Kaukasus trifft Karawanken

"Man braucht immer ein Feindbild"

Mascha Dabić, 19. Oktober 2011, 09:16
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    foto: reuters

    Tschetschenische Kämpfer im Zweiten Tschetschenien-Krieg: Mehr als 20 000 Menschen sind vor dem Konflikt in der russischen Teilrepublik nach Österreich geflüchtet.

Ein Projekt hilft tschetschenischen Flüchtlingen, in Kärnten heimisch zu werden

Schon im Jahr 2002 seien sie ihm in den Deutschkursen aufgefallen, die Tschetschenen, erzählt Siegfried Stupnig, Psychologe und Sozialarbeiter aus Kärnten: "Die Tschetschenen hatten einen besonderen Leidens- und Erzähldruck. Ich habe zahlreiche interessante Familien kennengelernt, mit viel Potenzial. Leider werden die wenigsten von ihnen hier ihren Qualifikationen entsprechend eingesetzt."

Berüchtigt, aber wenig bekannt

Die Tschetschenen - hierzulande eine prominente Volksgruppe, über die man zeitweise viel hört, aber doch relativ wenig weiß. Mehr als 20 000 Menschen sind in den letzten Jahren vor dem Krieg in der russischen Teilrepublik nach Österreich geflüchtet. Die Berichterstattung über die Tschetschenen läuft meist dann auf Hochtouren, wenn gewaltsame Zwischenfälle stattfinden, in den Asylunterkünften oder im Zusammenhang mit dem russischen Geheimdienst. Dann wird zuweilen intensiv über die Gewaltbereitschaft tschetschenischer Männer und den "importierten" Kaukasuskonflikt spekuliert. Vor allem in Kärnten, wo gerade einmal 1000 von ihnen leben, wurden die Tschetschenen in den letzten Jahren zum stark umstrittenen Politikum.

"Es stimmt schon, dass manche junge Tschetschenen durch die langen Kriege aus der Bahn geworfen wurden und sich aus Mangel an Kommunikationsmöglichkeiten mit Gewalt durchsetzen wollen", räumt Stupnig ein, der im Rahmen des Vereins Aspis seit 2003 tschetschenische Flüchtlinge psychologisch betreut. "Aber überall gibt es junge Männer, die durch Kriminalität und Gewalt auffällig werden, das ist bei den Schweizern, den Franzosen und den Inuit nicht anders", gibt Stupnig zu bedenken.

"Keine Untertanenmentalität"

Warum aber ausgerechnet die Tschetschenen medial und politisch massiv mit Gewalttaten in Verbindung gebracht werden, erklärt Stupnig so: "Es ist ja nicht so, dass es in Kärnten vor den Tschetschenen keine Feindbilder gegeben hätte." Als Beispiele führt er die Kärntner Slowenen, Juden, Roma und Sinti, und Bosnier an.
Die Tschetschenen würden auch zusätzlich Angriffsfläche bieten, weil sie ein auffälliges Auftreten an den Tag legten: "Die Tschetschenen wollen nicht als Bittsteller auftreten. Sie hauen schon mal auf den Tisch, weil sie staatliche Leistungen nicht als Almosen sehen, sondern diese einfordern, wenn sie wissen, dass sie ihnen zustehen."

Warum das so sei? - Stupnig führt aus: "Bei den Tschetschenen gibt es keine Untertanenmentalität, die in Österreich doch sehr verbreitet ist. Tschetschenische Flüchtlinge organisieren Protestaktionen, wenn die Bedingungen in den Heimen sehr schlecht sind, trotz Drohungen wie etwa, dann hau'ma euch eben aus der Grundversorgung raus."

"Staatlich verordnete Mitleidlosigkeit"

Bereits vor neun Jahren hatte Stupnig im Rahmen von ehrenamtlichen Integrationsprojekten damit begonnen, den Kontakt tschetschenischer Flüchtlinge mit der Kärntner Bevölkerung zu ermöglichen und zu intensivieren. Die Idee war, der "staatlich verordneten Mitleidlosigkeit" entgegenzutreten und sich gegen die "moralische Verwahrlosung" in der Kärntner Flüchtlingspolitik einzusetzen. Nachgefragt, ob denn "staatliches Mitleid" das sei, was die Flüchtlinge bräuchten, holt Stupnig weiter aus: "Mitleidlosigkeit meint die gesamte radikale Wirtschaftspolitik, die darauf abzielt, Personengruppen aus Versorgungskreisen auszuschließen. Mitleid wollen die Leute natürlich nicht, sondern Empathie, dass man ihnen zuhört. "
Mehr Familienbetreuung

Aber zurück zum Thema Gewalt: Diese spielt sich nicht nur zwischen Jugendbanden und Geheimdienstkollaborateuren ab, sondern oft auch in der Familie, und trifft am härtesten die Frauen, von denen viele in Westeuropa für sich die Möglichkeit sehen, aus starren patriarchalen Verhältnissen auszubrechen und ein unabhängigeres, moderneres Leben zu führen. Auch hier warnt Stupnig vor Verallgemeinerungen und Stereotypisierungen: "Man muss aufpassen, dass man das Thema Gewalt in der Familie nicht bei den Asylwerbern ablädt und dieses Thema nicht zu sehr in den Vordergrund spielt. Gewalt in Flüchtlingsfamilien hat viele Ursachen, und hier muss man Aufklärung betreiben und den Männern ganz klar sagen, dass wir Gesetze haben, die Frauen vor Gewalt schützen" Mehr Familienbetreuung tut Not, ist Stupnig überzeugt.

