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"Bei uns im Bezirk waren viele Fragen offen, was das Thema 'Ausländer' betraf, es gab viele Vorbehalte, die durch die Medien in Umlauf gebracht wurden", sagt Omerović.
"Du bist eh ein Unsriger, du bist anders als die anderen Ausländer." Oder: "Für uns bist du gar kein Ausländer." Typische Sätze, die vielen ÖsterreicherInnen mit Migrationshintergrund schon viele Male zu Ohren gekommen sind. Auch der gebürtige Bosnier Edis Omerović hat Aussagen wie diese in seinem Heimatbezirk Vöcklabruck in Oberösterreich schon oft gehört. "Ich denke, das hängt damit zusammen, dass man sich einfach kennt und weiß, dass der andere auch ein ganz normaler Mensch ist," meint der 30-Jährige. "Du bist der gute Ausländer, aber die anderen, die man nicht kennt, sind die Schlechten."
Genau diesen persönlichen Kontakt, der aus den unbekannten, ominösen MigrantInnen, die womöglich mit Sozialschmarotzer-Absichten ins Land gekommen sind, liebenswerte Mitmenschen macht, möchte der Verein "Integrationsrat Vöcklabruck", dessen Obmann Omerović seit zwei Jahren ist, durch Veranstaltungen und Vernetzungsarbeit im Bezirk fördern.
Viele Fragen offen
Seit 1998 gibt es den ehrenamtlichen Verein, dessen integrativer Ansatz auch in seiner inneren Struktur selbstverständlich ist: Eine Regelung legt fest, dass der Vorstand immer aus 50 Prozent Frauen und 50 Prozent Männern bestehen muss, ebenso muss das Verhältnis zwischen MigrantInnen und autochthonen ÖsterreicherInnen genau 50/50 betragen. Damals, Ende der neunziger Jahre war das Interesse am Thema Integration groß, sagt Edis Omerović: "Bei uns im Bezirk waren viele Fragen offen, was das Thema 'Ausländer' betraf, es gab viele Vorbehalte, die durch die Medien in Umlauf gebracht wurden. Der Grundgedanke der Gründung des Vereins war, dem entgegen zu wirken und das Thema professionell anzupacken."
Die Wogen glätten
Mittlerweile fungiert der Integrationsrat als Ansprechpartner für Migrantenvereine, arbeitet mit Organisationen wie der Volkshilfe und Caritas zusammen, ist in der Gemeindearbeit aktiv und organisiert Veranstaltungen, damit ein Austausch zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund stattfinden kann. Für die Bevölkerung ist der Verein auch direkter Ansprechpartner, wie etwa bei Nachbarschaftskonflikten im Wohngebiet der Dürnau, seit jeher einem sozialen Brennpunkt der Stadt. Zudem sei es auch innerhalb der MigrantInnen immer wieder wichtig, die Wogen zu glätten: "Bei uns im Bezirk wohnen sehr viele Menschen aus Ex-Jugoslawien, da gibt es durch den Krieg noch immer Spannungen. Die einen haben vielleicht ihre Familie verloren, der andere ist vertrieben worden." Auch hier ist eine sensible Herangehensweise gefordert.
Wohnung und Arbeit für das Visum
Edis Omerović selbst kam als 11-Jähriger gemeinsam mit seinen älteren Geschwistern nach Österreich, eine seiner älteren Schwestern lebte damals bereits in Salzburg. Die Eltern blieben in Bosnien - man dachte, nach ein paar Wochen habe sich der Konflikt wieder beruhigt. Schließlich wurden daraus vier Jahre, und bereits am Beginn dieser langen Zeit im Flüchtlingsheim Thalham brach der Kontakt mit den Eltern ab, die Telefonleitungen waren von heute auf morgen tot.
Nachdem der Krieg zu Ende war, entschloss sich Omerovic mit 15 Jahren, in Österreich zu bleiben, da er seine gerade erst begonnene Ausbildung an der Fachschule für Maschinenbau nicht abbrechen wollte. "Es wurde damals ein Gesetz beschlossen, dass alle ex-jugoslawischen Flüchtlinge, die eine Arbeit finden und eine eigene Wohnung haben, bleiben dürfen und ein Visum bekommen", erinnert sich Omerović, der heute als technischer Angestellter bei der oberösterreichischen Energie AG arbeitet. So kam es, dass er sich als Teenager alleine eine Wohnung suchte und neben der HTL täglich in der Abendschicht einer Palettenfirma in Vöcklamarkt arbeitete. "Es war immer knapp, sehr knapp, aber ich war sehr konsequent."
Zwei Jahre Ausländerklasse
Zuvor, in der Zeit nach seiner Ankunft in Österreich, besuchte er zwei Jahre lang eine so genannte "Ausländerklasse" in der Hauptschule. Dort wurden alle ex-jugoslawischen Flüchtlinge getrennt von den österreichischen SchülerInnen unterrichtet, das Erlernen der deutschen Sprache ging nur schleppend voran. "Das hängt mir bis heute nach, ich kann zwar nicht schlecht Deutsch, aber es ist nicht perfekt." Edis Omerović glaubt, dass der Spracherfolg wesentlich damit zusammenhängt, wie gut man ein eine Schule integriert wird. "Man ist damals einfach nicht genug auf uns eingegangen. Darum finde ich es so wichtig, dass die Kinder mit nicht-deutscher Muttersprache in der Schule gefördert werden."
Fehlende Deutsch-Fortgeschrittenen-Kurse
Wie überall ist auch in Vöcklabruck das Thema Deutschkurse für Erwachsene etwas, worüber viel und hitzig diskutiert wird. "Die Leute sollen Deutsch lernen, heißt es immer, und das ist natürlich berechtigt", so Omerović. "Wenn man hier lebt, soll man die Sprache können, es ist ja auch für einen selbst ein Vorteil, wenn man sich in der Gesellschaft zurechtfindet." Allerdings gebe es in der Bezirkshauptstadt Vöcklabruck weitaus nicht Kursangebote in einem Ausmaß, das notwendig wäre. Das Erlernen von Grundkenntnissen ist durch die Integrationskurse ausreichend abgedeckt, möchte man aber ein höheres Sprachniveau erreichen, zum Beispiel B1 für die Staatsbürgerschaft, bleibt einem der Weg nach Wels oder Linz nicht erspart. "Für Berufstätige ist das dann oft gar nicht möglich", bemängelt Omerović. Man müsse sehr ausdauernd sein, um an der diesbezüglich fehlenden Infrastruktur im Bezirk nicht zu scheitern. (Jasmin Al-Kattib, daStandard.at, 3. November 2011)
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