"Man darf nicht zu sensibel sein"

Toumaj Khakpour, 23. September 2011, 17:00
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    Alltagsrassismus: "Wenn man sensibel ist, kann man sich fast jede Stunde ärgern."

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    Blaise (links unten) mit seinen Geschwistern in Kinshasa

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    Abschlussklasse von 1993, Blaise Batatabo steht ganz rechts.

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    Eine respektierte Autorität am Sportplatz

Blaise Batatabos Wille in Österreich anzukommen ist bemerkenswert, allerdings vermisst er oft Akzeptanz und Begegnungen auf Augenhöhe

Blaise Batatabos Biographie war schon seit seiner Jugend an von Fußball und Sport geprägt. Als 15-jähriger verschaffte ihm sein "Drang zum Tor" einen Spielervertrag bei Ntambwe Layer, einem der wichtigsten Trainerpersönlichkeiten der kongolesischen Bundesliga. Durch die guten Verbindungen des Trainers konnte er nacheinander bei verschiedenen Bundesliga-Vereinen Spielpraxis sammeln und finanziell auf eigenen Beinen stehen.

Mobutus Unterdrückung

Seine Selbstständigkeit konnte ihm die Lage im Kongo erleichtern, wenngleich die Herrschaft des regierenden Diktators Mobutu tiefe Spannungen und Unterschiede in der Gesellschaft hinterließ. Die Mehrheit der gut 70 Millionen Kongolesen mussten Engpässe in der Versorgung und Infrastruktur hinnehmen. Der zunehmende politische Druck und die schlechten Lebensverhältnisse bringen auch Blaise Batatabo dazu, das Land im Jahr 1995 zu verlassen, um zu seinem Bruder nach Österreich zu gelangen.

Schwere Jahre

Seine ersten Erfahrungen in Österreich waren belastend: "Ich war wie in einem Loch, du musst sitzen und abwarten. Man darf nicht arbeiten, kein eigenes Geld verdienen". Zuerst lebte er in einer Kirche in der Nähe von Linz, danach in einem Heim für Asylsuchende. In den ersten Jahren als Hilfskraft, in den Lagerhallen der Industriestadt Linz, wurde ihm klar das er seine Situation ändern muss: "Mir wurde bewusst, dass ich nicht für ewig als Lager-Arbeiter mein Geld verdienen möchte, ich wollte mich weiterbilden." Er belebt seine alte Leidenschaft Fußball, geht zu örtlichen Vereinen, spielt regelmäßig, wird sogar Torschützenkönig der Saison. Den Druck im Alltag schießt er sich durch Sport aus dem Leib.An der Johannes Kepler Universität in Linz belegt er Informatik und, nebenbei gibt er Nachhilfeunterricht.

Einsatz für junge Flüchtlinge

Seit 2006 setzt sich der studierte Informatiker, der auch einen Lehrgang für "interkulturelle Kompetenz" abgeschlossen hat, für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge ein. Dazu zählen junge Menschen, die allein und meist schwer traumatisiert aus Krisenregionen nach Österreich kommen. Durch seine Nähe zu sozialen Vereinen fand er als Jugendbetreuer bei der österreichischen Volkshilfe eine Tätigkeit, die ihm Freude bereitet, da er wieder mit Kindern- und Jugendlichen arbeiten kann.

Die falschen Bücher

Über die Zusammenarbeit mit dem Georg von Peuerbach Gymnasium spricht Blaise besonders gerne, an dieser Schule gestaltete er ein „Integrations-Projekt", gewann den „Stadt der Kulturen Preis 2009". Gleichzeitig betont er auch Probleme an den Schulen: "Es gibt einen massiven Nachholbedarf zum Thema Integration, besonders aber im schulischen Bereich - dort liest man die falschen Bücher." Der Jugendbetreuer schildert, dass in den österreichischen Schulbüchern, so genannte Migranten nicht thematisiert werden. „Ein Gefühl für andere Menschen", zu entwickeln sei dadurch abhanden gekommen, die späteren Erwachsenen würden sich zwangsläufig in Richtung Alltagsrassismus bewegen.

Fremdenfeindlichkeit im Alltag

Diesen Alltagsrassismus hat er oft genug am eigenen Leib erfahren: "Es kommt auch vor, dass sich Leute im Bus nicht neben mich setzen" Er schildert gelassen, wie er damit umgeht: "Wenn man sensibel ist, kann man sich fast jede Stunde ärgern." Nach der Zeit ist seine Haut dicker geworden: "Vor zehn Jahren hätte ich meine Koffer gepackt und wäre nach London geflogen." Mittlerweile ist Blaise 15 Jahre in Österreich und konnte sich "empor schuften", Diskriminierung lässt er nicht lange auf sich sitzen, schließlich kann er sich verbal wehren, wie er betont.

