SOS Österreich

Die Welt eines rechten Wut-Bloggers

Reportage | Yilmaz Gülüm, 23. Jänner 2012, 10:37
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    foto: yilmaz gülüm

    Der Patriot legt viel Wert auf seine Anonymität.

Der SOS-Österreich-Blog warnt vor Zuwanderung und Islamisierung - Mit daStandard.at sprach der anonyme Betreiber über den "Verrat der Sozialdemokraten"

"Der Patriot", wie sich der Betreiber des Blogs sosheimat.wordpress.com nennt, sammelt und kommentiert seit mehr als zwei Jahren Artikel zum Thema Integration und Islam. Unter dem Titel "SOS Österreich" vertritt er Ansichten, die seine Kritiker regelmäßig als rechtsextrem bezeichnen. Er selbst sieht das nicht so. Er sei ein Patriot und gar ein "alter Sozialdemokrat".

Am abgemachten Treffpunkt tritt pünktlich ein Mann an meinen Tisch. Sportlich gekleidet, etwa Anfang 40. Es ist aber nicht der Patriot, sondern ein "Sicherheitsbeauftragter der Szene", wie er erklärt. Sein Name ist Josef H. Er spricht sehr höflich, lächelt viel und ist doch sehr bestimmt: Das Treffen könne aus Sicherheitsgründen nicht am abgemachten Ort stattfinden. Zu groß sei das Risiko, dass ein Komplize in einem Eck wartet und heimlich Fotos macht. Josef H. besteht darauf, dass ich mit ihm mitgehe. Wohin, das will er anfangs nicht sagen.

Der "linke" Nachbar von nebenan

Schließlich stehen wir auf und gehen in ein nahe gelegenes Café. Vor dem Eingang dreht sich Josef H. noch einmal kurz um. Er überprüft, ob uns jemand gefolgt ist. Dann gehen wir hinein. An einem Tisch sitzt der Patriot und trinkt Kaffee. Schwarzer Mantel, schwarze Weste, schwarze Hose.

Er spricht ruhig, weiß sich auszudrücken und wirkt gebildet. Er ist ein wenig wie der Nachbar von nebenan, den man zwar nicht so genau kennt, der aber total harmlos erscheint. Er trägt einen Ehering und bezeichnet sich als "Linken", wenngleich er darunter etwas anderes versteht, als es in Österreich heute üblich ist.

Sein Vorname ist Patrick, er ist Anfang 40 und arbeitet im Sozialbereich in Wien, wo er "täglich mit Migranten und Muslimen zu tun hat". Mehr will er über sich nicht in den Medien lesen. Während des Gesprächs fallen seine leicht zittrigen Hände auf, die er kaum zum Gestikulieren verwendet.

Über 10.000 Leser pro Tag

Er erzählt, wie es zu seinem Blog gekommen ist. Die Diskussion über das Verbot von Minaretten im Herbst 2009 in der Schweiz habe ihn inspiriert. Die Art und Weise, wie dort offen über die Gefahren des Islams gesprochen wurde, vermisste er in Österreich. So fing er an, Zeitungsberichte zu sammeln, die seiner Ansicht nach die "Islamisierung" dokumentieren. Später stellte er sie kommentiert online. Nach und nach fand er Gehör. Anfangs durchforstete er noch alleine die Medienlandschaft. Heute hat er nach eigenen Angaben ein Netzwerk von etwa 100 Autoren aufgebaut, die ihn auf Artikel aufmerksam machen.

Laut Zugriffsstatistik lesen durchschnittlich mehr als 10.000 Menschen täglich die Einträge. Verwaltet wird die Plattform von ihm und seiner Familie; 20 Stunden pro Tag, wie er sagt. Je nach Weltanschauung kann man die Einträge unterschiedlich lesen. "Österreich ist Europameister bei Antipathie gegenüber Migranten und Muslimen", steht da etwa. Der Hintergrund: Laut einer "Europäischen Wertestudie" werden in Österreich Menschen anderer Hautfarbe und Muslime am wenigsten geschätzt. In den Kommentaren wird das als frohe Botschaft gefeiert: "Endlich mal eine positive Meldung. Endlich mal etwas, worauf man stolz sein kann", schreibt ein Leser.

Persönlich sieht er in der Studie den Beweis, dass die Menschen den "Multikulti-Wahn" satt haben. Überhaupt seien "Multikulti-Veranstaltungen" heuchlerisch. Österreicher müssten sich dort zwanghaft an Ausländer anpassen und nicht umgekehrt.

