KFOR-Einsatz

Karriere mit Risiko

Kommentar | Mascha Dabić, 1. Dezember 2011, 11:03
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    foto: heute.at/dastandard.at

    "Heute"-Cover von 30. November 2011

Ein Soldat ist von Berufs wegen für Einsätze in gewaltsamen Konflikten ausgebildet und vorgesehen. Empörung und Verwunderung sind fehl am Platz

"Soldat von Granate getroffen - Koma!" und "Lebensgefahr für unsere Soldaten!" - so lauteten gestern die Schlagzeilen der Gratiszeitung "Heute". Die groß aufgemachte Story handelte vom Schicksal des vierundzwanzigjährigen Korporal Manuel, der bei den jüngsten Auseinandersetzungen zwischen "serbischen Hooligans" und KFOR-Soldaten schwere Verletzungen erlitten hatte.

Zwei Dinge fallen bei der Lektüre des Artikels auf: Zum einen denkt man bei "Hooligans" eher an gewaltbereite Fußballfans als an gewaltbereite Teilnehmer einer politisch motivierten Aktion. Diese Wortwahl des im besagten Artikel zitierten Verteidigungsministers Norbert Darabos wirft Fragen auf (um nicht zu sagen, sie ist fragwürdig). Zum anderen fällt auf, mit welcher Verwunderung und Empörung "Heute" der gegebenen "Lebensgefahr für unsere Soldaten" begegnet. An Ausrufzeichen und anderen dramatischen Stilmitteln wird nicht gespart.

Einerseits ist es durchaus begrüßenswert, wenn das Schicksal eines Soldaten exemplarisch herausgegriffen, und ihm, einem Individuum aus der anonymen und amorphen Masse von Uniformierten, ein Gesicht gegeben wird. Wenn Uniformen und Waffen getragen werden, da wird früher oder später geschossen, und wo geschossen wird, werden unweigerlich früher oder später Menschen verletzt und getötet. Alle diese Menschen haben ein Gesicht, eine Geschichte und bangende Angehörige, unabhängig davon, ob es sich um Soldaten oder Zivilisten handelt. Möglicherweise tragen personalisierte Zeitungsberichte über casualties dazu bei, diesbezüglich ein Bewusstsein bei der Leserschaft zu schaffen.

Dennoch ist es irritierend, welche Meinungsmache Politiker mit Hilfe von Medien mitunter betreiben, wenn "unsere Soldaten" im Ausland Schaden nehmen. Zivilen Opfern wird selten so viel Aufmerksamkeit geschenkt, schon gar nicht dann, wenn es nicht "unsere" sind.

Berufssoldat zu sein ist sehr gefährlich - man nennt das auch Berufsrisiko, was bei der Entlohnung entsprechend berücksichtigt wird, wenn auch außer Frage steht, dass Gesundheit und Leben unbezahlbar sind. Ein Zivilist in einem Krisengebiet zu sein ist ungleich gefährlicher, weil man keine Wahl hat, ob man sich im jeweiligen Gebiet aufhalten möchte oder nicht. Die Biographien von Berufssoldaten und Zivilisten sind nicht vergleichbar und können auch nicht gegeneinander aufgewogen werden, und darum soll es hier auch nicht gehen.
Was jedoch zu denken gibt, ist, wie Politik und Medien immer wieder auf die gleiche Weise militärische Auslandseinsätze inszenieren: Im Vorfeld wird stets beteuert, die Sicherheit der Soldaten sei garantiert. Sobald jedoch das eintritt, wofür die Soldaten eigentlich entsendet wurden, nämlich eine gewaltsame Auseinandersetzung, ist die Überraschung groß, und Politiker wie Journalisten kommen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus.

Mag sein, dass ein Soldat im Auslandseinsatz 99 Prozent der Zeit mit gefahrloser Routine und Warten zubringt. Es muss aber der Öffentlichkeit unmissverständlich klar sein, dass ein Soldat von Berufs wegen in letzter Konsequenz für Einsätze in gewaltsamen Konflikten ausgebildet und vorgesehen ist - in diesem Punkt scheitert die mediale Berichterstattung kläglich.

