daStandard-Porträt

Ein Ausnahmetalent

Olivera Stajić, 27. Jänner 2012 20:41
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    Foto: privat

    "Ich möchte nicht, dass jemand sagt, man sei selber schuld, wenn man diskriminiert werde, weil man das Kopftuch trage oder weil man ein Punk sei."

Die 23-jährige Kübra Gümüsay ist erfolgreiche Bloggerin, Nachwuchsjournalistin und gefragte Diskussions-Partnerin

Kübra Gümüsay beeindruckt. Sie war Schulsprecherin und Chefredakteurin eines Jugendmagazins. Mit 19 startete sie ihren erfolgreichen Blog "Ein Fremdwörterbuch", der für den Grimme-Online-Preis nominiert wurde. Außerdem engagiert sie sich in der Mädchenmannschaft, einer feministische Internet-Community. Mit 21 wurde sie Kolumnistin der "taz". Das Branchenmagazin "Medium" wählte die gebürtige Hamburgerin 2011 unter die Top 30 der deutschen NachwuchsjournalistInnen.

Begehrte Diskutantin

Wie es sich für eine Web-Persönlichkeit gehört, bittet Kübra Gümüsay zu einem Skype-Interview. Derzeit lebt sie mit ihrem Ehemann in Oxford, in einem kleinen Apartment. Der Schwenk der Webcam zeigt ein liebevoll eingerichtetes, multifunktionales Zimmer: Bücherregale, ein Laptop, ein Wandteppich und viele kleine Zeichnungen an den Wänden. Sekunden später ist wieder ein freundliches junges Gesicht mit einnehmendem Lächeln auf dem Bildschirm zu sehen.

Bevor sie nach Oxford kamen, wo Ali Aslan Gümüsay studiert, war das junge Ehepaar zusammen in Kairo. Davor hat Kübra in Hamburg und London Politikwissenschaft studiert und zahlreiche Praktika bei unterschiedlichen Medien absolviert. In Oxford macht sie das, was sie seit Jahren erfolgreich tut: schreiben und debattieren. In der deutschen Integrationsdebatte ist sie ein bekanntes und begehrtes Gesicht. Sie hat schon mit Thilo Sarrazin diskutiert und einen Beitrag für den vielbeachteten Sammelband "Manifest der Vielen. Deutschland erfindet sich neu" verfasst.

Die Welt verändern

In den Geschichten, die sie in ihrem Blog und in ihrer Kolumne erzählt, möchte die Enkelin eines Gastarbeiters nicht nur von der Diskriminierung von Zuwanderern erzählen. Ungerechtigkeit und Ausgrenzung gebe es überall. Rassismus, Sexismus und Intoleranz gegenüber anderen Lebensmodellen sind Phänomene, auf die sie in ihren Texten immer wieder aufmerksam macht und die sie bekämpfen will. Während der Schulzeit habe sie sich auch für Mode interessiert und auch diesbezügliche Praktika belegt. Mit einer Hutmacherin hat sie einen Hut designt, den auch Kopftuchträgerinnen tragen können. Damit wollte sie die Welt beziehungsweise die Modewelt verändern. "Ich habe gemerkt, dass man mit Mode die Welt nur sehr langsam verändern kann. Deswegen dachte ich eine Zeit lang, dass Politik das Richtige für mich wäre. Aber dafür braucht man eine dicke Haut. Dort hätte ich mich sehr schnell aufgerieben und viel von mir aufgeben müssen", erzählt Kübra.

 

Kübra Gümüsay (geb. Yucel) in der RBB-Talkshow "Tadeusz".

Das Tuch

Die deutsche Medienwelt hat sie auf alle Fälle verändert. Als erste kopftuchtragende Kolumnistin sei sie von Daniel Schulz, dem Ressortleiter von taz2/Medien, eingeladen worden, ihre Geschichten aus der Welt einer deutschen Muslima in der Kolumne "Das Tuch" zu erzählen. Hat sie ein Problem damit, explizit als kopftuchtragende Frau eingeladen worden zu sein? "Nein", erwidert sie ohne Zögern. Sie sehen das ähnlich wie die Entwicklung in der Frauenbewegung. Zuerst müssten ein paar gezielt eingeladen werden, sich zu beteiligen, um sichtbar zu sein und den Weg für andere zu ebnen. Viel zu wenige JournalistInnen mit Migrationshintergrund gebe es in Deutschland, England sei da teilweise ganz anders. Dort gebe es zum Beispiel Fatima Manji, eine kopftuchtragende Reporterin bei Channel4, die nun auch eine eigene Sendung macht.

