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Bisher hat mich bei der Magistratsabteilung (MA) 35 noch nie jemand gefragt, was ich an Österreich mag und warum ich dieses Land als meinen Lebensmittelpunkt gewählt habe. Auch fragte mich niemand danach, wie es ist, in Österreich ein Ausländer zu sein.
Seit 18 Jahren lebe ich durchgehend in Österreich. Es sind die Menschen, die Sprache, das Land, das kulturelle Leben, die meine Entscheidung, hier zu leben, bedingt haben. Meine Staatsbürgerschaft wollte ich nicht aufgeben, weil ich aus meinem Geburtsland im Zuge der "ethnischen Säuberung" vertrieben wurde. Die meiste Zeit genieße ich es, hier zu leben, und ich bin dankbar dafür, in Österreich meine neue Heimat gefunden zu haben. Doch jedes Mal, wenn ich meine Aufenthaltsgenehmigung einholen muss, werde ich daran erinnert, nur ein Ausländer zu sein. Es ist eine Erfahrung, die mich jedes Mal erneut erschüttert und mir das Gefühl vermittelt, minderwertig zu sein. Es fängt schon bei den Vorschreibungen über das persönliche Erscheinen an, setzt sich fort in den tristen Gängen, die als Warteraum dienen, und findet seinen Höhepunkt im Vollzug des Amtsaktes.
Ich habe in Linz, Krems und Wien gelebt - doch eines haben alle mir bekannten MA 35 gemeinsam: eine unverwechselbar schwere und größtenteils unangenehme Atmosphäre. Alles ist so unpersönlich wie möglich errichtet, angefangen von den Nummernautomaten bis hin zu den abweisenden Aufschriften an den Türen, dass man nicht eintreten darf.
Die Atmosphäre lässt keine Möglichkeit zu, dem Akt die notwendige Wertschätzung zu geben. Meist konnte schon eine einfache Frage an einen Bediensteten zu einer gereizten Stimmung beitragen. Nur wenige der Bediensteten nahmen sich Zeit und gingen auf mich ein. Immer jedoch fühlte ich mich in diesem Amt als unerwünschte Bittstellerin, als jemand, der auf einen Gnadenakt wartet. Und auch wenn ich es jedes Mal durchgestanden habe, dass meine Aufenthaltsgenehmigung verlängert wurde, so bin ich niemals erfreut aus dem Gebäude hinausgetreten. Nur in meiner Vorstellung hatte ich immer einen großen, ja, einen feierlichen Akt vor mir.
Heute habe ich eine Daueraufenthaltsgenehmigung, dennoch muss ich jedes fünfte Jahr die "Card" verlängern. Anfangs wurde mir gesagt, dass ich die Card ohne irgendwelche zusätzlichen Unterlagen nur auszutauschen habe. Aber so einfach ist es nicht. Ich muss jedes Mal nochmals Formulare und Unterlagen abgeben, letztes Mal auch die Fingerabdrücke. Außerdem wird verlangt, dass ich nachweise, die vergangenen fünf Jahre ohne Unterbrechung in Österreich gelebt zu haben, da mir die Daueraufenthaltsgenehmigung sonst wieder entzogen wird.
Eigentlich sollte das alles einfach sein, ist es aber nicht. Allein den durchgehenden Aufenthalt in Österreich nachzuweisen ist nicht einfach, obwohl ich eine Wohnung auf meinen Namen habe, jedes Semester Studiengebühren zahle und auch eine Jahreskarte für die Wiener Linien besitze. Es steht auch nirgends "kleingeschrieben", wie dieser Nachweis erfolgen soll, noch wurde es mir mitgeteilt. Erst auf mein Nachfragen sollte ich meine Kontoauszüge der letzten fünf Jahre mitbringen, um nachzuweisen, dass ich meine Rechnungen selbst bezahle. Die Beamtin hätte auch einfach nach meiner E-Card fragen können, um meine Versicherungszeiten abzurufen und zu sehen, dass ich die meiste Zeit berufstätig war und so auch in Österreich gelebt haben musste. Stattdessen regte sie sich auf, dass ich sie danach fragte, auf welchem Wege ich beweisen sollte, in Österreich gelebt zu haben. Erst als ich sie höflich darauf hinwies, dass sie über meine E-Card alles überprüfen kann, hat sie den Antrag angenommen.
