Nachrichten in aller Kürze
Alles zur Community
Nachrichten, die zu Ihnen kommen: Newsletter, Feeds und SMS
Alles zu unseren mobilen Angeboten: Apps, Mobilversion und SMS
Unsere Radio- und TV-Angebote
Die Zeitung im Internet: Abo, E-Paper, Anzeigen und mehr
Alles über die Redaktion von derStandard.at
Alles über Onlinewerbung, Stellenanzeigen und Immobilieninserate

Der Flirtfaktor ist immens; wenn man erklärt, dass man der Mann ist, der im Halbdunkel vor einem Radarschirm sitzt und hochoffiziell, mit fester, sonorer Stimme, Worte wie "roger", "over" und "out" per Funk in den Äther singt.
Ein Fluglotse zu sein fühlt sich gut an. Der Flirtfaktor, beispielsweise, ist immens, sobald man erst klarstellt, man sei nicht der Mann, der die Flieger mit Ping-Pong Schlägern zum Parkplatz winkt. Sondern der Mann, der im Halbdunkel vor einem Radarschirm sitzt und hochoffiziell, mit fester, sonorer Stimme Worte wie "roger", "over" und "out" per Funk in den Äther singt. Wie im Film.
Die Männer im grünen Licht
Heute ist vieles anders. Seit meiner Ausbildung sind Frauen akzeptierter Teil der verschworensten und exklusivsten Berufsgruppe der zivilen Luftfahrt. Als ich, Mitte der 80-er Jahre ausgebildet werde, dienen Satelliten hauptsächlich zum Fernsehen, Telefonieren, und Spionieren. Das Internet gibt es noch gar nicht. Ich gehöre der letzten Generation meiner vormaligen Zunft an, die ausschließlich mit elektromagnetischer Navigation und diesen film-ikonischen, grün strahlenden Radarschirmen arbeitet. Mann drillt uns sogar in Koppelnavigation mit Kompass, Aviatikschieber und Karte. Der Sextant wird uns immerhin erklärt, kommt aber nie als Prüfungsfrage. Die Welt der Fluglotsen ist damals ein Männer-Fetisch, gemacht aus modernster Com-Technik, alter Navigatoren-Tradition und dem uralten Traum vom fliegenden Menschen. Deine Stimme donnert mit der Gewalt hunderter Kilowatt durch den Äther und zwingt Metallvögeln deinen Willen auf. Dies und das allsehende Radarauge machen aus dir einen Gott.
Ich werde von Männern ausgebildet, die schon Ende der 50-er Jahre, ohne Radar, nur per Funk und Landkarte, die moderne österreichische Fluglotserei erschaffen. Meinen Lieblinginstruktor nenne ich "Dottore Beppo Dente, il navigatore elettromagnetico". Er bringt mir bei, Christopher Columbus zu verachten, weil er selbst für seine Zeit ein lausiger Navigator ist und bloß unverdientes Glück hat. Ein anderer Instruktor unterweist uns fast zwei Monate lang im Strafrecht. Mit besonderem Augenmerk auf Katastrophen im Luftverkehr, die Menschenleben kosten. Das ist beunruhigend. Der Kurs über Flugtechnik, Avionik und Physik lenkt mich aber ab. Ganz besonders das Kapitel über Unfallforschung in der Luftfahrt. Wer weiß schon, dass ein Flugzeug auch abstürzen kann, weil Menschen nicht nach Vorschrift handeln, sondern ihrer Menschlichkeit folgen? So wie der Pilot der "Snoopy".
Snoopy antwortet nicht mehr
Vielleicht ist es nur eine Zote, die man jungen Fluglotsen erzählt. Doch die meisten alten Lotsen nicken wissend und sagen: "Jo, jo, so woar des... und ned anderst... "
Ein Lear-Jet der Firma Snoopy, ein kleiner Buiseness-Jet, auch Maß und Wahrzeichen für kapitalistischen Erfolg, fliegt an diesem Tag mit zwei Piloten an Bord von Wien zurück nach London. Eine Positionsmeldung in fast 10 000 Metern Höhe, nahe Bayern, ist das Letzte, was man von Snoopy hört. Aber das Radarauge sieht, dass Snoopy noch immer Kurs und Höhe hält. Die Piloten deutscher, französischer und britischer Abfangjäger entlang der Route berichten übereinstimend Unheimliches: Der Jet ist unbeschädigt, niemand sitzt im Cockpit. Der Autopilot hält Snoopy stur auf dem letzten einegegebenen Kurs, der weit über den Atlantik führt, bis sie mit trockenen Tanks in die Wellen schlägt.
