Arbeitslosigkeit in den USA

Amerikas neue Lost Generation

Reportage | Willi Kozanek, 10. Jänner 2012, 17:00
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    Allison, Keri, Tootsie und Ellen (v.l.n.r.) unterrichten im Rahmen des Programms "Teach For America".

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    Megan und Phil Crow versuchten ihr Glück in Russland. Demnächst wollen sie nach Südkorea auswandern.

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    Ana hat Pharmazie studiert und arbeitet zurzeit in einem Teeladen.

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    William Pole lebt seit knapp einem Jahr als Englischlehrer in Seoul. Auf dem Bild ist er mit seinem Schüler Hwang (Andy) zu sehen.

Überqualifiziert, unterbezahlt, frustriert: Viele junge US-Amerikaner versuchen ihr Glück im Ausland

Es war schon einmal leichter, Uni-Absolvent in den USA zu sein. Die Nachwehen der Wirtschaftskrise sind in den Staaten immer noch zu spüren, obwohl die Arbeitslosenraten in den letzten Monaten gesunken sind. Die Zahlen können aber einen Trend nicht beschönigen, der auch der jungen, gebildeten Schicht der US-Amerikaner zu schaffen macht: Nicht alle Jobs, die von der Krise gefressen wurden, werden zurückkommen.

Briefträger mit Bachelor-Abschluss

Seit Ausbruch der Wirtschaftskrise sinken die Zahlen jener Universitätsabsolventen, die unmittelbar nach dem Abschluss einen Job finden. Und jene, die Arbeit finden, bekommen ein niedrigeres Anfangsgehalt als vor Ausbruch der Krise. Außerdem benötigt man lediglich für die Hälfte der Einstiegsjobs, die Uni-Absolventen ergattern können, ein Studium. So hat laut "Spiegel" bereits ein Fünftel aller amerikanischen Briefträger einen Bachelor-Abschluss.

Allison, die in Yale Literatur studiert hat, beschreibt die Problematik ihrer Generation so: "Vor 30 Jahren hast du noch ohne Universitätsabschluss einen guten Job bekommen. Mein Vater ist Elektriker, meine Mutter Krankenschwester, und keiner der beiden hat studiert. Heute aber arbeiten viele Akademiker in diesen Berufen." Allison dagegen landete nach ihrem Bachelor-Abschluss im ärmsten Bundesstaat der USA - Mississippi. Hier unterrichtet sie genauso wie ihre Mitbewohnerinnen Keri, Tootsie und Ellen im Rahmen des Programms "Teach For America". Die vier arbeiten mit Schülern aus sozial schwachen Familien. Ein Pädagogikstudium hat aber nur Keri abgeschlossen. Allison glaubt, dass "Teach For America" zu einem Rettungsanker für viele Studenten wurde, die eigentlich nie vorhatten, Unterrichtserfahrung zu sammeln: "Ich hatte in Yale Freunde, die Investmentbanking oder Recht studierten. Diese bewarben sich auch für 'Teach For America', weil es sich gut im Lebenslauf macht und zumindest ein gesichertes Einkommen beschert."

Auswanderungsland USA

Vordergründig schützt Bildung auch in den USA vor der Arbeitslosigkeit. Die Arbeitslosenquote für "frische" Universitätsabsolventen beträgt in den USA knapp neun Prozent, für alle Personen mit mindestens Bachelor-Abschluss gut vier Prozent. Im Vergleich zu Österreich (2,4 Prozent) ist diese Rate hoch, aber ohne Universitätsabschluss steigt sie beträchtlich. Die Arbeitslosenraten für neue Highschool-Abgänger und Highschool-Abbrecher liegen nämlich bei 22,9 bzw. 31,5 Prozent.

Im Zuge dieser Krise geschieht in den USA etwas Ungewöhnliches: Leute verlassen das klassischste aller Einwanderungsländer. Mehr US-Amerikaner denn je leben außerhalb der Staaten. Mehr als sechs Millionen US-Bürger sind es, die zurzeit im Ausland studieren oder arbeiten.

