Sport und Integration

"Rapid ist für alle da"

Güler Alkan und Toumaj Khakpour, 17. November 2011, 17:00
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    foto: apa

    Derby in Wien: Wenn Rapid gegen die Austria spielt, dann findet sich auf Platz und Rängen ein Gutteil Migranten.

Spieler und Fans sind sich einig: Auf dem Rasen stehen Leistung und Teamgeist im Vordergrund, nicht die Herkunft der Kicker. Ein Lokalaugenschein bei drei Wiener Fußballklubs

Freitagabend, Wien-Hernals. An der Haltestelle Dornbach steigen heute besonders viele Fahrgäste aus dem 44er. Von der Flutlichtanlage angezogen wie die Motten, marschieren sie zum nahegelegenen Fußballplatz des Wiener Sportklubs (WSK). Auch in schwarz-weiße Trikots und Schals eingehüllte Kinder sind mit dabei.

Der Wiener Sportklub ist ein kleiner, aber geschichtsträchtiger Verein, der zwar nicht mehr in der Ersten Liga spielt, aber dennoch auf viele treue Fans zählen kann. Der 27-jährige Werkstudent Cornelius, der mit seinen Freunden an einem Würstelstand vor dem Stadion haltmacht, ist einer davon. Das Besondere am WSK sei, dass "wer auch immer du bist, du akzeptierst wirst", sagt Cornelius. Das fange schon bei dem einfachen Miteinander unter den Fans an -, "egal ob die mit Kind oder Hund auf der Tribüne stehen".

Aber nicht nur von der Akzeptanz unter den Fans ist er angetan. "Ich finde es schön, dass die Herkunft der Spieler nicht hervorgehoben wird, dass es nicht als etwas Besonderes, sondern als Normalität gesehen wird. " Diese Selbstverständlichkeit würde Cornelius gern in allen Bereichen der Gesellschaft sehen.

Nur die Leistung zählt

Denn während auf dem Spielfeld nur die Leistung und nicht unbedingt die Herkunft zählt, und viele Jugendliche aus Zuwandererfamilien den Aufstieg zum Profispieler schaffen, wiegt der Migrationshintergrund umso schwerer, wenn es um Arbeitslosigkeit und ausbleibende Schulerfolge geht. Einer, der er es ohne Probleme geschafft hat, ist Coşkun Kayhan. Der 25-Jährige spielt beim WSK im Mittelfeld und war davor schon bei Rapid unter Vertrag. Seine Eltern stammen aus der Türkei, alle vier Söhne der Familie sind im Fußball erfolgreich, der Jüngste, Tanju Kayhan, wechselte im Sommer von Rapid zum türkischen Traditionsverein Beşiktaş Istanbul.

Sein älterer Bruder Coşkun fühlt sich beim Wiener Sportklub sichtlich wohl, die türkischen Wurzeln waren kein Hindernis für seine Karriere. "Ich bin in Wien geboren und aufgewachsen und sehe mich gar nicht als Ausländer, auch in der Mannschaft oder bei unseren Fans ist das kein Thema." Privat sehe das schon anders aus, da hält sich nicht jeder an Fair Play. Ab und zu werde er schon als "Ausländer" beschimpft oder mit Vorurteilen gegenüber Türken konfrontiert. "Aber damit muss man irgendwie umgehen können. Ich sag immer: So wie man ist, so kommt es zurück. Wer sich gut benimmt und gut integriert ist, wird auch keine Probleme haben", meint Kayhan.

"Fußballspielen kann jeder"

Anderer Schauplatz, gleiches Ritual: Sabine - von Kopf bis Fuß in Grün-Weiß eingekleidet - steht vor dem Gerhard-Hanappi-Stadion. Für die 42-Jährige ist vor allem der Teamgeist wichtig: "Fußballspielen kann ein jeder. Es ist vollkommen egal, woher er kommt. Hauptsache, er fügt sich in die Gemeinschaft ein." Der 18-jährige Maximilian aus Niederösterreich fügt hinzu, dass "Rapid nicht nur für Österreicher da ist, sondern für alle". Für den 29-jährigen Rapid-Fan Gernot spielt die Herkunft der Fußballer ebenfalls keine große Rolle. "Es kommt auf die Persönlichkeit des Spielers an und ob er den Fans sympathisch ist."

Ohne Legionäre geht nichts

Beliebt sind die Fußballer mit Migrationshintergrund allemal. An diesem Abend fallen oft die Namen Markus Heikkinen, Steffen Hofmann oder Hamdi Salihi, wenn es um den persönlichen Lieblingsspieler der Rapid-Fans geht. Heikkinen ist Finne, Hofmann Deutscher und Salihi stammt aus Albanien. "Von den Fans fühle ich mich sehr gut unterstützt", sagt Salihi. "Keine Mannschaft der Welt kann ohne Legionäre auskommen. Als Fußballfan und für die Mannschaft ist das von größter Bedeutung. Ein Fan kann einfach nicht rassistisch sein, da in seiner Mannschaft die verschiedensten Kulturen aufeinandertreffen", erklärt der 26-jährige Angreifer bei Rapid.