"Prüfe mich selbst"

Mehr Toleranz und Akzeptanz wünscht sie sich auch in ihrer Heimat Deutschland. "Ich möchte nicht, dass jemand sagt, man sei selber schuld, wenn man diskriminiert werde, weil man das Kopftuch trage oder weil man ein Punk sei." Verständnis und Akzeptanz für das Andersartige erwartet sie von allen Mitmenschen und richtet diesen hohen Anspruch auch an sich selbst. "Ich prüfe mich auch selber dauernd durch meine Geschichten", sagt die Journalistin, die ihre berufliche Zukunft auch weiterhin im schreibenden Fach sieht. Derzeit schreibt sie ein Jugendsachbuch über Migration und Integration. Journalistisch will sie auch weiterhin bei gesellschaftspolitischen Themen bleiben. Frauengeschichten findet Kübra Gümüsay besonders interessant und hat diese auch während ihres dreimonatigen Aufenthalts in Kairo gesammelt.

Chaotisches Ägypten

In Kairo habe sie viel gelernt. Zunächst über sich selbst. "Wir hatten wenig aus Deutschland mitgenommen. Ich habe gelernt, dass man mit geringen materiellen Mitteln gut auskommen kann", sagt und schreibt sie über die Zeit in Ägypten. In den drei Monaten in der ägyptischen Hauptstadt, die "leider in die relativ langweilige Zeit zwischen den beiden Revolutionen fielen", erzählt sie lachend, habe sie vor allem versucht, sich einen Überblick über die politische Lage im Land zu verschaffen. Das hat sich als äußerst schwierig herausgestellt. "Jeder erzählte mit etwas anderes, je nachdem, welchem politischen Lager er angehörte." Also hat sie sich auf kleine Geschichten über den Alltag der Menschen, die sie getroffen hat, konzentriert und diese auch in ihrer Kolumne veröffentlicht.

Altkluges Mädchen

Sehr reflektiert, eloquent und selbstkritisch erzählt Kübra Gümüsay von ihrer journalistischen Arbeit, von der Rolle, die ihr Glaube in ihrem Leben spielt, und von ihrem Werdegang. Als ältestes von fünf Geschwistern habe sie schon früh gewusst, was Verantwortung heißt, und sich auch in der Schule in der Bildungspolitik engagiert: "Ich habe Diskriminierung früh erkannt und sie bekämpft, weil ich wusste, dass nicht alle das Selbstbewusstsein haben, um damit offensiv umgehen zu können." Große Unterstützung oder Förderung habe sie aber in der Schule nicht bekommen. Mit ihrer Kunstlehrerin habe sie Probleme gehabt - sie habe einmal sogar ihre Zeichnung versteckt. Ganz vermiesen konnte sie ihr die Kunst aber nicht. Die Zeichnungen an den Wänden des kleinen Apartments in Oxford stammen von Kübra. "Das ist eine weitere Leidenschaft von mir. Ich zeichne gerne und mache Kalligrafie."

Alles, was Kübra Gümüsay macht, macht sie mit Bedacht und klug. Altklug - so hat sie sich selbst einmal bezeichnet, als sie in einem Interview gefragt wurde, wieso sie schon mit zehn Jahren das Kopftuch tragen wollte. Sie wollte es den Erwachsenen gleichtun. Erst später kam sie zu einer durchdachten, bewussten Entscheidung zum Islam und zum Kopftuch, das für Kübra zum Glaubensbekenntnis dazugehört.

Kritisch, durchdacht und klug

Macht das altkluge Mädchen Kübra Gümüsay auch mal etwas, um "nur" Mädchen zu sein? Sie mag Mode, sagt sie nach einer kurzen Nachdenkpause. In ihrer Blog-Reader-Liste habe sie auch einige Modeblogs, auch solche, die sich mit islamischer Mode beschäftigen. "Aber eigentlich habe ich noch keinen muslimischen Mode-Blog gefunden, der mir richtig gut gefällt." Wie müsste dieser Blog aussehen? "Es darf nicht nur um Konsum gehen, es muss auch Kritik dabei sein", sagt Kübra. Kritisch, durchdacht und klug eben. Das ist der hohe Anspruch, den Kübra Gümüsay an die Welt und sich selbst stellt. (Olivera Stajić, daStandrad.at, 27.1.2012)