Kein Interesse an Propagandareisen

Ob er selbst schon einmal in Tschetschenen gewesen sei? - Der "trotz allem eingefleischte Kärntner" verneint: "Das hat sich noch nicht ergeben. Ich habe eine Einladung von einem Haus- und Hofreporter des tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow bekommen. Er wollte mir zeigen, wie toll alles in Tschetschenien sei. Aber an Propagandareisen bin ich nicht interessiert" Wenn sich die politische Lage verbessert, möchte er gerne in die Kaukasusrepublik reisen und Verwandte von seinen tschetschenischen Freunden, die er in Kärnten kennengelernt hat, besuchen. Auf einen anschließenden Reisebericht darf man gespannt sein. (Mascha Dabić, daStandard.at, 19.10.2011)

Webtipp:
Aspis

Kommentar posten
21 Postings
irrlicht87
22
23.10.2011, 21:45
Fremdenfeindlichkeit vs. Mitgefühl

sind sie alle schon so abgestumpft und fremdenfeindlich, dass sie kein Mitgefühl mehr empfinden können für Menschen die traumatisiert sind und eigentlich eine spezielle Therapie benötigen um dies jemals bewältigen zu können?
wie viele Tschetschenen kennen sie persönlich, oder sind sie alle einfach nur xenophob weil ihr eigenes leben so verkackt und voller komplexe ist?
Ich habe beruflich mit vielen AsylyantInnen zu tun und mit dem richtigen vorurteil freien Zugang, kam ich bis jetzt gut mit dieser Gruppe aus!
Und Angst habe ich auch nicht wirklich vor ihnen!
aber ja bitte beschützt unser Österreich vor unerwünschten Gästen das wird uns menschlich sicher weiter bringen!!!!

trollvottel
31
24.10.2011, 17:25

Gerade in Kärnten war es seit jeher üblich, radikaler Gegner der ausbeuterischen, Großgrund besitzenden katholischen Kirche zu sein.

Als dann der NS-Wahn kam, mit seiner irren Rassenlehre und seinen Ersatzritualen und seiner ins Gegenteil verkehrten Ethik, wo der "Rassekrieger" erst zum gefühlskalten, entmenschten Massenmörder werden muss, bevor das Herrenmenschen-Paradies erreicht wird ... da lehnten die eh schon kirchenfeindlichen Bauern das Christengewäsch von Nächstenliebe und Mitleid um so heftiger ab.

Ein Faschoschwein, ein Drecksnazi wird auf deine Einwände nur befriedigt grinsen: Ja, so abgestumpft und mitleidlos samma. Trauma? Wohl 'n Weichei. Asylanten? Nur hellhäutige Sudetennazis sind für die N-Bagage echte Notleidende.

Big Bo
 
11
15.11.2011, 12:35
Weiss nicht ...

... was schlimmer ist, dass rechte Eck mit seinen Ideologien oder die Hasstiraden die Du hier ablässt.

rvgw
00
21.11.2011, 12:53

du weiszt echt nicht, ob eine hass-ideologie oder der hass auf eine hass-ideologie schlimmer ist??

Golfy23
47
20.10.2011, 06:53

Ja von wegen traumatisiert, es gehört einfach zu ihrer Kultur: Blutrache, Ehrenmord, Entführung der Frau wenn sie den Mann nicht heiraten will usw.

Neulich meinte ein Tschetschene zu mir:" Warum sollte ich Arbeiten, wenn Allah (Gott) mir das Geld von Christen zukommen lässt".
Ich bin ja gegen Verallgemeinerung aber bei ihnen sind es mit Sicherheit über 90% die nicht Intergrierbar sind.

trollvottel
22
24.10.2011, 17:28

a) Ich glaub dir schlicht nicht, dass du mit einem Tschetschenen geredet hast. War das nicht eher ein stockbesoffener FPÖ-Wähler, der von Invalidenpension und Frührente lebt und damit prahlt?

b) "Ich bin ja gegen Verallgemeinerungen aber ich verallgemeinere." ist eine reichlich stumpfsinnige Nicht-Aussage. Kasteist du dich jetzt, weil du entgegen deinem angeblichen Vorsatz generalisierende Verhetzung betreibst? Oder wolltest du verhetzen, entschuldigst dich aber erst scheinheilig?

politisch verfolgt
17
19.10.2011, 22:06
widersprüchlich

zuerst meint er, gerade tschetschenen seien durch die kriege traumatisiert, dann meint er, gewaltttätige junge männer gebe es ja überall. also doch keine traumatisierung?
wer aus seinem land (wurscht, welches) nach österreich flüchten muß, soll sich einfügen, unsere gesetze achten und zum wohl aller beitragen. im gegenzug soll er respektvoll behandelt werden und alle rechte genießen: schule für die kinder, gesundheitsversorgung, sozialwohnung etc.
wem das nicht paßt, der soll wieder heimfahren.
ist doch ganz einfach.
für spompanadeln haben wir kein geld und keine nerven mehr, sorry.

