Pakistanische Quiz-Show

Wer fährt nach Mekka?

Toumaj Khakpour, 16. Februar 2012, 09:00
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    Die Sendung "Alif, Laam, Meem" hat laut Geo-TV rund 40 Millionen Zuschauer.

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    Junaid Jamshid, der pakistanische Popstar

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    Junaid Jamshid als religiöser Moderator

Eine islamische Quizshow erfreut sich in Pakistan größter Beliebtheit, dem Gewinner winkt ein Apartment in Mekka - Ein Format mit einigen Widersprüchlichkeiten

Quizshows laufen oft nach dem gleichen Schema ab: Ein Moderator stellt die Fragen, die Kandidaten liefern im besten Fall richtige Antworten und am Ende der Sendung steht der Gewinner fest. Auf Pakistans größtem Fernsehsender Geo-TV ist es nicht anders, und trotzdem unterscheidet sich das Fernseh-Ratespiel wesentlich von anderen Formaten.

Islamisches Infotainment

In der Sendung "Alif, Laam, Meem" beschränken sich die gestellten Fragen ausschließlich auf islamische Themengebiete; Teilnehmer sind vor allem praktizierende Muslime oder Islam-Fachleute. Fixpunkte der Sendung bilden der prominente Moderator Junaid Jamshid und ein "Studio-Mufti" - Letzterer fungiert als Gelehrter und hilft bei kniffligen Fragen. Das Sendekonzept ist in starker Anlehnung an das weltweit bekannte britische Format "Wer wird Millionär?" entstanden. Nach dem Prinzip des Infotainment sollen Wissen über den Islam und TV-Unterhaltung miteinander verbunden werden, beschreiben die Verantwortlichen.

Ein pakistanischer Popstar

In diesem Konzept spielt Moderator Junaid Jamshid eine wichtige Rolle: Der ehemalige Popstar ist in Pakistan eine große Nummer und seine persönliche Entwicklung in den letzten zehn Jahren ist bezeichnend für die Entwicklung des Landes. Als glatt rasierter und adrett gekleideter Sänger wurde er in den späten 80er Jahren landesweit bekannt, avancierte gar zum Idol. Im Jahr 2004 entschied er sich dann gegen seine Musikerkarriere und für einen neuen Lebenspfad: Er widmete sich dem Islam. 

 

Geschäftsmann und Vorbild

Seither moderiert er Veranstaltungen zu religiösen Themen und gilt als muslimisches Vorbild. Neben seiner lukrativen Moderator-Rolle gehört ihm eine eigene Modelinie, die sich auf traditionelle pakistanische Kleidung konzentriert; das teuerste Teil aus seiner Kollektion kostet 500 US-Dollar. Der Geschäftsmann hat sich im Laufe der Jahre voll und ganz dem Islam verschrieben, sein Äußeres hat sich mitverändert. Kritiker werfen ihm vor, bekannte Imame nachzuahmen und wenig Originalität in seiner Quizshow an den Tag zu legen - die Sendung erfreut sich trotzdem großer Beliebtheit.

Fragen zum Islam

Jeden Montag um neun Uhr abends schalten etwa 40 Millionen Pakistaner ein - das ist rund ein Fünftel der Gesamtbevölkerung. Das Quiz selbst funktioniert ähnlich wie das britische Original: eine Frage, vier vorgegebene Antwortmöglichkeiten. Themengebiete wie Verse aus dem Koran oder islamische Geschichte und Literatur bilden die Schwerpunkte. In der Einspielmusik zwischen Fragen und Antworten werden Koranverse zitiert, der Name der Sendung, "Alif, Laam, Meem", ist nach den drei Buchstaben, mit denen viele Koran-Suren beginnen, benannt - ihre Bedeutung ist nicht bekannt, sie sollen für ein göttliches Geheimnis stehen.

Ein Apartment in Mekka

Die Preise, die den Teilnehmern zustehen, variieren nach erreichtem Level. Die Fragen sind in 15 Schwierigkeitsstufen gegliedert: Jene, die es bis zur Frage sieben schaffen, gewinnen eine kleine Pilgerfahrt für zwei Personen nach Mekka, auch "Umra" genannt. Auf den weiteren Stufen steht eine große Pilgerfahrt, ein "Hadsch", in Aussicht sowie 20.000 Euro. Ein Apartment in Mekka winkt jenen Teilnehmern, die die 15. Stufe schaffen - so weit ist aber noch keiner gekommen.

Widersprüchlichkeiten

Es stellt sich besonders die Frage, ob einschlägige "islamische Gewinnshow-Formate" glaubwürdig sind. Immerhin geht es um Preise, um eine medial inszenierte Veranschaulichung von religiösem Wissen und Unwissen. Hinzu kommen minutenlange Werbeunterbrechungen, die die "islamische Millionenshow" künstlich hinauszögern und sie nach allen Regeln westlicher Showbusiness-Manier in Szene setzen. Wenn man es genau nimmt, widerspricht sie "islamischen Werten".