FPÖ-Funktionärin beteiligt sich an Diskussion

Ein anderer Eintrag beschäftigt sich mit einer Fördermaßnahme speziell für Schüler mit Migrationshintergrund, dem "START-Stipendium". Es stellt u. a. monatlich 100 Euro und eine PC-Grundausstattung in Aussicht. Der Blog kommentiert das als "Inländer-feindlich" und als "Inländerdiskriminierung." Benutzer "Suli" sagt, die Türkenbelagerungen hätten "unsere Vorfahren erfolgreich bekämpft, jetzt beschmutzen wir ihren Erfolg". "Susa" fügt hinzu: "Kein Arbeitender hat Lust, diese Minderwertigkeit zu erhalten". Einen offenbar anders denkenden User stört es dagegen, "wie viele rassistische Hurenböcke wir eigentlich in diesem Land haben". Auch die Salzburger FPÖ-Funktionärin Karin Berger beteiligt sich an dieser Diskussion, allerdings wesentlich gemäßigter.

Für die Kommentare könne er nichts, sagt der Patriot - die gingen auch in anderen Medien in diese Richtung. Punktuell würde er immer wieder auch Kommentare löschen, weil sie zu heftig seien.

Die "Welt-Islamisierung"

Warum aber "SOS Österreich", wie der Patriot seinen Blog betitelt? Wovor gilt es Österreich zu schützen? Sein Feindbild ist klar: Es sind nicht "die Ausländer" oder "die Türken", sondern "der Islam". Dieser könne und dürfe niemals Teil von Österreich werden. Genauer nachgefragt geht es eigentlich um den politisch motivierten extremistischen Islam. Allerdings scheint sich der Patriot schwer zu tun, sich auch andere, aufgeklärtere islamische Strömungen vorzustellen.

Er spricht über die Islamisierung der ganzen Welt. In immer mehr Ländern würde man immer mehr verschleierte Frauen sehen. Ägypten, der Iran, Thailand und auch die Türkei seien Beispiele. "Das kann kein Zufall sein", sagt der Patriot. "Da muss es einen Plan geben." Wer in der Lage sein könnte, einen zentralen Welt-Islamisierungsplan zu organisieren und zu koordinieren, fällt ihm nicht ein.

Von der SPÖ zur FPÖ

Die heutige Situation in Wien empfindet er jedenfalls als eine dritte Türkenbelagerung. "Eine geistige Belagerung", sagt er. Er fühle sich in seinen Gedanken gefangen, weil viele Themen tabuisiert würden. Seinen Blog sieht er als Medium zur Gegenöffentlichkeit. Wer öffentlich Islamkritik übt, sei automatisch ein "Rechtsextremer".

Patrick war früher Mitglied der Roten Falken, einer Kinder- und Jugendorganisation der SPÖ. Im Lauf der Zeit habe nicht er sich verändert, sondern die Partei. Er fühle sich verraten. Heute sehe er sich am besten durch die FPÖ repräsentiert. Als "altem Sozialdemokraten" stößt es ihm auf, wenn die SPÖ oder die Grünen mit islamischen Vereinen, denen er eine politische Agenda nachsagt, "unter dem Deckmantel der Integration" zusammenarbeiten würden. Lösungsvorschläge für die konkreten Probleme, die die zweite und dritte Generation von Zuwanderern betreffen, kann er nicht anbieten. Auch die FPÖ könne das nicht, wie er sagt.

Ihn stört der türkische Nationalismus in Österreich. Gleichzeitig räumt er aber ein, dass Nationalismus auf der einen Seite den Nationalismus auf der anderen Seite verstärkt. Ist da ein SOS-Österreich-Blog nicht kontraproduktiv? Der Patriot sieht jedenfalls ein, dass ein Klima, wie es sein Blog mit erzeugt, die Gewaltbereitschaft gegenüber Minderheiten potenziell erhöhen kann. Nach dem Anschlag in Oslo überlegte er, seinen Blog einzustellen. Er wollte nicht als Hass-Blogger dastehen. Er hat sich dagegen entschieden. (Yilmaz Gülüm, daStandard.at, 23.1.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 1561
Wiener Studentin
14
13.2.2012, 17:00

Weil es in Österreich nicht möglich ist, auf qualifizierte Art und Weise Integrationsprobleme anzusprechen (etwa - ja es gibt Sprachprobleme unter Migranten - denen kann aber nur durch Sprachunterricht in der Deutsch UND der Muttersprache beigekommen werden) kommt es dazu, dass immer mehr Menschen sich von extrem rechten angezogen fühlen ... außerdem das Problem, dass es einfach zu wenig Information gibt. Die Österreicher sind gar nicht darüber informiert, WARUM Unterricht in der Muttersprache der Migranten etwas bringen soll. Das könnens ie nicht nachvollziehen und keiner erklärt es ihnen ...