In der gleichen Ausgabe von "Heute" ist nur wenige Seiten weiter eine Schwerpunktbeilage zum Thema "Karriere mit Lehre". Darin wird unter anderem auf einer ganzen Seite für eine "Karriere beim Heer!" (abermals Rufzeichen) geworben. Von solider Ausbildung und sportlicher Abwechslung ist da die Rede. Vom Berufsrisiko kein Wort. (Mascha Dabić, 1. Dezember 2011, daStandard.at)

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Posting 1 bis 25 von 39
1 2
Wyle E. Koyote
00
24.1.2012, 17:12
der kommentar ist menschenverachtend und zynisch

und ich bin kein freund des österr. bundesheeres.

PS so geht das mit niveau:
http://www.youtube.com/watch?v=v... re=related

Wyle E. Koyote
00
24.1.2012, 17:27
noch besser

Hannes Kartnig
00
28.12.2011, 23:58

gute frau, "politisch" und "gewalttätig" schließen einander aus. es geht immer nur eins ODER das andere. also: hooligans ist in diesem fall schon okay.

Ge. G.
10
6.12.2011, 22:34
es könnte ja auch eine SoldatIN sein!

dem Artikel gebührt eine Zitrone!

immerwiederkritisch
02
5.12.2011, 17:48
wenn "Heute"…

über einen schwer verletzten Soldaten berichtet, dann ist das unseriös… Wenn das der Standard macht, dann heißt's Hintergrund…

Lotzenfekter
 
12
4.12.2011, 03:17
Besser hätt ichs auch nicht schreiben können,

damals, als ich zwölf war...

Wiener Studentin
02
2.12.2011, 17:13

Dass "Heute" kein Qualitätsblatt und die journalistische Kompetenz damit dementsprechend dürftig ist, ist bekannt. Warum wundert man sich also über Aussagen wie "serbische Hooligans"?

Aber auch der Standard-Artikel scheint mir stark überzogen. Natürlich ist Aufregung über Lebensgefahr für Soldaten unnötig, ihnen Respekt für ihren Einsatz zu zollen ist es allerdings nicht. Es ist zwar klar, dass sie sich in Lebensgefahr begeben, aber GERADE deswegen ist es bewunderswert. Wie viele von uns wären dazu bereit?!

Gerald12
10
2.12.2011, 13:27
er ist nicht nur zum töten sonden auch zum sterben ausgebildet

gawi
 
04
2.12.2011, 09:57
"Ein Soldat ist von Berufs wegen für Einsätze in gewaltsamen Konflikten ausgebildet und vorgesehen. "

Der Satz ist genauso grauslich und menschenverachtend wie Jeaneés "Wer alt genug zum Einbrechen ist, ist auch alt genug zum Sterben".
Krone und Standard auf einem journalistischen Niveau.

üawhr
10
2.12.2011, 15:08
dieser "wer alt genug ist" - Sager

ist aber schon immer noch von meiner Landesglatze.

maxbz
03
1.12.2011, 22:36
Ein Soldat der im Einsatz stirbt kann man genauso bedauern,

wie ein Bergsteiger der abstürzt oder jemand der auf der Autobahn ums Leben kommt.

Seltsames Gedankengut in diesem Beitrag.

Der Kluge
03
1.12.2011, 19:42

"Soldat von Granate getroffen - Koma!"
___________

Was ist an der Schlagzeile schlimm? Wie sollte man die politisch korrekt formulieren?

cc zz
00
1.12.2011, 19:20
Unabhängig von "HEUTE"

einer Zeitung deren Leser selbst für "Österreich" zu blöd sind, nichts desto weniger Selbige hier posten:
Was tun wir im Kosovo, habe wir dort einen Schrebergarten, den es zu verteidigen gilt ?

