Der streitbare Imam

Rezension | Olivera Stajić, 24. August 2012, 14:02
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    foto: galila verlag

"Der Imam auf der Parkgarage" - Ein Lebensbericht, gespickt mit religiösen Belehrungen und eigentümlichen Anekdoten

Eine Doppelseite im aktuellen "Profil" und eine Empfehlung auf Ö1 machen neugierig: Was steckt hinter dem Lebensbericht mit dem skurrilen Titel "Der Imam auf der Parkgarage. Wie ich lernte, ein guter Staatsbürger zu sein"? Und tatsächlich: Beinahe könnte er einem sympathisch werden, der kontroverse und streitbare Religionslehrer Amir al-Amin, aber eben nur beinahe.

Recht nüchtern schildert Amin am Beginn des Buches seinen teilweise sehr mühsamen Weg aus dem Heimatland Sudan, der ihn über die Türkei und das damalige Jugoslawien über die sogenannte grüne Grenze nach Österreich führte. Über seine konkreten Motive für die Auswanderung lässt er den Leser allerdings im Unklaren.

In Österreich angekommen, verlebt Amin beschwerliche Jahre mit schlecht bezahlten, unsicheren Jobs (die damaligen Fremdengsetze erlaubten Asylwerbern noch zu arbeiten). Mit Fremdenfeindlichkeit wird der Sudanese häufig in unterschiedlichsten Situationen konfrontiert. Da ist etwa die titelgebende und schmerzhafte Episode in der Klagenfurter Bundespolizeidirektion: Die Beamten verwechseln ihn mit einem Somalier, er wird festgehalten und flüchtet auf das Dach einer Garage. Amir al-Amin schildert aber auch immer wieder Begegnungen mit wildfremden Menschen, die ihm selbstlos Hilfe anbieten.

Streitbarer Imam

Mit seiner Entscheidung, Islamlehrer zu werden, beginnt für Amir al-Amin eine konfliktreiche Zeit. Sein Arbeitgeber, die Islamische Glaubensgemeinschaft, schickt ihn nach Kärnten. Jahrelang kämpft der Imam an zwei Fronten: Wegen inhaltlicher "Differenzen", wie die Islamische Glaubensgemeinschaft es darstellte, wird er entlassen. Er sei einfach zu kritisch gewesen, meint Amin. Der Religionslehrer klagt und gewinnt das Verfahren vor dem Arbeitsgericht. Das zweite Gerichtverfahren ist wesentlich langwieriger und brisanter.

Seine Bemühungen, österreichischer Staatsbürger zu werden, arten zu einem jahrelangen Rechtsstreit aus. Der damalige Landeshauptmann Jörg Haider schaltet sich persönlich ein und behauptet im Jahr 2006, Amir al-Amin habe "Schulkinder geschlagen, 9/11 gutgeheißen und Frauen den Handschlag verweigert". Er sei nicht integriert, daher solle ihm die Einbürgerung verweigert werden.

Das Brisante und Seltsame an dem Fall ist allerdings, dass Amin von einem Brief des Landeshauptmanns erzählt, der ihn 2003 erreichte und in dem Jörg Haider ihn persönlich um Unterstützung bei der nächsten Wahl bat. "Heute schäme ich mich dafür, dass ich mich habe rumkriegen lassen und die Rechtspopulisten unterstützt habe", schreibt Amin. Wie genau diese Unterstützung ausgesehen hat, schildert er nicht. Der Fall geht bis vor den Verfassungsgerichtshof, und im Jahr 2010 wird Amir al-Amin die österreichische Staatsbürgerschaft verliehen.

Bei den Wackeldackeln

"Der Imam auf der Parkgarage" ist aber keine reine Lebenserzählung eines Einwanderers, der mit rassistischen und fremdenfeindlichen Ressentiments zu kämpfen hat. Denn Amir al-Amin ist eben auch Religionslehrer, und so finden sich auf den knapp 170 Seiten zahlreiche Anekdoten, die oft in einer religiösen Belehrung über den Islam gipfeln. Die Schilderung der Gebräuche auf einer tschetschenischen Hochzeit dient etwa dazu, zu erklären wieso es nach islamischem Recht keine Zwangsheirat geben kann. Wesentlich unsympathischer macht den Imam die Episode über einen Besuch bei der Mun-Sekte, deren Anhänger er mit Wackeldackeln vergleicht (weil sie bei der "Predigt" alle nicked zustimmen)  und denen er vorschlägt, doch lieber den Propheten und seine Familie zu verehren.

