Nachrichten in aller Kürze
Alles zur Community
Nachrichten, die zu Ihnen kommen: Newsletter, Feeds und SMS
Alles zu unseren mobilen Angeboten: Apps, Mobilversion und SMS
Unsere Radio- und TV-Angebote
Die Zeitung im Internet: Abo, E-Paper, Anzeigen und mehr
Alles über die Redaktion von derStandard.at
Alles über Onlinewerbung, Stellenanzeigen und Immobilieninserate

Weil Herr Slobodan "tschuschig" aussieht, wollen manche Tschuschen seine Ware nicht kaufen. Also engagiert er mich, um für solche den "Austriaken" zu machen.
Weil Herr Slobodan "tschuschig" aussieht, wollen manche Tschuschen seine Ware nicht kaufen. Also engagiert er mich, um für solche den "Austriaken" zu machen. Das Konzept funktioniert zu meinem anfänglichen Misstrauen und Erstaunen perfekt! Doch manchmal gerate ich an Leute, deren Verhalten mein grundsätzliches Misstrauen, dass Homo tatsächlich auch sapiens ist, bestätigt. Und mich staunen lässt, wie locker ich meine Mitmenschen für 20 Euro belügen kann.
Ich löse den Haushalt meiner Mutter auf, die mit Herrn Jorge nach Spanien übersiedelt ist, um Oliven zu malen. Künstler halt. Das ist meine immer gleiche Story, die als Hintergrund zur Herkunft meiner Waschmaschinen, Herde, Wäschetrockner, Backöfen, Ceranplatten und Kühlschränke herhält.
Mitunter erlebe ich skurrile und traurige Begegnungen mit Menschen, die mich glauben lassen, ein Elternführerschein wäre eine viel sinnvollere Einrichtung als dieser unendlich dumme Hundeführerschein.
Der Mann ist dem Akzent nach zu urteilen Südosteuropäer, vielleicht ein Rumäne oder Moldawier, und will eine Waschmaschine bei mir kaufen. Er will gegen 19 Uhr kommen und das Gerät begutachten. Kurz vor Mitternacht höre ich im Hof eine Männerstimme laut das Wort "Waschmaschine" brüllen. Alle meine Nachbarn hängen aus den hofseitigen Fenstern und ihre Blicke huschen verärgert vom Mann zu mir, der ich mittlerweile auch aus dem Fenster hänge.
Am liebsten würde ich diesem Vollidioten, der auch noch volltrunken ist, einfach die Fresse polieren, aber neben ihm steht im dunklen Hof auch ein kleiner Junge, nicht älter als fünf. Im Hof angelangt sehe ich, dass der Junge nur stumm mit einer Spielkonsole beschäftigt ist, die sein kleines Gesicht und die dunklen Augen erhellt. Der Mann ist seit dem Nachmittag auf Zechtour und hat auf unseren Termin vergessen, genauso wie er offenbar vergessen hat, dass eine Zechtour und diese Mitternachtseinlage nichts ist, wozu man ein Kind mitschleift.
Weil mir der Junge unendlich leidtut und damit meine Nachbarn mich nicht steinigen, setze ich den Preis herunter, lade schnell die Waschmaschine auf die Rodel und rolle sie durch das Haustor auf die Gasse. Auf meine Frage, wo sein Auto steht, lallt der Mann, er habe kein Auto und sei mit einem Taxi da. Ein Funke Verstand scheint noch in ihm vorhanden zu sein, weil er in seinem Zustand sein Kind nicht selbst durch die Nacht kutschiert. Allerdings bleibt die Frage offen, wie ich die Waschmaschine in ein Taxi verladen soll. Der Mann zeigt auf die Kreuzung, wo tatsächlich eines dieser englischen Taxis steht, die mindestens drei Waschmaschinen im Fahrgastraum aufnehmen. Der Fahrer ist ein Sikh, erkennbar am orangen Turban, und an seinen Blicken kann ich erkennen, dass er mein Mitleid mit dem Kind teilt. Das Taxi braust in die Dunkelheit, das Letzte, was ich sehe, ist das blasse Licht der Spielkonsole im Gesicht eines Kindes, dessen Vater eindeutig ein Arschloch ist.