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knievel
14.02.2012 15:46

blogs wie jenen der frau gümüsay gibts wie sand am meer seit jeder der ins internet gelangt und eine tastatur bedienen kann auf blogspot und co seine hirnblähungen veröffentlichen kann.
ein besonderes talent wäre mir beim querlesen einiger einträge jetzt nicht aufgefallen.

aber auch bei passagen wie 'Sekunden später ist wieder ein freundliches junges Gesicht mit einnehmendem Lächeln auf dem Bildschirm zu sehen' - in diesem artikel - denkt man eher an das tagebuch eines kleinkindes als an journalismus...

bibliothekar
09.02.2012 23:22

Auch frauen mit kopftuch können denken? Oder was soll dieser artikel? Geht ein wenig nach hinten los ;)

politisch verfolgt
31.01.2012 20:57
übrigens:

auch österreich steuert immer gerne was sinnvolles bei. hier ein alter bekannter, der gerade in deutschland karriere macht:
http://www.welt.de/politik/d... falen.html

aqualung
30.01.2012 11:34
tolles portrait!

da ist man in deutschland tatsächlich einen schritt wetiter als bei uns. mich würds ja interessieren, wie so ein blog aus der perspektive einer österreichischen kopfttuchträgerin aussehen würde...

boquitas pintadas
 
30.01.2012 01:24
habe soeben ein paar kolumnen gelesen...

ich finde in ihren texten weder auffällige reflexionstiefe noch besondere journalistische leistung. macht sie lediglich ihre kopftuchartigkeit exklusiv? denn, an den texten kann es nicht liegen...

fremdling
29.01.2012 13:15

Hoffentlich erstickt ihr nicht an eurem blanken Hass!
Seid wann sind die Frauen in Europa gleichberechtigt und emanzipiert?

"Fragen Sie ihn nicht darüber aus, was er tagsüber gemacht hat. Zweifeln Sie nicht an seinem Urteilsvermögen oder seiner Rechtschaffenheit. Denken Sie daran: Er ist der Hausherr und als dieser wird er seinen Willen stets mit Fairness und Aufrichtigkeit durchsetzen. Sie haben kein Recht, ihn in Frage zu stellen" ,so im Handbuch der guten Ehefrau aus dem Jahr 1955

Linz dazu:
http://hax.at/files/daw... rdnung.pdf

knievel
14.02.2012 15:47

sind sie zeitreisender oder wie soll man das jetzt verstehen?

pox vobiscum
29.01.2012 19:36

Irgend etwas mache ich falsch, mir schiebt niemand Kissen zurecht und bietet mir an, mir die Schuhe auszuziehen.
Lebe ich in der falschen Zeit oder am falschen Ort?

binnenischmarrn
29.01.2012 12:36

sie muss nur aufpassen, dass sie nicht mal singt- ich glaub das ist ihr auch verboten...lol

binnenischmarrn
29.01.2012 12:35

burkaverbot jetzt auch in den niederlanden - finde ich gut...

Dr Stänkerer
28.01.2012 20:24
Der Mesnch verdient Respekt. Nicht notwendigerweise die Ideen, die er absondert!

Sie mag eine eloquente und selbstbewusste Frau sein und das gehoert respektiert! Die Ideologie, die sie bewusst mit ihrer Kleidung vermitteln will, ist ein vormittelalterlicher, homophober, misogyner, bildungsfeindlicher, absolutistischer Todeskult, den ich ablehnen und bekaempfen werde, solange noch ein Funken Leben in mir ist.
Faktum ist: Ohne Kopftuch und Islam-Bekenntnis haette sie wohl weniger Publikum. Ihr "moslemische-Kopftuchtraegerin-sein" ist eine Marke, mit der sie in Europa Geld und Popularitaet verdient (ich bezweifle, dass diese Business Modell in Pakistan wirken wuerde). Das ist wenigstens ehrenhafter als Kirchen, die mit ihren unzaehligen Steuerprivilegien den Steuerzahler abzocken.

