Die Pflicht des Anti-Konformismus

Jasmin Al-Kattib, 16. März 2012, 15:00
  • Viele Albaner und Albanerinnen mögen die alten Filme aus der Zeit des kommunistischen Regimes. Auf Kanal T im Pay-TV kann man den Klassikern nonstop frönen.
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    Viele Albaner und Albanerinnen mögen die alten Filme aus der Zeit des kommunistischen Regimes. Auf Kanal T im Pay-TV kann man den Klassikern nonstop frönen.

  • Das Hauptgebäude des Ex-Kinostudios in Tirana: Heute sind die Türen geschlossen.
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    Das Hauptgebäude des Ex-Kinostudios in Tirana: Heute sind die Türen geschlossen.

  • Das Kinostudio war die Traumfabrik Albaniens in der Zeit der Diktatur bis 1990.
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    Das Kinostudio war die Traumfabrik Albaniens in der Zeit der Diktatur bis 1990.

  • Die private Marubi-Filmakademie bietet eine Ausbildung auf internationalem Niveau und hat ihren Preis: 1.900 Euro pro Semester.
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    Die private Marubi-Filmakademie bietet eine Ausbildung auf internationalem Niveau und hat ihren Preis: 1.900 Euro pro Semester.

  • Wer sich die Studiengebühren nicht leisten kann, kann sich um ein Stipendium bewerben. Insgesamt werden für alle drei Ausbildungsjahre maximal 30 StudentInnen ausgesucht.
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    Wer sich die Studiengebühren nicht leisten kann, kann sich um ein Stipendium bewerben. Insgesamt werden für alle drei Ausbildungsjahre maximal 30 StudentInnen ausgesucht.

  • "Ich muss mich darum kümmern, das Überleben des albanischen Kinos zu sichern", sagt Kujtim Çashku, Direktor der Marubi-Filmschule.
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    "Ich muss mich darum kümmern, das Überleben des albanischen Kinos zu sichern", sagt Kujtim Çashku, Direktor der Marubi-Filmschule.

  • Kultur werde viel zu oft als Luxus betrachtet, kritisiert Çashku.
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    Kultur werde viel zu oft als Luxus betrachtet, kritisiert Çashku.

  • Da eine professionelle Beleuchtung zu teuer gewesen wäre, behalf sich Çashku mit Zwei-Euro-Regenschirmen und schuf damit einen bemerkenswerten Blickfang an der Decke des Kinosaals der Filmschule. Die Wände schmücken alte Fotografien der Familie Marubi.
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    Da eine professionelle Beleuchtung zu teuer gewesen wäre, behalf sich Çashku mit Zwei-Euro-Regenschirmen und schuf damit einen bemerkenswerten Blickfang an der Decke des Kinosaals der Filmschule. Die Wände schmücken alte Fotografien der Familie Marubi.

  • Im Millennium-Kino im Zentrum werden fast ausschließlich Blockbuster aus Hollywood gezeigt.
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    Im Millennium-Kino im Zentrum werden fast ausschließlich Blockbuster aus Hollywood gezeigt.

  • Auch im Agimi-Kino am Rand des Blockviertels am Lana-Fluss setzt man auf große US-Streifen.
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    Auch im Agimi-Kino am Rand des Blockviertels am Lana-Fluss setzt man auf große US-Streifen.

  • Trotz scheinbarer Bemühungen der Regierung, die Piraterie bei Videos einzudämmen, findet man in Tirana nur selten Original-DVDs. Albanische Filme mit englischen Untertiteln sind nicht oder nur sehr schwer zu bekommen.
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    Trotz scheinbarer Bemühungen der Regierung, die Piraterie bei Videos einzudämmen, findet man in Tirana nur selten Original-DVDs. Albanische Filme mit englischen Untertiteln sind nicht oder nur sehr schwer zu bekommen.

  • Eni Jani spielte vor zehn Jahren die Hauptrolle in dem Film "Nata pa mirë", seitdem war ihr das Glück in der Filmbranche nicht mehr treu.
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    Eni Jani spielte vor zehn Jahren die Hauptrolle in dem Film "Nata pa mirë", seitdem war ihr das Glück in der Filmbranche nicht mehr treu.

