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In der 1A der Volksschule Brüßlgasse wird multilingual unterrichtet.

Das Vokabular wird dreisprachig erarbeitet.

Das ist ein Weg: Viersprachige Lehrmittel in der Volksschule.
vergrößern 500x333Kinderwörterbuch Deutsch-Türkisch
Wien - Während Viktoria* das Wortkärtchen für "Weg" unter die Zeichnung legt, fragt die Muttersprachelehrerin Tomislava Gičulović: "A kako se kaže na našem jeziku?". Mehrere Kinder zeigen eifrig auf. "Put", sagt Marko und sucht die Wortkarte heraus. "Habt ihr vielleicht zu Hause auch einen anderen Ausdruck für "put" gehört?" Nach einigen Versuchen einigt man sich auf "cesta".
Anschließend wird die gleiche Prozedur mithilfe der Lehrerin Fatma Sürmeli auch auf Türkisch wiederholt. Doch dabei bleibt es nicht. Die Klassenlehrerin der 1B lässt die einzelnen Schüler das Wort "Weg" auch noch in Rumänisch, Bulgarisch, Englisch, Polnisch, Arabisch und Tschetschenisch wiederholen. Das ist der übliche Ablauf einer Sachunterrichtsstunde in den ersten zwei Schulstufen der Volksschule Brüßlgasse im 16. Wiener Gemeindebezirk.
Die Brüßlgasse 18 ist eine von zehn Wiener Volksschulen, in denen das Projekt der mehrsprachigen Alphabetisierung durchgeführt wird. Seit drei Jahren erlernen die Taferlklassler hier die Buchstaben parallel in Deutsch und in ihrer Muttersprache. In der zweiten Klasse erweitern sie im Mathematik- und Sachunterricht den Wortschatz multilingual.
Das Projekt der muttersprachlichen Alphabetisierung gehört in den Rahmen des Muttersprachenunterrichts, erklärt Manfred Pintarits vom Sprachförderzentrum Wien, zuständig für die Koordination des Deutschförderunterrichts und des muttersprachlichen Unterrichts in Wiener Schulen. Das Sprachförderzentrum stellt auch standardisiertes Material zur Verfügung, das die Lehrerinnen in der Brüßlgasse in ihrem multilingualen Unterricht verwenden.
Zwölf Sprachen in einer Klasse
Neben den Wortkärtchen für den Sachunterricht stapeln sich im Lehrerzimmer auch unterschiedliche Kinderwörterbücher. Eines davon nimmt Fatma Sürmeli in der zweiten Stunde in die 1A mit. Dort sitzt auch ein arabischsprechendes Mädchen im Kreis ihrer Mitschüler und bringt seine Sprachkenntnisse mit ein. Die Lehrerinnen versuchen immer, so viele Kinder wie möglich in ihrer Muttersprache zu Wort kommen zu lassen. In der 1B sind es insgesamt zwölf Sprachen. "Die Kinder kommen darauf, dass sich viele Ausdrücke sehr ähneln. Das begeistert sie sehr", erzählt Tomislava Gičulović.
Knapp 50 Prozent aller Wiener Volkschüler verwenden im Alltag zusätzlich zu Deutsch auch eine andere Sprache. In einigen Schulen, die in typischen Migrantenbezirken liegen, gibt es Klassen, in denen zu 100 Prozent Kinder sitzen, die von zu Hause eine andere Sprache mitbringen. Dieses Potenzial soll nicht mit dem Schuleintritt verlorengehen. Anstatt die Kinder mit der Alphabetisierung in einer Sprache, die sie unter Umständen nur sehr mangelhaft beherrschen, zu konfrontieren, wird auf Kenntnissen aus dem Elternhaus aufgebaut.
In der Brüßlgasse sind die ersten Ergebnisse schon sichtbar. "Unsere Klassenlehrer, die jahrelange Erfahrung mit sehr bunt gemischten Klassen haben, sagen uns jetzt schon, dass die Kinder, die am Projekt der muttersprachlichen Alphabetisierung teilnehmen, viel schneller das Lesen erlernen", erzählt Schuldirektorin Elisabeth Kutzer. Unterrichtssprache bleibt Deutsch, das wird den Eltern bei der Einschulung auch ausdrücklich kommuniziert. "Wir versuchen aber auch zu erklären, welche Vorteile es hat, wenn die Kinder ihre Muttersprache verbessern und mit vielen anderen Sprachen in Berührung kommen", betont Direktorin Kutzer.
Serbisch und Romanes
Wie das aussehen kann, zeigen an diesem Morgen auch die Schüler der 1A. Zwar werden hier weniger Sprachen gesprochen als in der 1B, aber dafür sitzen in der Klasse Kinder, deren Eltern aus Serbien stammen, zu Hause aber Romanes sprechen. Sie erkennen einige Wörter im Serbischen, bringen die eigenen Romanes-Kenntnisse ein, und als das türkische Vokabel für " Decke" dran ist, sagt Alexander, das habe er be- reits von seinen türkischen Freunden im Hof gehört.
Ein solcher Unterricht ist eine logische Fortsetzung der mehrsprachigen Alltagswirklichkeit der Volksschüler, sagen die meisten Sprachwissenschafter. Ihre gelebte Mehrsprachigkeit werde integriert und ausgebaut. Erste konkrete Evaluierungsergebnisse des Projekts sind für den kommenden Herbst zu erwarten. (Olivera Stajić, daSTANDARD, 26. Juni 2012)
Dieser Essay ist in Rahmen der Spezialbeilage daSTANDARD entstanden. Diese Woche können Sie weitere Geschichten aus der Beilage nachlesen.
