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vergrößern 500x373Inan Türkmens "Wir kommen" ist das Paradebeispiel für die erfolgreiche Vermarktung von Migrantengeschichten. Das Rezept: Ein einprägsames Cover mit Eyecatcher und ein möglichst profaner, aber emotionaler Titel.
Amir Al-Amin, Ana Tajder, Mehmet Emir, Melih Gördesli und Inan Türkmen - sie haben alle eine Gemeinsamkeit: Ihre Bücher lassen sich zu einer Sparte zählen, die man nur "mittelmäßige Migrationsliteratur" nennen kann. Ihre Werke sind Erinnerungen von nach Österreich eingewanderten Migranten und bearbeiten meist anekdotenhaft Schicksalsschläge, Lebensumstände und Vorurteile. Im Zentrum steht alleinig die Autobiografie - ein Leben für einen Einstieg ins Literaturgeschäft?
Diesen Trend gibt es schon etwas länger in Deutschland, naturgemäß kommt er mit einiger Verspätung jetzt auch auf den österreichischen Literaturmarkt. Während es in Deutschland eine besondere Konzentration auf türkische Autoren gab, waren diese in Österreich lange unterrepräsentiert. Ein Wegbereiter für das Interesse an migrantischen Autoren und Geschichten ist in Österreich sicherlich der Exil-Literaturpreis, durch den Autoren wie Julya Rabinowich und Dimitré Dinev "entdeckt" wurden. Doch die neue Migrationsliteratur - die nicht vergleichbar ist mit Rabinowich, Dinev oder etwa Radek Knapp und Michael Stavaric - ist nicht preis-, sondern vermarktungswürdig.
Die Randgruppenbiografie scheint eine Marktlücke zu sein, die Verlage durch den Erfolg preisgekrönter Autoren entdeckt haben. Folglich handelt es sich meist um die Debüts junger Autoren. Die Prognose lautet, dass sie One-Hit-Wonder bleiben werden: Die Verlage sind, das zeigen eindeutig die gravierenden Mängel im Lektorat, gar nicht an dem Text, am Inhalt interessiert. Sie kümmern sich nur liebevoll um die Verpackung.
Man könnte aber auch argumentieren, die Migranten-Autobiografie sei einfach ein zeitgemäßes Genre, das auf gesellschaftliche Bedürfnisse und politische Entwicklungen antwortet. Aber auch das wäre problematisch - als müsste man sich als migrantischer Autor zuerst seiner Vergangenheit entledigen, sie abschreiben, sie für einen Einstieg in die Szene versteigern, um danach "echte" Literatur machen zu können.
Auf eine exotisierende Art und Weise - beispielsweise durch Coverdesign - werden existenzielle Erfahrungen ohne literarischen Wert, ohne erzählerischen Kniff vermittelt. Mit einer voyeuristischen Neugier und wenig kritischem Blick wird die "Migrationsliteratur" dann auch konsumiert.
In diesem Sinne steht diese Art von Literatur vielleicht in einem Verwandtschaftsverhältnis zur Holocaust-Literatur. Es ist verpönt, sie zu kritisieren oder überhaupt von literarischer Qualität zu sprechen. Wie kann man nur das Buch schlecht finden, bei all diesen Ungeheuerlichkeiten, die darin beschrieben sind? Das käme einer unverschämten Entwertung der existenziellen Erfahrung, der Erschütterung, die die Erlebnisse der Autoren darstellen, gleich. Aber eine literarische Veröffentlichung ist eben kein einfacher Erlebnisbericht. Und wenn sie, wie die österreichische Migrationsliteratur der letzten Zeit, in ein Muster passt, dann ist es nicht Literatur, sondern Kitsch, Kolportage und Ausbeutung.
