Kommentar von Olivera Stajić

Verunsichert, verängstigt und alleingelassen

Kommentar | Olivera Stajić, 15. Dezember 2011, 14:26

Ohne medienkritische und politische Bildung wächst eine Generation heran, deren Denken und Handeln von Angst und Neid bestimmt werden

Die Wiener Jugend ist antisemitisch, Türken-feindlich und einige unter ihnen finden, dass "Hitler auch viel Gutes getan hat". Außerdem halten die Jungen nichts von sozialer Gerechtigkeit. Soweit die erschreckenden, kurz zusammengefassten Ergebnisse der aktuellen Studie des Instituts für Jugendkulturforschung.

Die Befragung wurde online und anonym durchgeführt, die Antworten waren vorgegeben: Die 400 befragten Jugendlichen mussten also lediglich ihren Zustimmungsgrad angeben. Die Kritik an den Methoden der empirischen Sozialforschung sollte den Experten überlassen werden. Darüber, wie repräsentativ und zuverlässig diese Ergebnisse sind, lässt sich tatsächlich streiten. Tatsache ist aber, dass sie auf Tendenzen hinweisen, die auch Laien und die sogenannten Normalbürger längst beobachten und kommentieren: Unserer städtische Jugend ist konservativ, fremdenfeindlich und nicht zu vergessen vor allem verunsichert und verängstigt.

Gratis- und Boulevardzeitungen sowie das Internet prägen, unter anderem den urbanen, jugendlichen Zeitgeist. Medienerziehung oder medienkritische Bildung, die regulierend und begleitend wirken könnte, ist in unserem Bildungssystem nicht vorhanden. Das gilt auch für umfassende politische Bildung, die vor den populistischen Aufschreien schützen und zu mündigen WählerInnen machen sollte. Dass sich die Gesellschaft verändert und ethnische diverser wird, erfahren die Jugendlichen auch nicht in der Schule, wo etwa die Geschichte der Einwanderung gelehrt werden könnte. Sie erfahren davon lediglich aus verhetzenden medialen Berichten, die Ängste schüren und Klischees reproduzieren.

In einer Gesellschaft, die sich mitten Umbruch befindet, kann man von 14- bis 19-Jährigen nicht erwarten, dass sie solidarisch, ausgeklärt und sozial gerecht denken und handeln, wenn diese Werte ihnen nicht vermittelt oder vorgelebt werden. Dass Migration ein zeitloses Phänomen und kein Problem ist, muss ein Teil der schulischen Bildung werden. Damit das nationalsozialistische Gedankengut nicht in die nächste Generation getragen wird, muss auch siebzig Jahre danach massive Aufklärungs- und Präventionsarbeit geleistet werden. Damit das Zusammenleben in einer ethnisch diversen und von Migrationsbewegungen geprägten urbanen Gesellschaft nicht von Neid und Angst bestimmt wird, darf sich Integrationspolitik nicht in Aufrufen nach "mehr Leistung" erschöpfen.

In der besagten Jugendstudie wurden die jungen WienerInnen übrigens nicht nach jenen mit Migrationshintergrund und jenen ohne getrennt. Denkt man den hohen Anteil an jungen Menschen mit Migrationsbiografien mit, stellt sich natürlich, die Frage, ob die vorgestellten Ergebnisse auch auf sie zutreffen. Eine Folgestudie wäre wünschenswert. (Olivera Stajić, 15. Dezember 2011, daStandard.at)

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Posting 1 bis 25 von 102
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Wein Franzpolter
10
18.12.2011, 21:28
Warum warum...

... sollten die Wiener Jugendlichen auch anders sein als ihre Eltern?

Wein Franzpolter
20
18.12.2011, 19:59
Warum warum...

... sollten Wiener Jugendliche auch anders als ihr Eltern sein??

maxbz
02
17.12.2011, 19:19
Dass Migration ein zeitloses Phänomen und kein Problem ist, muss ein Teil der schulischen Bildung werden.

Migration ist und war immer ein großes Problem. Das Problem beginnt damit, das jemand auswandert, was er in der Regel tut, weil der durch äußerst schlechte Umstände dazu gezwungen wird.
Der Migrant geht nicht in ein Gastland, weil er dessen Werte und Lebensart schätzt. Wäre es so, wäre die Migration tatsächlich kein Problem.

Politisch unkorrekt
00
18.12.2011, 13:06
Sehr gut geschrieben. Man könnte auch sage das Massenmigration immer ein Ungleichgewicht als Ursache hat und tendenziell woanders eines erzeugt.