Die alte Truppe

Durch die Repression im Kongo haben viele seiner alten Schulkollegen das Land verlassen - manche von Ihnen in Richtung USA und Kanada. Mit den Kameraden von Einst hält er ab und zu Kontakt. Das wichtigste Thema unter den Freunden ist die berufliche Entwicklung und der gesellschaftliche Aufstieg: "Ich bekomme Anrufe aus Kanada und den USA und ich merke, dass mir meine Freunde voraus sind. Sie hatten andere Möglichkeiten, konnten sich freier entwickeln." Zum Thema Integration ist er skeptisch: "Migranten werden dann als integriert angesehen, wenn sie Teil einer wirtschaftlichen Entwicklung sind, als Individuum werden sie aber nicht akzeptiert." Für Batatabo ist Integration dann erreicht, wenn das Thema aus der politischen Agenda verschwindet.

Worthülse "Miteinander"?

Seit zwei Jahren ist der fußballbegeisterte Linzer auch Schiedsrichter und leitet regelmäßig Begegnungen von Jugendmannschaften aus Oberösterreich. Es bereitet ihm Freude auf dem grünen Rasen zu stehen, gleichzeitig muss er ernüchternd feststellen, dass das vielbesagte Miteinander manchmal eine leere Worthülse ist: "Manche Menschen haben extreme Vorurteile, sind rassistisch und äußern sich ordinär".

Viele Bekannte, die seine Spiele verfolgen können nicht verstehen, warum er sich diese verbalen Übergriffe noch antut. Die Liebe zum Fußball ist stärker als eine Handvoll Zwischenrufe, beteuert er. Außerdem kann er durch seine interkulturelle Kompetenz helfen und ist für viele junge Spieler eine respektierte Autorität am Sportplatz. Laut eigenen Angaben, ist der 40-jährige, der erste farbige Nachwuchsschiedsrichter in Österreich.

Die Mentalität muss sich ändern

Das scheinbar simple Allheilmittel für "gelungene Integration", dass seitens von vielen Experten proklamiert wird und sich im wesentlichen auf raschen Spracherwerb, Bildung und Zugang zum Arbeitsmarkt stützt - greift zu kurz. Viele Situationen aus Blaise Batatabos Alltag zeigen, dass auch bei vollständiger "Anpassungsbereitschaft", Akzeptanz und Begegnung auf Augenhöhe seitens der Mehrheitsgesellschaft nicht unbedingt zu erwarten sind. (Toumaj Khakpour, 24.09.2011, dastandard.at)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 61
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dia_lektik
00
26.9.2011, 22:57
Für Batatabo ist Integration dann erreicht, wenn das Thema aus der politischen Agenda verschwindet.

Nur was machen die Politiker dann zu Wahlkampfzeiten, wenn ihnen das Thema abgeht, mit dem sie von ihrer Themenleere ablenken können? Und all die Integrationsexperten mit ihren Aktionsplänen? Und all die Superhirne, die sich Wahlkampfslogans ausdenken?

Es wäre toll, wenn die Politiker nicht mehr das Integrationsthema auskotzen würden, um auf Stimmenfang zu gehen. Aber dazu bräuchte es auch fähiges Stimmvolk, welches bemerkt, dass Schwarz, Rot und Blau eigentlich vom selben Holz geschnitzt sind. Einmal an der Macht, geht es nur mehr um persönliche Bereicherung oder um Vorteile für die eigene Partei und deren Großspender. Und die Grünen schaffen es auch nicht andere Themen anzuschneiden. Ein Trauerspiel, die österreichische Politik.

mgl86
11
25.9.2011, 18:32
Weiter so!

Echt eine großartige Leistung als Einwanderer in so kurzer Zeit so viel zu erreichen! Im Übrigen hat er Recht. Ich denke in Österreich ist die Haltung, dass alle anderen eh Arschlöcher sind weit verbreitet. Nach dieser Ansicht sind dann eben die ganz anderen ganz besondere Arschlöcher. Unter Einheimischen endet es in Nachbarschaftsstreit oder Zeltfestschlägerei, Einwanderern gegenüber ist es eben Rassismus.

Mentalitäten können sich aber ändern. Und besonders der Hass oder auch nur das Misstrauen sollten wir endlich aus der österreichischen Mentalität streichen. Für mehr Gemütlichkeit im Land!