Im englischsprachigen Raum würden diese Bücher vielleicht im "Non-Fiction"-Regal stehen. Das "Non-Fiction"-Genre wird allgemein mit Sachbuch übersetzt, dazu gehören unter den klassischen Sachbuch-Gebieten wie Naturwissenschaften und Gesellschaft etwa auch (zeit)geschichtliche Abhandlungen. Auf Englisch publizierende "Non-Fiction"-Autoren verzichten nicht (beispielsweise der Objektivität wegen) unbedingt auf eine Ich-Perspektive und einen persönlichen Zugang. Trotzdem: "Non-Fiction", keine Fiktion, keine Literatur beziehungsweise Belletristik. Im deutschsprachigen Raum leiden wir noch unter der Illusion, dass ein solches Ich immer ein literarisches Ich ist. Deshalb landen die Bücher oben genannter Autoren prominent auf dem Tisch für österreichische Literatur und nicht im Zeitgeschichte-Regal. Was, zugegeben, auch marketingtechnisch bestimmt kein Zufall ist.
Ein Buch, das trotz seines Platzes im Zeitgeschichte-Regal auf große mediale Resonanz gestoßen ist, ist Inan Türkmens "Wir kommen". Es ist das Paradebeispiel für die erfolgreiche Vermarktung von Migrantengeschichten. Das Rezept: Ein einprägsames Cover mit Eyecatcher, ein möglichst profaner, aber emotionaler Titel - und dann knappe hundert Seiten Anekdoten, gemischt mit (migrations)politischen Ansagen. Bei "Wir kommen" ist es in der Buchhandlung dank Positionierung und Design ganz klar, in welche Richtung Türkmens Debüt vermarktet werden soll. Das Buch möchte ganz klar in der Tradition, die Stéphane Hessels "Empört Euch!" losgetreten hat, stehen. Außerdem wurde es sehr klug als "Antwort auf Sarrazin" vertrieben. Dass das Buch lediglich eine verquere Mischung aus Alltagsgeschichten und unglaublich naiven Einschätzungen über die Türkei besteht, ist egal. Denn da wurde es dank hübschen Kleids als essenzieller Kommentar zur sogenannten Integrationspolitik schon über den Ladentisch gereicht.
Die mittelmäßige Migrationsliteratur wird einerseits von Migranten konsumiert, die auf ein Identifizierungsangebot und Möglichkeiten hoffen, heftig mit dem Kopf zu nicken: "Das habe ich auch erlebt! Genau das habe ich mir auch neulich in der Straßenbahn gedacht!" Und andererseits von der Mehrheitsbevölkerung: Für sie ist es fast schon ein politisches Statement, diese Bücher zu lesen - nicht nur jene, die ausdrücklich um eine kontroverse These herumgebaut sind wie Türkmens "Wir kommen". Man wähnt sich auf der sicheren Seite, man ist Förderer der Migrantenkultur, verbreitet eine migrationspolitische Ansage per Literaturkonsum.
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wie Sarrazin wertet die Autorin des Artikels die Leistung eines Türken pauschal ab,
"unglaublich naiven Einschätzungen über die Türkei besteht"
2.das das Buch keinen literarischen Anspruch hat ist doch klar. hier schreibt jemand seine erfahrungen auf, + er trifft damit den Nerv der Zeit. Österreicher sind neugierig wie Türken denken und zwar wirklich denken, nicht die verschönten grünen Theorien, also kein literarisches Kunstwerk eines Intelektuellen - Intelektuelle neigen zu Ideologie und die Wahrheit ist ihnen zu "proletarisch". Ich glaube Menschen, die einfach sprechen /schreiben viel eher - Der Mensch tickt einfacher als es viele haben wollen, was Philosophen lange nicht glauben wollten:Gefühle beeinflussen uns stärker als die Vernunf
aber diese Gefühle werden ja auch von einem Stimulus aktiviert, der wiederum kulturell bedingt ist. Sozialisation, etc. Das Buch kenne ich nicht, daher kann ich darüber nicht urteilen. Auch glaube ich ihren gerne, dass die Türkei keine homogener Klotz aus wandelnden Stoffsäulen ist. Nur, als Westler interessiert mich natürlich die Konfliktzone auf heimischen Boden. Und hier sieht die Sache sehr wohl anders aus, soll heißen, negativ und sehr negativ. Las bereits, dass Menschen der gehobenen Schicht aus Istanbul behaupten, wir hätten den absoluten rückständigen Rest aus Anatolien abbekommen, der auch in Istanbul zu den Außenseitern gehören würde. Anyway.