Von der heutigen Migration welche zum ersten Mal durch die Technik einen "Nationalismus in der Ferne" ermöglicht, reden wir da noch gar nicht.

maxbz
04
17.12.2011, 19:11
Dass sich die Gesellschaft verändert und ethnische diverser wird, erfahren die Jugendlichen auch nicht in der Schule, wo etwa die Geschichte der Einwanderung gelehrt werden könnte. Sie erfahren davon lediglich aus verhetzenden medialen Berichten

Die Jugendlichen erfahren die ethische Diversifikation im Gegensatz zu älteren Menschen sehr direkt in der Schule, in der inzwischen sehr hohe Migrantenanteile vorhanden sind.
Wenn also österreichische Jugendliche schlecht über Migranten denken, dann kommt das aus einer sehr realen Erfahrung.
Was Sie hier behaupten ist allein dadurch schon sehr grob falsch und Sie sollten Ihren Artikel nochmal selbstkritisch überdenken.

RegR Borromäus Maschitz
00
16.12.2011, 16:42
es ist ein vorrecht der jugend

gegen empfundene ungerechtigkeiten zu demonstrieren.

diese umfrage zeigt die unzufriedenheit mit der herrschenden kaste sehr deutlich!

system1
02
16.12.2011, 10:47
fremdenfeindliche jugend

was genau heisst das? dass die meisten keine österreicher mögen?....

tigermuecke
00
16.12.2011, 09:40

Traue nie einer Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast. Abgesehen davon ist "konservativ, fremdenfeindlich, verunsichert und verängstigt" in allen Schichten und Altersgruppen vorhanden, besonders in Zeiten wie diesen, wo eine Krisenmeldung die andere jagt und sich kaum jemand sicher fühlt.

ascafirithion
01
16.12.2011, 09:34
Politisch korrekte,

liberale und weltoffene politische Bildung hatte ich schon in der Oberstufe.

Bringt mir für die Realität nur leider gar nichts, da sie komplett anders aussieht. Das einzige, was hilft, ist, wenn die Eltern Offenheit von Kleinauf aktiv vorleben.

Emerald
02
16.12.2011, 09:05
Migration

Migration ist zeitlos und immer passend, praktisch wie ein Chanel-Kostüm, das weiß jede Dame mit Stil und Bildung.

Man kann aber noch viel weiter zurückgehen: Bereits im antiken Rom hat man die Migrationsbewegung der Germanen nach Süden als bereichernd empfunden, natürlich nur bei den gebildeten Römern, die wußten, dass sie da aufgrund des ungemein hohen Entwicklungsstandes der diversen germanischen Stämme nur profitieren konnten.

princeps legibus solutus
00
16.12.2011, 10:48
sie sollten sich schleunigst mit der römischen geschichte beschäftigen, bevor sie hier so einen käse verzapfen.

man kann im nachhinein natürlich fesstellen, dass die römer sich einiges von den germanen abgeschaut haben und sie, in ihrem unnachahmlichen pragmatismus, zu ihrer eigenen sicherheit immer wieder versucht haben, germanische eliten einzubinden und zu romanisieren. das ganze galt aber nur für die elite und auch nur vor dem hintergrund des eigenen vorteils

letztendlich herrschte massive angst und unsicherheit vor, nicht umsonst ist die beziehung roms zu den germanen eine extrem blutige, und zwar vom auftauchen der kimbern und teutonen (schlacht bei noreia 113v.) über die feldzüge augustus´, die markomannenkriege des m. aurel bis hin zu den blutigen auseinandersetzungen der völkerwanderungszeit. gute beziehungen sehen anders aus

Emerald
02
16.12.2011, 12:19

Echt wahr? Na so was! :)

Truth is a Troll
00
16.12.2011, 11:36

Ich würde mal auf Sarkasmus seitens Emerald tippen.

princeps legibus solutus
00
16.12.2011, 12:47

ok, da war das cpu noch ein wenig glühweingetränkt von gestern ;-)

knievel
00
16.12.2011, 09:32

dabei wollten die nur ein antikes mallorca okkupieren mussten mangels flugzeug und ausreichender nautischer erfahrung aber am festland bleiben...

