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Ute Mitterhammer entschied sich gegen ein Medizinstudium und für eine Lehranalyse.
Drei Farben, blau weiß rot, dominieren den Raum im zweiten Stock eines prächtigen Altbaus im ersten Wiener Gemeindebezirk. Auf der weißen Couch werden demnächst Klienten Platz nehmen, der rote Sessel ist für die Psychoanalytikerin reserviert. Diese trägt ein zufälligerweise dazu passendes Sommerkleid und wirkt frisch und erholt, was um die Mittagszeit nicht ungewöhnlich wäre, wäre da nicht der Umstand, dass Ute Mitterhammer am Vortag von acht am Abend bis acht am Morgen Nachtdienst hatte. "Danach frühstücke ich immer und schlafe bis elf. Es ist besser so, als bis in den Nachmittag hineinzuschlafen. Dann hätte ich nichts mehr vom Tag.", erklärt Ute.
Sie muss es wissen, schließlich arbeitet die ausgebildete Psychoanalytikerin bereits seit siebzehn Jahren auch beim Ärztefunkdienst, wo sie Telefonanrufe entgegennimmt und mit Ärzten und Sanitätern im Außendienst telefonisch Kontakt hält. Dabei war der Job beim Ärztefunkdienst ursprünglich als Studentenjob gedacht. Heute macht sie weniger Nachtschichten pro Woche als früher, denn mit den Jahren würde man den unregelmäßigen Tag-Nacht-Rhythmus immer stärker spüren: "Es ist ein permanenter Jet-Lag."
Interesse an Psychosomatik
Nach Kindheit und Jugend in der Steiermark zog die 1966 Geborene nach Wien, um Medizin zu studieren. "Ich merkte bald, dass mich die psycho-medizinische Schiene mehr interessierte als die reine Naturwissenschaft. Ich habe viele Vorlesungen über Psychosomatik besucht und mich für alles interessiert, das ins Therapeutische geht, und irgendwann war klar, ich habe mich bei der Studienwahl vertan." Zu dieser Zeit wurde die Gesetzgebung in Österreich dahingehend verändert, dass man auch ohne ein abgeschlossenes einschlägiges Studium wie etwa Medizin, Psychologie oder Theologie eine Ausbildung als Psychotherapeut machen durfte. Ute behielt ihren Studentenjob beim Ärztefunkdienst und inskribierte sich für das psychotherapeutische Propädeutikum - der erste Schritt auf dem langen Weg zum Traumberuf Psychotherapeutin.
Psychoanalytische Selbstpsychologie
Wie fiel die Wahl auf die Psychoanalyse? "Das kristallisierte sich bald im Propädeutikum heraus", erklärt sie, "ich lernte dort drei Lehrer und eine Supervisorin kennen, von deren Arbeitsweise ich sehr angetan war. Es stellte sich heraus, sie arbeiteten alle nach der Methode der psychoanalytischen Selbstpsychologie. Das konnte kein Zufall sein."
Empathie statt "weiße Wand"
Die psychoanalytische Selbstpsychologie geht auf den Wiener Heinz Kohut zurück und betont den Aspekt der Empathie in der Therapie. Konkret bedeutet es, dass der Therapeut sich nicht wie bei Freud als eine "weiße Wand" begreifen, also zurückhaltend und abstinent agieren soll, sondern versuchen soll, sich in die Situation des Patienten hineinzuversetzen. Im Fachjargon nennt man das "stellvertretende Introspektion". "Man kann nicht erwarten, dass ein Mensch so neutral ist, als ob er gar nicht da wäre. Der Therapeut bringt selbstverständlich seine eigene Prägung, seine Einstellungen und Abwehrmechanismen mit", präzisiert Ute. Konkret bedeutet es, dass ein Therapeut sich selbst sehr gut kennen muss, bevor er in der Lage ist, sich in einen anderen Menschen hineinzuversetzen. Das wiederum bedeutet, dass man, um Psychoanalytiker zu werden, zunächst selbst eine so genannte Lehranalyse absolvieren muss.
Bei Ute dauerte die Lehranalyse zehn Jahre, in einem Rhythmus von drei Sitzungen pro Woche. "Die Lehranalyse ist das Herzstück einer psychoanalytischen Ausbildung", ist Ute überzeugt. Schade findet sie es, dass die lange Dauer und die hohen Kosten dafür sorgen, dass der Ausbildung etwas Elitäres und sozial Selektierendes anhaftet: "Ich habe mein Erbe in meine Ausbildung gesteckt und nicht etwa in eine Eigentumswohnung, und habe einfach bescheiden gelebt, kein Auto, wenig Urlaub."
Prekäre Situationen in der Nacht
Der Job beim Ärztefunkdienst sorgte inzwischen für ein regelmäßiges Einkommen und eröffnete der angehenden Psychoanalytikerin auch die Augen für "ein armes, nächtliches Wien", wie sie erzählt: "In der Nacht bricht vieles heraus, am Telefon sind wir mit prekären Situationen konfrontiert. Manchmal bin ich geradezu froh, dass ich nicht mit dem Ärzteteam im Außendienst bin, und dass ich nicht selbst mitansehen muss, was ich telefonisch mitanhöre. Unsere Ärzte und Sanitäter kommen manchmal in verwahrloste Wohnungen, wo keine Möbel mehr sind, weil die Bewohner kurz vor der Delogierung stehen, wo familiäre Gewalt stattfindet. Es kann aber genauso gut vorkommen, dass die Ministergattin aus einer Villa in Döbling anruft und etwas braucht."