Ernüchterung nach Uni-Abschluss

Für Megan und Phil Crow führte die Reise nach Russland. Die beiden wollten in St. Petersburg Englisch unterrichten, da ihrer Meinung nach "die Jobsuche in den USA eine Lotterie" ist. Sie sagen, es sei wichtiger, Netzwerke zu haben und Menschen mit Einfluss zu kennen, als einen Master-Abschluss vorzeigen zu können. Die beiden studierten in Pittsburgh "Medien und Animation" und arbeiteten nach ihrem Abschluss in der Videospieleindustrie. Rückblickend lassen sie aber an ihrer Alma Mater kein gutes Haar: "Unsere Universität wollte in erster Linie Geld machen, und so wurde jeder aufgenommen, der die Studiengebühren zahlen konnte. Darunter litt natürlich die Qualität des Studienprogramms, und die Brutalität des Arbeitsmarktes führte bei vielen zu Desillusionierung." Der erste Versuch auszuwandern entpuppte sich allerdings als Reinfall. Phil Crow wurde in St. Petersburg wochenlang nicht bezahlt und entschied sich für die Heimreise. Die beiden planen allerdings einen zweiten Auswanderungsversuch - dieses Mal soll es nach Südkorea gehen.

Rettungsanker Südkorea

Dort könnten sie auf William Pole treffen. Der 24-Jährige lebt seit knapp einem Jahr als Englischlehrer in Seoul. Nachdem er in Montreal Germanistik studiert hatte, zog er wieder zu seinen Eltern und arbeitete monatelang in Aushilfsjobs. Seine jetzige Heimat Südkorea wurde in den letzten Jahren für viele Amerikaner zu einem "Prag des 21. Jahrhunderts". Lebten viele Englischlehrer in den 90er-Jahren noch in Prag, ist heutzutage Südkorea zu einem Magnet für sie geworden. Über 20.000 US-Amerikaner unterrichten heute in Südkorea. Pole fühlt sich in Seoul wohl, er lernt immer mehr Einheimische kennen, trifft sich seltener mit anderen amerikanischen Englischlehrern. Noch mindestens ein Jahr will er in Südkorea bleiben, falls sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt aber verbessert, will er in die USA zurückgehen: "Viele Amerikaner sprechen in einer apokalyptischen Weise über die Lage am heimischen Arbeitsmarkt. Ich bin da vorsichtig, glaube aber dennoch, dass es nicht mehr so leicht möglich ist, einen Schreibtischjob in den USA zu bekommen, wie noch vor ein paar Jahrzehnten."

Problem Überqualifzierung

Es sind aber nicht nur Geisteswissenschaftler, die am amerikanischen Arbeitsmarkt scheitern. Ana hat Pharmazie studiert und arbeitet zurzeit in einem Teeladen. Sie denkt zwar, dass sich viele Absolventen mit ihrer Studienwahl selbst das Leben schwer gemacht haben, zweifelt aber dennoch, ob sie einen Master oder Doktor anstreben soll: "Ich war bei einer Pharmaziemesse. Dort sprach ich mit ein paar Pharmazie-Doktoranden, die mir sehr davon abgeraten haben, ein Doktorat anzufangen. Firmen interessieren sich laut deren Meinung mehr für Leute mit einem Bachelor oder Master und ein paar Jahren Berufserfahrung. Überqualifizierte Leute wollen sie nicht, da sie diesen mehr bezahlen müssen." Die schlechtesten Aussichten auf einen Arbeitsplatz hat man zurzeit übrigens mit einem Architekturabschluss. Knapp 14 Prozent der Absolventen können nach ihrem Studium keine Arbeit finden.

Steigt der Emigrantenanteil noch weiter?

Während sich einige College-Absolventen in staatliche Bildungsprogramme retten, andere Mastergänge oder Doktorate anfangen, um noch besser qualifiziert zu sein, und wiederum andere überqualifiziert für ihren Arbeitsplatz sind, steigt in Zukunft womöglich noch einmal der Anteil jener US-Amerikaner, die ihr Glück im Ausland versuchen. Einer Umfrage zufolge würden nämlich 40 Prozent der 18- bis 24-jährigen Amerikaner ihr Land verlassen, wenn sie im Ausland die Möglichkeit einer fixen Anstellung hätten. (Willi Kozanek, daStandard.at, 10.1.2012)

Kommentar posten
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nesher
00
der artikel ist etwas verzerrt

auch wenns stimmt, handelt es sich um eine vorübergehende Phase der Kriese.

hingegen sieht europa auf langer sicht nur düster aus! wir in europa könnten nur von einer US wirtschaft räumen

DirtyHarry
01
10.3.2012, 17:29
"ie"

ich bekomme die Krise...

