Integrationspreis

Bambi für Bushido?

Kommentar | Toumaj Khakpour, 9. November 2011, 13:43

"Wir sind das neue Deutschland“, sagt der Gewinner des Integrationspreises. Glauben wollen ihm die Wenigsten

Die Meldung über Bushidos Bambi-Auszeichnung schlug kurz nach der Bekanntgabe hohe Wellen. Der Grund: Der polarisierende Rapper erhält den deutschen Medien- und Fernsehpreis "Bambi" - ausgerechnet in der symbolträchtigen Kategorie "Integration".

Der Rapper sei ein Mann, der das respektvolle Miteinander in Deutschlands "multikultureller Gesellschaft" fördert, ließ die Jury vorab verkünden. Ein "hervorragendes Beispiel für gelungene Integration", heißt es weiter.  "Was hat er gemacht? Ist er der Richtige?", waren die ersten Reaktionen. Dabei verläuft der derzeitige Rummel um den in Berlin aufgewachsenen Hip-Hopper, geradezu schemenhaft ab.

Schon seit dem Beginn seiner professionellen Künstler-Karriere stieß der Deutsch-Tunesier auf Kritik - eine Ablehnung die sich auch heute wie ein Ritual wiederholt.  Doch was macht Bushido, die Kunstfigur eigentlich aus? Als Sohn einer Deutschen und eines Tunesiers krempelte Anis Ferchichi, so der bürgerliche Name, das Genre Deutsch-Rap kurzerhand um. Der hiesige Sprachgesang war bis 2003 - bis auf einige wenige Künstler - den deutschstämmigen Hip-Hop-Gruppierungen aus Stuttgart und Hamburg vorbehalten. Diese verstanden es mit ihrer sozialkritischen Bestandsaufnahme der Gesellschaft zwar auf die Probleme der Zeit hinzuweisen, konnten aber nur wenig Gehör bei der migrantischen Jugend aus den Ballungszentren Deutschlands finden. Zu distanziert vom Thema, zu bürgerlich ihr Umfeld: Man kaufte es ihnen einfach nicht ab.

Durch Bushidos erstes erfolgreiches Album "Vom Bordstein bis zur Skyline" änderte sich diese Lage schlagartig, weil ein riesiger Markt bis dahin ausgeblendet wurde. Mit dem kommerziellen Aufstieg des Berliner-Independent-Labels "Aggro-Berlin", das neben Bushido auch Sido unter Vertrag hatte, wurde die Tür zum Musikmarkt für eine neue Hip-Hopper-Generation mit und ohne Migrationshintergrund geöffnet. Dank der hervorragenden Verkaufszahlen, wurde aus Bushido, der zunächst abgewiesen wurde, einer der gefragtesten Personen in der deutschen Musikbranche. Dieser rote Faden setzt sich bis heute fort: Zuerst wollte den Rapper keiner, dann arrangierte man sich mit ihm, weil es sich verkaufte.

Selten hat jemand für dermaßen Aufmerksamkeit gesorgt wie Bushido, der eine Projektionsfläche für Tabubrüche, Superlative und Inszenierungen darstellt - und das noch glaubhaft. Der Migrantenjunge aus Berlins Südbezirk Tempelhof steht auf Du und Du mit Spitzen-Politikern, Chefredakteuren und der Fußballnationalmannschaft. Den Medien beschert er Top-Stories und hohe Quoten, die geballte Öffentlichkeit, die er dadurch bekommt, macht er bei seinen Konzerten und Promo-Touren zu Geld. Achtzig-Tausend Euro pro Stunde Bühnen-Auftritt soll er, laut Süddeutsche Zeitung, mittlerweile einnehmen.