RobB 23
24
25.9.2011, 11:09
Anekdote

Mir fällt da immer nur ein:
Friedensbrücke,Bim(keine Ahnung,obs der 1er is oder sonst was?):
Polizei steigt ausm auto aus,geht zum erstbesten Schwarzen:"So,Personenkontrolle!"zum Kollegen:"Schau ma amoi,ob da Bimbo glei weida auft Rossauer(Polizeianhaltezentrum-Liesl) foaht...."
Darauf da "BIMBO":"ja meine Herren,bitte,da haben sie alles"-gibt ihm seine Doks-",und da Bimbo fährt jetzt zu einer OPEC-Versammlung und hätte gerne ihre Dienstnummern."

Wiener Studentin
02
28.9.2011, 10:39

Ja herrlich! Geschieht ihnen recht

bei dem Englisch-Lehrer aus den USA (Spittelau U-Bahn) habens ja auch den falschen erwischt. Im Gegensatz zu oft schlecht ausgebildeten afrikanischen Migranten, die auch die Sprache (noch) nicht beherrschen und mit denen man's "ja machen kann", wussten die genau, welche Rechte sie haben.

Sollte öfter passieren.

Neuer Nick neues Glück
03
25.9.2011, 12:23

Das Gschichtl gibt's in vielen Varianten.

Loonquawl
04
25.9.2011, 11:49

komisch, ich kenn die selbe Story nur mit der UNO statt OPEC.

Johannes Benn
41
25.9.2011, 13:13
.

kommt ja aufs gleiche raus, beide institutionen denken sich wohl phantasiestellen aus um der lieben "diversity" willen

Pyotr Alexeyevich
00
26.9.2011, 20:27

Das OPEC-Mitglied Nigeria z.B. produziert 2,3 Millionen Barrels Rohöl pro Tag, und hat 160 Millionen Einwohner. Da ist der Job eines nigerianischen OPEC-Vertreters in Wien freiliche eine Phantasiestelle, die man für die Armutschgerln um der lieben "diversity" willen eingerichtet hat.

Kowosch
 
12
25.9.2011, 17:02

Also Herr Benn, Sie sind in Ihrem Wahn ja manchmal wirklich nur noch zum Brüllen...

Kofi Annan, der hatte auch so einen Phantasiejob bei der UNO, richtig?

Und daß die Angolaner oder die Nigerianer aber auch keinen Weißen nach Wien schicken können, also echt, niemand nimmt auf Sie Rücksicht, Sie armer Mensch!

justwatchin
01
25.9.2011, 09:12

der gute mann soll sich mal zwischen handelskai und jägerstraße in die U6 setzen - bin sicher da finden sich genug die sich neben ihn setzen wollen :P

RobB 23
00
25.9.2011, 11:04

NEEEEEEEEEEEIIIIIIIIIINNNNN,da muss a mittlerweile scho die ganze U4 abfahren,da is a reich,mit den richtigen Mitteln......^^
Andererseits äusserst traurig,dass man ALS ERSTES genau DAS erwartet,wenn jemand bissl dünkler als ein durchschnitts-Araber ist.....

Aung San Suu Tschi
 
27
24.9.2011, 23:12
Dieser tapfere Mann stellt uns ein vernichtendes Zeugnis aus

"Ich bekomme Anrufe aus Kanada und den USA und ich merke, dass mir meine Freunde voraus sind. Sie hatten andere Möglichkeiten, konnten sich freier entwickeln."

DARUM GEHT'S NÄMLICH: UM ENTWICKLUNG.

Diese ewige rassistische oder doch nicht rassistische oder nicht so gemeinte oder immer wieder abgeschwächte miese Menschenfeindlichkeit macht ENTWICKLUNG und zwar von UNS ALLEN unmöglich.

Dieses ewige Gezänk, das jedem halbwegs Anständigen zum Hals heraushängen muss, bindet wertvolle Energien.

Energien, die für viel Wichtigeres, also z.B. endlich ein Medikament gegen Alzheimer oder Aids, endlich ein exzellentes Bildungssystem, endlich ein besseres Wirtschaftssystem, neue Erfindungen & Kultur usw. genutzt werden könnten.

Johannes Benn
95
24.9.2011, 13:55
,

mein posting wurde anscheinend geloescht, dann koennen wir ja einhellig weiterjubeln

Rahoul
53
24.9.2011, 19:18

Dem möchte ich mich- als Betroffener- gerne anschließen, und dem Standad danken, daß Ihr so fleißig zenshuriert.
(Sonst könnte hier im Forum ja tatsächlich ein Meinungsaustausch stattfinden, oder gar freie Gedanken geäußert werden. Schrecklich wär das.)

Katzengras
38
24.9.2011, 19:08

Und das ist gut so.

