Menschen statt Bettwäsche und Kühlschränken

Jasmin Al-Kattib, 18. November 2011, 15:00
  • Die Uganderin Lydia Wapp will in einem Sozialberuf in Österreich Fuß fassen.
    foto: richard kromp

    Die Uganderin Lydia Wapp will in einem Sozialberuf in Österreich Fuß fassen.

Lydia Wapp, auf dem Sprung vom Zimmermädchen zur Pflegehelferin, will endlich ihre Kinder zu sich holen

Im Leben von Lydia Wapp drehte sich im vergangenen Sommer alles ums Deutschlernen. Die gebürtige Uganderin hatte in den letzten Jahren als Zimmermädchen in verschiedenen Hotels gearbeitet und in ihrer knapp bemessenen Freizeit ehrenamtlichen Sozialdienst geleistet. Mit Anfang vierzig entschloss sie sich schließlich, noch einmal eine Ausbildung zu beginnen, um endlich hauptberuflich in den Gesundheitsbereich wechseln zu können. Im September hat sie den Aufnahmetest zur Pflegehilfeausbildung bestanden.

Für Lydia Wapp ist es ein großer Erfolg, in den zweijährigen Lehrgang zur Sozialbetreuerin und Pflegehelferin bei der Caritas in Wien aufgenommen worden zu sein - nicht nur weil sie es dank der Prüfungsvorbereitungen geschafft hat, den Aufnahmetest auf B1-Niveau zu bestehen, sondern auch weil sie sich dadurch einen langgehegten Wunsch erfüllt: "Ich wollte immer Krankenschwester werden, aber in Uganda brauchte man dazu in den Fächern Physik, Chemie und Biologie die besten Noten - und die habe ich nicht gehabt." Also machte die heute zweifache Mutter nach der Schule eine Tourismusausbildung.

Vor sechs Jahren zog es die heute 41-Jährige der Liebe wegen nach Österreich. Ihre beiden Kinder sollten bei den Großeltern in Uganda bleiben - so lange, bis es möglich geworden wäre, auch für sie ein Visum zu bekommen. Doch die Ehe hielt nicht lang: "Die Familie meines Exmannes hat wegen meiner Hautfarbe immer Stress gemacht. Wir haben alles versucht, aber am Ende war das alles zu viel für uns." Nach der Scheidung hätte sie nach Uganda zurückgehen können, doch sie entschloss sich wegen besserer Arbeits- und Ausbildungsmöglichkeiten zu bleiben.

Inzwischen ist Österreich ihr zweites Zuhause geworden. Doch ihr Dasein als "telefonische Mutter", wie sie sagt, mache ihr sehr zu schaffen. Um einen Visumantrag für ihre Kinder stellen zu können, muss sie ein Einkommen von 1000 Euro netto nachweisen. "Als Zimmermädchen habe ich nur 800 Euro verdient und in diesem Bereich gab es keine Möglichkeit für mich, beruflich weiterzukommen. Außerdem hatte ich wenig Kontakt zur deutschen Sprache, ich habe immer nur Bettwäsche und Kühlschränke gesehen."

Magische 1000-Euro-Grenze

Noch zwei Jahre lang wird es dauern, bis Lydia Wapp die magische 1000-Euro-Grenze überschreiten kann. Ausgebildete PflegehelferInnen bekommen in Österreich sofort einen Job, und die Verdienstmöglichkeiten liegen bei 1400 bis 1700 Euro brutto. Neben der Aussicht auf die Möglichkeit, dann ein Visum für ihre Kinder zu bekommen, begeistert sich die angehende Pflegehelferin sehr für die Arbeit mit Menschen, die dringend Hilfe benötigen. Wenn sie die Wahl hätte, würde Lydia Wapp später gerne in einem Spital arbeiten, "weil es dort nicht nur ältere, sondern auch junge Menschen zu betreuen gibt. Es würde mich sehr freuen, den Fortschritt zu sehen, wenn ein Siebenjähriger nach einer Krankheit gesund wird und wieder zur Schule gehen kann."

