"Define American": Was ist amerikanisch?

  • Ausgezeichneter Journalist und Aktivist: Jose Vargas
    foto: ap/charles dharapak

    Ausgezeichneter Journalist und Aktivist: Jose Vargas

  • Seine Geschichte gilt ausschlaggebend für die politische Durchführung des "Dream Acts".
    foto: time magazine

    Seine Geschichte gilt ausschlaggebend für die politische Durchführung des "Dream Acts".

  • Video: Jose's Story

  •   Definieren, was amerikanisch ist: Russell Simmons, Eliana, Megan

Das Projekt hat es sich zum Ziel gesetzt, ein größeres Bewusstsein für illegale Immigranten in den USA zu schaffen

"Our immigration system is broken - and fixing it requires a conversation that's bigger and more effective than the one that we've become accustomed to", steht auf der Website der Initiative "Define-American" geschrieben. Das Zitat ist Teil einer Kampagne, die sich um die Unterstützung von illegal ins Land gekommenen Immigranten bemüht. Ihr Schirmherr und Vorstand heißt Jose Antonio Vargas, ein aus den Philippinen stammender und mittlerweile prominenter Journalist, der eine (illegale) Immigrationsgeschichte hinter sich hat.

"Undocumented Immigrant"

Denn "Jose Antonio" wurde als 12-jähriger Junge von seiner Mutter in die USA geschickt, um dort bei seinen Großeltern zu leben. Dabei wurde er nicht registriert, er reiste ohne Papiere, als "undocumented Immigrant" in die USA ein. Seine schulische Laufbahn begann Vargas in der kalifornischen 70.000-Einwohner-Stadt Mountain View. Als er mit 16 Jahren den Führerschein machen will, kommt er in Schwierigkeiten, die Beamtin bescheinigt ihm, eine gefälschte "Green Card" zu besitzen. "Don't come back here again", soll sie noch zu ihm gesagt haben. Er konfrontiert seine Großeltern mit dieser Tatsache - die versuchen zu erklären.

Er begreift die Umstände, in die er jahrelang unbewusst verwickelt war, und beschließt, seinen Status vorerst unter Verschluss zu halten. Vargas wendet sich an Vertrauenspersonen um weiter zu machen, ohne das die Sache auffliegt. Sein Ziel: Die Uni zu besuchen; sich den legalen Status irgendwie zu erarbeiten. "I convinced myself that if I worked enough, if I achieved enough, I would be rewarded with citizenship. I felt I could earn it", wird er später sagen. Mit Hilfe von Freunden und Lehrern, besorgt er sich falsche Dokumente. Er lässt sich neben der amerikanischen "Green Card", den Führerschein und den philippinischen Reisepass anfertigen, um in seiner Illegalität nicht aufzufallen.

Washington Post und Pulitzer-Preis

Vargas studiert Politikwissenschaft an der "San Francisco State University" und möchte Journalist werden. Nach Praktika bei der "Philadelphia Daily News" und der "Washington Post", kann er allmählich Fuß fassen. Nach der Beendigung der Uni, wird er 2004 von der "Washington Post" angeheuert. 2007 war er Teil des Redakteure-Teams, das ausführlich über die "Virginia Tech"-Tragödie berichtete. Die Berichterstattung über den Amoklauf am Campus von Blacksburg brachte ihm sogar den hoch angesehenen Pulitzer-Preis ein. Seine Karriere geht weiter aufwärts. Erst im Juni 2011 veröffentlicht er im "New York Times Magazine" einen Artikel, in dem er seine Geschichte als illegaler Immigrant offen zugibt. Dieses Geheimnis bewahrte er fast 15-Jahre lang für sich. Durch die im selben Jahr gegründete Initiative "Define American", bekommt sein Lebensweg und der vieler Anderer noch mehr Rückenwind.

Diskurs schaffen

Vargas wird zu einer der wichtigsten Figuren, in der Diskussion rund um den seit 2001 im amerikanischen Senat vorgelegten "Dream Act". Diese politische Initiative, soll es ausgebildeten Immigranten ermöglichen, in Amerika zu bleiben. 

Wichtige Voraussetzungen: Immigranten sind in jungen Jahren nach Amerika gekommen; leben seither für mindestens fünf Jahre im Land; haben eine amerikanische Schule oder College besucht oder können einen entsprechenden Abschluss nachweisen und scheinen ferner in keinem Strafregister auf. Diese Regelung dürfte mindestens 800.000 Menschen im Land betreffen. Die meisten von ihnen stammen aus Mexiko und Zentralamerika. Nach Schätzungen des "Pew Research Center", einem Forschungsinstitut aus Washington, leben zurzeit an die 11,2 Millionen illegale Einwanderer in den USA; davon sollen 1,4 Millionen jünger als Dreißig sein.

Obamas Dream Act

Gerade erst vergangenen Juni wurde Vargas' Geschichte wieder hochaktuell. US-Präsident Obama beschloss die Durchführung des "Dream Act", nachdem er erst 2010 am Widerstand der Republikaner im Kongress gescheitert war. Den Stein des Anstoßes lieferte ausgerechnet Vargas selbst. Er schrieb wenige Tage vor dem Obama-Beschluß die Titel-Story für das Time-Magazine und kam zusammen mit anderen illegal in Amerika lebenden Immigranten auf das Cover. (Toumaj Khakpour, 14.07.2012, daStandard.at)

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