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vergrößern 500x415"Mr. Khan" lebt im englischen Birmingham als Vertreter der pakistanischen Gemeinde. Der "Independent", kritisierte die Sendung vor allem für ihre Stereotypisierung, ihr humorloses Klischeé-Spiel und die fehlende Originalität.
Realityshows und Sitcoms erfreuen sich im angloamerikanischen Raum großer Beliebtheit. Die meisten Serien handeln von zwischenmenschlichen Beziehungen, Lebensalltag, persönlichen Geschichten, Romantik und Liebe, Drama, Konfrontation sowie Geld und Erfolg.
Diese erfolgserprobte Mixtur kann sich auch vor dem Hintergrund von Ethnie und Religion abspielen. Die Konzentration auf eine bestimmte bevölkerungsreiche Sehergruppe in den USA oder in Großbritannien scheint für viele, stets um Quotensteigerung bemühte Fernsehmacher zumindest ein Grund zu sein, immer öfter Shows und Serien mit diesem Schwerpunkt zu produzieren.
Eine der ersten Serien, die sich ausdrücklich auf eine ethnische Gruppe konzentrierten, waren im Jahr 1949 "The Goldbergs" - eine jüdische Immigrantenfamilie aus der New Yorker Bronx. Fernsehkritiker dieser Zeit lobten die positive Hervorhebung der Rolle der "klassischen jüdischen Mutter", die sich allumsorgend um Familie, Nachbarschaft und Haushalt kümmert.
"The Goldbergs"
Inwiefern gerade diese damals beliebte Figur zur Reproduktion von weiteren Stereotypen im Fernsehen beigetragen hat, kann heute nicht eindeutig nachgewiesen werden. Angesichts weiterer stereotypisierter Rollen in Fernsehen und Kino sind Nachahmungen jedenfalls nicht auszuschließen.
Andere prominente Serien, die ausdrücklich schwarze Schauspieler besetzten, waren "The Cosby Show" Mitte der 80er sowie "The Fresh Prince of Bel Air" und "Family Matters", bei uns besser bekannt als "Alle unter einem Dach", Anfang der 90er. Danach und dazwischen wurden zahlreiche Serien produziert, die das Leben einer afroamerikanischen (Mittel- oder Oberklasse-)Familie in den Vordergrund rückten.
Die zu übermittelnde Nachricht an die Seherschaft war deutlich, wie die "New York Times" damals feststellte: "Der herausragende Erfolg zwingt uns dazu, die Bilder, die wir über Afroamerikaner erzeugen und reproduzieren zu überdenken." In diesem Sinne brachen manche der bekanntesten Serien mit den gängigen rassistischen Stereotypen, die es bereits über Afroamerikaner zu lesen und sehen gab, da sie größtenteils zu guten Sendezeiten liefen und einem breiten Publikum zugänglich gemacht wurden. Serien wie die "Cosbys" galten als Antwort auf das durch die Medien unterstützte schlechte Image von Schwarzen aus der amerikanischen Unterklasse.
Dass "Sitcoms" und "Realityshows" auch danebengreifen und mit der Lebensrealität vieler aus der vermeintlichen "Community" wenig zu tun haben, zeigen drei aktuelle Fälle.
Die US-Realityshow "All American Muslim" begleitet fünf amerikanische Familien libanesischer Herkunft in ihrem alltäglichen Leben in Dearborn, Michigan. Der nördlich gelegene US-Bundesstaat zählt die meisten Muslime in den Vereinigten Staaten. Die Serie beschäftigt sich mit muslimischen Familien, die ihr Alltagsleben auf unterschiedliche Weise nach den Lehren des Islam ausrichten.
Die Serienpremiere wurde von gut 1,7 Millionen Zusehern verfolgt, im Schnitt waren es eine Millionen. Kritik gab es reichlich: Religionskritiker bemängelten die übertriebene Verharmlosung von "islamischem Fundamentalismus und der Scharia". Von ultrareligiöser Seite wurde wiederum die Verfälschung des Islam an sich kritisiert, die in Form mancher weniger gläubiger Darsteller präsentiert wurde. Die Serie fand nach nur einer Staffel ihr jähes Ende: Nach offiziellen Angaben musste sie aufgrund von niedrigen Quoten eingestellt werden.
All-American Muslim
Ähnlich ergeht es derzeit der britischen BBC-Eigenproduktion "Citizen Khan". Bemerkenswert im Vorfeld war vor allem, dass die Sendung für das meistgesehene britische Inlandsprogramm, BBC One, konzipiert wurde und somit sehr viele Seher erreichte. Tatsächlich haben sich die erste Folge mehr als 3,6 Millionen Menschen angesehen. