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vergrößern 500x281Dieses Foto enstand am Strand von Barcelona und wurde für den Blog "El emigrante sofisticado" aufgenommen.
"El emigrante sofisticado", zu Deutsch "Der anspruchsvolle Auswanderer", heißt der Blog, den der Spanier unter dem Namen Edgar Pineda betreibt. Im Dezember vergangenen Jahres ließ der 30-Jährige seine Heimatstadt Barcelona hinter sich und wählte Wien als neuen Lebensmittelpunkt. Nicht ganz freiwillig, machte ihm doch die Wirtschaftskrise, die in Spanien immer mehr junge Leute ins Ausland treibt, einen Strich durch die Rechnung. Kurz bevor er das Doktorat in Ethnologie in der Tasche hatte, wurde seine Lektorenstelle an der Universität der katalanischen Hauptstadt gestrichen.
Mehr Zukunftsperspektiven
Gemeinsam mit seiner Freundin, die in Nürnberg aufgewachsen ist und in Wien studiert hat, zog es den Barcelonesen mit Aussicht auf eine bessere Zukunft nach Österreich. "Ich habe das Gefühl, dass Wien in den kommenden Jahren noch viele hochqualifizierte Migranten aus Spanien anziehen wird", sagt Edgar. Viele seiner Bekannten seien bereits vor der ausweglosen Arbeitsmarktsituation nach Deutschland oder Frankreich geflohen - immerhin liegt die Arbeitslosenquote in Spanien derzeit bei einem Rekordhoch von 23 Prozent.
Edgar sucht vorerst eine Stelle als Spanischlehrer, möchte aber künftig versuchen, an der Universität Wien unterzukommen. Vom Plan, sich in Wien als Fahrradbote über Wasser zu halten, hat er sich rasch verabschiedet. Abgeschreckt haben ihn die vielen Schauergeschichten aus dem Wiener Verkehr und die dazugehörigen Narben befreundeter Fahrradkuriere.
Fakten mit Fiktion vermischt
In seinem Blog schreibt Edgar - nicht ohne eine gewisse Selbstironie und bewusste Überspitzung - über Erlebnisse, die er in Wien und mit seinen MitbürgerInnen macht. "Ich habe damit begonnen, um Freunden und Verwandten zu Hause meine Eindrücke von der neuen Stadt zu vermitteln. Es ist aber nicht alles hundertprozentig ernst zu nehmen, ich vermische die Fakten häufig mit Fiktion", erzählt er. Dabei greift Edgar zu einer poetischen und abstrakten Sprache und produziert zum Teil fiktionale Texte, die zum Schmunzeln verführen. Den Blog schreibt er auf Spanisch. Seine Muttersprache biete ihm mehr Möglichkeiten, Vielfalt und Farbe in die Geschichten zu bringen. Sobald er sich sprachlich fit genug fühlt, möchte er auch auf Deutsch schreiben.
Gesellschaftlich und politisch Aufrüttelndes
Die Themen der Einträge sind vielfältig, Edgar bezieht sich dabei auf politische und gesellschaftliche Ereignisse aus seinem Umfeld. Im Kapitel "Kürzungen in einem Wohlfahrtsstaat" zieht er eine Meldung über einen langzeitarbeitslosen Steirer heran, der sich seinen Fuß abtrennte, um vor dem AMS als arbeitsunfähig zu gelten. In Zeiten der Krise, analysiert er, treffen Menschen paradoxe Entscheidungen, um aus der Bredouille zu kommen.
In einem anderen Eintrag setzt er sich mit dem Heldenplatz und Adolf Hitlers Rede vor einer riesigen Menschenmenge auseinander. Die Stadt selbst beschreibt Edgar als "ruhig, geräumig und mit wenig anspruchsvoller Architektur". Im Gegensatz zu Paris, wo der Spanier ein halbes Jahr lebte, seien in Wien prunkvolle Bauten fast ausschließlich in der Innenstadt zu finden, so seine Wahrnehmung. "Ich fühle mich aber sehr wohl hier, weil die Österreicher ziemlich entspannt sind und es sehr einfach ist, Leute kennenzulernen", erzählt Edgar.
Eintrag Nummer fünf trägt den simplen Titel "Es" und ist mit dem grinsenden ÖVP-Politiker Manfred Juraczka bebildert. Kurz nach der Ankunft in Wien staunte Edgar nicht schlecht, als er in einer seiner ersten ORF-Sendungen von einem für ihn skurrilen Vorschlag des Politikers hörte. Um des Hundekot-Problems auf Wiens Straßen Herr zu werden, wolle man Speichelproben der Vierbeiner in einem Datenarchiv sammeln, um die DNA mit den Häufchen vergleichen zu können und die Übeltäter samt Herrl oder Frauerl ausfindig zu machen. "Das gibt's doch nicht, wer kommt auf so eine Idee? Ich war überrascht und belustigt zugleich", sagt Edgar, der aus einer Stadt kommt, in der ein Gackerl-Dilemma aufgrund frühmorgendlicher Einsätze staatlicher Reinigungswagen gar nicht erst aufkommen kann.
Zweiter Roman thematisiert Krieg im Kosovo
Mit 24 Jahren hat der Sohn einer Lektorin und eines Schriftstellers seinen ersten Roman veröffentlicht. Das surreale Werk handelt von der Ethnologiestudentin Lora, die eines Morgens in der mystischen Welt eines geometrischen Körpers - einer Kugel - verschwindet. Wieder in ihrem Alltag angekommen, erscheint plötzlich alles unwirklich. "Da war ich aber noch sehr jung, mein nächster Roman wird weniger abstrakt. Es geht um eine psychiatrische Anstalt im Kosovo, in der es mehrere Nationalitäten schaffen, in Harmonie zusammenzuleben, während vor ihren Toren der Krieg tobt", erzählt der 30-Jährige, der derzeit intensiv über den Balkan recherchiert.
