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In der "Sir Karl Popper-Schule" herrscht nicht nur in den Klassenräumen ein multikulturelles Miteinander...

... denn sowohl die Unterrichtmaterialen, als auch der Unterricht selbst, fällt hier zweisprachig aus.

So bunt kann Österreich sein, also gebt den Kindern das Kommando!
An einem der kältesten Tage im Jahr herrscht in der Volksschulklasse 4B in der „Sir Karl Popper-Schule" im 15. Wiener Gemeindebezirk gute Stimmung. Die Wintersonne taucht das Klassenzimmer in ein warmes Licht, die dunkelblauen Vorhänge sorgen für einen bläulichen Stich. Behaglich haben es sich hier die Kinder und die Lehrer eingerichtet. An den Wänden hängen zahlreiche Plakate und Kinderzeichnungen. Was auffällt, ist, dass die meisten Schautafeln in zwei Sprachen Wissen vermitteln, auf Deutsch und auf Kroatisch.
„Woher kommst du?"
Ein zufälliger Besucher könnte auf den ersten Blick meinen, hier würden österreichische und kroatische Kinder gemeinsam unterrichtet - das trifft nur zum Teil zu. Auf die Frage „Woher kommst du?" geben die Kinder unterschiedliche Antworten: in erster Linie aus Bosnien und Serbien, wobei zwei Kinder zu Hause neben Serbisch auch Walachisch sprechen. „Das ist so ähnlich wie Rumänisch", erklärt ein Bub. Ein Mädchen kommt aus der Türkei; sie führt stolz vor, dass sie auf Kroatisch bis dreiundzwanzig zählen kann. Ein weiteres Mädchen spricht ebenfalls Türkisch, allerdings stammt sie aus der türkischen Minderheit in Bulgarien. Ein Bub ist aus Albanien. Schräg hinter ihm sitzt ein chinesischer Bub, auch er kann auf Kroatisch zählen.
Neben Deutsch ist Kroatisch die Unterrichtssprache, und zwar jenes Kroatisch, wie es in Kroatien gesprochen wird. Der Gebrauch abweichender oder verwandter Sprachvarianten, die Kinder von Haus aus mitbringen, wie etwa das bosnische Kroatisch oder auch das Serbische, wird jedoch nicht sanktioniert; die Kinder entwickeln so ein Bewusstsein für die Vielfalt innerhalb einer Sprache bzw. einer Sprachgruppe.
Zweisprachige Unterrichtsmaterialien
Das Herz ist Thema des heutigen Unterrichts, auf Kroatisch heißt das „srce". Ein Kind liest laut auf Kroatisch vor: „Wir können unser Herz nicht sehen, aber wir können es fühlen." Die Unterrichtsmaterialien über Herz, Lunge und Magen liegen aber auch auf Deutsch vor. Das bedeutet also, die Kinder erschließen sich den Lehrstoff mit Hilfe von zwei Sprachen, parallel und ergänzend. Damit wird für die Kinder nicht nur Deutsch, sondern auch Kroatisch eine „akademische Sprache", erklärt Manfred Pinterits, Bezirksschulinspektor und Initiator des kroatischen Integrationsprojekts HIP, Hrvatski integrativni projekt.
Autochthone und Zugewanderte
Ursprünglich hatte er etwas anderes im Sinn gehabt, nämlich ein Angebot für die burgenländisch-kroatische Community: „Eigentlich hatte ich vor zehn Jahren die Idee, Burgenländisch-Kroatisch als Unterrichtssprache einzuführen. In Wien haben wir ja keine Minderheitenschulgesetzgebung, im Unterschied zu Burgenland und Kärnten, obwohl wir auch in Wien eine große Anzahl an autochthonen Sprechern haben", erklärt Pinterits, der selbst väterlicherseits burgenländischer Kroate ist. „Ich habe also ein Konzept erstellt, wie so etwas aussehen könnte. In der schönsten Ausprägung war eine bilinguale Klasse vorgesehen." Pinterits holte zwei Lehrerinnen, eine aus Kroatien stammende Pädagogin und eine Burgenlandkroatin. Aber: „Die unglückliche Realität war, dass nicht ein einziges burgenländisch-kroatisches Kind angemeldet wurde. Offensichtlich hatten die burgenländisch-kroatischen Vertreter, die sich im Vorfeld für die Idee starkgemacht hatten, selbst keine sechsjährigen Kinder", mutmaßt Pinterits und nennt einen weiteren Grund, warum die ursprüngliche Idee nicht realisiert werden konnte: „Die Eltern konnten sich offenbar nicht dazu entschließen, ein Stückerl zu fahren, um die Kinder in der Früh herzubringen. Bei Kindern im Volksschulalter haben es die Eltern gern, wenn die Schule gleich ums Eck ist."