Was mich eigentlich wundern: Warum gibt es keine Migration zurück in die Türkei?
Sie behauptet definitiv nicht -- wie Sarrazin es tut -- dass man anhand ein paar halb verstandener Tabellen über seltene Erbkrankheiten "beweisen" könne, wie dumm und faul und minderwertig die doch allesamt seien.
Bitte nicht jede Kritik mit dem von Sarrazin vorbebrachten, aufgewärmten, nur ein wenig umerzählten Irrsinn von der "Rassenlehre" zu verwechseln.
sarrazin sagt lediglich, dass inzucht das vorkommen von erbkrankheiten fördert und dass daher in gesellschaften mit inzucht erbkrankheiten öter vorkommen als in gesellschaften ohne inzucht. das ist auch keine neue erkenntnis, sondern etwas das der wissenschaft spätestens seit mendel vertraut ist. jedenalls ist es definitif nicht die schuld sarrazins, dass (ostanatolische) türken davon ganz besonders betroffen sind.
die größte Sarrazin-Obsession haben ja seine Gegener. mich interessiert er weniger.
Das Intelligenz zu ca 50% genetisch beeiflusst wird, da gibt es aber genug studien...
Mir gings aber generell um die Abwertung, nur weil man andere Sichtweisen hat..., oft eine Abwertung von Intelektuellen versus "einfacheren Menschen"
was für den Rechten der Ausländer ist, ist für den "Intelektuellen" der "Prolet"
Wenn der „Markt“ einen Trend aufnimmt, dann steigt zwangsläufig die Anzahl mittelmäßiger bis schlechter Produkte überproportional zur Menge der Perlen. Das gilt für alle Konsumgüterbereiche.
„Anekdotisch“ als disqualifizierendes Merkmal biografische Werke zu begreifen, finde ich ein wenig abwegig. Ein Leben lässt sich nur in Ausschnitten beschreiben. Siehe auch Anekdote laut Duden:
http://www.duden.de/rechtschr... g/Anekdote
wenn sie die anderen artikel hier kennen, wissen sie, dass es sich bei dieser seite eher um eine wir-migrantenkinder-sind-so-arm-geborene-österreicher-bashing-seite handelt.
dieser artikel kritisiert einmal die eigenen leute. ungewohnt. aber nachdem der inhalt stimmt - mir gefällts. ;-)
Unter selbstkritisch verstehe ich, wenn man sich selbst hinterfragt.
Dieser Artikel setzt sich aber kritisch mit anderen auseinander, die mit der Person des Verfassers des Artikels nichts zu tun haben.
Somit ist er nicht selbstkritisch, sondern kritisch in Bezug auf die besagte Literatur.
Genauso wie wenn z.B. ein R.R. Guenter Grass verreisst.
Selbstkritisch waere es, wenn ein R.R. sich selbst verreisst.
es wird genug Mist verlegt, und andererseits hervorragende Bücher nicht mehr neu aufgelegt.
Ich erinnere mich, dass ein unsägliches Diätbuch von Steffi Werger ein Kassenschlager war, während Manuskripte von Leuten ohne Querverbindung ungelesen retourniert werden. Hin und wieder ist unter dem ganzen verlegten Mist dann auch wieder ein gutes Werk.
Warum sollten da ausgerechnet an Migrantenliteratur andere Ansprüche gelegt werden ...?
Ist ja bei Porno dasselbe: So gut wie niemand traut sich, etwa die Justine und Juliette von de Sade zu lesen, oder die großartige und witzige "Philosophie im Boudoir", lieber greift man im Supermarkt zum amateurhaft geschriebenen, mäßig übersetzten Shades of Grey :-(
Das kann ich gut nachempfinden. Am schlimmsten ist aber, wenn solche Mistbücher plötzlich Bestseller werden, obwohl andere Autoren im selben Genre viel "besser" sind.
Das einzig Gute: In der heutigen Zeit bekommt man wenigstens einige Bücher, die nicht mehr gedruckt werden, als eBook. Zwar ein schwacher Trost, wenn man nicht so gern eBooks liest, aber wenigstens etwas. /:
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