Kampf um Aufmerksamkeit

Die Predigten am Ende jeder Sendung sind zwar moralisch einwandfrei, lassen aber den Eindruck entstehen, die gesamte Sendung ausgleichen zu wollen; sie ins rechte Licht zu rücken, bevor sie schließt. Ferner orientiert sich die Sendung stark an dem Markt, den Einschaltquoten und monatlichen Gewinnbilanzen, wird aber gleichzeitig als etwas religiös Empfehlenswertes präsentiert.

In Pakistan kämpfen mehr als 70 Kanäle um die Aufmerksamkeit des Publikums, wer auffallen will, braucht skurrile Ideen. So wurde die Sendung zur Fastenzeit Ramadan täglich nach Sonnenuntergang ausgestrahlt, um besonders viele praktizierende Muslime zu erreichen. Nach Angaben des Senders haben sich in den Vorbereitungswochen der Sendung - Erstausstrahlung war im Juni 2011 - an die 40.000 Menschen für die Quizshow beworben.

Kapitalismus und Religion

Der Markt ist in der islamischen Republik Pakistan vorhanden: Noch bis vor acht Jahren wurde eine exakte Kopie von "Wer wird Millionär?" namens "Kya Aap Banaingay Crorepati?" ausgestrahlt. Übrigens auch zu der Zeit, als sich der bis dahin als säkular geltende Popstar Junaid Jamshid entschloss, sich den Lehren des Islam zu widmen.

Die aktuelle religiöse Quizshow muss in einem größeren Kontext betrachtet werden. Sie ist ein marktorientiertes Produkt in einem Land, das sich zunehmend politisch islamisiert. Seit Jahren tobt ein blutiger Machtkampf: Die Kluft zwischen der Zentralregierung in Islamabad und den zahlreichen islamistischen Stammesgruppen hat sich ausgeweitet. Dabei gilt Pakistan als muslimischer Vorzeigestaat, durfte uneingeschränkt Aufrüsten, besitzt mindestens 60 Atombomben und unterhält gute Beziehungen zu den USA. Das Produkt "islamische Millionenshow" zeigt darüber hinaus, dass religiöse Ethik und Moral zumindest im pakistanischen Fernsehen eine Frage des Preises sind. (daStandard.at, 16.2.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 271
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Elisa B
02
10.3.2012, 19:53
schlecht recherchiert

das wichtigste Thema fehlt! Das pakistanische Fernsehen verbreitet mit diesen populären Sendungen die grauslichen Botschaften der Unterdrückung der Frau, den Hass auf Ungläubige etc!

palmström
03
24.2.2012, 12:44
das erschreckende bei solchen szenen

die für mich wirken wie aus einem science fiction film ist, dass man annehmen kann, dass die leute sich so verhalten, weil sie glauben sie müssen das tun, sonst steckt ihr gott sie in das große feuer

und wenn man schon so einen tineff glaubt, dann ist solchen leuten wohl alles zuzutrauen

traurig aber wahr und besonders durch die eigene historie belegt

religion ist der übelste feind der zivilisation und verdient keinen respekt sondern kritik

Papa.Geno73
00
24.2.2012, 04:58
Ekelerregend ..

So etwas hehres wie den Markt fuer schnoede Religion zu missbrauchen.

Tuncay
10
20.2.2012, 08:25

Dann müsste aber auch Die Millionenshow christlichen Werten wiedersprechen,wenn man es genau nimmt.

norman m.
30
17.2.2012, 08:05
"...avancierte gar zum Idol",

"entschied sich für einen neuen Lebenspfad" etc. - aus welcher Schülerzeitung ist denn der Text übernommen?

Hermine Berg
 
04
17.2.2012, 00:55
unter der burka

liese sich ein kleiner sender prima verstecken.

andererseits - dann gewinnt man eine reise nach mekka.

G-Man
02
16.2.2012, 23:18
Reihen Sie bitte folgende Städte nach ihrer Population!....

.....und.....A, C, D und B ist die richige Reihenfolge. Gewonnen hat die Frau in Schwarz. Bitte kommen Sie nöher.....

rossgoschn
26
16.2.2012, 22:43

Millionenshow für Handtuchköpfe. Lustig.

snufkin
01
16.2.2012, 21:59

lustig

cupertino
06
16.2.2012, 21:09
recht unterhaltsam

nur, dass die dame nicht viel sagt. der freundliche herr sollte fuer wetten dass? beruecksichtigt werden.

Timagoras
 
06
16.2.2012, 22:43
"nur, dass die dame nicht viel sagt"

.
welche dame?

It is so hot in here...
32
16.2.2012, 20:58
Als negativistischer Agnostiker...

...mag ich keine Religionen...

black jack
28
16.2.2012, 20:03
Borat in echt!

Aber gut; man stelle sich vor, was und wen die spanische Inquisition mit Fernsehen hätte erreichen können!