Skurrile Anekdoten

Nicht nur aufgrund der befremdlichen Wackeldackel-Aussage fällt es beim Lesen schwer, dem Imam und Religionslehrer seine Bemühungen um den interreligösen und interkulturellen Dialog vorbehaltlos zu glauben. Amir al-Amin lässt keine Gelegenheit aus, die Vorzüge des Islam gegenüber anderen Religionen zu betonen, und so darf natürlich auch die erfolgreiche Geschichte einer Konvertierung im Buch nicht fehlen.

Die Anfangs amüsanten Anekdoten werden immer eigenartiger und gipfeln in der Wiedergabe eines Gesprächs mit Amins Vermieterin über seine bevorstehende Heirat. Frau Marlene werden kurzerhand Eifersucht und Alkoholismus unterstellt. Eine äußerst fehl am Platz wirkende Episode, gefärbt mit einer ordentlichen Portion (machohafter) Eitelkeit. (Olivera Stajić, daStandard.at, 24.8.2012)

Amir Al-Amin
Der Imam auf der Parkgarage
Wie ich lernte, ein guter Staatsbürger zu sein
Galila Verlag 2012
ISBN: 978-3-902533-41-8

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19 Postings
Was soll heißen Jörg Haider hat behauptet, dass er Frauen den Handschlag verweigert.

Wenn ich mich recht erinnere hat er das selbst im ORF, ich glaub beim Volksanwalt, zugegeben.

Der Typ ist ein Fundi.

Interessante Rezension. Warum ist sie nicht auch im Papierstandard zu finden?

mir sind leute automatisch

suspekt die:
-mit anekdoten zu beweisen trachten, das (ihre) religion gut, schön und wahr ist.
-ihre religionsfreiheit einfordern und uns gleichzeitig verbieten den religionsgründer zu zeichnen, ihr heiliges buch zu behandeln wie jedes andere buch und uns mit gewalt begegnen, wenn wir auf ihre verbote pfeifen.
-fordern vor beleidigungen verschont zu werden, aber gleichzeitig unseren verstand beleidigen indem sie meine homosexuellen freunde von einer klippe stoßen wollen, meinem kind kreationismus als theorie verkaufen wollen und religiös einwandfreie gummibärchen in jedem supermarkt fordern.
na ja... und einiges mehr
BB

Nach viel in muslimischen Ländern verbrachter Zeit (mit Diktaturen a'la Qatar und Saudi-Arabien als kulturelle Tiefpunkte) kann ich das nur unterschreiben, wobei das mE auf jede Religion zutrifft, die irgendwo Macht und Einfluss auf Politik und Gesellschaft hat...

"(...)deren Anhänger er mit Wackeldackeln vergleicht (weil sie bei der "Predigt" alle nicked zustimmen) und denen er vorschlägt, doch lieber den Propheten und seine Familie zu verehren."

Also weil's eh schon so manipuliert und unkritisch unterwegs sind sollen's doch einfach die eine Illusion gegen die andere tauschen?

Herzig diese Gläubigen!

Oida,

ein Trampeltier ;-)

Und wieder eine heisse Rezension

Ich kann mich nicht erinnern (vielleicht habe ich was übersehen) hier jemals ein islamkritisches/ distanziertes Buch rezensiert zu sehen.
Gibts eine neue Koranedition (in der exakt dasselbe steht) oder meldet sich ein Muslim mit Migrationshintergrund zu Wort, findet das sofort geneigte Rezension. Ein Kopftuchmädchen als Autorin, egal was sie verzapft, wird heftig bejubelt.

Es hat sich unheimlich viel in der Islamdiskussion getan, ob das ein Abd-el Samad ist, der sich schmerzvoll vom Islam lossagt oder eines der mehreren bahnbrechenden Werke aus der neuen wissenschaftlichen Islamforschung - in einem tendenziösen Blatt wie dem Standard findet man sie nie.