ÖFB-Teamspieler und Austria-Mittelfeldmotor Zlatko Junuzoviæ liebt gerade diesen Mix in seinem Job. "Das Schöne am Fußball ist, dass es in nahezu jeder Mannschaft eine Mischung aus verschiedenen Nationalitäten gibt. Man versteht sich auf dem Rasen, aber auch privat, das Herkunftsland oder die Wurzeln spielen dabei keine Rolle. Nur die Leistung für die eigenen Klubfarben zählt", schildert Junuzoviæ seine Erfahrungen.

Der 25-jährige Austrianer, der in Loznica im heutigen Serbien auf die Welt kam, wurde letztes Jahr zum Fußballer des Jahres gewählt - die Leistung war entscheidend.

Diese Reportage ist in Rahmen der Sonderbeilage daSTANDARD entstanden. Morgen können Sie die letzte Geschichte aus der Sonderbeilage zum Thema "Weiterkommen" nachlesen.

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Posting 1 bis 25 von 39
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MichelE
11
20.11.2011, 12:35
gutes thema schwach recherchiert

Also es mag ja so sein, wie der Artikel aussagt, dass von Fanseite kein Unterschied zwischen Personen verschiedener Herkunft gemacht wird -
dies kann ich als Stadiongeher aber definitiv nur unterstreichen, sofern es sich auch um die gleiche Hautfarbe handelt.
Spielt hingegen in einer Mannschaft ein Spieler mit anderer (dunkler) Hautfarbe, kann ich dies leider, und zwar österreichweit (zumindest in der Bundesliga) nicht bestätigen. Vielmehr hat der in Österreich Lebende noch immer nicht gecheckt, dass es auch Afrikaner, Brasilianer u.a. gibt. Leider!
Hier herrscht noch immer die ewiggestrige Borniertheit wie schon bei unseren Großeltern...
Schade, schade.
..auch dass der Artikel dies nicht berücksichtigt & mMn zu sehr auf "heile Welt" macht

politisch verfolgt
12
18.11.2011, 15:11
die sache geht tiefer

spieler mit mihigru sind deshalb so häufig, weil auch in den unteren ligen fast nur mehr kinder mit mihigru zum training gebracht werden. den ur-österreichern ist fußball zu "prolo", witzigerweise oft auch dann, wenn sie selbst prolos sind. ich hatte vor jahren ein gespräch mit einer bekannten. sie meinte, ihr bub würde gerne fußball spielen, worauf ich ihr gratulierte und riet, ihn zu einem klub zu bringen. darauf sie: "sicher nicht, das ist mir zu primitiv." er hat dann tennis gespielt.
ich finde das schade und vermisse übrigens pehlivan, kavlak und speziell kayhan sehr. der bursche hatte den rapidgeist im blut.

hanswurz
11
18.11.2011, 14:31

Keine Mannschaft der Welt kann ohne Legionäre auskommen.
schon mal von dieser einen mannschaft aus bilbao gehört, herr salihi?

Ausgeflippter Lodenfreak
00
18.11.2011, 13:11

Was ist denn das für ein inhaltloser und schwacher Artikel? Dass am Spielfeld Spieler aus aller Herren Länder stehen und bei entsprechender Leistung und Charakter von allen Fans auch von den rechten und fremdenfeindlichen akzeptiert und gefeiert werden, ist schon seit einigen Jahren so und heute eine Selbstverständlichkeit. Die viel interessantere Frage wäre, warum trotzdem die Ausländer unter den Fans praktisch nicht vorhanden sind. Auf den Tribünen sind bei Austria und Rapid praktisch keine Ausländer, bzw. sind sie Einzelfälle. Ist das nicht auch ein Zeichen für die fehlende Bindung an die neue Heimat (auch Stadt, Bezirk, Bezirksteil, Verein, usw.), bzw. die fehlende Bereitschaft dazu?

Holy Cow
00
29.11.2011, 19:48

typisch das als gleich als quasi antiösterreichisch oder besser integrationsunwillen ("fehlende Bindung an die neue Heimat") abzustempeln. der fußball ist den meisten leuten die hier eine neue heimat gefunden haben einfach nicht attraktiv und gut genug. wenn ich in england, spanien oder deutschland leben würde, könnte ich mir sehr gut vorstellen jede woche ins stadion zu gehen, aber in wien oder österreich einfach zu fad. die einfache und für den hiesigen fußball schmerzhafte wahrheit. und kommen's mir jetzt nicht mit "ohne fanunterstützung wirds nie besser"...die chance haben die österreichischen teams nie ergriffen, die fans schon viel zu oft im stich gelassen...

michael irgendwie
01
18.11.2011, 12:14
schade um einen ansich guten artikel ...

die schlagzeile "rapid ist für alle da" in einem artikel zu verwenden in dem es grundsätzlich um integration im fußball in wien bzw. allgemeinen geht ist mal so richtig falsch gewählt weil wieder 1 klub besonders hervorgehoben wird.