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Verstehe ich nicht ganz - wie wird da die Muttersprache gefoerdert, wenn alle Kinder einer Klasse Worte in allen Sprachen der Klasse lernen? Waere es da nicht schlauer bestimmte Stunden vorzusehen und in diesen Stunden die Kinder in Gruppen, je nach Muttersprache, aufzuteilen und in der Tat muttersprachlichen Unterricht zu haben?
Zwar kann man "cesta" auch in anderen Sprachen verwenden, z.B. Slowenisch, aber der Kontext lässt darauf schließen, dass das Bild dreisprachig ist. Oder, wenn man die Diskussion um BKS umgehen mag, einfach x-sprachig :)
Super Artikel, übrigens!
...vieler Migranten-Kindern war doch gerade, es wäre absolut notwendig, erst die Muttersprache gut zu lernen, bevor man die grausliche Landessprache lernen soll, weswegen es ganz supi ist, dass sie so richtig ohne Deutschkenntnisse in die Schule kommen. Oder?
Heute wiederum ist es aber viiiieeel besser, anstatt der eigenen oder - Gott bewahre - die grausliche Landessprache, gleich aus dutzenden Sprachen irgendwelche Wörter zu lernen.
Darf man daraus schließen, dass künftig nicht nur das Niveau der Schule so weit abgesenkt werden soll, bis absolut jeder mitkommt, sondern auch der Migranten-Straßenkauderwelsch Unterrichtssprache werden soll, damit sich keiner diskriminiert fühlt?
auch die erkenntnis, dass aslan auf t löwe heißt ;)
ich fürchte nur, die entsprechenden lehrerinnen sehen nicht das ziel darin, das deutschlernen zu optimieren, sondern möglichst viele sprachen irgendwie reinzupacken, um den unterricht leicht zu machen
sieht man ja schon, dass in der muttersprache gefragt wird
also ist die unterrichtssprache eben doch nicht durchgehend deutsch
Von der Lernpsychologie her ist es meines Wissens ganz wichtig , dass EINE Sprache (Muttersprache) erst einmal gut gelernt wird, weil danach sozusagen das Fundament zum "Sprache- Lernen" gegeben ist.
Bei zweisprachig aufwachsenden Kindern wären unterschiedliche Sprachbezugspersonen wichtig.
Schlimm ist es, wenn halbsprachige Eltern die "Sprache-Lehrenden" sind. Das erschwert oder verhindert den Aufbau der Strukturen.
Es ist natürlich durch die Vielfalt der Kinder und ihrer Lebensumstände sehr schwierig, die ganze Sache in einen festen und optimalen Griff zu bekommen.
Die Frage ist, ob "die eigene Sprache entsprechend zu beherrschen" bedeutet, auch alle grammatikalischen Regeln zu umfassen, lesen, schreiben, etc. Wenn es nur um den Sprachgebrauch geht, dann wird es kaum dabei helfen, die Regeln für Deutsch oder Latein oder Französisch zu erlernen.
Bei Erwachsenen mag zutreffen, das die Verwendung von L1, und, sofern Vorhanden, die Kenntnis der Schrift, Grammatik hilfreich sein kann.
Kinder können sich eher anpassen, und eine Sprache schneller lernen, auch ohne groß über L1 zu stolpern. Daher halte ich es hier für eher unwarscheinlich, dass es wirklich den Effekt hat, der von der Aktion erwartet wird.
Die gesammelten Daten werden sicher zeigen, ob es etwas bringt, oder nicht.
Gibt es dann überhaupt noch Deutsch als fach???
Wenn ja werdn sich die kleinen verdammt schwer damit tun...
Also ich finde das nicht gut, kenne einwanderer die sogar die matura haben und trotzdem keine artikel richtig bestimmen können geschweige denn die 4 fälle usw...sollte eig standard sein, oder nicht=?
Ja, da muss ich mich wohl zu den geistigen Tieffliegern zählen, mich überfordert die Vorstellung, dass diese Form von Unterricht der Weisheit letzter Schluss sein sollte, ungemein.
Es ist zweifelsohne einleuchtend, dass das Perfektionieren der eigenen Muttersprache eine Grundvoraussetzung für das Erlernen einer weiteren Sprache sein sollte.
Gerade in der Volksschule müsste es aber doch Möglichkeiten geben, zusätzlich zum Standardunterricht entsprechende Unterrichtseinheiten "anzuhängen", um eine Vertiefung der Muttersprache zu erwirken und parallel den Lernfortschritt des Standardstoffs nicht unnötig auszubremsen.
Denn wenn im Sachunterricht die Wörter Weg, Baum, Vogel, Blunzngröstl etc. ausgiebig multilingual erläutert werden, dan
...n mag dies bei fallweiser Ähnlichkeit der Vokabel wohl durchaus die Laune der anwesenden Schülerschaft heben, ob dies aber zum Thema Sachunterricht gehört, steht auf einem anderen Blatt.
Prinzipiell aber interessante Ansätze, mir ist nur der Artikel etwas zu glatt, nichts wird kritisch hinterfragt, ausschließlich Huldigungen, keinerlei Probleme keine Information ob auch Deutsche Muttersprachler in diesen Klassen sitzen etc.. Reicht mir leider nicht um mir ein finales Urteil zu bilden, aber was solls, muss ich halt weiterhin ob massiver geistiger Überforderung tief durch die Foren fliegen…
Sie habens nicht verstanden!
Was zuerst vielleicht länger dauert holt man nachher umso schneller auf, wenn allllllle Kinder des Lesens und Verstehens mächtig sind.
Haben Sie schon einmal gesehen, wie inder sich freuen, wenn sie neue Beiträge liefern dürfen?
Es gibt auch Kinder, die sich sonst nicht trauen, Wörterin ihrer anderen Sprache mitzuteilen --- hier werden sie ERMUTIGT !
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