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Etwa ein Dutzend freier Radiosender in Österreich fördert Mehrsprachigkeit.
"Wir hatten die Idee für eine rumänischsprachige Sendung in Graz, da die Community im Umfeld Graz etwa 5.000 bis 6.000 Menschen zählt. Wir wollten, dass sie mehr über das Land erfahren, aus dem sie entweder selbst oder ihre Eltern eingewandert sind", erzählt Cristina Popi. Gemeinsam mit ihrem Vater ist sie seit 2006 mit zwei Radioformaten bei Radio Helsinki on air und bereitet Musik, Theatersendungen und Nachrichten aus der "alten Heimat" auf.
Mit ihrer ehrenamtlichen Beschäftigung, die Cristina und Ionel Mircea Popi als "Hobby" bezeichnen, sind sie nicht alleine in Österreich. Etwa ein Dutzend freier Radiosender fördert Mehrsprachigkeit. Vielfalt in Sprachen und Inhalten gehören zu ihrem Vereinsauftrag.
Stimme geben
"Das Ziel ist Menschen eine Stimme zu geben, die in der Mainstream-Medienlandschaft nicht zu Wort kommen. Wir berichten aber nicht über sie, sondern bringen gemeinsam mit ihnen für sie relevante Themen an die Öffentlichkeit", sagt Angela Gamerith von Radio Helsinki. Wie es dem Wesen von Community-Sendern entspricht, stellen die Radiostationen nur die Infrastruktur und Workshops zur Verfügung.
Der Mehrsprachigkeitsaspekt gehört seit ihrer Gründung zum Grundkonzept der freien Radios. Dazu hat sich seit den Anfängen als rebellische Piratenradios 1995 nicht viel verändert. Mit Ausnahme der mehrsprachigen Sendungen, die bei Radio Helsinki lediglich zehn Prozent von insgesamt 98 Formaten ausmachen. Einen beträchtlich höheren Anteil kann Radio FRO verbuchen. Im vergangenen Jahr war laut eigenen Angaben bereits ein Drittel der Sendungen mehrsprachig.
Radio FRO
Mit dem "Russischen Kanal" hat Tamara Rhyzova-Hangweyrer ein Format gestartet, das Nachrichten aus Linz, Österreich und Russland in russischer Sprache sendet.
Um die Probleme von Thailänderinnen sichtbar - oder zumindest hörbar - zu machen und Veranstaltungstipps sowie Nachrichten an die thailändische Bevölkerung zu kommunizieren, hat Chutimon Harrucksteiner die Sendung "Radio Thailand" gegründet, die ebenfalls im Studio von Radio FRO aufgenommen wird.
Mehrsprachiges Kärnten
Vielstimmig und mehrsprachig schallt es auch auf der Frequenz 105,5 von Radio Agora in Kärnten, der seit 1998 einen "gleichberechtigten Umgang mit verschiedenen Sprachen und Kulturen" pflegt. Dies äußert sich auch in der Gestaltung der Homepage, die komplett zweisprachig - Deutsch und Slowenisch ist. In Spanisch, Englisch, Slowenisch, Deutsch und Bosnisch-Kroatisch-Serbisch (BKS) werden regional relevante Programme erarbeitet, welche die unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen widerspiegeln.
Auch Radio Orange 94.0 setzt sich für "eine möglichst vielfältige und freche Intervention im medialen Diskurs und in der gesellschaftlichen Struktur mit dem Ziel die Welt zu verändern" ein, wie es in einem Videobeitrag des Verbands freier Radios zum zehnjährigen Jubiläum der freien Radiosender heißt.
Dazu zählt ein umfassendes Sendereihen-Alphabet von A wie "Ada Vapuru - das türkische Radio", B wie "Balkan-Radio", C wie "China am Puls", über N wie "Nedaye Javanan - Neueste Untergrundmusik aus dem Iran" bis hin zu V wie "Viennahu - Wiens ungarische Stimme".
Wer neben Musik aus dem Iran, Afghanistan oder Pakistan auch an einer Informationssendung auf Farsi zu Themen wie Migration, Identität und Kultur interessiert ist, ist mit "Radio Hamraz" auf Radio Orange 94,0 gut beraten. Feminismus und Ex-Yu prallen in der Radiosendung "Zenska soba" aufeinander. Die Moderatorin Sabaha Sinanovic berichtet auf Deutsch und Bosnisch über feministische Themen, Gesellschaftspolitik sowie aktuelle Bücher und Filme aus dem ehemaligen Jugoslawien.
Neben dem zweisprachigen Aspekt erhebt die französische Radiofabrik-Sendereihe "Vents d'ailleurs" (Winde von anderswo) den Anspruch "lebendiger denn je" zu sein. Ein Paket geschnürt aus Musik, Geschichte und Information, das sich vorgenommen hat, gute Laune zu versprühen.
Ein ganz anderes Ziel scheint mit dem Projekt "Ulm lebt!" definiert zu sein. Der gebürtige Schwabe fordert seine ZuhörerInnen - natürlich im typischen süddeutschen Dialekt - zum nicht ganz so ernst gemeinten kulturellen Austausch zwischen Österreichern und Schwaben heraus. Sein Motto: "Am besten mal reinhören und verstehen versuchen."
(Werbe)frei
Dass freie Radios werbefrei agieren (müssen), bietet auch den einen oder anderen Vorteil: RadiomacherInnen haben einen breiten Handlungsspielraum für Experimente, Kritik und Themen abseits des Mainstreams und können Interessierte eine eigene Sendung - zum Beispiel in ihrer Muttersprache - auf die Beine stellen.
"Die Leute treten mit Ideen und Konzepten an uns heran und wir erarbeiten gemeinsam ein Programm", erzählt Fabian Prantl, Programmkoordinator bei Radio Proton in Vorarlberg. Am längsten an Bord, ungefähr seit der Gründung des Senders vor 12 Jahren, ist die Deutsch- und Türkischsprachige Sendung des sehr engagierten Moderators Kardesliginsesi DJ Adem. In seiner Livesendung wird hauptsächlich über Gesellschaft und Kultur diskutiert, auch Regionalpolitiker kommen zu Gesprächen vor das Mikrofon.
Herausforderungen
Das im Jahr 2008 initiierte Projekt "Radiodialoge" zielte darauf ab interkulturelle Redaktionen in Österreich zu bilden, die sich ein Jahr lang dem Schwerpunkt "Stimmen der Vielfalt" widmen sollten. Der Austausch und die Zusammenarbeit zwischen Menschen aus unterschiedlichen Backgrounds ließ allerdings keine Nachfolgeprojekte entstehen. "Das gelang leider nicht. Die meisten freien Radios haben schon mehrsprachige Sendungen gehabt, aber wir haben mit dem Projekt versucht, sie aus dem fremdsprachigen Eck herauszuholen und auch für österreichische Zuhörer interessant zu gestalten", sagt der damalige Projektkoordinator Alfred Heidlmeir.
Mehrsprachigkeit stecke immer noch in den Kinderschuhen. "Man muss alles doppelt machen. Die Simultan-Übersetzung ist schwierig und die Versuche die Inhalte blockweise zu übersetzen scheitern an der - für das Radio - zu langen Wartezeit von einigen Minuten. Da liegt der Hund begraben", so Heidlmeir. (Eva Zelechowski, daStandard.at, 11.7.2012)
Radiotipps
Auf cbo.fro.at findet ein reger Austausch von Beiträgen zwischen den Radiosendern statt. Zahlreiche Formate in über 30 Sprachen von Bosnisch über Jiddisch bis Thai werden zum Nachhören zur Verfügung gestellt.
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