Nachrichten in aller Kürze
Alles zur Community
Nachrichten, die zu Ihnen kommen: Newsletter, Feeds und SMS
Alles zu unseren mobilen Angeboten: Apps, Mobilversion und SMS
Unsere Radio- und TV-Angebote
Die Zeitung im Internet: Abo, E-Paper, Anzeigen und mehr
Alles über die Redaktion von derStandard.at
Alles über Onlinewerbung, Stellenanzeigen und Immobilieninserate
vergrößern 500x375Recycling ist Vaterlandsliebe - zumindest in der Theorie.
vergrößern 600x346Ein Müllsammler im Paradies - nach einer Großveranstaltung der Partei sammelt er die Wasserflaschen ein.
vergrößern 500x375Eine Müllhalle tagsüber - in der Nacht der Arbeitsplatz von Müllsammlern.
vergrößern 500x375Der Mist wartet darauf, zu Geld gemacht zu werden.
vergrößern 500x375In den Dörfern wird Abfall auf einem Platz gesammelt und regelmäßig verbrannt.
vergrößern 500x299"Müll ablagern verboten!"
vergrößern 600x450Recycling einmal sehr künstlerisch.
Kunmings Mistkübel haben zwei Einwürfe: einen für "Recyceln", einen für "Nicht-Recyceln". Niemand, den ich kenne, hat sich jemals mit dem Unterschied zwischen den beiden Öffnungen befasst, nur Westler machen sich die erste Zeit nach der Ankunft in China Gedanken darüber, in welche sie ihre leeren Flaschen werfen. Doch das Recycling funktioniert dennoch fantastisch - ich habe in Kunming recycelbaren Müll nie irgendwo anders gesehen als auf dem Weg zur Abfallverwertung.
Müll ist vor allem seit der rasanten wirtschaftlichen Entwicklung Chinas ein Problem. Chinas Planer haben noch immer keine geeignete Gesamtlösung für die Entsorgung der immer größeren Menge an Abfall gefunden Chinas Städte würden mit ihrer meist mangelhaften Müllpolitik schon längst in Unrat ersticken, wenn nicht so viele Menschen vom Müll leben würden.
Leben von Müll
Unzählige Müllsammler durchkämmen auch in Kunming Tag und Nacht die Mülleimer, Büsche und Straßenecken auf der Suche nach verkaufbarem Abfall; sie gehen auch durch die Wohnviertel und fordern mit Rufen und dem Trommeln auf Blechdosen die Anwohner auf, ihren Müll vor die Tür zu bringen, wo sie ihn dann einsammeln. Allein in meinem Grätzel arbeiten dutzende Recycling-"Experten". Sie sitzen den ganzen Tag in oder vor ihrem Fahrzeug und warten darauf, dass die wirklich Armen ihnen die Ausbeute des Tages verkaufen: Plastikflaschen, Glasbehälter, Zeitungen, Kupferdrähte, Altmetall, alte Geräte und überhaupt alles, was auf irgendeine Art und Weise wiederverwertet werden kann, wird von ihnen gesammelt und an die großen Recyclingstätten weiterverkauft.
Am Abend werden die Müllbehälter in Müllräume geleert, deren Türen offen stehen, und bevor der Müll endgültig von der Müllabfuhr abgeholt wird, stochern sich Müllsammler noch einmal durch jede einzelne Tüte in der Hoffnung auf einen rentablen Schatz. In einem Land, in dem viele von sämtlichen sozialen Sicherungen ausgenommen sind, überleben die Menschen, indem sie Papier, Plastik und Metalle an Zwischenhändler verkaufen, die diese wiederum an Recylingfirmen weiterverkaufen. Ein Kreislauf, der ein müllfreies Leben in Städten ermöglicht und für das Auskommen aller Beteiligten sorgt. Ein weiterer Berufszweig sind die Universal-Reparateure; sie reparieren alles.. Auch so fällt weniger Müll an, weil kaputte Gegenstände dutzende Male repariert werden, bevor man sie wegwirft.