ist der wac oder die austria etwa nicht für alle da? hat da doch nur die "elitäre" schicht zugang?

und wer ist zlatko Junuzoviae? mir wäre kein teamspieler bekannt der so heißt. oder wird etwa in jedem medium in österreich (inkl. standard) herr junuzovic falsch geschrieben? glaub ich kaum denn meines wissens gibt es kein zeichen æ im deutschen sprachgebrauch.

cheesus
00
18.11.2011, 17:29

kritikpunkte wurden registriert und werden in kuerze dem salzamt weitergeleitet.

iSuck
00
18.11.2011, 14:31

immer noch besser als der eurosport kommentator bei dem aus junuzovic auf einmal juzunuvic wurde...;)

§83SPG
01
18.11.2011, 12:03

Der Artikel erinnert in seinem Stil an eine Klassenarbeit von Hauptschülern. Zu dem Thema gebe es mehr und Interessanteres zu berichten.

wurm83
 
20
18.11.2011, 11:38
bedenklich

gerade erst haben wir durch einen massiven fall von verharmlosung einen super przendenzfall in deutschland...und trotzdem machen wir munter weiter...

so zu tun als gebe es gerade unter den fußballfans nicht eine durchaus beachtliche ausländerfeindliche bewegung ist einfach wegschauen....mehr nicht

das problem ist, dass hier die typisch österreichische latente ausländerfeindlich zu tage tritt...fragst du die leute nämlcih nach ausländischen spielern kommt:

na eben ich hab kein problem mit ausländern solange sie gut integriert sind....ABER (und über diesen teil wird leider nciht berichtet) 99,9% sind ja sozialschmarotzer die uns nur ausnutzen und ausserdem hat der HC gsagt...

cheesus
00
18.11.2011, 17:32

es gibt ungefaehr 11 millionen artikel ueber fussballfans und rassismus. macht es da wirklich etwas aus jetzt einen artikel zu lesen in dem es um die toleranteren stadionbesucher geht?

politisch verfolgt
00
18.11.2011, 15:05
so ein unsinn

wie kommen sie dazu, alle leute, die gerne ins fußballstadion gehen, in einen topf zu werfen und das absurderweise noch mit den deutschen vorkommnissen zusammenzuwürfeln?
ich tippe, daß da wieder mal einer postet, der nie ins fußballstadion geht.

tan48
32
18.11.2011, 10:34
Ironie der Geschichte...

... ist, dass gerade die Austria ein Nazi-Problem hat.
Zeigt eigentlich, wie dumm dieses Gesindel wirklich ist.

austria forever
01
18.11.2011, 13:44

Ironie Ihres Postings ist, dass auch andere Vereine ein Nazi-Problem haben.
Zeigt eigentlich, wie dumm manche Poster sind.

tan48
10
18.11.2011, 14:16

Habe ich etwas anderes behauptet?
Menschen wie Sie sind der Grund, warum Fußballballfans einen so schlechten Ruf haben.

Mercutcio
 
00
18.11.2011, 14:50
@ tan48

Irrtum.

Fußballfans wie Sie (Stichwort "Gesindel") zeigen deutlich auf, wie weit man in Hütteldorf und am Verteilerkreis noch entfernt ist, um sich in Sachen 'Xenophobie- und Hass-befreiter Support' tatsächlich in einem Atemzug mit Sportklubanhängern wähnen zu dürfen.

tan48
00
18.11.2011, 15:08

Stimme ihrem Statement zwar insofern zu, dass der WSC auf dem richtigen Weg ist, würde mich aber interessieren, was ich jetzt mit Rapid bzw. Austria zu tun habe?
Außerdem war das "Gesindel" auf Nazis und nicht auf Anhänger irgendeines Fußballklubs bezogen.

kevin dorfman
02
18.11.2011, 10:13

mein schönstes ferienerlebnis.

(HR15714N
03
18.11.2011, 09:10
"Keine Mannschaft der Welt kann ohne Legionäre auskommen."

bis auf Athletic Bilbao

hanswurz
00
18.11.2011, 14:32

au verdammt... hab gerade das gleiche gepostet ;-)

Bitte drei Bier!
01
18.11.2011, 10:12
Und die kommen sogar ohne Legionäre aus Spanien aus!

Viva Zapata!
00
18.11.2011, 10:21

obwohl sich die Herri Norte nicht in die Vereinspolitik einmischt. ;-)

freeye
11
18.11.2011, 09:53
hehe

selber gedanke. vielleicht sind die deshalb so unsympathisch?

-Lucien-
00
18.11.2011, 08:37

die Rapid Ultras stehen europaweit für Toleranz und Integration - lol.....

O5
20
18.11.2011, 05:51

Das Witzige ist dass beim Fußball selbst der Allerdümmste kapiert dass die Leistung entscheiden muss, nicht der Reisepass. Aber sobalds um einen "normalen" Job geht gibts dann wieder unzählige Hindernisse für Ausländer, da ist die Leistung dann plötzlich zweitrangig. Es bleibt zu hoffen dass diese Widersinnigkeit mehr und mehr Fußballfans auffällt.

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