  • Enis Mann Genci Fuga unterrichtet Bühnenregie und Schauspiel an der Kunstakademie in Tirana. Beide hoffen, dass sich im albanischen Filmbusiness bald wieder mehr bewegt.
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    Enis Mann Genci Fuga unterrichtet Bühnenregie und Schauspiel an der Kunstakademie in Tirana. Beide hoffen, dass sich im albanischen Filmbusiness bald wieder mehr bewegt.

  • Regisseur Artan Minarolli ist derzeit Leiter des National Film Center in Tirana. Vorher arbeitete er als freier Regisseur und Direktor des albanischen Filmarchivs.
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    Regisseur Artan Minarolli ist derzeit Leiter des National Film Center in Tirana. Vorher arbeitete er als freier Regisseur und Direktor des albanischen Filmarchivs.

  • Sein Film "Alive" war eine Co-Produktion mit Frankreich und Österreich. Die Unterwasser-Szenen des Films wurden in einem Feuerwehrbecken in Wien gedreht.
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    Sein Film "Alive" war eine Co-Produktion mit Frankreich und Österreich. Die Unterwasser-Szenen des Films wurden in einem Feuerwehrbecken in Wien gedreht.

Seit über 20 Jahren ist der albanische Film frei von Zensur und Propaganda. Regisseure und Schauspieler kämpfen aber mehr denn je ums finanzielle Überleben

Weiß lackierte Gusseisenstühle, braune Holztische, eigenwillige Skulpturen, Blumen und frisch gesetzte kleine Bäumchen schmücken den kreativ angelegten Garten vor der Marubi-Filmakademie nordöstlich des Zentrums von Tirana in der Rruga Aleksandër Moisiu. Hier und über die angrenzenden Grundstücke erstreckte sich zur Zeit der kommunistischen Diktatur das staatliche "Kinostudio". Auf dem Areal mit seinen 59.000 Quadratmetern wurden zu Spitzenzeiten bis zu 40 Filme pro Jahr produziert.

Bis zum Fall des Regimes im Jahr 1990 konzentrierte sich die gesamte albanische Filmindustrie entlang dieses Straßenzugs. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, nachdem Enver Hoxha das Land in seine eiserne kommunistische Hand gebracht hatte, erkannte die Führung Albaniens das Medium Film als ideales Propagandamittel und gründete das Albanische Filminstitut, das bald darauf, im Jahr 1952, in "Kinostudio" umbenannt wurde.

Perfektion ohne kreative Freiheit

Alle Filme dieser Zeit wurden von staatlicher Hand produziert, die Filmmaschinerie Albaniens zählte damals ungefähr tausend feste Mitarbeiter. Diese hatten fixe Verträge und Gehälter, in einer eigenen Redaktion für Drehbuchschreiber wurden gemeinsam mit den ebenso fix angestellten Regisseuren laufend neue Ideen entwickelt - an Jobs im Kinogeschäft mangelte es nicht. Viele Filme von damals werden heute aufgrund ihrer professionellen und perfekten Ausführung gelobt. Einzig um die kreative Freiheit der Filmemacher stand es schlecht. Wie es sich in einem totalitär geführten Staat gehörte, wurde zensuriert, manipuliert und die Guten auf der Leinwand waren immer Anhänger der Partei.

Nach dem Umbruch Anfang der 90er Jahre stand es mit einem Mal schlecht um die albanischen Filmproduktionen. Die staatliche Struktur war von einem Tag auf den anderen nicht mehr verfügbar, viele Professionisten verließen zudem mitsamt tausenden anderen Albanern das Land, in dem sie ein halbes Jahrhundert von der Außenwelt isoliert und eingesperrt waren. Heute, über 20 Jahre nach der Wende, haben die privaten Produktionsfirmen nach wie vor mit Schwierigkeiten zu kämpfen: Hauptsächlich fehlt es an Geld, nicht mehr als zwei Langfilm-Produktionen werden jährlich abgeschlossen.