Im Rahmen der Ausbildung bekommen die LehrgangsteilnehmerInnen mit nichtdeutscher Muttersprache drei zusätzliche Deutschstunden pro Woche. Doch der Einstieg in den Pflegeberuf wird trotz vieler Praktikumsstunden nicht leicht werden, meint die zielstrebige Uganderin: "Um auch die Dialekte zu verstehen, braucht man wirklich gutes Deutsch. Ich hoffe, ich schaffe das."

Ob Lydia Wapp nach dem Abschluss ihrer Ausbildung tatsächlich in Österreich bleiben und ihre beiden Kinder zu sich holen kann, wird sich zeigen. Sie könne sich nicht gänzlich darauf verlassen, dass sich in zwei Jahren die Gesetzeslage nicht wieder verändert hat. "Vielleicht muss ich dann Walzertanzen lernen", scherzt Lydia. Wenn sie mit ihren Kindern nicht in Österreich leben kann, zieht sie auch eine Rückkehr nach Uganda in Erwägung. (Jasmin Al-Kattib, 15. November 2011, daSTANDARD)

Dieses Portrait ist in Rahmen der Sonderbeilage daSTANDARD entstanden.

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Wünsche ihr viel erfolg

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wenn kritische beitraege nicht verpoeffentlicht werden koennte man die kommentarfunktion ja auch gleich loeschen

in ihrem fall trifft das ja eh nicht zu.

was von ihnen nicht durchkommt ist nicht kritisch sondern rassisitsch, sexistisch, verharmlosung von und indirekte aufforderung zu gewalt. oft auch nicht besonders intelligent.

in dem fall wäre also irgendwas da gestanden von subsahara-afrikanern (ja, wir verstehen, wie sie das meinen), die sie für minderwertig halten, dann noch irgendwas von frauen, die besser zuhause bei den kindern bleiben sollten und ihre ansichten zu gemischtrassigen ehen will wirklich keiner hören.

dem foromaten ist zu danken.

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eines der hauptmotive von gegnern der massenzuwanderung nach europa und anhaengern einer realitsischen einschaetzung des melting pot usa ist der unwille gewalt zu akzeptieren weil dadurch andere ideale wie diversitaet erreicht werden

"Ausgebildete PflegehelferInnen bekommen in Österreich sofort einen Job, und die Verdienstmöglichkeiten liegen bei 1400 bis 1700 Euro brutto."

Wenn die sofort einen Job bekommen, besteht wohl akuter Mangel. Wieso steigen dann die Löhne nicht? Hier versagt anscheinend die Marktwirtschaft. Wenn der 100000ste BWLer oder ein hochspezialisierter Ethnologe kaum was verdient ist das ja noch nachvollziehbar, aber als gefragte Plegekraft sollten die Löhne doch steigen: Wieso nicht auf 2000, 3000 Brutto?!

ganz einfach: pflegehelfer um 2000€ sind nicht gefragt. gefragt sind die um 1400€. es ist also nicht die merktwirtschaft die versagt, sondern ihr verständnis der marktwirtschaft.

Es muss aber auch das Geld da sein um es zu bezahlen

"Als Zimmermädchen habe ich nur 800 Euro verdient und..."

Unglaublich, es muss endlich ein Mindestlohn jenseits der 1000 € netto existieren!

ach. solche sachen passieren auch in angesehenen branchen und bei lange und gut ausgebildeten akademikern.

das kann ich mir kaum vorstellen, wenn die Kollektivvertragseinstufung korrekt vorgenommen wird...

Kollektivvertragseinstufung

irgendwie haben sie ein ganz schön grosteskes weltbild ...

EUR 800,-: Das war entweder illegal oder Teilzeit.

