Design

Nachhaltige Mode aus Favoriten

Olivera Stajić, 13. September 2011, 09:00
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    foto: ana paula franco

    Zusammen mit dem Modedesigner Fabio Gurjao probieren die Teilnehmerinnen des Projektes unterschiedliche Textildruckverfahren aus.

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    Nadeera Perera hat ihre alten Fähigkeiten - und zur eigenen Verwunderung - auch die Begeisterung an der kreativen Arbeit entdeckt.

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    Derzeit erproben sich die Projektteilnehmerinnen an Stofftaschen. "Wir haben mehr Aufträge als wir derzeit schaffen können", erzählt Luisa Lobo (rechts im Bild).

Ein Sozialprojekt soll Migrantinnen fixe Arbeitsplätze in der Modebranche beschaffen

In den Räumen des Projekthauses Planet 10 in Wien, die das Projekt Made IN - Made BY kostenlos nutzen darf, geht es geschäftig zu. Ausnahmsweise stehen in der Pernerstorfergasse in Favoriten die Nähmaschinen still. Zusammen mit dem Modedesigner Fabio Gurjao probieren die Teilnehmerinnen des Projektes unterschiedliche Textildruckverfahren aus. Die Mitbegründerin und Initiatorin des Projektes Luisa Lobo ist es gelungen den erfolgreichen brasilianischen Designer, der derzeit Artist in Residence des quartier21 ist, für einen Workshop zu gewinnen. Die Zusammenarbeit mit Gurjao ist nur ein Workshop in einer Reihe von Kursen, die den Frauen unterschiedliche Fähigkeiten vermitteln sollen.

Keine Nähschule

Parallel dazu kann das Projekt bereits kleinere Auftragsarbeiten, wie zum Beispiel T-Shirts für ein Kinder-Tanzprojekt, annehmen. "Wir wollen in Zukunft unbedingt größere Auftragsarbeiten für Designer und Unternehmen annehmen und so fixe Arbeitsplätze schaffen", erklärt Lobo. "Wir wollen aber keinesfalls eine Nähschule sein", betont sie. Die Projekteinehmerinnen sind alle samt Migrantinnen, die bereits grundlegende Nähkenntnisse haben.

Diese Kapital, das sie entweder privat oder durch Ausbildung in ihren Herkunftsland oder durch praktische Erfahrungen erworben haben, sollen sie mit Hilfe von made IN - made BY erweitern. Eset Motschijeva erzählt, dass sie in ihrer Jugend sehr viel genäht hat, allerdings alles mit der Hand. Ihre Stiefmutter hat als Näherin Geld verdient und sie hat ihr mitgeholfen, erzählt die gebürtige Tschetschenin. Sie durfte nur Kanten vernähen und deswegen hat sie sich gefreut, dass sie in einem Volkshochschulkurs "richtiges" Nähen gelernt hat. "Trachtenblusen mache und trage ich am liebsten, obwohl sie vielleicht gar nicht mehr zu meiner Figur passen", witzelt Eset.

Kreativität und ein eigens Label

Auch Nadeera Perera hat bereits in ihrer frühen Jugend nähen gelernt, zusammen mit ihrer Mutter und ihrer Schwester. Richtig gerne hat sie die aber Arbeit nie gemacht, sagt sie und ihr Wissen mit den Jahren "verdrängt". "Wenn man Kleidung billig kaufen kann, ist es ja auch nicht mehr notwendig", erzählt die aus Siri Lanka eingewanderte Nadeera. In Österreich sei sie durch kleine Reparaturarbeiten wieder zum Nähen gekommen, sie hat ihre alten Fähigkeiten - und zur eigenen Verwunderung - auch die Begeisterung an der kreativen Arbeit entdeckt.

Kreativität soll auch im Mittelpunkt der made IN - made BY-Projekte stehen, betont die Koordinatorin Luisa Lobo. Die Frauen sollen dazu befähigt werden eigene Designs zu entwickeln. Derzeit erproben sie sich an Stofftaschen, die Unternehmen mittlerweile gerne für ihre Evants und Give Aways verwenden. Das große Ziel des Projektes ist aber ein eigenes Label. Neben der sozialen Komponente soll dann hier auch die zweite Säule des Projektes - die ökölogische Nachhaltigkeit - zum Tragen kommen. "Bei Auftragsarbeiten können wir unseren Anspruch rein biologische Stoffe zu verwenden, nicht immer durchsetzen. Für das eigene Modelabel wollen wird das aber unbedingt."

Social Impact Award

In Österreich suchen Unternehmen und kleine Designer zunehmen Kooperationspartner, die auf ökologische Stoffe setzen und sich sozial engagieren. Diese Prinzipien standen auch bei der Projektgründung vor zwei Jahren für die Initiatorinnen Cornelia Stocker, Laura Ebenberger, Luisa Lobo und Ana Paula Franco an erster Stelle. Faire Arbeitsbedingungen und die Nutzung lokaler Ressourcen schaffen sowohl ökonomische als auch ökologische Nachhaltigkeit, betonen die Projektinitiatorinnen. Mit ihrer Projektidee für das soziale Unternehmen made IN - made BY haben sie den Social Impact Award 2010 gewonnen. Das Preisgeld wurde zum Teil für die Beschaffung der Nähmaschine verwendet - einige Geräte kamen aber auch von Verein Ute Bock.

"Nun müssen wir schauen, dass wir Geld verdienen und den Frauen Arbeitsplätze sicher. Aber ich bin optimistisch den schon in diesem Jahr haben wir mehr Aufträge als wir schaffen können. Im nächsten Jahr starten wir richtig durch", sagt Luisa Lobo. (Olivera Stajić, daStandard.at, 13. 9. 2011)

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