Gleich und Gleich gesellt sich gern

Olja Alvir, Toumaj Khakpour, 3. September 2012, 19:18
  • Viele heimische Studentenvereinigungen richten sich direkt an ethnische Bevölkerungsgruppen unterschiedlicher religiöser und politischer Prägung.
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    Viele heimische Studentenvereinigungen richten sich direkt an ethnische Bevölkerungsgruppen unterschiedlicher religiöser und politischer Prägung.

Viele Akademiker von morgen finden sich heute in Studentenvereinen ein - Einige Netzwerke legen den Fokus auf ethnische oder religiöse Zugehörigkeit

Ob Beratungsgespräche über den Studienverlauf, ernsthafte Diskussionen über gesellschaftspolitische Themen oder gesellige Partyabende im Vereinsraum: Viele heimische Studentenvereinigungen richten sich gezielt an Studierende bestimmter religiöser oder politischer Prägung.

Jüdisches Leben in Wien

Der Verein der jüdisch-österreichischen Hochschülerinnen (JÖH) ist eine akademische Vereinigung, die die Interessen von jüdischen Studenten vertritt. Die JÖH versteht sich als "Wegweiser in der akademischen Welt" und soll gleichzeitig Ansprechpartner für in- und ausländische Studenten sein, die am "jüdischen Geschehen" Interesse haben. Bis zum Jahr 2004 wurde die Vereinigung unter der Bezeichnung VJHÖ (Vereinigung Jüdischer Hochschüler in Österreich) geführt. Unter diesem Namen wurde sie auch am 20. März 1947 gegründet.

Die neue JÖH wurde in ihren Strukturen erneuert, um laut Homepage den "Bedürfnissen und Interessen der jüdischen Jugend von heute" gerecht zu werden. Dazu gehört laut Eigenangabe auch die unpolitische Positionierung: "Die JÖH steht zweifelsohne hinter Israel, hat sich jedoch bewusst nicht politisch oder religiös orientiert und positioniert, um alle jüdische Studierende gleichermaßen anzusprechen." Der wesentliche Schwerpunkt der JÖH ist daher das "jüdische Leben" in Wien. Dazu werden soziale und kulturelle Veranstaltungen organisiert. Der Verein ist Mitglied des Europäischen und des Internationalen Bunds jüdischer Studenten.

Iranische Studierende

Viele andere Studentenvereine können nicht auf so eine lange Tradition zurückblicken. Ein Beispiel dafür ist der Verein Iranischer Studenten in Leoben (VISL). Dieser wurde laut den aktuellsten Vereinsstatuten (Oktober 2011) zur "Interessenvertretung" und "Förderung der Beziehungen" zwischen iranischen und österreichischen Studenten auf "sozialer, wissenschaftlicher, kultureller und sportlicher Basis" gegründet. Der Zuständigkeitsbereich des Leobener Vereins umfasst ganz Österreich. Die Schwerpunkte der Gemeinschaft liegen in der Beratung von Studierenden iranischer Herkunft, der Belebung von heimischen Traditionen und dem Organisieren von kulturellen und sportlichen Veranstaltungen. Die Mitglieder sind zu einem Großteil Absolventen und Studierende der Uni Leoben.

Der vor 14 Jahren gegründete Verein iranischer Ingenieure in Österreich bietet darüber hinaus eine Interessenvertretung speziell für Technikstudierende an. Ferner gibt es Vereine, die die Beratung und Unterstützung von Studierenden iranischer Herkunft als einen ihrer Aufgabenbereiche definiert haben. Einer davon ist die iranisch-österreichische Kulturinitiative Kanun mit Sitz in Graz.

Keine arabischen Studentenvertreter

Unter den arabischstämmigen Studierenden in Österreich findet sich bislang kein eigener studentischer Verein. Gleichzeitig gebe es aber Vereinigungen, in denen auch Studenten aktive Mitglieder sind, meint Samy Hassan, stellvertretender Obmann des Arabischen Kulturvereins. Vereine wie Jugend für Ägypten arbeiten oftmals im humanitären Bereich oder veranstalten Protestaktionen und Lesungen. Hassan betont auch, dass sich viele gläubige arabischstämmige Studenten nach dem traditionellen Freitagsgebet im Gebetsraum des Afro-Asiatischen Instituts in Wien zusammenfinden würden. Einen ausdrücklichen Studentenverein gebe es aber bislang nicht, räumt er ein.