Er ist ein Chinese oder Koreaner, so genau kann ich das als "Langnase" nicht beurteilen. Die Kommunikation ist schwierig, und der schwierigste Teil darin ist, dem Mann zu erklären, dass die zwei hinteren Platten des Herdes, den ich ihm verkaufe, Expressplatten sind, während die zwei vorderen Platten fürs gemütliche Dünsten und Kochen ohne Eile dienen. Der Mann kauft und fährt.
Nach etwa einer Stunde ruft er mich jedoch an und es dauert eine Weile, bis ich begreife, dass er der Meinung ist, der Herd sei kaputt. Das kommt daher, dass mein Käufer irgendwas von Zeitung brüllt. Ich begreife schließlich, er habe den Herd ausprobiert und festgestellt, dass er bei den zwei Expressplatten ohne Licht Zeitung lesen kann, während das bei den zwei vorderen Platten nicht möglich ist. Also brülle ich das Wort Expressplatte mehrmals in den Hörer, hoffend, dass er versteht. Leider nein. Am Ende fällt mir ein, wie ich mich verständlich machen kann: "Hinten Wok!", so brülle ich, "und vorne Tee!" Schweigen, dann ein erkenntnisreiches "Aaaaaha!", gefolgt vom "Klick", als er grußlos auflegt.
So nenne ich Leute, die mir versichern, sie würden hundertprozentig die Ware kaufen und mitnehmen, allerdings erst nächste Woche. Hm. Überflüssig zu sagen, dass keiner der Reservierer auch tatsächlich kommt.
Diese Erfahrung mache ich, als ich einmal guten Glaubens und Willens einem Austriaken sage und schreibe drei Wochen lang einen Trockner reserviere, weil der gute arme Mann angeblich noch auf die Bezugsfertigkeit seiner Wohnung wartet. Dieses Gespräch führe ich mit diesem Mann noch dreimal und reserviere den Trockner noch zwei weitere Wochen für ihn. Auf dem Trockner bleibe ich am Ende sitzen. Doch einige Wochen später ruft derselbe Mann wieder an. Inzwischen habe ich meinen "Namen" auf der Internetplattform zum Privatverkauf geändert und der Mann glaubt, er habe es mit jemand anderem zu tun. Es geht aber wieder um einen Trockner und dessen Reservierung. Ich beschließe, dass nun die Gelegenheit da ist, das Imperium zurückschlagen zu lassen.
Also vereinbaren wir einen Termin in zwei Wochen in Gols im Burgenland, wo ich angeblich zu Hause bin. Dass der Mann tatsächlich hinfährt, merke ich an den verzweifelten Anrufen, die zwei Wochen später, gegen 10 Uhr abends, mein Handy erschüttern, das ich nach dem zweiten Anruf ausschalte. Am nächsten Morgen sehe ich auf dem Display, dass der Reservierer sage und schreibe 27-mal angerufen hat. Seitdem schreibe ich in jede Anzeige, eine Reservierung sei nicht möglich, wer zuerst kommt, mahlt auch zuerst.
Um einen Kühlschrank zu kaufen, sind dieser Mann, seine drei Söhne und seine Frau angerückt. Der Mann ist gekleidet, als ob er noch immer in seinem Dorf in Anatolien lebt, seine Frau ebenfalls, die drei Söhne haben Jeans und T-Shirts an. Bevor ich noch irgendwas sagen kann, will der Mann um den Preis verhandeln, was ich mit dem Hinweis auf den ohnehin geringen Preis ablehne. Inzwischen will ich höflich sein und begrüße jeden der anwesenden mit einem Guten-Abend-Wunsch und einer Handreichung. Die Frau lässt meine Hand stumm und unberührt in der Luft schweben. Genau in diesem Moment der peinlichen Grußverweigerung sagt der Mann etwas zu laut, er sei leicht beleidigt, dass ich nicht feilschen will, was in seiner Heimat so üblich sei.