Menschen, die glauben ein Schleier und lächerliche Verneigungen gegen Mekka oder Vater unser und Beichte bringen sie in den Himmel, zur Erleuchtung oder wohin auch immer, sollten eingewiesen werden.

sodom89
13
16.2.2012, 18:34
versuch 2.0 gegen den 10sor

Bitte geht auf den Youtube Link und seht euch den Dialog der bei den Kommentaren geführt wird an.
It's beyond godlike!

sodom89
02
16.2.2012, 18:03
beyond Godlike, der Dialog auf Youtube.

audioscape1976: Why is it forbidden to show womens face? can some tell me?

vantaso: because a woman makes a man horny

audioscape1976: i see!

haha, ich kann nicht mehr aufhören zu lachen! :D es tut so weh im bauch

lightyear2000.tumblr.com
212
16.2.2012, 17:32

die katholische kirche ist nicht besser als der islam.

nur weil euch etwas fremd ist, müsst ihr nicht blind dagegen hetzen, oder?

in der katholischen kirche haben frauen nix zu sagen, der papst kann beinahe als massenmörder bezeichnet werden, wenn er propagiert, menschen sollen keine kondome nehmen und diese aufgrund dessen sterben.

homosexuelle gelten in der katholischen kirche nicht als vollwertige menschen etc. etc.

Andreas S.
04
17.2.2012, 03:51

"katholische kirche ist nicht besser als der islm"
Du vergleichst eine kirche mit einer religion. Der unterschied nicht klar??

Du meinst der papst ist schuld an AIDS toten wegen verhuetungs verbot?
Der papst sagt keine kondome UND kein sex ausserhalb der ehe.
Wenn du also das tust was der oberpfaffe will stirbst net deswegen an AIDS.

Der kat. glaube ist zwar doof, aber so doof wie der i. ist heute keine anderer grosser glaube.
Noch viel doofer sind aber die vertreter/fuersprecher der beiden.

Rumo von Zamonien
15
16.2.2012, 22:15

Aber die Katholen sind soweit unter Kontrolle daß sie niemanden mehr umbringen.
Direkt.

Gemeingefährdung ist ja immer noch locker drin anscheinend.

depp am huegel
13
16.2.2012, 21:25

und das spagetthimonster ist auch nicht besser.

lightyear2000.tumblr.com
32
16.2.2012, 21:30

sicher ist das "besser" ;-)

zumindest glaubwürdiger ;-)

politisch verfolgt
17
16.2.2012, 18:25
menschen sollen keine kondome nehmen und diese aufgrund dessen sterben

wer stirbt, wenn er kein kondom nimmt?
und seit wann ist der papst ein vorbild für moslems?

lightyear2000.tumblr.com
91
16.2.2012, 18:29

zugegeben, war diese darstellung etwas unvollständig:

es ging darum, dass die katholische kirche nicht besser bzw. fortschrittlicher ist, als der islam.
der papst propagiert, dass menschen keine kondome nehmen sollen, jene, die es befolgen und dann an aids erkranken, sterben.

Count Saurüssel
12
17.2.2012, 08:03
"der papst propagiert, dass menschen keine kondome nehmen sollen, jene, die es befolgen und dann an aids erkranken"

Jene, die sich daran halten, was der Papst sagt, leben monogam in einer Ehe, und haben ein sehr geringes Risiko, an Aids zu erkranken - auch ohne Kondome.

Die katholisten Ländern Schwarzafrikas haben nicht umsonst die niedrigsten HIV-Prävalenzraten in dieser Region.

Dass die katholische Sexualmoral zur Ausbreitung des HI-Virus beiträgt, ist ein in sich unlogischer Mythos.

Und was die Fortschrittlichkeit der kath. Kirche betrifft:

dass sie eine moderne Institution ist, hat nie jemand behauptet. Aber im Vergleich zu vielen Blüten, die der Is*am treibt - nicht zuletzt in Pakistan - ist sie doch vergleichsweise harmlos und human. Und vor allem: man darf überall ungestört über sie herziehen, ohne sich in Gefahr zu bringen.

lightyear2000.tumblr.com
11
17.2.2012, 19:12

das haben die europäer immer schon gemacht: das andere ist schlecht und böse, das es zu bekämpfen gilt, das eigene ist gut und fortschrittlich.

wenn der papst seinen untertanen in irgendeiner afrikanischen region predigt, dass das kondom eine sünde ist und diese menschen es aufgrund zu wenig bildung glauben, dann ist das kein mythos, sondern ursache - wirkung.

Count Saurüssel
00
18.2.2012, 13:09
"das haben die europäer immer schon gemacht: das andere ist schlecht und böse, das es zu bekämpfen gilt, das eigene ist gut und fortschrittlich. "

Nein, dieses Denken ist nicht typisch für die Europäer, es ist typisch für unsere gesamte Spezies.

Die Europäer gehören dabei noch zu jenen, bei denen es am schwächsten ausgeprägt ist. Niemand sonst hat eine derart stark entwickelte Tradition der Selbstkritik. Diese geht ja in westlichen Gesellschaften inzwischen so weit, dass oft das Andere per se als gut und nobel gilt, das Eigene hingegen als schlecht, böse und minderwertig. Der Typus des Nationalmasochisten, der sich durch vernichtende moralische Anklagen gegen sein eigenes Volk und seine eigene Kultur definiert, ist vor allem ein europäisches Phänomen.

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