Hanns Ch.1
00
21.2.2012, 02:09
brain drain,..

die hohe besteuerung von arbeit und die steuerfreie abschöpfung des kapitals der privatwirtschaft ist mitunter ein grund für diese entwicklung,..
mit weitreichenden konsequenzen für westliche länder,..
in wenigen jahren sind nicht nur produktionen völlig ausgelagert, sondern auch die geistigen kapazitäten und forschung,...
dafür übernehmen billige import-arbeitskräfte hierzulande die arbeit,..

das frei zirkulierende frisst ganze gesellschaften auf, bislang zeigt die politik keine ansätze, hier etwas zu ändern,..

dieDritteGeneration
00
22.2.2012, 21:52

Die Produktion kehrt teilweise schon wieder zurück. Speziell im Süden der USA werden wieder Fabriken eröffnet - die Besitzer sind jetzt aber Chinesen, und zahlen deutlich niedrigere Löhne an ihre amerikanischen Arbeiter als diese es aus den goldenen Zeiten gewohnt sind.

peace & love
00
11.1.2012, 19:04
interessant, wie das blatt sich wendet.

auch interessant, dass das erbe bush's und seiner clique noch immer wirkt.

Bergdolm
04
11.1.2012, 18:16
Wir müssen zur Kenntnis nehmen

dass uns in der "westlichen Welt" die bezahlte Arbeit ausgehen wird.

Aufgrund des dramatischen technischen Fortschrittes, der Rationalisierungen und Auslagerungen in Billiglohnländern, wird es überall am Arbeitsmarkt Probleme geben.

Der Mangel an "hochqualifizierten Kräften" ist ein Märchen. Viele Akademiker können nicht entsprechend ihre Ausbildung beschäftigt werden.
Manche Wirtschaftsakademiker (tlw. mit MBA) machen das, was früher Handelsschüler geleistet haben. Nicht wenige verschweigen sogar ihren akademischen Grad bei ihren Bewerbungen.

Wir werden an einer Umverteilung von "Vermögen - Einkommen - Arbeit" nicht herumkommen.
"Demokratisch" wird dies aber noch lange nicht möglich sein, weil die Menschen permanent angelogen werden.

Ich Bins6
02
11.1.2012, 18:15

Zum teil kann ich diesen Bericht zustimmen.

Es ist imMn in der Tat so, dass ein Absolvent eines Bachelor oder Masterprogramms aus den USA um nichts besser ausgebildet ist als jemand der auf der Tu Wien oder in München oder sonst wo in der Eu studiert hat.

Allein der Kreis an Leuten die man (besonders an den absoluten Elite Unis ) kennenlernt entscheidet oft darüber, ob man es in den USA reltaiv schnell nachdem Studium schafft nach oben zu kommen oder nicht.

Dieses Phenomän ist in den USA weit grösser als ich es in AUT und GER beobachtet habe. Obwohls hierzulande sicher auch Kontakte helfen...

dr. kokos
 
02
11.1.2012, 18:08
danke, ronald reagan!

danke, dass du den mittelstand in den usa und in europa ausgelöscht und den kommunistischen (?) diktatoren in der vr china zu unbegrenzter macht und märchenhaftem reichtum verholfen hast.

das ist jetzt das ergebnis von 30 jahren schrankenloser deregulierung!

wer mit offenen augen durch die welt ging konnte sich das von anfang an ausrechnen.

Bergdolm
01
11.1.2012, 18:25

Er - Reagan - war halt Schauspieler und wurde "demokratisch" gewählt.

spoamasta
 
00
12.5.2012, 09:35

war der nicht privat auch ein ziemliches a..?

Der Österreicher
02
11.1.2012, 17:49

Ich hoffe das kommt jetzt nicht falsch rüber:

Aber wenn ich mir die Damen und Herren auf den Fotos anschaue, weiss ich schon warum die Schwierigkeiten haben einen gut bezahlten Job zu bekommen.

The Ghost in the Machine 2.0
 
00
Der Faymann, die Schüssel, die Telekom-Manager etc ..

... laufen in der Freizeit auch léger herum (bei der Schüssel bin ich mir da nicht so sicher) und würden ein ähnliches Bild abliefern - wobei Faymann ja ein "drop out" ist und eine eigene "liga" bildet. Das amerikanische Ehepaar posiert gerade in St. Petersburg. Die Mädels von "teach America" sind auch in Privatsphäre (man beachte den Hund). Ihr post klingt etwas nach "Amerika bashing".

mein Nick: O´laus!
00
29.1.2012, 18:22
Naja, heutzutage schauen Akademiker...

...halt nicht mehr wie Ignaz Semmelweis oder Prof. Sauerbruch aus.

Lichtzeichner
00
12.1.2012, 17:24

dachte mir das gleiche. Und noch einiges mehr in Hinsicht auf repräsentative Akademiker und zwar

.

dr. kokos
 
00
11.1.2012, 18:28

eine öffentlich verlautbarte selbstdiagnose als oberflächlicher mensch kommt nur bei den wenigsten gut rüber.