"Muss mich um die Träumer kümmern"

Heute finden sich auf dem Areal des Ex-Kinostudios hauptsächlich Fernsehsender, nur ein kleiner Teil der vormals großen Filmfabrik widmet sich auch in der Gegenwart der Idee des albanischen Kinos. Kujtim Çashku, der bereits zur Zeit des Kommunismus als Regisseur arbeitete und sich mit "Colonel Bunker" (1996) und "The Magic Eye"(2005) einen internationalen Namen machte, ist einer von den Kämpfern in Albanien, die sich mit Leib und Seele für die Erhaltung und Weiterentwicklung der Filmkultur einsetzen.

"Ich habe im Jahr 2005 meine Karriere als Regisseur beendet, und das war ein richtiges Drama für mich", erinnert sich Çashku an die schwierige Entscheidung, während er die Klimaanlage an der Fensterseite seines stilvoll eingerichteten Büros zurückregelt. "Aber ich musste mich darum kümmern, das Überleben des albanischen Kinos zu sichern, mich um die jungen Träumer kümmern, die auch Filme machen möchten." Das Studium der Film- und Fernsehregie an der öffentlichen Universität in Tirana, das seit drei Jahren als neuer Zweig in der Academy of Arts angeboten wird, gab es damals noch nicht. De facto gab es in Albanien keine Universität oder Schule, an der man eine fundierte Ausbildung im Bereich Film absolvieren konnte. Zur Zeit des Kommunismus nämlich übernahm die Ausbildung - wie so vieles andere auch in diesem Bereich - das Kinostudio.

Unterstützung aus dem Ausland

Also gründete Çashku gemeinsam mit einigen internationalen Partnern, darunter Deutschland, Frankreich, Großbritannien, die USA und die Schweiz, im Jahr 2004 die Marubi Academy of Film & Multimedia, benannt nach einer bekannten albanischen Fotografenfamilie des letzten Jahrhunderts. "Ich hatte am Anfang keine Ahnung vom Unterrichten, ich war ja Filmregisseur", erzählt Çashku und zieht die Augenbrauen hoch. "Die ersten Professoren aus dem Ausland, die wir hierher als Lektoren einluden, lehrten nicht nur unsere Studenten, sondern lehrten auch mich, wie man unterrichtet."

Ohne die Unterstützung aus dem Ausland hätte Çashku seine private Filmschule niemals aufbauen können, in der Politik nämlich sei seine Idee auf keine besondere Aufmerksamkeit gestoßen. Schließlich stellte ihm die Regierung zwar das Grundstück und das heruntergekommene Gebäude, ein ehemaliges Tonstudio, zur Verfügung, finanzielle Unterstützung bekam er aber nicht. Weder für die Renovierung noch für Equipement, so Çashku. Und acht Monate nach der Eröffnung der Schule, die mit großem Medienrummel und offiziellen Danksagungen der Politik einherging, begannen die ersten Versuche der öffentlichen Gebäudeverwaltung, die Grundstückzusage wieder zurückzuziehen.

Kultur ist kein Luxus

"Nachdem ich alles aufgebaut habe und es gute Kritiken aus dem Ausland gab, wollten sie uns auf 200 Quadratmeter unseres 1.400 Quadratmeter großen Gebäudes zurückdrängen. Das war nur ein Vorwand, um uns rauszuwerfen. Aber natürlich erst, nachdem wir hier alles schön und fertig gemacht hatten." Im Februar 2009 sei die Situation dann eskaliert, Çashku und seine StudentInnen waren mit Polizeigewalt und Drohungen konfrontiert. Sie setzten sich zur Wehr - seit drei Jahren wird vor Gericht verhandelt.

In der Zwischenzeit gab es viele offizielle Besuche von Botschaftern und Unterstützern, 3.000 internationale Regisseure haben eine Petition zum Schutz der Filmschule unterschrieben. Ob die Filmakademie bleiben darf, ist nach wie vor nicht geklärt. "Hier geht nur darum, wie man sofort an Profit gelangt", beklagt Çashku. "Das ist das Gefährlichste, was der Kultur meines Landes passiert ist." Kultur werde viel zu oft als unnötiger Luxus betrachtet, anstatt zu verstehen, dass sie für eine Gesellschaft notwendig sei.