Die Höflichkeit und vielgepriesene Kundenfreundlichkeit ist bei diesem Amt eine etwas komplexere Angelegenheit. Es ist deutlich zu merken, dass die Bediensteten überfordert sind und es sich abgewöhnt haben, übliche, geschweige denn höfliche Umgangsformen zu pflegen. Oft wollte ich sagen: "Freuen Sie sich, dass ich hier bin, denn sonst hätten Sie ja keinen Job!" Aber ich verkneife mir meinen Kommentar und verwende, sobald ich durch die Tür ins Amtsgebäude trete, ausschließlich den Konjunktiv. Höflichkeit wird in Österreich großgeschrieben, Scheinhöflichkeit aber nicht minder! Gleich welche, wird sie in diesem Haus vorwiegend von den Ausländern praktiziert. Eine Begrüßung im Amt wird zumeist ausgelassen und es wird erwartet, dass sich der Ausländer unaufgefordert auf den gegenüberliegenden Stuhl setzt. Wenn man steht und auf eine Aufforderung wartet, dauert es länger, und die Situation versteift sich. Man setzt sich also lieber schnell hin und gibt der ausgestreckten Hand die Unterlagen.
Nachdem alle Unterlagen mit dem absolut kompliziertesten Antragsformular abgegeben wurden (ich bin überzeugt davon, dass auch einige Angestellte des Amtes einige
Formulierungen und Felder nicht korrekt ausfüllen könnten), erhält man die Antwort, dass man über das Resultat informiert werden wird. "Könnten Sie mir sagen, wie? Per E-Mail, Anruf, Brief?", frage ich. Die Beamtin: "Per Brief." Ich sitze weiter. Die Bedienstete schreibt etwas mit gebücktem Haupt. Es kommt der nächste Bittsteller, und ich gehe hinaus. Es ist fast immer so. Für Abschiedsgrüße gibt es keine Notwendigkeit.
Beim letzte Mal, als ich hinausging, liefen zwei Kinder hintereinander im Gang umher, das erste prallte fast auf mich. Die stumpfen Blicke der Wartenden verfolgten die spielenden Kinder im kahlen Wartegang. Ich habe mich gefragt: Woran werden sich diese Kinder erinnern, wenn sie an ihre ersten Jahre in Österreich denken? (Alba Nero, daStandard.at, 7.6.2012)
Alba Nero, 46, bosnischer Herkunft. Wissenschaftliche Mitarbeiterin. "Alle ausländischen Bürger, die in Österreich längere Zeit verbringen möchten, müssen unweigerlich das Prozedere der MA 35 durchmachen. Damit ist die MA 35 gleichsam eine Visitenkarte Österreichs. Dennoch, die Vorgehensweise der Einwanderungsbehörde ist eine der unangenehmsten und unpersönlichsten, die es unter den Magistratsabteilungen gibt. Dabei ist Österreich eines der schönsten und kulturreichsten Länder weltweit. Im Gespräch mit Herrn Pawlik, den ich zufällig im Wartegang des Hauses Friedrich-Schmidt-Platz 3 (MA 35) traf, beschlossen wir, darüber zu schreiben, um zu appellieren, dass die Visitenkarte unserer Wahlheimat etwas freundlicher sein möge."
Nachlese
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Er sollte lieber froh sein, dass es eine MA gibt, den dort wo er (und ich) herkommen, gibt es nicht mal eine Stelle die uns in diesem Sinne helfen können. Also bitte mal realistisch bleiben.
Ich bin selbst 18 Jahre in Österreich, bin erst 1995 nach dem Krieg hier her gezogen aber all das was Sie hier schreiben kann ich genau so bestätigen. Es ist als würde ich selbst meine letzte Erinnerung an diesen Amtsgang hier lesen.
Ich bin nicht aus Wien, weiß persönlich nicht wie die Bediensteten im dortigen Magistrat sind aber hier in Klagenfurt sind diese so wie Sie es hier schreiben.
Auch ich fühle mich in meiner Heimat wohl, werde früher oder später auch Staatsbürger aber das Österreichische System würde mich bei einer jetzigen Annahme der Staatsbürgerschaft aus meinem Berufsleben (und vielem mehr) reißen. Dafür bin ich noch mit meinen 25 Jahre zu Jung.