Diesen Eindruck teilt auch Ahmed Elmatbouly, Pressesprecher der Austro-Arab Chamber of Commerce. Zwar kennt auch er zahlreiche Studenten, die sich ohne "offizielle Vertretung oder Vereinigung" zusammenfinden; eine Organisation, die sich nur den Interessen der Hochschüler widme, ist ihm aber nicht bekannt. Allerdings sei gerade ein Verein, der die Interessen aller arabischstämmigen Studenten bündelt und vertritt, im Aufbau, fügt der Chefredakteur der österreichisch-arabischen Wirtschaftszeitschrift "Sharaka" hinzu.

HAKademiker

Der Kroatische Akademikerklub (HAK), der sich an burgendlandkroatische Akademiker und Studenten richtet, hat seit 1948 seinen Sitz in Wien mit Zweigstelle in Eisenstadt. Der Klubs gibt vierteljährlich die Zeitschrift "Novi Glas" (Neue Stimme) heraus und organisiert die "Tage der kroatischen Jugend" (dieses Jahr vom 7. bis 9. September) sowie Informations- und Austauschabende. Im August fand im Burgenland das Musikfestival "Voices of Europe" der Minderheiten in Europa mit Zusammenarbeit des HAK und der JEV (Jugend Europäischer Volksgruppen) statt, deren Gründungsmitglied der HAK ist.

Der HAK setzt sich auch für die Erhaltung des Burgenland-Kroatischen ein, unter anderem mit einer Unterschriftensammlung zum Erhalt burgenlandkroatischer Lehrveranstaltungen gemeinsam mit dem Institut für Slawistik der Universität Wien und dem Kampf gegen die Streichung von Lehrveranstaltungen. Laut einer OGM-Umfrage ist der HAK die zweitbekannteste Organisation burgenländischer Kroaten in Österreich.

OSSI in Österreich

Die Organisation serbischer Studenten im Ausland (OSSI) hat seit 2009 eine Zweigstelle in Wien und seit 2011 eine in Paris. OSSI besteht seit 1997 - mit einer Pause zwischen 2002 und 2007 - und stellt ein Netzwerk für alle serbischen Studierenden außerhalb Serbiens dar. OSSI organisiert in verschiedenen Projekten ("Lerne Serbien kennen", "pOSSIbility) Praktika für serbische Studierende aus dem Ausland in serbischen Ministerien oder diplomatischen Einrichtungen und hilft Absolventen beim Einstieg in den serbischen Arbeitsmarkt durch Vermittlung an dortige Unternehmen. Im Zentrum steht die Verbindung der serbischen Studenten im Ausland mit Einrichtungen in Serbien sowie dem Staat. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Wertschätzung und Nützung des Potenzials international studierender Serben - besonders im Hinblick auf eine Rückkehr nach Serbien nach dem Studium.

Bosnische Lilien

Im Zuge der Migrationswelle aus dem vom Krieg geprägten (Ex-)Jugoslawien während der 90er Jahre wurde das Collegium Bosniacum gegründet. Der Verein machte sich zur Aufgabe, die teilweise schwierige Situation vieler Studenten aus Bosnien durch mehrsprachige Information über das Studium und regelmäßigen Austausch zu verbessern. Der Verein richtet sich an alle Studierenden aus dem Raum Bosnien-Herzegowina.

Heute betreibt der Verein ein Portal im Internet. Zu den Vereinsaktivitäten gehören diverse kulturelle und Info-Veranstaltungen sowie Beratung. Außerdem vergibt das Collegium Bosniacum den BHSSA-Award (Bosnian-Herzegovinian Student Support Award) für Menschen, die sich besonders für Studierende aus Bosnien-Herzegowina in Österreich einsetzen. Laut Statistik Austria studieren mehr als 1.500 junge Menschen aus Bosnien-Herzegowina in Wien. (Olja Alvir/Toumaj Khakpour, daStandard.at, 3.9.2012)

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Rammstein brought me here!

ist das überhaupt mit dem grundgesetz vereinbar?

also das ist ja keine religiöse vereinigung, oder?

und so weit mir bekannt, darf ein "club" niemanden aufgrund seiner religionszugehörigkeit oder herkunft anders behandeln...

oder verstehe ich da etwas falsch und ich könnte als atheistischer österreicher jederzeit der jüdischen hochschülerschaft beitreten?