Vera Rschung
 
26
19.10.2011, 21:45
Ein Großmeister unter den Wirklichkeitsverächtern!

Wenn Tschetschenen durch massive Gewalttaten in Erscheinung treten, dann ist das in erster Linie durch Feindbilder der Österreicher zu erklären. So einfach kann Welterklärung sein!

Quartz1
26
19.10.2011, 13:11
Empathie

Sozialarbeiter Stupnig fordert mehr Mittel für seinen Berufszweig.
Damit er mehr Zeit hat, den bedauernswerten Tschetschenen beizubringen, dass man am Amt nicht mit der Faust auf den Tisch haut.
Ganz ganz fein, was sich da abspielt.

Johannes Benn
12
20.10.2011, 11:25
.

soweit ich das verstanden habe findet er das mit der faust auf den tisch hauen doch sehr gut!

$hitstorm
45
19.10.2011, 13:02
"Die Tschetschenen wollen nicht als Bittsteller auftreten. Sie hauen schon mal auf den Tisch, weil sie staatliche Leistungen nicht als Almosen sehen, sondern diese einfordern, wenn sie wissen, dass sie ihnen zustehen."

Ihnen steht frei nach hause zu gehen!!!

Davy Jones
52
19.10.2011, 18:14
Sätze fertig lesen, bitte

"...WENN sie wissen, dass sie ihnen zustehen." Es wäre unter Umständen verwerflich wenn hier staatliche Leistungen eingefordert werden würden, auf die man entweder keinen Anspruch oder für die keine Notwendigkeit besteht. Wenn man sie aber benötigt und vor allem, wie dieser Satz nahelegt, auch laut Gesetz bekommen sollte, darf man sie wohl auch einfordern. Oder kuschen Sie herum, wenn man Ihnen Kindergeld oder Wohnbeihilfe verweigert, obwohl Sie die Anforderungen erfüllen? Dann dürfen Sie sich mit Untertanenmentalität angesprochen fühlen.

$hitstorm
02
20.10.2011, 10:22
In Österreich haben sie Gastrecht, und sonst nix.

Wie sich Gäste zu benehmen haben wissen Sie schon?

Baal Kagan
01
21.10.2011, 13:07
Gäste haben vor allem

ein Merkmal: sie gehen wieder.

iMeinung
35
19.10.2011, 12:44

"Mitleid wollen die Leute natürlich nicht, sondern Empathie, dass man ihnen zuhört."

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dem mit dem Messer hört man zu.

Von allen Volksgruppen macht es diese einem am schwesten nicht auf FPÖ Niveau zurück zu fallen.

trollvottel
40
19.10.2011, 19:08

Was denn? Du bist doch schon auf FPÖ-Niveau: Verhetzender Märchenerzähler, der den Stammtisch-Rassismus befeuert.

iMeinung
12
20.10.2011, 09:21

schon mal im echten Leben gewesen oder bleiben wir lieber im wunschdenk-elfenbeinturm?

trollvottel
31
24.10.2011, 17:30

Lass mich raten, du wohnst in irgendeinem Kuhdorf?

Ich im 16., im "Ghetto", in der "Mörderzone", wo "jeden Tag Mord und Totschlag regieren" und "die Gangsterbanden sich Rassenkriege liefern" ... allerdings lebe ich dort ohne jedes echte Problem. Zuvor ähnlich in Dublin, Berlin, und paar anderen Orten.

iMeinung
12
25.10.2011, 10:33

richtig geraten und zwar im gleichen kuhdorf wie du.

und was willst du jetzt? die ehrenmedaille für gefährliches leben im ausland? ich hab in glasgow, brüssel und LA auch "ohne probleme" gelebt, das heißt noch lang nicht, das es sie nicht gibt.

trollvottel
20
25.10.2011, 16:40

Ich würde nur gerne konkret wissen, was um alles in der Welt dich am 16. oder sonstwo in Wien dermaßen nervt, dass du von "Wunschdenkelfenbeinturm" faselst und oben Messerstechereien unterstellst, die dann auch noch an den 20% rechtsextremer Wähler schuld sein sollen.

bon sai1
47
19.10.2011, 12:19
Unterträgliche Tschetschenen

Leider sind die Tschetschenen nicht so harmlos wie in diesem Bericht dargestellt.
Sie sind alle kriegsgeschädigt und können sich in ein Gemeinwesen nicht einordnen, vor allen die jungen Tschetschenen.

Als Beispiel kann man in Villach die Lederergasse anführen, die in der Nacht am Besten nicht mehr betreten wird, weil wenige Tschetschenen den "Krieg" in Österreich ausgerufen haben.

Ich frage mich, wozu wir uns mit solchen "Flüchtlingen" belasten sollten?

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