Seinen nächsten Blogeintrag hat Edgar bereits im Kopf. Bei einem Ausflug nach Nürnberg konnte er sich des Eindrucks nicht erwehren, alles in der bayerischen Stadt sei überdimensional. "Die Straßen, Gebäude, sogar die Buttercroissants! Ich möchte hier einen Fokus auf Übertreibung setzen und den Nationalsozialismus thematisieren. Hitler war ja auch ein 'Übertreiber'."
Chaos Reverse
Sein Blog trägt den Untertitel "Das umgekehrte Chaos des Edgar Pineda". Die Erklärung dazu liefert die Theorie des Schmetterlingseffekts, wonach der Flügelschlag eines Schmetterlings in Brasilien einen Tornado in Texas auszulösen vermag. Edgars umgekehrte Chaostheorie lautet: "Wenn ein Finanz-Sturm über den Atlantik fegt, muss ein Schmetterling in Barcelona möglicherweise mit den Flügeln schlagen. Und auswandern." (Eva Zelechowski, daStandard.at, 5.4.2012)
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Die Stadt selbst beschreibt Edgar als "ruhig, geräumig und mit wenig anspruchsvoller Architektur".
Im Gegensatz zu Paris, wo der Spanier ein halbes Jahr lebte, seien in Wien prunkvolle Bauten fast ausschließlich in der Innenstadt zu finden, so seine Wahrnehmung.
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prunkvoll=anspruchsvoll oder wie?
sorry, aber wer das über die architektur in wien von sich gibt ist einfach ein ignoranter dummschwätzer...
ach, ein blick auf die stadt und die sitten kann nicht schaden. hat schon voltaire in "zadig oder das schicksal" gemacht, allerdings war er insider.
ad barcelona: ich war durch dessen prunk sehr beeindruckt - und freue mich darauf, schon wieder hinzufahren.
ad wien: ich hatte eine münchnerin zu besuch, wir sind im 5er durch den 8. gegondelt und sie war beeindruckt von der "größe" der stadt. ich habe sie belächelt, is alles relativ, wenn ich in münchen bin, finde ich es niedlich dort ....
"Im Gegensatz zu Paris, wo der Spanier ein halbes Jahr lebte, seien in Wien prunkvolle Bauten fast ausschließlich in der Innenstadt zu finden, so seine Wahrnehmung."
Bin schon einige Minuten am überlegen auf welche Städte diese Feststellung das nicht zutreffen würde. Vorschläge?
Barcelona, München, Berlin, unsere Landeshauptstädte in Österreich, haben alle ihre Prachtbauten in der City, im Stadtkern, am Stadtrand können schöne Villen, Siedlungen, Fabriken, Ödland etc. sein, ist also keine besonders aufregende Neuigkeit.
Auch in kleinen Ortschaften gibts den "Hauptplatz", die "Hauptstraße", den "Kirchenplatz", das Gemeindeamt, Gasthaus usw. alles im Ortskern.
Wenn ich an die Vorortesiedlungen "Banlieus" denke,
da nützt es nichts, wenn die sogenannten Prachtbauten bis weit hinaus gehen. Außerdem ist Wien kleiner als Paris.
In vielen Städten auch in Europa gibt es slumartige Wohngebiete, bei uns vorderhand nicht.
Mittlerweile: Gähn. Der x-te innereuropäische intellektuelle Wanderer oder Migrant, der dann humorige Stückln schreibt darüber wies anderswo ist. Die einen hupen öfter, die anderen grinsen häufiger und die dritten essen komische Sachen.
Eh lustig, aber immer das selbe...dann noch ein bissl Holocaust/WW2 und Balkan mit reingestreut damit man alle allgemein bekannten Stereotype abgedeckt hat, und gehma...sehr abgeschmackt und gar nicht originell, sowas.
Ich als eingeborener Wiener und Schönwetter-Radler würde eher nicht in Barcelona mit dem Rad fahren, weil mir der Verkehr zu unübersichtlich und chaotisch erscheint (z.B. breite Straßen). In Hamburg, Amsterdam (auch nicht ohne), div. skandinavischen Ländern, Griechenland (Kreta, Urlaubsort), ... bin ich gefahren und ich würde die Städte/Länder rein subjektiv(!) sicherer als Barcelona einschätzen.
Wien ist sicher kein besonders angenehmes Pflaster für Radfahrer (selbst die griechischen Autofahrer erscheinen mir rücksichtsvoller), man kann aber wohl mit den Gegebenheiten am besten umgehen unter denen man aufgewachsen ist.
BTW: Hundstrümmerln liegen in Barc. abseits der Touristenpfade natürlich schon herum.
Immerhin kann er, wenn er einen Job findet, legal hier sein und legal arbeiten. Und die Umgebung wird mit ihm auch kein Problem haben.
Den Vergleich der Architektur Barcelona - Wien kann ich - jedenfalls für das 20. und 21. Jahrhundert, nur unterschreiben. Überdimensioniert ist in Nürnberg wohl nur der Christkindlesmarkt.
Ob es in Wien einfacher ist Leute kennen zu lernen als in Barcelona? Wenn er dort als Spanier lebt ist es wohl so dass er es schwierig haben kann, Katalanen kennen zu lernen. Ist etwa so wie einer mit österreichischem Provinzmigrationshintergrund in Wien auch leichter Ausländer jedweder Herkunft und andere Provinzler kennen lernen kann als Wiener.
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