"So werden, wie man eigentlich ist"
Aber vom Brotberuf zurück zum Traumberuf: Wie kann man ihn sich eigentlich vorstellen, den erfolgreich therapierten Menschen? Was ist das Ziel einer Therapie? Wie soll er sein, der geheilte Patient? Utes Antwort ist kurz und bündig: "Liebesfähig, arbeitsfähig, beziehungsfähig." Und weiter: "So werden, wie man eigentlich ist. Man könnte auch sagen, das Ziel ist ein kohärentes Selbst. Wenn man also die Teile, die in einem sind, integriert hat." Integriert? Ute erklärt: "Vieles, das einen verletzt oder traumatisiert hat, wird abgespalten, verdrängt oder vergessen. In der Therapie kann man beispielweise alle Prozesse der Trauer durchwandern, den Schmerz oder die Wut hochkommen lassen, und dann etwas abschließen."
Der Fremde in mir
Die Psychoanalyse beschäftigt sich jedoch nicht nur mit dem Individuum, sondern auch mit größeren gesellschaftlichen Zusammenhängen. Beispielsweise gibt es psychoanalytische Erklärungsansätze für Phänomene wie Rassismus, Nationalismus oder religiösen Fanatismus, wie Ute Mitterhammer erklärt: "Indem ich den anderen total ablehne, lehne ich auch etwas in mir selbst ab, ohne es zu merken. Das ist so quasi der Fremde in mir selbst, den ich nicht sehen will. Wenn Menschen nicht daran erinnert werden wollen, dass sie selbst einmal hilflos waren, schauen sie weg von der Not der anderen oder sagen, die Ausländer sind selber schuld." (Mascha Dabić, daStandard.at, 29.8.2012)
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.... 10 Jahre oder mehr Selbsterfahrung wie bei den Analytikern üblich, wäre generell wichtig bei Psychotherapeuten um wirklich psychisch und physisch erkrankten Menschen langfristig und nachhaltig eine Hilfestellung sein zu können. WGKK zahtl vor allem Symptombehandlungen; ein oder zwei Jahre Psychotherapie; Patienten werden in Kurztherapien und in schnelle Behandlungen geschickt; Nachhaltigkeit und Wurzelbehandlungen werden nicht mehr bezahlt. Die Mutter aller psychotherapeutischen Behandlungen, die Psychoanalyse ein hochfrequentes und effektives Verfahren wird seit dem Sommer 2012 nicht mehr von der WGKK bezahlt. Psychosomatische Erkrankungen können da sowieso nur mehr sediert werden, denn diese brauchen eine intensive und langfristige B
Er hat nämlich gesagt, dass des Menschen Streben sein soll, sich von der 'selbstverschuldeten Unmündigkeit' zu befreien. Noch viel deutlicher bezieht dies im 20.ten Jahrhundert Viktor Frankl auf den "inneren Menschen" und seine Sinngebung.
Deshalb bin ich überzeugt, dass Selbstanalyse unter Anleitung und Hilfestellung einer Therapeutin sehr segensreich -- nicht nur für einen selbst --
sein sollte.
Ich erlaube mir, die Internetadresse von Ute Mitterhammer bekanntzugeben:
http://www.psychotherapie-trattnerhof.at/
mfg, wnh
in der u-bahn saß ich einer sehr korpulenten, nicht sehr ansehnlichen jungen frau gegenüber, die einen sedierten eindruck machte. sie ist immer wieder weggenickt und hat eine leere pizza-schachtel fallen lassen. ich war indigniert und obwohl mir bewusst war, dass der zustand auf medikamente und nicht auf die hitze zurückzuführen sein könnte, habe ich mich abgewendet und kein einziges mal die doofe pizza-schachtel aufgehoben.
ich konnte nicht über meinen schatten springen.
Sehen sie und ich helfe immer und springe sofort auf, wenn mir jemand Hilfe zu benötigen scheint.
Ist den Menschen aber auch nicht recht, wenn ich an die Beschimpfungen und auch Schläge zurückdenke, die ich schon von Hilflosen einstecken musste...
Es ist nie leicht, das Richtige zu tun.
willkommen im klub.
vor 3 jahren im sommer in der u1: ein drogenpärchen steigt mit einer wodkaflasche am praterstern ein und stellt sich neben mich. er war noch halbwegs bei sinnen, sie aber kurz vor dem kollaps. der kam dann auch, 2 stationen später. sie fiel wie ein sack zu boden, er - eher klein und schmächtig - konnte sie nicht halten und sah mich hilfesuchend an. wir haben die grindige betrunkene, die offensichtlich bewußtlos war, am karlsplatz ausgeladen und auf den bahnsteig gelegt. plötzlich macht sie die augen auf, sieht, daß ich ihren arm berühre und schreit mich an: "wos greifst mi denn an, du *rschl*ch?"
liebesfähig, arbeitsfähig etc. sind die Standardantwort auf diese Frage aus dem ersten Semester. brav geantwortet. Wär ja auch schrecklich wenn eine Analytikerin sich öffentlich an eine Randposition begibt. Hut ab vor ihr und ihrer Leistung. Ein harter Weg der Selbstgeisselung, den sie geht und sicher auch formt und prägt. Tolle Frau kein Zweifel. Ach ja- Analytiker haben immer Antworten auf Phänomene. Ist wohl der Weg zum Supermensch. Tolle Sache so ne Analyse, hohe Latte und deswegen Applaus. Wäre wünschenswert wenn mehr Therapeuten so professionell wären, auch wenns manchmal schon a bissi viel verlangt ist.
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