Blaise Batatabos Wille in Österreich anzukommen ist bemerkenswert, allerdings vermisst er oft Akzeptanz und Begegnungen auf Augenhöhe
Blaise Batatabos Biographie war schon seit seiner Jugend an von Fußball und Sport geprägt. Als 15-jähriger verschaffte ihm sein "Drang zum Tor" einen Spielervertrag bei Ntambwe Layer, einem der wichtigsten Trainerpersönlichkeiten der kongolesischen Bundesliga. Durch die guten Verbindungen des Trainers konnte er nacheinander bei verschiedenen Bundesliga-Vereinen Spielpraxis sammeln und finanziell auf eigenen Beinen stehen.
Mobutus Unterdrückung
Seine Selbstständigkeit konnte ihm die Lage im Kongo erleichtern, wenngleich die Herrschaft des regierenden Diktators Mobutu tiefe Spannungen und Unterschiede in der Gesellschaft hinterließ. Die Mehrheit der gut 70 Millionen Kongolesen mussten Engpässe in der Versorgung und Infrastruktur hinnehmen. Der zunehmende politische Druck und die schlechten Lebensverhältnisse bringen auch Blaise Batatabo dazu, das Land im Jahr 1995 zu verlassen, um zu seinem Bruder nach Österreich zu gelangen.
Schwere Jahre
Seine ersten Erfahrungen in Österreich waren belastend: "Ich war wie in einem Loch, du musst sitzen und abwarten. Man darf nicht arbeiten, kein eigenes Geld verdienen". Zuerst lebte er in einer Kirche in der Nähe von Linz, danach in einem Heim für Asylsuchende. In den ersten Jahren als Hilfskraft, in den Lagerhallen der Industriestadt Linz, wurde ihm klar das er seine Situation ändern muss: "Mir wurde bewusst, dass ich nicht für ewig als Lager-Arbeiter mein Geld verdienen möchte, ich wollte mich weiterbilden." Er belebt seine alte Leidenschaft Fußball, geht zu örtlichen Vereinen, spielt regelmäßig, wird sogar Torschützenkönig der Saison. Den Druck im Alltag schießt er sich durch Sport aus dem Leib.An der Johannes Kepler Universität in Linz belegt er Informatik und, nebenbei gibt er Nachhilfeunterricht.
Einsatz für junge Flüchtlinge
Seit 2006 setzt sich der studierte Informatiker, der auch einen Lehrgang für "interkulturelle Kompetenz" abgeschlossen hat, für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge ein. Dazu zählen junge Menschen, die allein und meist schwer traumatisiert aus Krisenregionen nach Österreich kommen. Durch seine Nähe zu sozialen Vereinen fand er als Jugendbetreuer bei der österreichischen Volkshilfe eine Tätigkeit, die ihm Freude bereitet, da er wieder mit Kindern- und Jugendlichen arbeiten kann.
Die falschen Bücher
Über die Zusammenarbeit mit dem Georg von Peuerbach Gymnasium spricht Blaise besonders gerne, an dieser Schule gestaltete er ein „Integrations-Projekt", gewann den „Stadt der Kulturen Preis 2009". Gleichzeitig betont er auch Probleme an den Schulen: "Es gibt einen massiven Nachholbedarf zum Thema Integration, besonders aber im schulischen Bereich - dort liest man die falschen Bücher." Der Jugendbetreuer schildert, dass in den österreichischen Schulbüchern, so genannte Migranten nicht thematisiert werden. „Ein Gefühl für andere Menschen", zu entwickeln sei dadurch abhanden gekommen, die späteren Erwachsenen würden sich zwangsläufig in Richtung Alltagsrassismus bewegen.
Fremdenfeindlichkeit im Alltag
Diesen Alltagsrassismus hat er oft genug am eigenen Leib erfahren: "Es kommt auch vor, dass sich Leute im Bus nicht neben mich setzen" Er schildert gelassen, wie er damit umgeht: "Wenn man sensibel ist, kann man sich fast jede Stunde ärgern." Nach der Zeit ist seine Haut dicker geworden: "Vor zehn Jahren hätte ich meine Koffer gepackt und wäre nach London geflogen." Mittlerweile ist Blaise 15 Jahre in Österreich und konnte sich "empor schuften", Diskriminierung lässt er nicht lange auf sich sitzen, schließlich kann er sich verbal wehren, wie er betont.
Die alte Truppe
Durch die Repression im Kongo haben viele seiner alten Schulkollegen das Land verlassen - manche von Ihnen in Richtung USA und Kanada. Mit den Kameraden von Einst hält er ab und zu Kontakt. Das wichtigste Thema unter den Freunden ist die berufliche Entwicklung und der gesellschaftliche Aufstieg: "Ich bekomme Anrufe aus Kanada und den USA und ich merke, dass mir meine Freunde voraus sind. Sie hatten andere Möglichkeiten, konnten sich freier entwickeln." Zum Thema Integration ist er skeptisch: "Migranten werden dann als integriert angesehen, wenn sie Teil einer wirtschaftlichen Entwicklung sind, als Individuum werden sie aber nicht akzeptiert." Für Batatabo ist Integration dann erreicht, wenn das Thema aus der politischen Agenda verschwindet.
Worthülse "Miteinander"?
Seit zwei Jahren ist der fußballbegeisterte Linzer auch Schiedsrichter und leitet regelmäßig Begegnungen von Jugendmannschaften aus Oberösterreich. Es bereitet ihm Freude auf dem grünen Rasen zu stehen, gleichzeitig muss er ernüchternd feststellen, dass das vielbesagte Miteinander manchmal eine leere Worthülse ist: "Manche Menschen haben extreme Vorurteile, sind rassistisch und äußern sich ordinär".
Viele Bekannte, die seine Spiele verfolgen können nicht verstehen, warum er sich diese verbalen Übergriffe noch antut. Die Liebe zum Fußball ist stärker als eine Handvoll Zwischenrufe, beteuert er. Außerdem kann er durch seine interkulturelle Kompetenz helfen und ist für viele junge Spieler eine respektierte Autorität am Sportplatz. Laut eigenen Angaben, ist der 40-jährige, der erste farbige Nachwuchsschiedsrichter in Österreich.
Die Mentalität muss sich ändern
Das scheinbar simple Allheilmittel für "gelungene Integration", dass seitens von vielen Experten proklamiert wird und sich im wesentlichen auf raschen Spracherwerb, Bildung und Zugang zum Arbeitsmarkt stützt - greift zu kurz. Viele Situationen aus Blaise Batatabos Alltag zeigen, dass auch bei vollständiger "Anpassungsbereitschaft", Akzeptanz und Begegnung auf Augenhöhe seitens der Mehrheitsgesellschaft nicht unbedingt zu erwarten sind. (Toumaj Khakpour, 24.09.2011, dastandard.at)