Wer mich kennt, weiß, dass ich kein Rassist oder auch nur ansatzweise fremdenfeindlich bin - wie könnte ich das bei meiner Herkunft auch. Aber es ärgert mich, dass ich der unhöfliche Beleidiger in dieser Geschichte sein soll. Und ich beschließe, dem Mann seine eigene Logik deutlich vor Augen zu führen. Deswegen sage ich: "Guter Mann, in meiner Heimat ist es üblich, Menschen bei der Begrüßung zurückzugrüßen und die Hand zu geben. Wenn Sie eine Waschmaschine und eine Begrüßung nach anatolischem Brauch wollen, kaufen Sie bitte die Waschmaschine in Anatolien." Ja, auch mir platzt manchmal der humanistische Kragen. (Bogumil Balkansky, daStandard.at, 14.9.2012)
In der Schule werden wir Kumpel weil er sich über meine Schwester beschwert. Er sagt, sie sei ein unglaublicher Geizhals, der sich nicht einmal mit dem Hinweis auf die Solidarität unter uns Tschuschen anschnorren lässt. Oder anbaggern. Ich nicke stumm und biete ihm eine Zigarette an
Einst denke ich, erwachsen ist man, wenn man nachts allein in Zügen aufwacht. Doch Jahre später, als mich der Besitz eines Automobils so richtig erwachsen macht, denke ich, erwachsen ist man, wenn man nachts alleine im Auto nicht einschläft
Um in Österreich Fluglotse zu werden, so heißt es, muss man räumliches Vorstellungsvermögen, Verständnis für Technik, Teamgeist und Verantwortungsgefühl im Übermaß haben
Während der letzten zwei Wochen blattert unser Sohn feucht vor sich hin. Und darf nicht in den Kindergarten. Bis die roten Wimmerln verheilen habe ich keine Zeit zum Schreiben. Aber ich habe genug Zeit um in Texten zu stöbern, gerettet aus den Trümmern meiner vorletzten Festplatte
Es bedeutet nur "außerhalb der Regel" und so nennt man in Dalmatien Sportarten mit Abenteuergeschmack. Doch für die Stivanjani sind es mehr als bloß zwei Worte, seit einer von Ihnen daraus eine öffentliche Party macht, die eine ganze Woche des Mittsommers in Sutivan tobt
Onkel Rifat kommt aus Ägypten, lernt in Beograd meine Tante Iva kennen und fährt für dubiose Geschäfte nach Triest und Alexandria, wo sein Devisenkonto liegt
Wovor sich ein Balkan-Scheißmacho-Partisanenenkel-Oberkotzbrocken fürchtet
Es ist fast wie mit der Erfindung des Rades. Alle Kommunisten aller Länder meinen gleichzeitig, das Wohnglück der Arbeiterklasse in den Plattenbauten von Neustädten zu erfinden
Die Erleichterung kommt schnell, weil im Wartebereich der chirurgischen Abteilung sonst niemand wartet. Wir sind im Pavillon 16 in Lainz, es ist Samstag
Am Ende eines anstrengenden Tages, wenn nichts mehr eilig ist, döse ich oft in der U6, und meine Tagträume vermischen sich mit dem Zischen der Türen und Wortfetzen
Wer in Dalmatien männlichen Geschlechtes und zwischen dem Anfang und dem Ende der Pubertät ist, wird Mulac genannt. Die herausragende Eigenschaft die den Mulci anhängt, ist das intensive Betreiben von Unfug aller Art
Als Papa mich das erste Mal prügelt, bin ich gerade zwei. Ich kann mich nicht erinnern und weiß es nur aus Erzählungen von Mama. Alle späteren Prügel bleiben ein blasser Erinnerungsbrei, weil es so viele sind
Ich habe schon von ihr geschrieben: der Prostituierten Ivana, meiner Meidlinger Nachbarin. Hier ist ihre ganze - und ganz und gar traurige - Geschichte
Die Idee ist einfach: Jemand mietet eine Yacht für zwei Wochen, fährt aber nur eine Woche, die zweite überlässt er den Kindern von "Mirno More". Das bedeutet "friedliches Meer" und ist der Gruß der Seefahrer Dalmatiens
Die Missgeschicke anderer zu genießen ist nur die halbe Kunst. Man muss stets bereit sein, die eigene Malaise auszukosten
"Die Spira" feiert ihren Siebziger in einem Ottakringer Wirtshaus und ist aufgeladen wie eine fabrikneue Autobatterie