Eisherz
01
11.1.2012, 18:00
Nö, das kommt schon richtig rüber.

Rückt Sie aber nicht grade ins beste Licht.

Silvio Lackner
00
11.1.2012, 16:56
Bildung und Ausbildung.... Unis haben sich zu "gerateten" Ausbildungszentren

herunterqualifizerien lassen. Statt dass sie kritisiert hätten, dass es nicht sozial ist, den Ausbildungsgrad der Zugangsmöglichkeit zum gesellschaftlichen Wohlstand zu Grunde zu legen (also einen Systemwechsel einforderten), wollten sie an der neuzeitlichen Menschenselektion über die "Höhe" der Ausbildung (statt früher Geschlecht, Hautfarbe, Herkunft, Reichtum) mitschneiden. Jetzt haben sie den Salat. Die Angst ums Überleben hetzte alle immer weiter und höher durch die Ausbildungsindustrie, zu der inzwischen die UNIs selbst gehören. Bitter für jene Familien, die das unter großen Entbehrungen finanzierten. Sie saßen der Qualifikations-Mär auf. Für Jobs reicht ein Bruchteil an AUSbildung. Nur Bilden kann man sich lebenslang.

_ricko_
 
10
11.1.2012, 16:30
"Briefträger mit Bachelor-Abschluss"

hier wie dort, oder erwartet ein bachelor was anderes, außer die tatsache seines titels als polierung der "akademikerzahlen"

Eckman
01
11.1.2012, 16:36

Wenn Sie wüssten, Sie wurden vor Neid erblassen ;0)

Die Wiedergeburt des Melchior Dronte
06
11.1.2012, 16:16

es gibt ganz einfach keinen bedarf für diese Leute.
die mittelständische Industrie existiert nicht mehr, die gesame Produktion und auch das service wird nach Asien ausgelagert, auch die callcenter, bald die medizinischen Dienstleistungen - das geht gut solange die Währung exorbitant stark ist. aber was steht dahinter - eine große Armee, aber keine wirtschaftsleitung mehr! keine Produktion, keine Reparatur, keine Leistung (wos woa eigentlich mei..) die Unterschichten wurden schon überflüssig gemacht, jetzt die Mittelschicht. und wenn die Währung schwach wird, steht der kaiser nackt da.

Ben Ohm
00
11.1.2012, 16:57

Und was ist dann bei uns? Wir haben nicht einmal eine starke Armee...

Bergdolm
04
11.1.2012, 18:29

Nehmen Sie es "historisch":
Jede Kultur ist nach ihrer Blütezeit rasch von der Weltbühne verschwunden.

Archäologen werden sicher einige Fundstücke interessant finden und feststellen, dass sich die westliche Welt einfach wegrationalisiert hat ...

Johannes Benn
10
11.1.2012, 16:09
.

es macht doch keinen sinn alle studienabschluesse in einen topf zu werfen. es gibt leute die haben etwas studiert womit man arbeit findet und es gibt leute die haben sich anders entschieden, so ist das halt.
bei einer gewissen grundintelligenz und fleiß kann jeder ein studium finden mit dem man auch arbeit findet, es muss nicht immer ein MINT/STEM Fach sein.

StVO1
02
11.1.2012, 20:33
Öberflächlich

Man kann natürlich alles auf eine falsche Studienwahl schieben. Nur, ein Studium dauert einige Jahre und in dieser Zeit kann sich in der Wirtschaft einiges ändern und ein studium, das zu beginn einen sicheren Arbeitsplatz versprach, kann sich nach Abschluss als nicht mehr nachgefragt herausstellen. Beispielsweise war vor SChüssels Aufnahmestopp Jus ein sicherer Tip für einen Arbeitsplatz. Danach waren Juristen arbeitslos oder haben für 60 bis 70 Woschenstunden weniger als eine Putzfrau bekommen.

17+4
01
11.1.2012, 16:05
genauso wird es bei uns, wenn man das Heil nur

in Universitätsabsolventen sieht.
Und das ist kein fehler der Studierwilligen, sondern der Fehler der Globalislierungsfetischisten, die unseren Leuten lieber die Arbeistslose bezahlen als die Beschäftigungsmöglickeiten wieder ins Land zurückholen, aus Indien, China, Vietnam, Thailand usw.
Doie Globalisierung war und ist nur eine kurzfristige Sache für einige Heuschrecken.

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