Das soziale Milieu, die Geschichten, die Bushido in seinen Texten beschreibt, finden trotz kritischer Vorbehalte großen Anklang - besonders bei vielen Jugendlichen aus den sogenannten sozialen Brennpunkten. Er spricht die Sprache vieler junger Migranten, hat den Nagel auf den Kopf getroffen, ganz gleich welche Herkunft oder Bildungsabschluss seine Zuhörer haben. Sie haben in der Figur "Bushido" ein omnipräsentes Vorbild gefunden, der nicht nur so aussieht wie sie, sondern was viel wichtiger ist ihre Lebensrealität widerspiegelt. Sie schenken Bushido jene Aufmerksamkeit, die sich viele Pädagogen und Sozialarbeiter wünschen würden.

Dass Bushido mit seinen sexistischen- und homophoben Texten - die im Jahresintervall von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien indiziert werden - junge Menschen beeinflusst, steht außer Frage. Die Texte müssen aber darüber hinaus kontextgebunden und als typisches Stilelement des Rap betrachtet werden.

Mit der Bambi-Auszeichnung beerbt er den Real-Madrid-Kicker Mesut Özil und bekommt den ältesten deutschen Medienpreis. Die Entscheidung Bushido eine Auszeichnung für Integration zu verleihen ist mutig. Wenn man aber alle Aspekte seiner Person und seiner Arbeit durchleuchtet ist sie richtig. (Toumaj Khakpour, daStandard.at, 9. November 2011)

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ChrisP82
01
16.11.2011, 17:11
Es gibt in Europa Frauen wie Ayaan Hirsi Ali

bzw es gab sie weil Hirsi Ali mittlerweile in den USA leben muss unter permanenten Personenschutz, weil sie ihr Leben riskiert für der Verteidigung eines humanistischen, aufgeklärten Weltbildes gegen eine totalitäre Ideologie, bei der Abfall von Glauben ein todeswürdiges Verbrechen ist...
http://www.youtube.com/watch?v=SjDJyQhWf9g

solche Frauen auszuzeichnen dafür fehlt den Medien- und Meinungsmacher naturgemäß die Courage, da bieder man sich lieber einem Proll-Rapper an, dessen einziger Verdienst ist, zu beweisen, dass die Medienverantwortlichen noch niveauloser sind als seine Aggro-Texte
kasnudl.wordpress.com

helge schneider
00
14.11.2011, 19:55
von savas und kollegah (um 2 von 1000 zu nennen)

hat der author wohl noch nie was gehört ?

und die sin wirklich kunstfiguren, während bushido ganz einfach nur er selbst ist - ein sexistischer, dummer junge mit mamakomplex.

bitte, lasst leute schreiben die rap hören.

Che
00
14.11.2011, 21:24
savas hat keinen einfluss..

Savas ist bis spätestens "die besten tage sind gezählt" und das passt aufs wort, total abwärts gegangen, er ist zwar der inhaltlich- und flowtechnisch beste im game, fällt aber nicht auf, ist so wie mc solaar in frankreich. kommt und geht wieder. jetzt hat er ein neues album (aura), erste single mit naidoo in den vocals. man ist gespannt.

Kollegah ist cool, hat eine gute cypher, aber er ist auch nicht wirklich mehrheitsfähig. Die anderen 998 sind dabei auch nur figuren die kommen und gehen, keiner ist konstant geblieben.

achja:

"bitte, lasst leute schreiben die rap hören."

http://themessage.at/?page_id=3264

Andreas W
02
13.11.2011, 11:26
Danke für diesen Artikel der völligen Ignoranz!

Es sind Menschen wie Bushido, die dank ihrer Verbrechen (dabei ist Verhetzung der Jugend noch der geringste Vorwurf) zu Rassismus und Vorurteilen gegenüber Migranten (und deren Nachkommen) beitragen.

Wer das Verhalten eines Bushido als entschuldbare Fehlleistung herunterspielt, spielt Leuten wie Tilo Sarrazin in die Hand.

Beide (Bushido und Sarrazin) sind Brandstifter in einer noch friedlichen Gesellschaft, in de sich zunehmend rücksichtslose gewaltverherrlichende Tendenzen breit machen.