Der tarifvertragliche Mindestlohn für ein Stubenmädchen in Vollzeit (40 Wochenstunden/5-Tage-Woche) betrug Anfang 2011 EUR 998,-.
Was natürlich immer noch viel zu wenig ist, da die Arbeit auf der Etage die anstrengendste im ganzen Hotelbetrieb ist.
Wobei: Zumindest mit den Ansprüchen eines städtischen 5-Stern-Hotels findet man zum Tariflohn keine gute Etagenmitarbeiterin mehr. Neben der physischen Beanspruchung bei höchstem Sauberkeitsanspruch verlangt der Job ja auch ein Auge für die Raumkomposition, Liebe zum Dekorationsdetail, Fremdsprachenkenntis(se) und absolute Vertrauenswürdigkeit (Gästewertsachen!).
Nicht für EUR 998,-. Hier, in diesem zugegeben sehr engen Bereich, reguliert der Markt ausnahmsweise mal die Löhne nach oben. Gut so.

Danke, wenn dies tatsächlich der Mindestlohn ist, dann sollte er fast 1:1 als Nettobetrag ausbezahlt werden..

Da sind viele Tricks möglich, die - so wie ich Gastronomie und Hotellerie kenne - gnadenlos ausgenutzt werden, um die schlechtest bezahlten Mitarbeiter ausnehmen zu können wie Gansln: Sachbezüge etwa, a.k.a. "geldwerter Vorteil".

2x2-Meter-Kammerl mit Bett, Schrank. Täglich ein Teller Essen, was halt bei den Gästen weniger gut angekommen ist? Sogar Gutscheine für den Besuch der hoteleigenen Sauna wären ein "Sachbezug", und werden zu den lohnsteuerpflichtigen Einnahmen des Arbeitnehmers gezählt. Dieser muss dafür de facto weniger Gehalt zahlen, soweit ich weiß.

Nettoeinkommen

ist gefragt - in Kollektivverträgen werden Brutto-Gehälter angegeben.

Solche ZuwanderInnen kann man sich nur wünschen...

weiterhin viel Glück, auf dass sie bald ihre Kinder in die Arme schließen kann....

sie wirds nicht leicht

haben aber ich hab respekt das sie sowas noch in angriff nimmt und wünsch ihr viel glück.

sie ist nicht die einzige schwarze Pflegerin in Wien und es ist für Schwarze, Männer wie Frauen, nicht wesentlich schwieriger als für die anderen. Von einem kleinen harten Kern von Rassisten abgesehen sind die Wiener recht aufgeschlossen.

werden die anderen auch allen von den schwiegereltern wegen der hautfarbe gemieden und sind deren kinder in uganda?

ich kenne eine Frau mit afrikanischem Mann und einen Mann mit einer in Österreich lebenden Slowakin, vom dritten weiß ich nichts

Aber das Schneiden der Schwarzen Schwiegertochter ist sicher nicht in allen österreichischen Familien üblich. Genauso wenig übrigens wie die herzliche Beziehung zu einer nicht zugewanderten Schwiegertochter.

"Ausgebildete PflegehelferInnen bekommen in Österreich sofort einen Job, und die Verdienstmöglichkeiten liegen bei 1400 bis 1700 Euro brutto."

Für dieses Geld krümmen andere nicht einmal den Finger. Da rennt was schief.

naja nicht viel

das stimmt. Der Jobmarkt ist leider sehr hart geworden. Nach der HTL (Maschinenbau) wurde mir ein Job fuer 1600 Euro brutto angboten bei einer 40 Stunden Woche und 10 pauschalisierten Überstunden.

Nach 5 Jahren HTL und 4 Jahren Studium ( Petroleum Engineering ) hab ich es dann doch geschafft bei einem österreichischen Mineralölkonzern ganze 1708 Euro brutto zu verdienen jedoch für 2 Monate. Für die Diplomarbeit zahlt der Konzern auch 800 Euro brutto. In Österreich kennt wohl keiner das Sprichwort "If you pay peanuts, you get monkeys."

Ebenfalls absolvent einer HTL

jedoch elektrotechnik... hab es mit müh und not und viel betteln auf 1900 brutto geschafft, juhu, es gibt 2 mal im monat fleisch =D

Nach der HTL (Maschinenbau) wurde mir ein Job fuer 1600 Euro brutto angboten bei einer 40 Stunden Woche und 10 pauschalisierten Überstunden.

JBC Energy? :)

Nein :)

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