Grundsätzlich richtig.
Allerdings mag SIE ÖSterreich grundsätzlich. Freundlichkeit ist nie verkehrt, auch nicht auf Ämtern.
Warum ausgerechnet derartige Berhöden (auch AMS beispielsweise) so unfreundlich sein müssen, sollten Sie hier lieber erklären. Gerade in einem Land wie Österreich, dass sich rühmt höflich zu sein sollte es selbstverständlich sein, dassAmtspersonen eben höflich sind.
"Der" welcher eigentlich eine "Die" ist .. mag Österreich, soweit klar? Habens den Artikel auch glesen?
Und was zum Geier fällt denn dem staate Österreich aus der Krone wenn man einfach mal versucht ein bissl netter zu sein?
Ja, ich sags eh selber auch, ist in vielen Ämtern nicht schön. Aber dann machen wirs eben in all jenen Ämtern besser in denen die Menschen sich unwohl fühlen.
schliesslich ist der staat "eigentlich" FÜR die Menschen da .. oder nicht?
kein Platz der Freundlichkeiten,
daher ist das Ärgernis dieses Herrn hier keine besondere Schikane ausländern gegenüber, sondern eine Systemeigenschaft.
Aber bei Einheimischen kümmert sich keine Zeitung darum, das ist keine Meldung wert.
wegen anscheinend noch immer unverarbeiteten Klimt-Traumas lassen die Dich glatt entmündigen, wenn zu das Glück hattest gegen s i e zu gewinnen:
http://sparismus.wordpress.com
hoert sich sehr vertraut an.
Ich lebe seit 10Jahren in den USA und die "Beamten-Gaenge" sind auch hier dieselben.
Mir faellt immer der alte Alkbottle song - 120 Schilling Stempelmarken ein;
"Freundlichkeit kenna ma net, weils unfreundlich genauso geht"
schade ist nur dass WIR (die Steuerzahler) den 'Pencil-Pushern' das Gehalt zahlen und zu 80% ist es immer eine Schnitzeljagt wenn wir uns dreisten etwas zu wollen.
Hier passieren einem tatsächlich Dinge wie zb Folgendes.
Ich geh mit einer Erledigung zum Amt .. Der Zuständige schaut sich den Zettel an, fängt an vor sich hinzumurmeln, "da müssen sie erst rüber ins blahamt, und dann an den schalter blah und zur Frau blah usw usw". Denk ich schon .. oje .. wie zHaus. Dann die Überaschung. Er sieht mich an und sagt "Setzen Sie sich einfach mal hin, ich erledig das für Sie."
ich staune ...
na... dann geht mal nach Spanien... hier ist jeder Tag ein Abenteuer weil jeder Angestellter und jeder im öffentlicher Dienst alles auslegt wie es ihm grade gefällt... heute schickt man dich nach hause, weil - obwohl ab 8 uhr an der türe steht - man erst um 0830 uhr anfängt... und ich muss ja auch arbeiten... den luxus gönn ich mir... dann schickt man dich heim weil - obwohl in unterlagen etwas aufgelistet ist - es ein andres dokument sein muss... das nächste mal weil man eine auch eine kopie haben muss, es wird hier keine kopie gemacht... beispielsweise neue adresse registrieren dauert 3 tage (bis man diese im system hat meine ich) ... und dann nochmal hin um einen zettel zu holen... ich musste am ende 5x hin für einen adresswechsel ;)
Wer ähnliche Erfahrungen machen will,dem sei (egal ob In-oder Ausländer)der Besuch einer beliebigen Stelle der WGKK oder des AMS (vorzugsweise am Esteplatz,da ist schon das Gebäude traumaverursachend)empfohlen.Beim AMS gibts aber keine Nummern,sondern da wird man,damit auch wirklich alle Anwensenden wissen,dass Herr Maier oder Frau Müller gerade arbeitslos ist,namentlich aufgerufen,was bezüglich Datenschutz eine Frechheit ist.Ich muss allerdings zugeben,dass die Besucher,amtdeutsch auch "Kunden" genannt,zu weit mehr als 50% nicht unbedingt die Elite der Bevölkerung darstellen und das wird offenbar im Verhalten der Beamten reflektiert.
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