Die Unfallkommission kommt schnell zu einer überaus banalen Erklärung. Bei Erreichen der Reiseflughöhe gibt eine Türdichtung nach, Luft entweicht und verursacht ein Geräusch in der Kabine. Das veranlasst den Co-Piloten in die Kabine zu gehen, wo er wegen Suerstoffmangels in Ohnmacht fällt. Dasselbe widerfährt dem Piloten, als er versucht seinem Kollegen zu helfen. Zuvor jedoch schaltet er den Auto-Piloten ein, der treu-dumm, wie Maschinen so sind, Snoopy bis zum Aufschlag führt.
Statt Menschlichkeit nachzugeben, muß ein Pilot die Sauerstoffmaske aufsetzen, das Steuer nach vorne drücken und beim Sturzflug auf 3000 Meter, die drei Zauberworte zum Gott am Radar herunterbeten: "Mayday! Mayday! Mayday!" Dann zaubert ihm der Fluglotse alle fliegenden Hindernisse aus dem Weg, niemand muß sterben. Der Pilot der Snoopy hat eine elementare Regel der Luftfahrt (und der Tote-Teenager-Filme) mißachtet. Sie lautet: "Wenn hinten etwas zischt, geh nicht nachsehen! Du kommst nicht zurück!" Was von Snoopy und ihren Piloten übrig ist, ruht bis heute 4000 Meter unter den Wellen des Atlantik.
Nur die Sonne ist Zeuge
Der Ursprung sowohl der modernen zivilen Luftfahrt als auch ihrer kontrollierten Abwicklung beginnt - nota bene! - in der griechischen Antike. Als Ikarus, der erste fliegende Mensch, in jugendlichem Übermut seine vorgeschriebene Reiseflughöhe mißachtet, ruft ihm sein Vater noch zu, nicht so nah an der Sonne zu fliegen. Der erste Flugunfall ist also die Folge eines Pilotenfehlers und der erste Fluglotse ist also Daedalus.
Die Verantwortung auf den Schultern des Lotsen wird in hunderten von Menschenleben gemessen. Das ist es, was der Lotse tagtäglich und buchstäblich in Händen hält: Zerbrechliche Lebewesen in Kolossen aus Aluminium und Plastik, die mit aberwitziger Geschwindigkeit nahe der Stratosphäre über die Himmel rasen. Als ich selbst ein alter Hase bin, fragt mich ein junger Lotse, wie ich diesen Druck verarbeite. Es ist einfach: Die Passagiere denke ich mir als eine Ladung Schafe und die Crew als eine Bande ungehobelter Schafhirten, die ihre Herde zur Tränke fliegen. Bei manchen Fluggesellschaften ist das sogar fast Realität.
Als Fluglotse hast du nicht nur hohes soziales Prestige und ein passables Gehalt, sondern auch die Aussicht auf eine der höchsten Scheidungsraten aller Berufsgruppen. So erzählt uns oft unser Betriebsrat. Seine Scheidung ist lautlos wie der Flug eines Seglers. Als er von einem Kurzurlaub zurückkehrt, ist an der Wohnungstüre ein neues Schloß, sein Kollege von der Anflugkontrolle ist im Bett seiner Frau zwischengelandet.
