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Wenn Ereignisse, die über keine Kausalbeziehung verknüpft sind, gleichzeitig stattfinden und als miteinander verbunden wahrgenommen werden, dann spricht man, in Anlehnung an C.G. Jung, von Synchronizität. Dieses Phänomen erlebt man als Medienkonsument immer wieder: So können sich beispielsweise viele erinnern, dass die Nachricht vom Breivik-Attentat mit dem Tod von Amy Winehouse gleichzeitig Schlagzeilen machte. Die beiden Nachrichten hängen zwar nicht zusammen, werden aber durch ihre Gleichzeitigkeit in der medialen Aufarbeitung gewissermaßen "gemeinsam abgespeichert".
Etwas Ähnliches passiert derzeit bei der Berichterstattung über den Moskauer Prozess gegen drei Mitglieder der russischen Punk-Band Pussy Riot einerseits und über den Wikileaks-Gründer Julian Assange, der sich in der ecuadorianischen Botschaft in London verschanzt hat, andererseits. Assange selbst nimmt in seiner Rede vor der Botschaft Bezug auf die Verurteilung der drei Frauen: „On Friday, a Russian band were sentenced to two years in jail for a political performance".
Julian Assange hält eine Rede auf dem Balkon der ecuadorianischen Botschaft in London.
Die beiden Fälle sind unterschiedlich gelagert: Hier die Punk-Band, welcher der eigene Anspruch, Aufmerksamkeit zu erregen, in einem immer autoritärer werdenden Russland zum Verhängnis wurde - da der Spezialist für Geheimnisse, bzw. deren Aufdeckung, der sich ursprünglich im Hintergrund halten wollte , aber durch Vergewaltigungsvorwürfe in den Fokus der globalen Aufmerksamkeit gerückt ist. Dass es im Fall Assange längst nicht mehr (nur) um die Vergewaltigungsvorwürfe geht, steht außer Zweifel, angesichts des enormen Aufwands, der seitens Großbritannien, Schweden, Ecuador und anderen Staaten betrieben wird. Ebenso klar, wie dass es beim Schauprozess gegen Pussy Riot um mehr ging als um verletzte religiöse Gefühle.
Was beide Fälle jedoch gemeinsam haben, ist, laut Selbstbeschreibung, die Revolte gegen Dogmen, der Kampf gegen die Lügen der Machthabenden, das Streben nach Wahrheit. So nimmt Nadeschda Tolokonnikowa in ihrem Abschlussstatement Anleihe beim russischen Nobelpreisträger Alexander Solschenizyn und sagt, auch sie glaube, „dass das Wort am Ende den Beton durchbricht." Der Glaube an die Macht des Wortes, an die Verlautbarung des wahren Sachverhalts, war auch die Triebfeder von Wikileaks.
Der Moskauer Schauprozess hat im Westen hohe Wellen geschlagen und prominente Solidaritätsbekundungen nach sich gezogen. Hochrangingen Politiker, Künstler und Aktivisten kritisierten den Umgang des Putin-Regimes mit seinen Gegnern sehr scharf (im Übrigen wird man, wenn es um Handelsbeziehungen mit Russland geht, der Ausdruck „Regime" wohl nicht finden). Von einem derart prominenten Rückhalt kann Assange zurzeit nur träumen.
Die Idee eines „westlichen Dissidenten" mag ein befremdliches Konzept sein. Wie aber sonst soll man jemanden bezeichnen, der aus Angst um sein Leben um Asyl ansucht und dieses auch zugesprochen bekommt? Vielleicht sollte der Westen zwar weiterhin und zu Recht mit dem Finger auf die autoritären Tendenzen im Riesenreich Russland zeigen, aber zugleich auch den eigenen Umgang mit Meinungsfreiheit und Rechtsstaatlichkeit hinterfragen?
Die drei jungen Frauen wurden inzwischen zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt, was eine drakonische und unverhältnismäßig hohe Strafe darstellt, aber immerhin unter den ursprünglich angedrohten sieben Jahren bleibt. Man darf mutmaßen, dass sich der Druck der Öffentlichkeit im In- und Ausland für die Angeklagten unterstützend ausgewirkt hat.
Was mit Julian Assange passieren wird, ist noch offen. Zu hoffen bleibt, dass auch in diesem Fall die öffentliche Wahrnehmung die Einhaltung von rechtsstaatlichen Mindeststandards gewährleisten kann, oder zumindest denen, die Assange lieber heute als morgen in einem US-Gefängnis sehen wollen, unmissverständlich zu verstehen gibt, dass ihre Handlungen nicht unbemerkt bleiben werden.
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Passend dazu heute im Spiegel...
"Der Westen versagt im Angesicht seiner Kritiker: Assange, Anonymous, Occupy - wer sich mit dem System anlegt, wird zum Straftäter erklärt und muss um seine Sicherheit fürchten."
http://www.spiegel.de/politik/a... 50936.html
Neu ist allenfalls, dass seine Feinde sich heute als "Aufklärer" und "Dissidenten" tarnen, während sie früher auf solche Täuschungsmanöver verzichteten.