„Korbblütler" auf Kroatisch
Was unterscheidet das Konzept einer bilingualen Klasse vom muttersprachlichen Zusatzunterricht? Pinterits: „Der eigentliche Reichtum des bilingualen Modells besteht darin, dass für die Kinder ihre Muttersprache nicht nur eine Umgangssprache ist, sondern auch eine akademische Sprache, in der sie sich Wissen und Bildung aneignen. Zum Beispiel verwendet kein Mensch in der normalen Alltagssprache ein Wort wie ‚Korbblütler‘. In einem bilingualen Unterrichtsmodell erschließt man sich solche Begriffe ganz selbstverständlich in zwei Sprachen."
„Bestens gefördert"
Edith Fritsch, die ehemalige Schuldirektorin, die bereits zwei vierjährige Durchgänge des bilingualen Unterrichtsprojekts begleitet hat, resümiert: „Die Kinder sind bestens gefördert. Am Ende der vierten Volksschulklasse können sie in beiden Sprachen Aufsätze schreiben." Auch sie bedauert die Abhängigkeit des Projekts vom Standort und das daraus resultierende geringe Einzugsgebiet: „Die Kinder sind noch klein und wollen in ihrem Umfeld bleiben, also die gleiche Schule besuchen wie die Nachbarskinder. Dadurch haben wir nur wenige Kinder aus anderen Bezirken."
Ein Wermutstropfen ist für die ehemalige Direktorin, dass die Kinder nach der vierten Schulstufe „in alle Winde verstreut" werden. Ihr Wunsch wäre es, eine solche Klasse geschlossen auf diese Weise weiter zu unterrichten.
„Bye-bye!"
Zurück in die Schulklasse. Die Kinder haben inzwischen ihre Zeichenblätter herausgeholt und malen mit Buntstiften Farbkleckse. Später sollen diese kleinen Kunstwerke zu kleinen Lampenschirmen „weiterverarbeitet" werden. Die Lehrerin erzählt: „Das Gute an dieser Klasse ist, dass alle miteinander gut können. Manchmal gibt es natürlich Probleme mit einzelnen Kindern, aber so etwas wie Außenseiter gibt es nicht. Buben und Mädchen sitzen ganz normal nebeneinander in der Schulbank, jeder kann neben jedem sitzen, die Kinder fühlen sich offenbar sehr wohl."
Zum Schluss verabschieden sich die Kinder in ihren jeweiligen Muttersprachen von der heutigen Besucherin. „Wie sagt man Tschüss auf Chinesisch?", will die Lehrerin vom chinesischen Buben wissen. „Bye-bye", sagt er und lacht. (Mascha Dabic, 03.02.2012, daStandard.at)
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Sehr gutes Konzept, sowas verstehe ich auch unter intelligenter Integrationspolitik. Kroatische Kinder lernen ihre Muttersprache und Deutsch, und österreichische lernen ihre Muttersprache und Kroatisch. Eigentlich eine simple Idee, super. Ist natürlich nicht was für jede Volksschule, aber ich denke eine solche Klasse pro Jahrgang mit deutsch/kroatisch und je eine mit deutsch/türkisch zu füllen, würde eine immense Nachfrage bringen.
Hätte ich gerne gehabt!
Wenn österreicher glaubenman spricht nur kroatisch wenn man aus ex yu kommt so als gäbe es dort keine andere sprache.
Wennmann die schule besucht könnte man glauben hier wird ind deutsch und kroatisch unterrichtet....
Es leben bei weitem mehr serben in ö als kroaten aber für die ö gibts ja nur kroaten, wen wundert freunde aus dem dritten reich vergisst man nicht so schnell
Aus Prinzip kann ich mir alles vorstellen, also auch Österreicher, die glauben, in Ex-Jugoslawien wurde nur Kroatisch gesprochen.
Nachfolgend die ehemaligen Teilrepubliken:
Serbien, Kroatien, Slowenien, Bosnien-Herzegowina, Mazedonien, Montenegro, Kosovo. Dafür musste ich nicht einmal recherchieren, es gehört zum Allgemeinwissen.