"Andere hatten wenigstens Fenster offen"

Von den vormals 17 alten Filmtheatern in Tirana hat keines überlebt. Wie vielerorts sprießen aber immer mehr neue, moderne Kinos aus dem Boden, Vorstellungen in 3D, 5D und 7D sollen die Bevölkerung anlocken. Wer sich in Tirana auf einen Abend mit ausgesuchten Filmen in einem kleinen Programmkino freut, wird im Zentrum vergeblich danach suchen.

Aus diesem Grund veranstaltet die Marubi-Filmakademie an fünf Tagen der Woche Screenings von Filmklassikern mit Länder- und Themenschwerpunkten bei freiem Eintritt. "In Albanien hatten die Menschen niemals die Chance zu sehen, was in der Weltgeschichte des Kinos geschehen ist", erklärt Çashku, während er an den Schnittstudios vorbei zum Kinosaal der Filmschule führt. "Es war nicht so wie in anderen osteuropäischen Ländern. Auch dort waren die Türen geschlossen, aber sie hatten wenigstens ein paar Fenster offen."

Heimische Produktionen beliebt, aber rar

Die modernen Kinos im Zentrum und in den Shopping-Malls am Stadtrand zeigen vor allem Blockbuster aus den USA. So wie das kleine Millennium Kinema in der Rruga Murat Toptani, einer Fußgängerzone mitten in der Stadt, die mit bunter, in den Bodenbelag eingelassener Beleuchtung die Aufmersamkeit der abendlichen Spaziergänger auf sich zieht. Während die junge Billeteurin die Kinokarten der Gäste für die Vorstellung von "Safe House" mit Denzel Washington abreißt, steht Supervisor Endrit Krifca ebenfalls am Eingang des Kinosaals und beobachtet das Geschehen. Seine Schicht ist bald zu Ende, bald wird seine Kollegin Irma übernehmen.

"Wir bauen gerade einen zweiten Vorführsaal im oberen Geschoß, es wird ein kleiner 3D-Saal, nur mit 50 Plätzen, in einem Monat wird er fertig sein", erzählt Krifca. Das Geschäft gehe nicht so schlecht, am Kinomontag, an dem der Eintritt abends nur 300 Lek (2,10 Euro) statt 500 Lek (3,50 Euro) kostet, sei der Saal mit seinen 250 Plätzen immer voll. Und auch sonst gingen die Leute in Tirana jetzt häufiger ins Kino, da die Regierung nun strenger gegen die illegalen Kopien aktueller Hollywood-Filme, die schon um 100 Lek zu haben seien, vorgehe.

"Albanische Filmproduktionen gibt es ja nur zwei oder maximal drei pro Jahr, und ob wir die spielen, hängt von den Verträgen ab. Sie werden nämlich immer exklusiv von einer Kinobetreiberfirma gezeigt", so Krifca. Heimische Produktionen sind bei den Albanern sehr beliebt, davon ist der Supervisor des Millennium-Kinos wie auch Schauspielerin Eni Jani überzeugt. Besonders die alten Filme, die zu Zeiten der Diktatur im Kinostudio produziert wurden, erfahren derzeit geradezu einen Hype. Kanal T im privaten Pay-TV-Sender Digitalb zeigt nonstop alte albanische Produktionen.

Fast keine Infrastruktur, viel Konkurrenz

Elf Jahre ist es mittlerweile her, dass Eni Jani die Hauptrolle für den Film "Nata pa mirë" (engl. Titel "Moonless Night") bekam. Es war ihr erstes und bisher einziges Engagement in einem albanischen Kinofilm, das sie just nach ihrem Abschluss des Bühnenregie- und Schauspielstudiums an der Academy of Arts in Tirana bekam. Einige Jahre verdiente sie ihren Lebensunterhalt als Fernsehregisseurin bei einem privaten TV-Sender, heute arbeitet sie am Theater.

Genug Geld zum Leben verdiene sie mit ihren jetzigen Kurzzeitverträgen allerdings nicht. "Es ist sehr schwierig, pro Jahr schließen etwa 20 Schauspieler und mindestens zehn Regisseure ihre Ausbildung ab", sagt Jani mit ernster Miene. "Relativ gesehen ist das sehr viel, weil es fast keine Infrastruktur für diese Berufe gibt. Da ist die Konkurrenz dann auch sehr groß." Bei im Schnitt zwei Langfilm-Produktionen im Jahr und nur drei Theatern in Tirana könnten viele der Absolventen ihrem Beruf schlichtweg nicht nachgehen.