Andererseits: Schon die RAF nahm für sich in Anspruch, das Interesse der Mehrheit zu verfolgen.
Assange hat jetzt schon einen festen Platz in den russischen Medien (Russia Today - TV - von unserem Staatsrundfunk, als russischer Staatsrundfunk entlarvt, nicht empfohlen - trotzdem erfrischend anders als der europäische Meinungseinheitsbrei).
Die Pussies werden nach den 2 Jahren, mit westlichem Reichtum überschüttet, als Ikonen der "Freiheit" und "Demokratie" in allerhöchsten westlichen Kreisen herumgereicht. Die werden es geschafft haben. Dem Australier Assange hingegen, der dokumentiert hat, daß Amerikaner zumindest einen deutschen Journalisten im Irak gekillt haben, droht die Auslieferung in eine lebenslange Gefängnisstrafe. Die zwei Fälle sind in Qualität und Ausmaß miteinander NICHT zu vergleichen.
die russischen "Pussies" werden nach den 1/2 jahr untersuchungshaft für 2 jahre in russischen arbeitslagern(!) verschwinden, während der westler Assange jetzt schon mit westlichem reichtum überschüttet, als ikone der "freiheit" und des "antiimperialismus" millionenfach weltweit im www herumgereicht wird und in einer luxuriösen botschaft im fitnessstudio rumhängt. der hat es geschafft.
den Russinnen hingegen, die gewagt haben, den gottkaiser zu beleidigen droht kurz vor der haftentlassung ein neuer prozess (à la Chodorkowski), um potentielle nachahmerInnen abzuschrecken.
die zwei fälle sind in qualität und ausmaß miteinander NICHT zu vergleichen.
Der hat es nicht "geschafft", er hat "es" erst noch vor sich.
Pussy Riot treten ihre Strafe an und sind - hoffentlich - in 2 Jahren FREI.
Assange wird in 2 Jahren - sollte er schuldig sein und danach sieht es atm aus - gesiebte Luft in einem schwedischen Knast atmen, wie es sich für Vergewaltiger gehört.
Wer hier WAS geschafft hat sollte man wohl zu einem anderen Zeitpunkt diskutieren. Oder finden sie es ist ein Zeichen von "Erfolg" wenn sich jemand in ausländischen Botschaften verstecken muss weil er im Verdacht steht vergewaltigt zu haben?
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bitte nicht hyperventilierend überschnappen, sondern einfach bei den fakten bleiben.
und die fakten sind:
in den USA gibt es keine anklage gegen herrn Assange (und es ist auch keine in vorbereitung).
daher gibt es auch kein auslieferungsansuchen (weder an Schweden, noch an GB noch an sonst ein land).
in Schweden wurden gegen ihn vorwürfe erhoben, und es ist die pflicht der schwedischen justiz, diese vorwürfe zu prüfen, ein verfahren einzuleiten und ein den beweisen entsprechendes urteil zu fällen.
diese aufgabe obliegt weder dem beschuldigten, noch einem lateinamerikanischen präsidenten (für den pressefreiheit ein fremdwort ist), noch dem russischen staatsfernsehen, noch noch irgendwelchen hysterisch-begeisterten forumspostern.
> "In den USA gibt es keine anklage gegen herrn Assange (und es ist auch keine in vorbereitung)."
US Behörden haben in Bradley Mannings Vorverhandlung bereits zugegeben einen 42,135 Seiten dicken Akt von Julian Assange zu haben. Das Justizministerium hat zuletzt im Juni verraten, dass das Untersuchungen gegen Wikileaks noch andauern.
> "in Schweden wurden gegen ihn vorwürfe erhoben,
> und es ist die pflicht der schwedischen justiz,
> diese vorwürfe zu prüfen, ein verfahren einzuleiten
> und ein den beweisen entsprechendes urteil zu
> fällen."
Ja, diese Aufgabe obliegt Schweden. Worauf warten sie? Sie hätten ihn längst verurteilen können. Dazu brauchen sie weder seine Anwesenheit noch eine Befragung.
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es gibt in den USA keine anklage gegen herrn Assange.
ein dicker akt bedeutet nicht, dass es eine anklage geben wird - es gibt auch seit jahrzehnten noch viel dickere akten über eine allgemeine krankenversicherungspflicht. wird es deshalb eine solche in absehbarer zeit geben?
und es gibt daher auch kein auslieferungsansuchen (weder an Schweden, noch an GB noch an sonst ein land).
das sind die fakten.
alles andere sind populistische spekulationen nach dem motto "häddi-daddi-wari" ...
Nimm doch deine Scheuklappen ab. Selbstverständlich wollen die USA Assange habhaft werden. Was anderes anzunehmen ist entweder dumm oder politisch naiv. Australische Diplomaten haben übrigens bereits öffentlich bestätigt, dass die USA Assange dingfest machen wollen.
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das möcht' ich hören, wie Sie (und alle anderen) - zurecht - aufschreien, wenn er von der schwedischen justiz ohne befragung und anhörung in abwesenheit verurteilt würde.
naja, wenn ich mir's recht überlege, möchte ich so ein gekreische lieber doch nicht hören ... ;o)
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