Anti-PKK-Demo Wien

"Weil ich Kurden hasse"

Reportage | Güler Alkan, 31. Oktober 2011, 08:50
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    foto: toumaj khakpour

    Etwa 2000 Teilnehmer demonstrierten gegen den Terror der PKK in der Türkei.

     

     

Die Anti-PKK-Demo gestern in Wien versammelte Ultra-Nationalisten, aber auch gemäßigte Türken, die von ihren "kurdischen Brüdern“ sprachen

Sonntagnachmittag am Wiener Westbahnhof. Aus den U3-Garnituren strömen sie in großen Gruppen heraus - in Wien lebende türkische Zuwanderer mit ihren Türkei-Flaggen. Überall wo man hinsieht ein Meer aus roten Fahnen. Sie alle wollen an der Demonstration, die sich "gegen die Anschläge in der Türkei und gegen die PKK" richtet, teilnehmen. Letzte Woche hat ein Angriff der PKK, der Arbeiterpartei Kurdistans, die mittlerweile von der EU und der USA als terroristische Organisation eingestuft wird auf einen türkischen Militärposten in der Provinz Hakkari besonders hohen Blutzoll gefordert. 26 Soldaten wurden dabei getötet.

Seitdem herrscht nicht nur Trauer, sondern auch viel Wut in der Türkei. Präsident Gül sprach von schmerzlicher Vergeltung und die Medien berichteten bis zum Erdbeben in Van über nichts anderes mehr. Es herrschte eine medial gepushte nationalistische Stimmung, die soweit ging, dass eine Moderatorin im Privatfernsehen davon sprach, dass sich die Erdbebenopfer in Van keine Hilfe verdient hätten, weil "sie mit Steinen auf unsere Soldaten werfen und dann nach ihnen rufen, wenn was passiert".

"Kurden sind unsere Brüder"

Vor allem über soziale Medien wie Facebook verbreiteten sich Hasstiraden gegen Kurden rasant. Das geht so weit, dass man das Erdbeben in Van "als Zeichen sieht", als Bestrafung für das Töten der Soldaten. Manche Notfallpakete nach Van sollen statt Hilfsgütern sogar türkische Flaggen und Pflastersteine enthalten haben. Ein erfolgreicher Spendenmarathon, der von mehreren türkischen Fernsehsendern ausgestrahlt wurde, zeigte aber, dass längst nicht alle Türken von einem Rachefeldzug voller Hass gegen die kurdische Bevölkerungsgruppe geprägt sind.

Auch am Christian-Broda-Platz zwischen der oberen Mariahilferstraße und dem Westbahnhof in Wien gibt es an diesem Sonntag türkische Demonstranten, die nichts von anti-kurdischen Ressentiments halten. Der 57-jährige Mesut C., zum Beispiel, der seit 21 Jahren in Österreich lebt. Er sieht es als seine staatsbürgerliche Pflicht an dieser Demonstration teilzunehmen. Es ist ihm aber wichtig zu betonen, dass es sich hierbei um eine Veranstaltung gegen den Terrorismus und nicht gegen die Kurden richtet. "Die Kurden sind unsere Brüder, ich will nicht, dass weitere Soldaten und Zivilisten sterben und noch mehr Blut vergossen wird", sagt er.

"Graue Wölfe" und "Allahu ekber"

Eine Mittfünfzigerin mit modischem Kurzhaarschnitt, die mit einer Gruppe von Freundinnen auf den Beginn der Demo wartet, teilt ebenfalls diese Meinung. „Ich bin für die gefallenen Soldaten hier und um gegen die PKK zu protestieren, aber mit den Kurden haben wir keine Probleme, wir leben friedlich zusammen." Sie will ihren Namen nicht nennen, gibt aber gerne preis, dass sie bei der "Avusturya Türk Federasyon" (ATF) ehrenamtlich tätig ist. Diese Türkisch-Österreichische Föderation ist der Dachverband rund um Vereine der ultranationalistischen "Grauen Wölfe" und steht der türkisch-nationalistischen MHP-Partei nahe. Die Frau bedauert, dass die türkischen Vereine und Verbände in Wien keinen gemeinsamen Schulterschluss machten und sich nicht an der Organisation der Demonstration beteiligten.