Grundgesetz sagt man in Deutschland, bei uns in Österreich sagt man einfach nur Verfassung.

Die Vereinsgründung besteht aus einem privatrechtlichen (der Vertrag, oder die Vereinsstatuten) und aus einem öffentlich-rechtlichen Akt (die Anzeige/Anmeldung an die Behörde, BH oder Magistrat). Was im Gründungsvertrag bzw in den Vereinsstatuten steht unterliegt der Privatautonomie. Das heißt, die Gründer können vollkommen frei entscheiden, was sie reinschreiben. Dazu gehört auch, dass sie sich ihre Mitglieder frei aussuchen können. Sie unterliegen dabei keinen verfassungs- bzw grundrechtlichen Beschränkungen. Die einzige Schranke sind Strafgesetze, dagegen dürfen sie nicht verstoßen.

Hoffentlich halbwegs verständlich;)

Verein der jüdisch-österreichischen Hochschülerinnen

find ich irgendwie krank, dass es soetwas gibt!

da hat man wohl sonst keine persönlichkeit und keine interessen, wenn man sich in solche netzwerke flüchten muss!

besonders krank...

Katholische Hochschulgemeinde Wien...

Warum genau?

Warum genau der jüdische Verein?

hebräisch oder israelisch würde ich noch verstehen, aber religionen und bräuche find ich für studenten und jugendliche halt ziemlich fremd

wurde selbst auf eine katholische schule geschickt und wäre erschrocken, wenn jemand von meinen klassenkollegen einer katholische verbindung beigetreten wäre

finde solche vereine grundsätzlich etwas bedenklich, es sei denn, man hat irgendwelche sprachbarrieren oder ähnliches (wie bei den anderen im artikel beschriebenen vereinen)

Nur weil Sie Religionen ablehnen oder komisch finden, müssen es auch alle anderen tun? Ein seltsames Weltbild. Was ist denn aus Ihrer Sicht "bedenklich" daran?

ich sage nicht, dass sie es tun müssen, sondern dass ich es bedenklich finde, wenn man als 20-jähriger einem verein beitritt, der geister und sagenfiguren beschwört und sich so von anderen abgrenzt

finde in der studentenphase sollte man – genau umgekehrt – offen sein und kontakten zu anderen suchen, in einen geschlossenen bekannten- und kulturkreis kommt man eh noch früh genug

Offen sein und so ...

Das mag nun ein Vorurteil sein, Sie hören sich nicht so an, als hättens einen "offenen" Bekanntenkreis, wenn Sie es anprangern, dass man Interessensgemeinschaften innerhalb kulturellen Erbes sucht.

Vielleicht liege ich falsch, aber haben Sie? Oder intolerant.

kulturelles erbe...wenn ich das schon höre.,..

auf so etwas versteifen sich menschen die es selber zu nichts bringen und keinem sinn in ihrem leben finden, die finden ihren sinn im kulturellen erbe...

was ist den eine typische österreichsiche kultur? latent ausländerfeindliche jodler?

btw. jodeln ist echt das einzige typisch österreichische das mir gerade einfällt..

ich habe übrigens meinen "kulturellen" bzw sozialen hintergrund von meinen eltern mitgegeben bekommen...und die haben das schon ganz anders gemacht als meine großeltern...also von "erbe" kann man da nicht sprechen

OSSI?

Aber das steht doch für "Ottis Super Service International"!

Wenn das mal keinen Rechtsstreit gibt! ;-)

der (kärntner-)slowenische Klub fehlt...

...immerhin die wichtigste kärntner-slowenische Institution in Wien/Dunaj:

http://www.ksssd.org/

Es gibt einige Organisationen arabischer StudentInnen in Wien...

2 kleine Hinweise an die PraktikantInnen:
Vielleicht sollte man/frau sich nicht eine (religiös-motivierte?) Quelle verlassen und PalästinenserInnen sind auch Araber...

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