in Amerika. Und keiner kanns bestreiten

Amota
11
11.9.2011, 19:00

Wieso sollte man aufhören ?
Die Vergleiche sind doch durchaus interessant, wies mit der Infrastruktur usw. aussieht.
Die in Amerika ist nämlich zu einem guten Teil wirklich Steinzeit (besonders die Stromnetze)

Auch Briefträger brauchen Liebe..
02
12.9.2011, 15:27

nein, bloß nicht aufhören, weitermachen!
Von Infrastruktur versteht Du ganz sicher nichts.
es gibt keine zugrundeliegenden Quellen die diese horrenden Theorien unterstützen würden..
Falls Du die Stromnetze aufführst, ist das rubbish.
Ich würde umgekehrt schließen, nicht alles muß schlechter sein in Europa!

Schemieschenie
01
11.9.2011, 11:39
Naja

bei uns kannst als Migrantenkind immerhin noch fußballer werden !

Araquin
36
11.9.2011, 10:16
Ich kenne aber keine lebenswerte asiatische Großstadt.

Sie denn?

Außerdem vergleichen Sie einen dünn besiedelten Siedlerstaat wie die USA, die sich zuerst einmal der Urbevölkerung brutalst entledigt haben und bis heute dem Sozialdarwinismus huldigen, mit dem EINZIGEN Kontinent der Welt, in dem auch Arbeitende Rechte haben und nicht nach Belieben ausgebeutet werden können.

Es gibt sehr vieles, was Sie offenbar nicht wissen. Sie sollten sich einmal ein bisserl bilden.

Rationalpazifist
11
18.12.2011, 14:38
Arbeiter(innen) werden auch in Europa gnadenlos ausgebeutet.

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