"Sonst bleiben wir auf dem gleichen Level stehen"

Obwohl sie seit zehn Jahren kein Glück mehr in der Filmbranche hatte, hat Jani die Hoffnung auf mehr und bessere Jobs nicht aufgegeben. "Albanien muss aber noch einen weiten Weg gehen, um die internationalen Standards des Filmemachens zu erreichen", so die Schauspielerin. "Es braucht viel Zusammenarbeit mit verschiedenen ausländischen Institutionen und definitiv viel mehr Geld. Nicht nur für die Projekte, sondern auch, um die junge Generation der Filmemacher besser auszubilden. Sonst werden wir immer auf dem gleichen Level stehen bleiben."

Auch Regisseur Artan Minarolli, der Eni Jani damals bei der großen Audition für seinen Film "Nata pa mirë" (2004) aussuchte, weiß um die Schwierigkeiten der Finanzierung des albanischen Films. Als Leiter des National Film Center in Tirana, dessen Büro sich nur ein paar Schritte von der Marubi-Filmakademie entfernt in einem Seitentrakt des ehemaligen Kinostudio-Hauptgebäudes befindet, hat er täglich mit der Vergabe und Verwaltung von Budgets für albanische Filmproduktionen zu tun.

Budget für Filmförderung gekürzt

Betritt man den Eingangsbereich vor dem Büro, begegnen einem viele Filmplakate, darunter an zentraler Stelle auch das Poster von Minarollis letztem Film "Alive" (2009), einer Co-Produktion mit Frankreich und Österreich. In seinem weniger cineastisch, dafür sehr modern eingerichteten Büro erklärt er in wenigen Sätzen und mit ausladenden Handbewegungen die Filmfördersituation in Albanien: "Vor zwei Jahren wurde das Budget gekürzt, jetzt haben wir 600.000 Euro im Jahr an Fördergeldern für Filmprojekte. Ein erfahrener Regisseur kann von uns mit bis zu 300.000 Euro für sein Projekt unterstützt werden, für einen jungen Regisseur, der zum ersten Mal einen Langfilm macht, gibt es bis zu 200.000 Euro."

Bevor ein Fördervertrag zustande kommt, müssen die Filmemacher eine Co-Produktionsfirma im Ausland finden, um den Rest der Kosten finanzieren zu können. "Ich hoffe, dass wir in Zukunft wieder mehr Geld zur Verfügung haben werden", sagt Minarolli. "Aber mindestens genauso wichtig ist, dass die Produktionen professioneller werden und mehr mit internationalen Partnern zusammengearbeitet wird."

Diaspora will "Happy Albania"

Häufig erreichen auch Bewerbungen aus dem Ausland seinen Schreibtisch, sie stammen von den mittlerweile erwachsenen Kindern der Diaspora-Albaner, die gerne ihren Blickwinkel auf Albanien im Kino darstellen möchten. Die Art und Weise, wie Albanien von den Landsleuten im Ausland wahrgenommen wird, unterscheide sich aber meist sehr von der Wahrnehmung im Land selbst. Das hat Minarolli auch mit "Alive" erlebt: Vielen Albanern im Ausland habe der Film nicht gefallen, weil sie es nicht mögen, wenn Albanien mit seinen negativen Seiten, etwa der Tradition der Blutrache, präsentiert werde. "Die Leute in der Diaspora sind oft sehr bemüht, ein Bild des 'Happy Albania' zu vermitteln", so Minarolli. "Wir, die im Land leben, möchten aber von der Realität und den Problemen hier erzählen. Es ist unsere Pflicht als Filmemacher, anti-konformistisch zu sein." (Jasmin Al-Kattib, daStandard.at, 16.3.2012)

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"Alive" - Film über Blutfehde in Albanien: "Das Haus des Feindes als sicherster Ort"

Dieser Text entstand im Rahmen eines Journalisten-Austauschprogrammes zwischen dem Balkan Investigative Reporting Network (BIRN) und derStandard.at.

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