Was man an dem oben beschriebenen Herrn auszusetzen haben sollte, ist mir wirklich schleierhaft. Aber Sie haben sogar da noch was gefunden, was Ihnen nicht in Ihren menschenverachtenden Kram passt.

Hr. Batatabo ist Ihnen, was Humanismus und Persönlichkeitsbildung betrifft, meilenweit voraus. Aber vielleicht ist ja auch bei Ihnen noch nicht alles verloren.

MfG

Pyotr Alexeyevich
212
24.9.2011, 12:23
Der Mann verdient einen Orden.

Wer sich hierzulande als afrikanischstämmiger Schiedsrichter auf den Rasen stellt, muss ein verflucht harter Hund sein. Ein persönliches Opfer für den gesellschaftlichen Fortschritt, das (indirekt) sicher große Wirkung hat.

Alles andere is primär
28
24.9.2011, 21:42
Denke ich auch....

...und ich (austrotürke mit südländischen aussehen) grübel noch immer weil mich ein "echter" Österreicher auf offener Strasse als "scheiss tschusch" beschimpft hat nur weil ich im stress nach der arbeit vergessen habe mich zu bedanken weil er mir gesagt hat wann der letzte bus von der station wegfährt.so ein harter hund wäre ich auch gerne.
auf meine bemerkung das ich auch gebürtiger öst. bin hat mir seine frau geantwortet. "deees merkt ma eh".
herr Batatabo hat durchaus recht. aus eigener erfahrung weiss ich auch wenn man akademiker ist, brav arbeitet und perfekt deutsch kann wie ich als "echter" öst . wird man nie akzeptiert warum weil ich eben dünkler bin, einen türkischen namen habe und österreicher bin.

Neuer Nick neues Glück
04
25.9.2011, 12:30

Genau das finde ich so erschreckend in Österreich.
Ich bin gebürtiger Deutscher und wir haben in Teilen des Landes echte Probleme mit rassistischer Gewalt.

Was es aber im Westen von D in der Form wie in Ö nicht so extrem gibt ist der Alltagsrassismus. Dass ganz normale Menschen mit diskriminierenden Ausdrücken exzessiv um sich werfen und die umstehenden Personen das scheinbar völlig normal finden.

Constantini raus - Irgendwer rein
145
24.9.2011, 03:46
is das schon mal jemanden ausser mir aufgefallen

das beinahe alle imigranten in deutschland perfektes deutsch sprechen und sich als deutsche sehen und bei uns verweigern sie es teilweise sich anpassen zu wollen?

ich habe beim bundesheer duzente türken gehabt die nicht genug bekommen haben von "scheiss österreich" sagen. als ich sie gefragt hab was sie denn hier hält wolltens mich hauen

also irgendwas rennt da schief

Raptor Jesus
01
30.9.2011, 22:40
Wenn dein deutsch so perfekt ist wie deine Rechtschreibung

Hat die Bevölkerung ein echtes Problem, was Integration betrifft; nicht nur die Immigranten, auch die indigene Bevölkerung.

chucky1991
00
28.9.2011, 09:34
Rechtschreibung olé

NickyBilly
10
25.9.2011, 17:14
Ich als Öst. wollte auch nicht zum BH und habe über das Land geschimpft.

Anfang der 90er wars auch nicht so einfach sich fürs Zivi anzumelden, weil man diesbezüglich kaum Infos bekam.
Um GWD zu werden brauchte man sich als gesunder 18 jähriger keine Gedanken machen, da war man schnell dabei.
Egal, Fakt ist es gibt keine Türken beim Öst. BH sondern nur Österreicher!

donaquijote
13
24.9.2011, 23:48

in deutschland bringt aktive integration zumindest die duldung und die chance. in österreich ist sie schein-heilig. denn positiv-faktoren gibt es so gut wie nicht, nur ausschlussgründe. erst wenn keiner fehlt, kann man vielleicht einmal ein jahr bleiben.

donaquijote
11
24.9.2011, 23:54

corrigendum:

erst wenn kein ausschlussgrund aufscheint, kann man vielleicht einmal ein jahr bleiben.

so solls heißen. sorry, aber ich kann mich darüber wirklich ärgern, obwohl auch in d nicht immer alles eitel wonne ist, aber wenigstens mindesrechte werden respektiert.

Peter W01
12
24.9.2011, 11:31

Super wir haben gerade herausgefunden, dass das subjektiv ist und jeder der solche Aussagen macht ein Arsch weil er verallgemeinert obwohl er nur die Jugendlichen von der Strasse kennt. Können wir jetzt endlich aufhören Soziologen - den einzigen, die das erfassen - als Gutmenschen abzulehnen und ihnen zuhören?

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