Man erzeugt durch Unterlassung Illusionen,die dann dem Alltag dann nicht standhalten

So unterschiedlich können Dinge wahrgenommen werden:

Für mich stellt die Standard-Rezension kein Kaufempfehlung dar. Da steht was von "nur fast sympathisch" und "eitel" usw. Vielleicht muss ich´s noch mal durchlesen...

empfehlung auf ö1

ich werds nie kapieren, was die ansonsten angeblich so religionskritische linke ausgerechnet am mittelalterlichen islam findet.

tsja wissen sie, das gab es schon einmal in der geschichte unseres landes: eine kleine religiöse minderheit wird zum sündenbock für alles gemacht, laufend diskriminiert und ausgeschlossen, leidet unter verbalen und physischen übergriffen. manche haben aus der geschichte gelernt und versuchen, bei zeiten gegenzusteuern. andere hetzten lieber weiter.

mir sind ja rote stricherl sonst egal

aber in dem fall hätte ich stattdessen gerne eine erklärung, möglichst schlüssig, wenns geht.

"was die ansonsten angeblich so religionskritische linke ausgerechnet am mittelalterlichen islam findet"

Die Kumpanei der eigentlich antireligiösen Linken mit dem Islam, besser: nicht integrationsbereiten Muslimen, habe ich in meiner vorgehenden Antwort erörtert, sofern sie denn erscheint.

Und warum das Faible für den mittelalterlichen Islam?
Da der zeitgenössische Islam beim besten Willen intellektuell nicht salonfähig ist, parliert man vom mittelalterlichen Islam,von seiner Toleranz und seinen Wissenschaftlern, zeigt aber auch hier die vollkommene historische Ignoranz:
Auch der war keinen Deut anders.
Und nicht ein einziger(!) der bekannten arabischen Wissenschaftler (es waren eigentlich Perser) wie Avicenna, Alhazen, Biruni, Farabi etc. waren Muslime. Der "Muslim" Averroes wurde als Ungläubiger verurteilt und verboten. Null Toleranz.

" habe ich in meiner vorgehenden Antwort erörtert, sofern sie denn erscheint. "

Natürlich ist sie nicht erschienen (und so macht dieser 2.Teil wenig Sinn)
Danke

Sie haben keine Ahnung

Alhazen bzw. Al-Basri war womöglich Araber, sicherlich Muslim. Al-Farabi´s wurde in Damaskus geboren, der ethnisch-religiöse Hintergrund ist unbekannt. Averroes war Araber und Muslim, Rationalist, dessen Werke damals kontrovers waren, seine Karriere als Politker musste er beenden. Verboten wurden seine Werke nie. Weitere Wissenschafter, die Ihren beschränkten Wahrnehmungshorizont nicht erreicht haben: Ibn al-Nafis, al-Batani, al-Idrisi, Ibn Khaldun, Al-Zahrawi, etc. Unerwähnt lassen Sie natürlich, dass "christliche" Wissenschafter der Renaissance und Neuzeit, die im Gegensatz zu Ihnen diese Wissenschafter kannten bzw. kennen mussten, auch Ihre liebe Not mit der Kirche hatten. Tja, so einfach kann Geistesgeschichte mit Vorurteilen sein.

Wissen statt glauben!

Al Hazen stammte, wie Sie es schon nahelegen, aus al Hira/Basra und war hirensischer Christ. Farabi war ethnischer Turkmene und antimuslimisch aus, no na, Farab.

Averroes hielt sich selber für einen Muslim (nämlich als einen "echten" ursprünglichen, der die Sunna, d.h. die Mohammedmärchen ablehnte), die islamische Orthodoxie sah das anders. Er wurde als Abtrünniger vom Glauben zum Tode verurteilt, zu lebenslanger Verbannung begnadigt. Nicht nur seine Werke wurden verbrannt und verboten, es wurde die Philosophie insgesamt verboten, d.h.das Denken in al-Andalus wurde verboten. Und deswegen wars bald vorbei mit dem Islam in Europa.
Auf Ibn Chaldun einzugehen, erübrigt sich, er lebte nicht im Mittelalter
Sorry, Sie wissen einfach zu wenig.

..

die wähler.

Vielleicht ist es der alte Spruch
"Der Feind meines Feindes ist mein Freund"

scheint so

ist aber wenig schlau.

Dazu fällt mir immer Stefan Weber mit seinen Drahdiwaberln ein:

BESSER TEE MIT MOHN ALS RELIGION.

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