Die Demonstration wurde von Privatpersonen angemeldet, zwei Studentenorganisationen -"ATÖD, der türkischen Studentenverein Österreich" und "das Türkische Studenten Zentrum" fungieren dabei als Unterstützer. Beide Vereinigungen sind bisher politisch weniger aufgefallen und widmen sich hauptsächlich studentenspezifischer Veranstaltungen wie Studentenberatungen oder Disco-Abenden. Der in Wien ansässige Verein zur Förderung des Gedankenguts in Österreich (AAD) unterstützt die Veranstaltung nicht. Ob die säkularen Kemalisten von den "Allahu Ekber-Rufen ("Gott ist groß"), die an diesem Sonntag immer wieder durch die Mariahilferstraße hallen, sehr begeistert wären ist, zu bezweifeln. Atatürk-Rufe sind selten zu hören bei diesem Protestmarsch, sein Leitsatz "Ne Mutlu Türküm Diyene" ab und zu schon. Auf Deutsch übersetzt bedeutet der Slogan: "Wie glücklich ist derjenige, der 'Ich bin Türke' sagt."

Kurdenhass und kurdische Freunde

Die Demonstranten huldigen dafür besonders lautstark ihren Soldaten. „Der größte Soldat ist der türkische Soldat" und „Die Gefallenen sterben nicht, unser Land wird nicht geteilt" skandiert die Menge. "Türken und Kurden sind Brüder, die PKK Verräter" ist auch zu hören. Ein Mädchen im Teenager-Alter, das eine Kette mit drei Sichelmonden trägt - ein Symbol der "Grauen Wölfe" zeigt sich weniger brüderlich. "Ich bin hier, weil ich die Kurden hasse, weil sie uns hassen und unsere Soldaten töten", sagt sie wütend.

Zwei ihrer Freundinnen widersprechen ihr sofort. "Nicht jeder Kurde ist ein PKK-Anhänger. Ich habe auch kurdische Wurzeln", entgegnet ihr eine Gleichaltrige. Die andere, mit 19 Jahren schon älter als der Rest der Gruppe, hält gar nicht viel vom Militarismus. "Ich bin gegen das Militär, weil sobald einer eine Waffe in die Hand nimmt, wird der Andere zum Feind. Ich mag mein Land, aber nicht das System dort. Ich weiß von kurdischen Freunden, dass besonders die Kurden in die Gebiete, wo die PKK kämpft, geschickt werden. Deren ihr Leben wird als nicht wertvoll angesehen."

"Es sterben auch Kurden"

Nicht alle Demonstrierenden können oder wollen zwischen der PKK und den Kurden differenzieren. Eine Gruppe von jungen türkischstämmigen Männern protestiert, „um unser Land vor den Kurden zu verteidigen und zu beschützen." Da werden alle Kurden als Feinde und potentielle Bedrohung gesehen. Das bekam auch ein Döner-Lokal in der Mariahilferstraße zu spüren. Irgendwie schafften es einige gewaltbereite Demonstranten relativ unbemerkt und trotz des Polizei-Aufgebots Tische und Inventar des Lokals, das zur „Türkis"-Kette gehört, umzuschmeißen, weil die kurdischen Restaurantbesitzer angeblich die PKK unterstütze. In diversen Facebook-Gruppen wurde diese Aktion danach von vielen Wiener Türken sogar gelobt und ein Boykott gegen diese Restaurantkette ausgesprochen.

Zwei türkischstämmige Frauen mit Kopftuch, die abseits stehen und dem Demonstrationszug zuschauen, der vorne und in der Mitte laut schreiend, am Ende aber sehr ruhig auf sich aufmerksam macht, kriegen wie die meisten Anwesenden von der kleinen randalierenden Gruppe nichts mit. Sie nehmen am Protestmarsch aber auch nicht teil. "Weil ich selbst aus dem Osten der Türkei komme. Wissen Sie, es sterben auch Kurden bei diesem Konflikt", begründet eine von den beiden ihre Nicht-Teilnahme. Ihre Bekannte nimmt generell an Demonstrationen nicht teil, zeigt aber Verständnis für die Protestaktion. "Es ist wichtig, dass sich diesmal auch die Kurden von der PKK distanziert haben, das ist schon ein großer Schritt", meint sie. Tatsächlich hat sogar die Kurdenpartei BDP, der ein Naheverhältnis zur PKK nachgesagt wird, den jüngsten Angriff in Hakkari verurteilt.

Verwunderte Passanten

Während sich die Masse an roten Fahnen langsam Richtung Burgring und Parlament fortbewegt, wundern sich Passanten darüber, wofür hier eigentlich demonstriert wird. Denn es wird auf Türkisch demonstriert. Eine junge Frau fordert laut, dass die Menge statt "Türkiyem, Türkiyem" Österreich ruft. Ein vorbeigehender Jugendlicher will von seiner Mutter wissen, "was das für eine Demo ist." Und ein älteres Ehepaar bleibt eine Zeit lang stehen und beobachtet das Geschehen. Der Mann zeigt sich interessiert, weiß aber nicht, worum es geht. "Wenn das wenigstens zweisprachig wäre, dann könnten sie sich ja verständlich machen, so dass der Wiener sie auch versteht. Aber so ist das Ganze sinnlos."