GiordanoB
01

Komisch nur, dass sich dann die ganzen Jugoslawen früher völlig ohne Unterricht in Serbokroatisch bei uns voll integriert haben.
Auch Asiaten verlangen oder benötigen als Migranten nirgendwo muttersprachlichen Unterricht.

Aber die "eh schon wissen_Migrantengruppe" hat selbst dort Probleme, wo es solchen Unterricht gibt (siehe Skandinavien).

knievel
01
21.3.2012, 15:36

zumindest bei den asiaten ist es wohl so dass die sich sehr gut selbst organisieren.
die sitzen dann halt nicht in irgendwelchen kulturvereinen und 'kommen nie an' sondern checken sich den deutschkurs selber.
so zumindest mein eindruck weil ich öfters mit zugewanderten koreanern und chinesen zu tun habe.

Besserwisser
00
24.1.2012, 21:26
1515 Einträge. Das Thema bewegt. Immer wieder.

Immer noch spannend.

dafa
00
24.1.2012, 17:34
wieso wird...

... der blog hier nicht verlinkt sondern nur nen eigener artikel mit kritik darüber?

ansonsten gibts ja immer nen link... :(

anton muffl
47
24.1.2012, 14:34

"SOS: Der falsche Patriot – ein echter Freiheitlicher!" http://www.stopptdierechten.at/2012/01/2... eitlicher/

"Nur die innigen Beziehungen zu den Freiheitlichen lassen sich nicht verbergen: trotz Sicherheitsbeauftragtem (oder vielleicht sogar wegen ihm!) und zahlreichen Nicknames!"

GiordanoB
67
24.1.2012, 18:30
Just my 50 cents...

Im Unterschied zu Kritikern der Islamkritik wurden Islamkritiker schon tatsächlich ermordet.
Insofern sind Vorsichtsmaßnahmen im Umgang mit Personen aus einem gewissen ideolog. Spektrum immer angebracht.

Ich würde auch meinen, dass sich im Kommentarbereich von Foren und Blogs des ORF oder Standards ebenfalls "interessante" Zeitgenossen herumtreiben, sowohl von der extremen Linken wie Rechten - und?
Moderiert wie da wie dort, auch wenns mancher nicht glauben mag.

Lady Pyrra of Danubien
 
21

Die guten Rechten, die sich NIE was zu Schulden haben kommen lassen.

*husthust* OSLO *hust*

opryde
01
12.3.2012, 17:20

hat das jemand behauptet?

GiordanoB
10

Falls du Angst vor mutmaßlichen Rechten hast, solltest du sie vielleicht nicht provozieren.

Sonst machen sie noch einen Djihad...

Karl Heinz Grasser1
02
19.3.2012, 22:48
Den machen sie schon, siehe Frankreich, Deutschland, Norwegen...

Die Nazis sind genauso Fanatiker wie die Taliban.

H. Kienhammer
64
24.1.2012, 17:16
Es gibt massenhaft linke Seiten im Web

http://www.rote-antifa.at/revolta/
http://www.raw.at/
http://antifa.servus.at/
http://www.roter-shop.de/index.php... Path=33_62
http://www.anarchismus.at/
http://www.postanarchismus.net/
http://www.fau.org/
http://www.crimethinc.com/
usw. usf
und keinen Menschen interessiert's, wer die Administratoren dieser Seiten sind oder welcher Partei sie nahestehen.

opryde
00
12.3.2012, 17:21

ist ja einfach: die eine hälfte hat irgendwie lose was mit der kpö am hut, die anderen werden von sj'lern gemacht, weitere stehen grün nahe und andere schwenken transparente, auf denen steht, dass der "verrat am vaterland" pflicht sei.

berta böck
00
24.1.2012, 13:23
danke

der hinweis auf das start stipendium war wirklich hilfreich. ich habe gleich angesucht :-)

horseoncowboy
05
24.1.2012, 12:56
die umkehrintegration

ist real.... http://taz.de/Gruender-... le/!86202/ man muss nicht rechts stehen wenn man geschlechtertrennung als geschäftsprinzip und den islam als ganzes ablehnt.