Am Ende noch dies: Fliegen ist damals wie heute die sicherste Art zu reisen, weil gewissenhaft ausgebildete Frauen und Männer Tag und Nacht darüber wachen, das Dir und mir nichts passiert, da wo die Luft so dünn ist, dass die Lunge platzen würde, wenn die zwei, drei Millimeter Alluminium der Flugzeughaut nicht wären. (Bogumil Balkansky, 18. Mai 2012, daStandard.at)
In der Schule werden wir Kumpel weil er sich über meine Schwester beschwert. Er sagt, sie sei ein unglaublicher Geizhals, der sich nicht einmal mit dem Hinweis auf die Solidarität unter uns Tschuschen anschnorren lässt. Oder anbaggern. Ich nicke stumm und biete ihm eine Zigarette an
Einst denke ich, erwachsen ist man, wenn man nachts allein in Zügen aufwacht. Doch Jahre später, als mich der Besitz eines Automobils so richtig erwachsen macht, denke ich, erwachsen ist man, wenn man nachts alleine im Auto nicht einschläft
Um in Österreich Fluglotse zu werden, so heißt es, muss man räumliches Vorstellungsvermögen, Verständnis für Technik, Teamgeist und Verantwortungsgefühl im Übermaß haben
Während der letzten zwei Wochen blattert unser Sohn feucht vor sich hin. Und darf nicht in den Kindergarten. Bis die roten Wimmerln verheilen habe ich keine Zeit zum Schreiben. Aber ich habe genug Zeit um in Texten zu stöbern, gerettet aus den Trümmern meiner vorletzten Festplatte
Es bedeutet nur "außerhalb der Regel" und so nennt man in Dalmatien Sportarten mit Abenteuergeschmack. Doch für die Stivanjani sind es mehr als bloß zwei Worte, seit einer von Ihnen daraus eine öffentliche Party macht, die eine ganze Woche des Mittsommers in Sutivan tobt
Onkel Rifat kommt aus Ägypten, lernt in Beograd meine Tante Iva kennen und fährt für dubiose Geschäfte nach Triest und Alexandria, wo sein Devisenkonto liegt
Wovor sich ein Balkan-Scheißmacho-Partisanenenkel-Oberkotzbrocken fürchtet
Es ist fast wie mit der Erfindung des Rades. Alle Kommunisten aller Länder meinen gleichzeitig, das Wohnglück der Arbeiterklasse in den Plattenbauten von Neustädten zu erfinden
Die Erleichterung kommt schnell, weil im Wartebereich der chirurgischen Abteilung sonst niemand wartet. Wir sind im Pavillon 16 in Lainz, es ist Samstag
Am Ende eines anstrengenden Tages, wenn nichts mehr eilig ist, döse ich oft in der U6, und meine Tagträume vermischen sich mit dem Zischen der Türen und Wortfetzen
Wer in Dalmatien männlichen Geschlechtes und zwischen dem Anfang und dem Ende der Pubertät ist, wird Mulac genannt. Die herausragende Eigenschaft die den Mulci anhängt, ist das intensive Betreiben von Unfug aller Art
Als Papa mich das erste Mal prügelt, bin ich gerade zwei. Ich kann mich nicht erinnern und weiß es nur aus Erzählungen von Mama. Alle späteren Prügel bleiben ein blasser Erinnerungsbrei, weil es so viele sind
Ich habe schon von ihr geschrieben: der Prostituierten Ivana, meiner Meidlinger Nachbarin. Hier ist ihre ganze - und ganz und gar traurige - Geschichte
Die Idee ist einfach: Jemand mietet eine Yacht für zwei Wochen, fährt aber nur eine Woche, die zweite überlässt er den Kindern von "Mirno More". Das bedeutet "friedliches Meer" und ist der Gruß der Seefahrer Dalmatiens
Die Missgeschicke anderer zu genießen ist nur die halbe Kunst. Man muss stets bereit sein, die eigene Malaise auszukosten
"Die Spira" feiert ihren Siebziger in einem Ottakringer Wirtshaus und ist aufgeladen wie eine fabrikneue Autobatterie
Selbstverständlich liebe ich meine Familie. Darüber hinaus erheitern Sex, Drugs and Rock'n'Roll jenen Teil meines Hirns, der von der mächtigen Eidechse abstammt. Irgendwo dazwischen ist meine persönliche Twighlight Zone der Freude am Missgeschick anderer
Grad hat man einen teuren, schlechten Film über Jesu Wiederkunft in Sachen Weltuntergang gedreht. Von Weltuntergängen halte ich nix. Von Jesu Geburt hingegen sehr viel. Besonders dann, wenn ich sie mir in Simmering unserer Tage denke
Es gibt fünf Dinge, die ich mehr hasse als den Winter in Wien
In den letzten Wochen sterben drei Menschen, die ich kenne und zwei weitere liegen im Koma ohne Wiederkehr. Wien im Winter scheint mir besonders morbid, allemal zu Weihnachten
Ich bin g'rad intelligent genug, um zu wissen, dass ich nichts Weltbewegendes dazu sagen kann, was nicht schon längst gesagt ist
Ich verbringe 1992/93 insgesamt acht Monate in Kroatien auf der Insel Brač. Freunde fragen mich auch heute noch, wozu ich das gebraucht hab'
Es gibt eine Art migrantischen Phantomschmerz, der über das gewöhnliche Heimweh hinausgeht. Es ist nicht so schlimm, wie das, was mancher Opa meiner österreichischen Freunde damals in Stalingrad beim Gedanken an Wien oder Rust empfindet. Diese unsere, migrantische Nostalgie ist irgendwo dazwischen
Ich kann nicht sagen, dass ich beim Bundesheer nichts lerne. Ich lerne beispielsweise, wie man am besten so tut, als ob man was tut
Es gibt diesen pathetischen Augenblick, in dem ein Vater glaubt einen Brief an seinen Sohn schreiben zu müssen, damit im Falle des vorzeitigen Ablebens möglichst nichts von seiner eigenen, im Laufe der Jahre erworbenen Lebensweisheit verloren geht
Mehr Cockpit-Tower-Funk: http://www.sueddeutsche.de/reise/coc... n-1.479187
Selbst erlebt in Florida:
Pilot (on the approach to Titusville): "Sir, I see a headlight straight ahead of me"
ATC: "Look again. There's probably a plane behind that light."