Rahoul
01
1.12.2011, 22:36
Da Sie wissen wollen, warum österr. Soldaten sich im Kosovo befinden, ein paar nützliche Stichworte:

UN-Resolution 1244
Ö= Mitglied bei NATO-Partnerschaft für den Frieden
KFOR

Ich hoffe, auch für Sie ist Friede ein Wert/Zustand, den man schützen sollte, nicht nur Schrebergärten.
Ein bewaffneter Konflikt in Ex-Yu hätte (und hatte!) negative Auswirkungen auf Ö. Wir sind keine Insel.

Markus1975
12
1.12.2011, 17:28
Aha

Zum anderen fällt auf, mit welcher Verwunderung und Empörung "Heute" der gegebenen "Lebensgefahr für unsere Soldaten" begegnet. An Ausrufzeichen und anderen dramatischen Stilmitteln wird nicht gespart.
Lieber Standard, ich kann mich da noch an eine Artikel erinnern, in dem über einen getöteten Einbrecher berichtet wurde, und das weit weniger kritisch ... Aus meiner Sicht muss auch einem Einbrecher klar sein, was bei seinem/ einem Verbrechen passieren kann ... soweit ich mich erinnern kann wurde hier der arme Eibrecher mit allen zur Verfügung stehenden Stilmittel verteidigt ... Und jetzt würdens einem Soldaten nicht das gleich gönnen ... Sehr fragwürdig diese Kritik

super Typ
00
4.12.2011, 02:31

Sie vermischen verschiedene Ebenen.
In dem Artikel wird die erstaunliche Verwunderung darüber thematisiert, dass Soldat ein gefährlicher Job ist. Das Verhalten der Angreifer wird damit nicht gerechtfertigt.
Dass auch Einbrecher ein gefährlicher "Job" sein kann, rechtfertigt auch nicht den fahrlässigen Waffengebrauch von Polizisten.

frisst er sich voll wird er zum troll
01
2.12.2011, 07:40
Meinen Sie den armen Einbrecher ...

dem auf der Flucht vor der Polizei in den Rücken geschossen wurde und man es danach als Notwehr bezeichnet hat?

Wenn mir wer den Rücken zukehrt und flieht fühle ich mich nicht von dieser Person bedroht, Sie etwa?

Der Kluge
02
2.12.2011, 13:25

Die spöttische Schlagzeile "Karriere mit Risiko" hätten beim Einbrecher für Empörung gesorgt, aber österreichische Soldaten, die dafür sorgen, dass sich am Balkan die Ethnien/Religionsgruppen nicht gegenseitig umbringen, sind offenbar weniger wert.

Der lachende Mann
10
1.12.2011, 14:59
Wurde auch eine unserer Soldatinnen verletzt?

ganzsichernicht
 
11
1.12.2011, 14:36
...mageheee, tuts euch ned aufpudeln...

der standard hats ja auch nicht so mit "weisungsfrei", unabhängiger journalismus ist von einem käseblatt, das keiner ernst nimmt sowieso nicht zu erwarten, oder? im gegensatz zum standard, der sich bekanntlich als "qualitätszeitung" tituliert...ein beispiel fällt mir ad hog zur manipulation der "massen" ein : "hälfte der Lehrer gegen gesammtschule". Probierts es mal umgekehrt: "hälfte der lehrer FÜR gesammtschule!" e voila, auf einmal ginge was weiter, lieber standard! innsgegeheim würd ich sogar soweit gehen, dass ich die "medien" als die wahren blockierer der reformen sehe...

cc zz
10
1.12.2011, 19:14
nix in Rage

einfach nur deppert

flieger1961
00
1.12.2011, 16:29
Ad hoc. Gesamtschule. Et voila. Insgeheim.

ganzsichernicht
 
00
1.12.2011, 17:26
wenn ich in rasche bin, baßirt sohwas, herr oberleerer...;)

flieger1961
00
2.12.2011, 07:11
Kenns von mihr... ;-)

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