Seine Frau ist empört. "Das ist ein Skandal. Warum machen die das hier in Österreich, sollen die dort hingehen, wo das passiert."

Die junge Wienerin Barbara S., die mit ihrem Kleinkind an diesem für Ende Oktober warmen Sonntag an der Mariahilferstraße flanieren geht, "findet es schade, dass ich als Nicht-Türkin nichts verstehe." Sie empfindet die Atmosphäre nicht als aggressiv, aber aufgeladen. Für ein junges Paar ist die Stimmung "sehr intensiv und kräftig." „Demonstrieren ist ja eh in Ordnung, das ist ja auch ihr Recht, aber Nationalistensprüche sind unnötiger Scheiß ", meint ein Passant lapidar. (Güler Alkan, 31. 10. 2011, daStandard.at)

Kommentar posten
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özcelik
30
2.11.2011, 22:53
wie sieht es mit Türkenhass ohne österr. Staatsbürgerschaft aus?

Tischkalender
 
13
2.11.2011, 08:32

na gottseidank hatten die türkische fahnen dabei.

nicht auszudenken was passiert wäre wenn das rot-weiss-rote fahnen gewesen wären.

Dr.Knowitall
16
1.11.2011, 06:26

Versteh die Aufregung nicht. Ich bin der Meinung das Kurden sehr wohl ihr recht auf einen eigenen Staat haben. Immerhin ist das weltweit die größte Bevölkerungsgruppe ohne selbststängigen Staat.

Das wäre ja so als würden wir täglich die Hinterarlberger niederballern, weil sie Alemannen sind und keine Bayern

Lena1972
41
1.11.2011, 03:01

korrektur bitte es ist kein kurden Teror sonder eine anerkannte teroristische Gruppe die sich PKK nennt gegen die war dieser aufmarsch

temporär autonom
 
01
7.11.2011, 13:37

sie wollen im allen ernst eine korrektur der "geschriebenen meinung" erzielen?

wozu sollte man bitte eine schönheitskorrektur verlangen? dadurch wird die braune masse "egal welche nationalität" auch net schöner davon! man könnte es wie danzer versuchen (siehe: fett wie a radierer --> http://goo.gl/k1S1b ), aber braune masse bleibt braun! wird nicht roter oder schwarzer dadurch. ich selbst sehe keinen unterschied zwischen "weil ich Kurden hasse" oder "weil ich Türken hasse" oder "weil ich Juden hasse" oder "weil ich Moslems hasse".

da geht einiges hier in österreich anscheinend gewaltig schief. ist gut, wenn man durch solches untolarierbares haltung auf solche missstände draufkommt. --> keine verbesserung notwendig

Lena1972
31
1.11.2011, 02:43

es war ein aufmarsch für verstorbenen soldaten
türken hassen die Kurden nicht sie sind nur gegen die PKK und türkei ist ein vielvölkerstaat

knuuuut
12
1.11.2011, 22:23

wenn die kurden aber nicht teil dieses vielvölkerstaats sein wollen, sondern ihren eigenen staat fordern, dann sollte man ihnen einen geben.

maxbz
17
31.10.2011, 20:22
Die türkische Parallelgesellschaft

zeigt sich hier von schlechtester Seite. Null Interesse an Österreich, oder warum demonstriert man nicht wenigstens teilweise auf deutsch, wenn man hier schon die Leute damit belästigt?
Wenn die Türken und Kurden wenigstens in Österreich zu Österreichern würden, dann gäbe es zumindest hier Frieden, aber lieber zelebriert man hier weiter alte Feindschaften.

van.der.stiege
14
1.11.2011, 10:40
so ist das nunmal in einer globalisierten welt.

du glaubst doch nicht wirklich - wie so manche multi-kulti-gruen-träumer es noch immer tun - dass man erfahrungen / sozialisation / vorurteile einfach so 'verliert' sobald man es ueber die österreichische grenze geschafft hat??

Mynnia
00
2.11.2011, 17:05

Schlaue Leute lernen um...Naja...das beschreibt dann schon das Problem :)

Abgrenzung, um eine Identität zu haben...

Halbmond
31
1.11.2011, 09:57

Die frage stelt sich,,wollen die Österreicher die Türken nicht oder die Türken bleiben unter sich,da solte man sich einmal die frage stellen ?

Mitzi Tant
24
1.11.2011, 12:28
Diese Frage ist längst beantwortet

Nirgendwo, aber auch wirklich nirgendwo, funktioniert die Integration von Türkischstämmigen (mit wenigen Ausnahmen). Es ist einfach lächerlich, den jeweiligen Aufnahmegesellschaften dafür die Schuld zu geben.