Ich weiß nicht, mit wem Sie Umgang haben, aber Geistesriesen dürften es nicht sein.
Und es ist meine persönliche erfahrung, das egal er mich in meiner muttersprache reden hört sofort fragt, ist das kroatisch? Und das obwohl die sprache genau so alt ist wie das land das vor nicht all zu langer zeit ein land geworden ist.
aber das zeigt nur, dass ich nicht automatisch jeden, der weniger weiß als ich, für dumm halte.
Ehrlich gesagt würde ich kroatisch auch nicht auf Anhieb erkennen, erst nach ein paar Sätzen, denn es sind doch, wie Sie richtig bemerkten, mehr Serben als Kroaten in Österreich.
Weil sie dann erst wieder eine neue Sprache lernen müssten, und nicht das Potential der bereits vorhandenen genutzt werden kann, um Dinge begreiflich zu machen.
Nicht das es nicht möglich wäre, Sprache 2 über Sprache 3 zu lernen, sofern Sprache 2 beherrscht wird. Bsp. Japanisch -> Portugiesisch, Erstsprache ist Deutsch -> Japanisch gelernt via. Englisch -> und der Spracherwerb von Portugiesisch findet via. Japanisch statt.
Klingt verwirrender als es ist, aber das Konzept bleibt das gleiche -> verstehst du das eine, kannst du das andere "verknüpfen" um so Dinge in Sprache XYZ zu lernen. Solche Dinge wie oben beschrieben, also Japanisch -> Portugiesisch ist wohl eher ein Ausnahmefall, klappt aber ganz gut. ;-)
so wie ich den Artiekl verstehe, sprechen die Kinder in der KLasse ohnehin zig verschiedene Sprachen - da spricht nur ein kleiner Teil kroatisch als Mutersprache. Somit muss die kleine Chinesin und der rumänische Bub ja trotzdem kroatisch lernen, dazu noch deutsch ud da heim wir vielleicht die Muttersprache gesprochen. Ich würde eben englisch sehr begrüssen - und die Einfachheit, der englischen Sprache würde ich positiv sehen. Vor allem in dem Alter.
angesichts so vieler Autochthoner? Es gibt Wiener Tschechen/ Tschechinnen, Wiener Slowaken / Slowakinnen, Wiener Polen/ Polinnen- warum also nicht eine Schulgesetzgebung à la Burgenland oder Kärnten, mindestens? Wobei auch letztere unzureichend ist...
Hätt' ich auch gerne in der HAK gehabt. Die Fächer, die eh nur da waren, um den Lehrplan zu erfüllen (Geschichte, Geo, Chemie, Biologie, etc), hätten ruhig in englisch/französisch/slowenisch/katalanisch oder sonst was unterrichtet werden können. So hätten sie wenigstens irgendeinen Sinn gehabt. Ja, ja, die guten alten 80er Jahre :-/.
ist eine Einrichtung für hochbegabte Kinder, es ist also anzunehmen, dass diese Schüler bereits aus einem sehr bildungsbeflissenen Umfeld kommen, wo sie schon von Geburt weg bestens gefördert wurden und eine erfreuliche Kindheit haben. Dieses Schulprojekt ist daher vermutlich ähnlich organisiert wie die internationale Schule. Interessant wäre ein Versuch in einer sogen. Brennpunktschule, die Zweisprachigkeit ist ja etwas Positives. Wahrscheinlich käme ein Ausbau doppelt so teuer wie die Regelschule, es wäre aber gut investiertes Geld, wenn es funktioniert.
die sir karl popper-schule (im 4.) hat ihren ruf bekommen durch die förderung hochbegabter kinder, ist aber meines wissens nach, genauso wie jene im 15. eine öffentliche regelschule - halt mit schwerpunkt und somit (theorisch) für alle zugänglich und ohne finanziellen mehraufwand.
allerdings herrscht auf schulen mit solchen schwerpunkten immer hoher andrang, womit sehr wohl von seiten der schule selektiert werden kann, welche kinder wirklich einen platz bekommen.
wird aber, wenn die Eltern gebildet sind, vermutlich eher erkannt als wenn das nicht der Fall ist. Und dann eben auch das Menschenmögliche (leistbare :-( ) an Förderung zugestanden. Beim hohen Einkommen ist es eher umgekehrt: je dicker das Geldbörsel, desto leichter glauben Eltern, ihr Kind sei hochbegabt. Und es ist eine Herkulesarbeit, ihnen zu erklären, dass es nicht so ist.
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