Rosa Stahl
31.01.2012 09:21

jaja, der ehrenhafte islam und die pösen KIrchen.
Warten Sie mal ab, bis die "Ehrenhaften" in der Mehrheit sind....

the bugger_off
02.02.2012 16:33

omg

bitte lernen sie lesen.

nina yankow
02.02.2012 03:01

in manchen schulklassen und an einigen produktionsstätten sind sie schon in der mehrheit.
es hängt nicht von der (vermeintlichen) religionszugehörigkeit ab, wie gut und nach welchen regeln man zusammenleben kann.

revach
28.01.2012 19:02

bin neugierig was sie als in Deutschland aufgewachsene sagt wenn ihr alter eine zweite Frau heimbringt dann wird ihr schon das lachen vergehen....

prusiner
28.01.2012 20:13
und da ist ein wenig beschrieben

wie mit ungehorsamen Frauen zu verfahren ist
http://womeninislam.ws/de/schlag... rauen.aspx

und noch weiteres; warum z.B. eine Frau nicht allein reisen darf (das ist kein Verbot, sondern nur zu ihrem eigenen Schutz ..)

invodaseibua
28.01.2012 18:49
23?

so hat meine oma mit 53 ausgesehen.

Hannes Kartnig
28.01.2012 16:39

Erste kopftuchtragende kolumnistin! Endlich!

pox vobiscum
28.01.2012 16:11

Ausgrenzung, Sexismus und Intoleranz gegenüber fremden Lebensmodellen gibt es überall.
Wie wahr.
Setzt sie sich als Feministin auch gegen die Diskriminierung von nicht kopfftuchtragenden Frauen im konservativen Teil der muslimischem Community ein?

nina yankow
28.01.2012 17:16

Ja, tut sie.
Sie traf sich zB in Istanbul mit einer Türkin, die früher mal ein Mann war, und berichtete über sie. Von ihrer Familie am Land, wo sie psychisch fertig gemacht wurde, von befreundeten Transvestiten, die von Freiern ermordet wurden, von der Polizei, die keine Ermittlungen führt.

Sie befürwortet auch eine kritische innerislamische Debatte (zB die Zeitschrift Horizonte)

pox vobiscum
28.01.2012 17:20

Warum erfährt man im Interveiw nichts darüber?
Wen interessiert es, dass sie kopftuchkompatible Hüte entwirft, wenn es viel interessantere Dinge zu erzählen gibt?
Eine Qualitätszeitung sollte eigentlich mehr bieten können als dieses belanglos-salbungsvolle Geschwafel oben.

pox vobiscum
28.01.2012 17:26

Das Wort Interview - das für den obigen Artikel ja nicht so ganz zutreffend ist, mein Fehler - kann jederzeit durch Portrait oder Reportage und dergleichen ersetzt werden.

anders and
 
28.01.2012 16:32

Das ist doch ganz klar ihr Standpunkt - wie kommen Sie zu Ihrer Unterstellung, dass Kübra Gümüsay hier eine Diskriminierung befürworten würde?

Ach so, das war nur eine harmlose Frage! Natürlich!

pox vobiscum
28.01.2012 17:13

Nein, es interessiert mich wirklich.
Ebenso würde mich ihre Einstellung gegenüber Homosexualität interessieren und ob sie es in Ordnung und mit dem Islam vereinbar findet, wenn Muslimas einen Ungläubigen heiraten. Ach ja, eine Antwort auf die Frage nach den vom Koran geforderten Konsequenzen bei Glaubensabfall wäre noch informativ.
Ich weiß nicht, warum diese Interviews immer so weichgespült sein müssen. Wenn die kritischen Fragen gestellt und die Antworten entsprechend aufgeklärt ausfallen würden - was sicher der Fall sein könnte - würde dies weit mehr zur gegeseitigen Veständigung und zum Abbau von Vorurteilen beitragen als diese andauernden bemühten Versuche zu zeigen, dass Kopftuch und Emanzipation miteinander soo toll vereinbar sind.

nina yankow
28.01.2012 21:21
zum abfall vom glauben

Sie hat auch atheistische freunde.

"Unauffällige Bürger Deutschlands, die sich bis dato nie mit Religion oder dem Islam beschäftigt hatten, bekommen plötzlich ein "Muslim"-Etikett verpasst. Zack! Zum Beispiel meine atheistische iranische Freundin, die von vielen Deutschen pauschal unter der Kategorie "Muslimin" geführt wird. Deswegen muss sie ihnen gegenüber ihre Partygänge und ihren Alkoholkonsum verteidigen. Oder ein türkischer laizistischer Bekannter, dem kein Schweinefleisch mehr angeboten wird. Die beiden wurden quasi zwangsislamisiert und hocken nun in einem Boot mit praktizierenden Muslimen"

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