Ein Cent pro Flasche
Doch Chinas Recycling-Industrie ist immer weniger rentabel für diese Menschen. Früher hat sich das Flaschensammeln mehr gelohnt; es gab den Witz, dass ein Cola weniger oder gleich viel wert sei wie die Cola-Flasche selbst. Mittlerweile bekommt ein Flaschensammler pro Flasche maximal einen Jiao, das ist momentan etwa ein Cent. An einem Tag verdienen sie damit durchschnittlich unter fünf Yuan. Was sich schon nach wenig anhört, ist aufgrund der ständig steigenden Lebensmittelpreise tatsächlich verschwindend gering - und doch gibt es immer noch Millionen Menschen, die nur durch Müll überhaupt überleben können.
Meist sind es alte Menschen, die keine Pension undkeine Familienangehörigen mehr haben oder die krank sind. Statt zu betteln, durchstöbern sie lieber Mülleimer. "Müll ist wertvoll. Für uns arme Menschen ist er ein Schatz, der gratis herumliegt. Irgendjemand verdient ja doch daran - warum also nicht ich?", sagt eine alte Flaschensammlerin. Wenn die Preise für Müll aber noch weiter fallen und sich das Müllsammeln nicht einmal mehr für Obdachlose lohnt, was wird dann mit den Städten passieren? Sie werden innerhalb kürzester Zeit im Müll ersticken, und die Umweltbelastung wird noch größer sein als ohnehin schon.
Eine Spur aus Plastik
Außerhalb der Städte ist Recycling meist unbekannt. Da mittlerweile aber alles in Plastik verpackt und in Plastiktüten verkauft wird, häuft sich auch dort sehr schnell ein Berg aus Kunststoff an. Der Müll wird idealerweise auf einen Müllplatz geworfen und regelmäßig verbrannt. Der beißende Qualm ist zwar gesundheitsgefährdend - aber davon haben die meisten Dorfbewohner noch nie etwas gehört. Im schlechtesten Fall wird der Müll an Ort und Stelle in der Natur entsorgt. Nicht selten entdeckt man bei Trekking-Touren eine Spur von Müll am Boden, die den Weg zum nächsten Dorf anzeigt wie die Brotbrösel für Hänsel und Gretel, und die schönsten Landschaften sind oftmals übersät von Plastiksackerln. (An Yan, 16. Mai, daStandard.at)
In der Provinz Yunnan gibt es Regionen, in denen Christen in der Mehrheit sind
In vielen Teilen Chinas gibt es christliche Minderheiten, die auf eine ganz eigene Missionierungsgeschichte zurückblicken
Die Mehrheit der Han-Chinesen bezeichnet sich als unreligiös - doch die Realität sieht anders aus
Wieder einmal geht es um Besitzansprüche, wieder einmal geht es gegen die Japaner
Klöster sind die wichtigsten Lehr- und Informationsstätten für die Tibeter
Immer mehr junge Chinesen machen sich auf die Reise über die berühmte G318 in die autonomen tibetischen Gebiete
Männer wie Frauen tragen in Tibet einen großen Teil ihres materiellen Besitzes am Körper
In der Präfektur Ganzi treffen Han-Chinesen und Tibeter aufeinander - und die Lage ist nicht gerade entspannt
Tibet ist viel weiter weg als man denkt – denn Entfernungen sind nicht nur in Kilometern messbar
Was vermissen aus China Heimgekehrte am meisten? Weder Tee noch Kalligrafie - es sind die Shaokaos
Aber eines haben wir damals im Kommunismus echt nicht gehabt: Müll. Zumindest nicht in diesem Ausmaß.
Und jetzt bitte nicht mit Meldungen kommen, dass es ja auch nichts zum Einpacken gegeben hat.
Gewiss haben wir nicht im Überfluss gelebt, aber das war bestimmt das geringste Problem.
Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.