So war's auch: das war irgenein Flieger auf dem climbout in ein paar Meilen Entfernung.
(Titusville - off topic: das ist der Tower, der einem die Erlaubnis geben kann, den shuttle landing strip entlang zu fliegen :-))
sowas ähnliches gab es in den USA mit dem golf star palmer. auch ein lear, glaube ich. die hatten auch irgendein luftproblem: die airforce schickte eine f-16 rauf; die sahen, dass die fenster des lear vereist waren. der flieger stürzte dann irgendwo in ein feld.
favourite ist folgender:
LOWL, in den 60er Jahren:
Eine YAK 11 mit Major J.M. im short approach auf die 27L.
Tower : "Check, you have gear down !".
YAK 11: "Wette Gulasch und Bier, Fahrwerk ist draussen!".
Major M. nach der fulminanten Bauchlandung zum Controller :"Hast gewonnen Gulasch und Bier."
Kein Cliche wird da augelassen. Dann ist es sicher noch unglaublicher, daß man (in Österreich weniger, im "Land of the free" mehr) auch völig ohne Fluglotsen in der Luft rumgurken kann und darf.
Übrigens:
'If a pilot screws up, the pilot dies; If air traffic control screws up, the pilot dies"
Hig-tech-Variante: http://avherald.com/
Low-tech-Variante: http://esys.org/news/sos.html
;-)
Pilot: "Good morning, Frankfurt ground, KLM 242 request start up and push back, please.."
Tower: "KLM 242 expect start up in two hours."
Pilot: "Please confirm: two hours delay?"
Tower: "Affirm!
Pilot: "In that case, cancel the good morning!"
**********
Pilot: Tower, give me a rough timecheck."
Tower: It`s tuesday, sir."
**********
Tower: "Have you got enough fuel or not?"
Pilot: "yes."
Tower: "yes what?
Pilot: "yes, SIR !!"
**********
Tower: "Lufthansa 5680, reduce to 170 knots."
Pilot: "Das ist ja wie in Frankfurt. Da gibt es auch nur 210 und 170 Knoten. Aber wir sind ja flexibel!"
Tower: "Wir auch! reduce to 173 knots.
Tower zu einer 747: “United 329 heavy, your traffic is a Fokker, one o’clock, three miles, Eastbound.”
United 239: “Approach, I’ve always wanted to say this… I’ve got the little Fokker in sight.”
Lufthansa: “Ground, erbitte Abflugzeit”
Ground: “If you want an answer you must speak in English.”
Lufthansa: “I am a German, flying a German airplane, in Germany. Why must I speak English?”
Unbekannte Stimme von einem anderen Flugzeug (mit besten britischem Akzent): “Because you lost the bloody war.”
Tower: Mission triple-three, do you have problems?
Pilot: I think, I have lost my compass.
Tower: Judging the way you are flying, you lost the whole instrument panel.
der spiegel 22/1983
http://www.spiegel.de/spiegel/p... 21039.html
auch wenn ich Ihr Mißtrauen gegenüber dem Standard, oder eher literarisch, im übrigen höchst positiv, zu wertenden Beiträgen wie denen des Herrn Balkansky bisweilen teile, nur weil etwas im Spiegel steht muß es noch lange nicht wahr sein, ist ja nicht die Prawda ( Wahrheit ).
sondern eher als feststellung, dass es diesen vorfall wirklich gab.
über balkanks lass ich persönlich nichts kommen. ich mag seine pointierte und trotzdem zum nachdenken anregende art und weise zu schreiben. siehe seine beiden letzten artikel: "der 'jud' im tschik" und "großvater kam bis nach bleiburg.
Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.