Dass man mit Hasstiraden und Verhetzung junger Generationen Millionen ergaunern kann, ist zudem ein nicht wiedergutzumachendes gesellschaftliches Problem.

Doppelkeks
05
11.11.2011, 15:53

Ich wiederspreche der Autorin dieses Artikels ganz entschieden, dass man Sexismus und Homophobie als kontextgebunden und als Stilelemente des Rap betrachten muss. Sexismus und Homophobie ist unentschuldbar und verachtenswert, egal unter welchen Kontexten!!! Und damit ist Bushido ein No-Go.

cat.
10
12.11.2011, 23:56
das ist ein bisserl hart...

mit dem unentschuldbar. es ist keinesfalls zu rechtfertigen, aber ich würde doch erlauben, aus fehlern zu lernen :-)

palmström
03
11.11.2011, 14:58
Reporterfrage an Bushido: „Was ist, wenn dein Sohn schwul ist?“

Bushido: „Das wäre der Super-Gau. Ich werde aufpassen, dass er nicht homosexuell wird, das ist ja kein Gendefekt, oder? Aber gut: Wenn er schwul ist, dann ist er halt schwul. Deswegen werde ich meinen Sohn noch lange nicht verprügeln.“

Man ersetze Bushido durch einen Deutschen/Österreicher ohne Migrahigru, das Wort schwul/homosexuell durch Muslim und das Wort Sohn durch Nachbar/Arbeitskollege

Und stelle sich vor, was dann los wäre...

Eine Preisverleihung?

accuser
10
13.11.2011, 02:32
Dir ist echt nichts zu blöd, um Deine Polemik anzubringen.

palmström
12
13.11.2011, 11:54
und mal ganz ehrlich

was ist an dem vergleich blöd?

dass er wahr ist und schmerzt?

dass wir aus liebgewonnener gesellschaftsromantik und reflexinschutznahme unfähig sind, entgleisungen zu benennen und distanzierungen einzufordern, wie es korrekterweise geschieht, wenn der lümmel einen anderen hintergrund hat?

unsere gesellschaft misst dauernd mit einem verstellbaren maß, yep

und so eben auch diese jury, bravo, weiter so, irgendwann werden wir gegen die unliebsame realität suggestiv obsiegt haben und dann hoffentlich gar nicht mehr merken, dass die feinde unserer feinde eben auch unsere feinde waren und sind

accuser
10
13.11.2011, 15:51

Es geht in fast allen Artikeln, die ich zu dem Thema gesehen hab, um harsche Kritik an der Entscheidung und negative Reaktionen diverser Organisationen.

Es ist billige Polemik, zu behaupten, dass die Reaktion unter anderen Umständen heftiger ausgefallen wäre - sie ist bereits stark ablehnend. Zum Thema "verstellbares Maß" und so, gell. Aber bitte, um es mit Salomon Franck zu sagen: Verstockung kann Gewaltige verblenden.

palmström
00
13.11.2011, 11:30
und zur sache

hast nichts zu sagen?

dachte ich

Der Waehlerwille
 
03
11.11.2011, 12:18
Der eigentliche Skandal ist nicht dass die Deutschen Preisverleiher hier ins Klo gegriffen haben (das solln die schön selber in ihrem Land auslöffeln)

Ein Skandal ist der Artikel hier der der Einstellung Bushidos begeistert zujubelt, und zwar in "den meisten Aspekten(?)".

So etwas gehört eigentlich in die Aula und nicht in den Standard.

Che
00
11.11.2011, 00:16
Hier seine heutige Rede beim "Bambi":

http://youtu.be/mTDukoIL4mU

palmström
02
11.11.2011, 13:50
noch was

das sensibelchen leidet unter den "bösen worten 2011"

aber selber anderen den tod wünschen gelle

was für ein superheld...

palmström
01
11.11.2011, 13:48
genau die gleiche herumeierei

wie wenn einer von der f zu erklären versucht, dass er etwas gar nicht gesagt hat

intoleranz ist keine meinung, die toleriert gehört

man muss nicht "aufeinander zugehen", wenn der andere sagt, er will dich lieber tot, und sich in der mitte treffen

die ewige leier der intoleranten...

summa summarum ist von vornherein immer klar, wer gut und böse ist, egal was er real macht/sagt

quod licet migrahigru non licet everybody else

frei nach lueger: wer ein fascho is bestimm immer no i...