King Of Wörschtlständ
00
5.11.2011, 23:44
Nirgendwo, aber auch wirklich nirgendwo, funktioniert die Integration von Türkischstämmigen

Jaja, wie man sieht, auch nicht in der Türkei.

nina yankow
42
4.11.2011, 13:47

was für ein blödsinn. die integration funktioniert sehr wohl - in der schule, am arbeitsplatz, in der wirtschaft.
leuten wie Ihnen fallen leider nur die negativen ausnahmen auf. und sogar dort, wo integration nicht funktioniert, trägt österreich sehr viel mitschuld. konfessioneller religionsunterricht ist nicht mehr zeitgemäß, es wäre längst ein gemeinsamer unterricht über ethik und religionen angebracht. des weiteren werden fast nur solche menschen als schlecht integriert empfunden, die ein extrem mieses bildungsniveau und schlechte jobchancen haben - daran könnte man leicht was ändern. ich bin selbst in der HS-ausbildung, und erlebe unzählige dinge, die in der ausbildung und überprüfung der lehrer falsch laufen oder gänzlich fehlen.

Halbmond
41
31.10.2011, 20:06

"Weil ich Kurden hasse",,,, dieser kommentar ist falsch und man begibt sich total an das rechte rand!

Es sind sicher unter den demonstranten kurdisch stämmige die genauso gegen den Terror der PKK protestieren.

maxbz
15
31.10.2011, 23:17

Das ist kein Kommentar, sondern ein Zitat einer Teilnehmerin.
Offenbar sind manche Teilnehmer der Demo nationalistisch und generell kurdenfeindlich.
Genau überprüfen kann ich es nicht, da man offenbar nicht bereit ist, auf deutsch zu demonstrieren, obwohl man sich in Wien befindet.

wahre Lüge
 
02
31.10.2011, 17:35

wer da aufmarschiert
um jeden,der nicht sein ist
zu befehden
der wird nimmer mehr auf Erden
mit der Fehde fertig werden

wär der letzte Feind zertreten
steht allein er am PLANETEN

Yar Ali
12
31.10.2011, 17:01
ungefähr die hälfte der getöteten 26 soldaten waren Kurden ....

Tschuri Cazzino
 
13
31.10.2011, 16:39
Wer Kurdenhass artikuliert und keine österreichischen Staatsbürgerschaft besitzt hat in diesem Land nichts verloren.

In Wien gibt es genug Rassistengesindel, dass man aus rechtlichen Gründen nicht abschieben kann. Wir müssen dieses nicht aus dem Ausland importieren.

Achtung Ironie !
31
31.10.2011, 16:21
Österreich...

Ich meide nun dieses Forum weil ich soetwas nicht mehr lesen möchte.

Ich habe es satt, adieu!

van.der.stiege
01
1.11.2011, 10:42
nur weil sie sich damit nicht mehr auseinandersetzen wollen..

... bedeutet dies jedoch nicht, dass das problem dadurch nicht mehr existiert bzw. sogar 'gelöst' ist.

aber viel glueck mit der realitätsflucht :)

Charlie Brown
56
31.10.2011, 16:05

Lustiges Forum: die einen Nationalisten regen sich über die anderen Nationalisten auf :)

Amish Bob
 
04
31.10.2011, 16:20
Das ist irgendwie ...

... die Definition von Nationalismus, oder?

Charlie Brown
00
31.10.2011, 20:26

Stimmt auch wieder.

ebruli
53
31.10.2011, 15:48
Türken sind gegen die PKK und nicht gegen die eigenen Leute

Leider wird in den Medien in Ausdruck gebracht, dass Türken gegen Kurden sind... Das ist so ein Schwachsinn, weil man so ins eigene Fleisch schneiden würde. Die Türkei ist ein Vielvölkerstaat wo dort:
Avsar, Yörük, Manav, Dadas, Türkmenen, Tahtaci, Kipcak, Tataren, Nogay, Kirgize, Aserbaidschaner, Özbeken, Harzem, Cepni, Oguz, Kirimcak, Karacay, Balkar, Yiva, Begitli, Bügdüz, Uyguren, Tataren, Kirim, Kizilbas, Mazedonier, Albanier, Zaza, Georgier, Kafkasiche Völker, Dagistan, Syrier, türkische Zigeuner, Laz, Yezidi, Pomak, Sudaner, Farsi, Kizilbas, Bosnier, Rum, Araber, Syrier, Kurden und viele mehr Völker leben. Und all diese Völker zusammen bilden die Türken. Deshalb können die Türkei und die Türken nur gegen die PKK sein.

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