Kuh Yvonne
10
16.12.2011, 08:19

- zunehmende Boulevardisierung
- Verblödung durch Medien
- Rücksichtslosigkeit von Banken und Großkonzernen
(wodurch eine Art neoliberaler Sozialdarwinismus "survival of the richest") vorgezeigt wird)
- Ver-Grasserung und Ver-Strasserung in Politik
(hier wurde Egoismus und Abkassier-Mentalität vorgelebt)
- Gehirnwäsche durch Wirtschaft/Werbung
- Familie und Umfeld
- Druck in Schule und Ausbildung
- hierarchische Gesellschaftsstruktur (in Wahrheit autoritär, keine Widerrede erwünscht) und Seelenverschmutzung (siehe oben)
- fehlende Solidarität und Ansprache

Kein Wunder, dass sich nur sehr wenige in dieser Gesellschaft wohl fühlen! Man ist nur mehr eine kleine Nummer, ein Rädchen im unmenschlichen Wirtschaftsgetriebe.

Robgeb er
00
16.12.2011, 07:16
.

Bei den österreichischen Medien ist es besser nicht medienkritisch zu sein - sonst kann man sich gleich den Strick geben!

Londo Mollari
 
03
16.12.2011, 06:55
"vermittelt oder vorgelebt"

vermitteln ist sinnlos, wenn das gegenteil vorgelebt wird. menschen richten sich nach praktischen beispielen, nicht nach theoretischen postulaten. wenn seit 25 jahren die gesellschaft immer brutaler und herzloser wird, dann darf man sich nicht wundern, wenn das nachwachsende generationen übernehmen. gerade wir "erwachsenen" leben genau das vor, täglich, was hier dann dem worte nach kritisiert wird.

gastrosoph
11
16.12.2011, 06:48
Alle Jahre wieder

kommt nicht nur das Christkind, sondern auch solche Studien. Nur die negativen Attribute wie konservativ, fremdenfeindlich, verunsichert und verängstigt treffen auch und vor allem auf die älteren Semester zu - oder ist man der Meinung, Strache & Co wird nur von der Jugend gewählt?! Leise rieselt der Schnee der Verkalkung...

=8-/
00
16.12.2011, 04:45
Apropos: JUGENDSTUDIE - Über den Umgang mit Umfragedaten

http://derstandard.at/132391652... fragedaten

Guttenplag
00
16.12.2011, 04:29

Wie hoch ist nochmal der Anteil der unter 30jährigen im Parlament?

Nuff said. Solange eine ganze Bevölkerungsgruppe einfach nicht politisch repräsentiert ist und nur als Stimmvieh dient, wird sich diese auch nicht zum Positiven entwickeln.

Te Ata
04
16.12.2011, 01:41
Es hilft aber auch nicht..

..wenn österr. Jugendliche schon in der Schule feststellen müssen, dass ihr Land nur der Bildschirmschoner für den Zuzg geworden ist.

Dessen Herz und Hirn ist trotz aller Transferleistungen Österreichs immer noch fest der Heimatscholle zugetan, wie alle Untersuchungen ebenfalls zeigen.

Tschuldigung schon, aber warum soll man das als Bereicherung empfinden? Was genau können österr. Jugendliche für die Zustände in ex-YU oder Ost-TR oder in den Kaukasusrepubliken? Genau nichts.

Johannes Benn
19
15.12.2011, 22:40
.

es ist eine perfide aber nicht ganz erfolglose methode die "richtige" meinung als "gebildet" zu bezeichnen, die "falsche" als "ungebildet"

juuni
00
16.12.2011, 02:13
da muss sogar

ich einmal dem Herrn Benn in der Richtung mehr oder weniger recht geben. Sie ist aber nicht "perfide" sondern einfach schwachsinnig und hat auch nach zig-Lichtermeeren zu absolut gar nichts geführt, außer dazu dass Antirassismus ein universitäres Minderheitenprogramm ist.
Herr Benn, seien Sie froh! Nur dieser Unfähigkeit ist es zu verdanken, dass der Österreicher auch zum schwachsinnigsten Rassismus noch "jawohl!" sagt.
Herr Stajic sollte mal den Rassismus der ach so gebildeten auseinandernehmen. Die ganze Gesellschaft sollte das tun. Der gegenwärtige Umgang erinnert an die Nachkriegszeit, als man klkassische Musik Ende nie im Radio spielte, weil wie aus dem nichts den Arbeitern die Gefolgschaft an den NS angedichtet wurde.

Hermine Berg
 
00
16.12.2011, 18:57
und wer soll dann

die bankenrettung, die eurorettung, die griechenlandrettung, die pensionserhoehungen usw. bezahlen, die wir uns heute auf kredit leisten?

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