Rahoul
00
10.11.2011, 20:25
Bushido verkommt leider zur Lachnummer,

wird durch Integrationspreise und im "Stern" verhöhnt.
http://www.stern.de/kultur/mu... 39664.html
Schade, ich mag seine sonorige Stimme- hör ich oft abends, kann man gut einschlafen drauf (der eintönige Sprechgesang ist wunderbar einlullend), das peinlich-wichtigtuerische Macho-Posing hat doch eh kein mit klarem Geist Ausgestatteter ernst genommen, oder?

gänseblümchen
00
10.11.2011, 20:10

hat hier irgendwer geglaubt, die deutsche u-szene mit all ihren netten jungs und mädels (von bushido bis florian silbereisen) ist irgendwie sozial, demokratisch oder gar links (was immer das sein soll)?

erfrischend offen daher die preisvergabe: sexistisch, rassistisch, intolerant, gewaltgeneigt.

politisch verfolgt
05
10.11.2011, 19:45
deutschland

schafft sich ab.

niewieder nett
 
03
10.11.2011, 19:11

aaaahhh was ist das für ein artikel aaaahhhh

der artikel ist unpackbar naiv und bar jeder kritischen beobachtung. unglaublich.

V995
13
10.11.2011, 18:12
Hirn für ihn wäre besser

wenn der ein beispiel für gelungene integration ist ist der strache ein linker

Strellnikow
00
10.11.2011, 18:23
naja, kann man nur sagen

Strache ist linksradikal!!!

deranwalt.at
17
10.11.2011, 17:42
Wer verzapft so an Schmarrn

Der Schlusssatz: "Wenn man aber alle Aspekte seiner Person und seiner Arbeit durchleuchtet ist sie (Anm. die Entscheidung ) richtig " ist ja der Oberhammer. Der Kommentar vollkommen daneben. Die Rapper-Szene ist grundhomophob, zT faschistoid , rechtsradikal - ruft zur Gewalt auf, verstärkt Klischees, verfestigt alte, überkommene Strukture, und predigt Intoleranz pur- wird in den Raps unentwegt verherrlicht usw.. Woher - kommt denn die fragwürdige politische Grundeinstellung der Migrantentkinder- Jugos, Türken, Araber, Libanesen usw? Genau von jenen "Vorbildern" wie Bushido und Sido etc. Wenn solche Leute Auszeichnungen erhalten, dann gute Nacht.

Thomas Michael1
00
12.11.2011, 12:08
Sido

Da liegen Sie genau richtig.

Ich finde es nicht weniger bedenklich, dass solche Figuren in Medien gefragt sind und Shows im Fernsehen machen. Sicher da muss man dann eh handzahm sein, aber das Signal ist einfach falsch.

Das Signal nämlich, dass wer skrupellos (und geistlos) polarisiert und hetzt am Ende noch kräftig belohnt und anerkannt wird.

Fluch des Kapitalismus?

crème brûlée
01
10.11.2011, 16:51

"bambi" für bushido?
ich glaub, die wollten ihn nur ärgern.
das schlimmste, das man einem toughen rapper aus dem kiez antun kann, ist sein fleißig kultiviertes image als "böser bube" mit so einem preis zu unterminieren.
so gesehen erscheint die bambi-verleihung recht subversiv.
andere erklärung: kultureller masochismus eines establishements mit weichem rückgrat. aber dazu bin ich noch nicht ausreichend pessimist.

Der Waehlerwille
 
16
10.11.2011, 16:31
Gegen Bushido ist Sarrazin links.

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