Selbstverständlich liebe ich meine Familie. Darüber hinaus erheitern Sex, Drugs and Rock'n'Roll jenen Teil meines Hirns, der von der mächtigen Eidechse abstammt. Irgendwo dazwischen ist meine persönliche Twighlight Zone der Freude am Missgeschick anderer
Grad hat man einen teuren, schlechten Film über Jesu Wiederkunft in Sachen Weltuntergang gedreht. Von Weltuntergängen halte ich nix. Von Jesu Geburt hingegen sehr viel. Besonders dann, wenn ich sie mir in Simmering unserer Tage denke
Es gibt fünf Dinge, die ich mehr hasse als den Winter in Wien
In den letzten Wochen sterben drei Menschen, die ich kenne und zwei weitere liegen im Koma ohne Wiederkehr. Wien im Winter scheint mir besonders morbid, allemal zu Weihnachten
Ich bin g'rad intelligent genug, um zu wissen, dass ich nichts Weltbewegendes dazu sagen kann, was nicht schon längst gesagt ist
Ich verbringe 1992/93 insgesamt acht Monate in Kroatien auf der Insel Brač. Freunde fragen mich auch heute noch, wozu ich das gebraucht hab'
Es gibt eine Art migrantischen Phantomschmerz, der über das gewöhnliche Heimweh hinausgeht. Es ist nicht so schlimm, wie das, was mancher Opa meiner österreichischen Freunde damals in Stalingrad beim Gedanken an Wien oder Rust empfindet. Diese unsere, migrantische Nostalgie ist irgendwo dazwischen
Ich kann nicht sagen, dass ich beim Bundesheer nichts lerne. Ich lerne beispielsweise, wie man am besten so tut, als ob man was tut
Es gibt diesen pathetischen Augenblick, in dem ein Vater glaubt einen Brief an seinen Sohn schreiben zu müssen, damit im Falle des vorzeitigen Ablebens möglichst nichts von seiner eigenen, im Laufe der Jahre erworbenen Lebensweisheit verloren geht
Aber wenn Sie und ich dergleichen schrieben und wie bei Herrn Bogumil die völlig gerechtfertigte tiefe Befriedigung über die gelungene Replik auf diese sagenhafte Dreistigkeit aus jedem unserer Worte tröffe: meine Fresse, was wären wir für rechtsrechtes Gesindel! (Aber auch der Gedanke daran hat schon was, oder?)
sind nur jene personen, die solche Begegnungen her nehmen um eine komplette Bevölkerunsgruppe schlechtzureden, was ich gerne bereit bin zu argumentieren, ohne Notstand.
Nebenbei: Die "Gutmenschen"-Plakette wird üblicherweise von ebenjemen Gesindel erst ausgeteilt, um Gesprächspartner zu disqualifizieren. Selbsternannte Gutmenschen werden Sie selten finden. Zumindest nicht so, wie Sie das meinen.
Daher gibt es auch keine selbsternannten Gutmenschen. Danke für den äußerst richtigen Hinweis. Ad Verallgemeinerung: der Mensch neigt nun einmal dazu, sich aus mehr als einmal gemachten eigenen Erfahrungen und/oder entsprechenden Berichten aus anderen Quellen sein Weltbild zu machen und dieses nur sehr ungern zu hinterfragen. Daher werden "Störfaktoren" soweit es geht ausgeblendet oder als unerheblicher Einzelfall gewertet: jede perfekt ins Bild passende einschlägige Entgleisung aus F-Kreisen wird von diesen entrüstet als von links bösartig aufgebauschte Lappalie abgetan, aber umgekehrt läufts genau so. Jeder wähnt sich auf der richtigen Seite, aber niemand macht alles richtig. Probleme ignorieren ist auf Dauer ungesund.
ein bisschen zu verbittert klingt das ganze.
u der steher "ich bin kein rassist, aber ..." steht hier da, weils ne entlarvung dieser generalklausel der rassist/inn/en sein soll, o weil er sich wirklich mittels derselben entschuldigen will???
Schön langsam nach diesen vielen wirklich feinen Geschichten, beschleicht mich hinterrücks der Verdacht, der Name "Bogumil Balkansky" könte auch nicht des Autors echter sein...
Herzelichst
Ihr Lappe
Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.