Amalrich
 
14
24.1.2012, 13:11

Und für das haben unsere Vorfahren zu tausenden das Leben für die Aufklärung gelassen? Mich schauderts...

MynniaIgnea
00
31.3.2012, 14:26

Dagegen stehen allerdings Millionen, die fuer solche Dinge wie Wirtschaftsaufschwung und zur Kontrolle der Macht der anderen Staaten gestorben wurden.

insertnamehere
 
02
24.1.2012, 14:06

Ich bin mir jetzt grad so überhaupt ned sicher, wann Vorfahren von uns zu Tausenden ihr Leben für die Aufklärung gelassen hätten ...

Amalrich
 
21
24.1.2012, 14:24

Ab dem 18. Jhd.
Die franz. Revolution (und die Nachfolgerevolutionen in anderen Ländern) war da ja nicht zimperlich mit Menschenleben...

insertnamehere
 
13
24.1.2012, 14:32
Ahja.

Das klassische Zeitalter der Aufklärung war allerdings dummerweise VOR der französischen Revolution und selbst in den Revolutionskriegen haben UNSERE Vorfahren ihr Leben eher GEGEN "die Aufklärung" gelassen.

Amalrich
 
02
24.1.2012, 14:39

Die Aufklärung ging durchaus sogar nach der Gründung Amerikas 1776 weiter. Die politische Diskussion wurde dadurch sogar noch verschärft. Und ja - meine Vorfahren kämpften gegen den franz. Absolutismus und dem mit ihm verbandelten Paffentum. Die Habsburger habens in ihren Ländern grad noch geschafft die Revolutionen (mehr oder minder blutig) niederzuhalten (wobei hier einige draufgegangen sind). Daher würde ich 1848 auch nur als sanften Revolutionsmarker sehen...

weisungsgebunden
222
24.1.2012, 10:06
Ich habe mir die Seite angeschaut und es kamen viele Fragen bei mir auf

Da ist z.B. ein ausführlicher Artikel über die Situation von Nicht- Muslimen in muslimischen Staaten, über die vielfältigen Einschränkungen ihrer Bürger- und Menschenrechte (bis hin zur Todesstrafe für "Beleidigung des Propheten"- z.B. in Pakistan) und ich frage mich: Warum steht das alles nicht in einem LINKEN Forum, sondern in einem "rechtsextremen"? Warum erfahre ich ausgerechnet in einem "rechtsextremen" Forum zum ersten Mal von jenem in vielen holländischen Moscheen verteilten Buch, in welchem die Gläubigen aufgefordert wurden, homosexuelle Mitbürger von Hochhäusern herabzustürzen"?
Warum brauchen wir auf einmal die "Rechten" zur Verteidigung von Frauen- und Schwulenrechten sowie den Grundwerten der Aufklärung? Was läuft da verkehrt?

Christian Eßl1
61
24.1.2012, 12:53

Christenverfolgungen in der Gegenwart, Verbrechen in Namen von Religionen und die Taten von ein paar erzkonservativen Priestern, denen man ins Hirn gesch***en hat werden selbstverständlich auch objektiv behandelt und dass die Nachrichten nie über solche Geschichten berichten, stimmt mit Sicherheit nicht.

Was die Rechtsextremen aber machen, ist solche Ereignisse für ihre eigenen Zwecke zu instrumentalisieren, indem sie durch das Schaffen von völlig falschen Bildern Hetze gegen unschuldige Muslime und andere Minderheiten in unseren eigenen Kreisen betreiben.

Amalrich
 
313
24.1.2012, 10:18

Weil die Linke nach dem Motto "Der Feind meines Feindes ist mein Freund!" handelt. Wie sonst kann man Gesinnungsgenossen verstehen, die den Papst gern in den tiefsten Schlund der Hölle wünschen würden, dabei aber gleichzeigit schier unbegrenztes Verständnis einem totalitären System wie dem Islxm entgegenbringen?

hin und wieder ein tunichtgut
42
24.1.2012, 11:04
können sie sich bitte

die dumme schreibung von "islam" abgewöhnen. das schaut einfach nur grauenhaft aus und schmerzt in den augen.
was bezwecken sie mit dieser falschschreibung denn? soll das irgendwas insinuieren?

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 1561

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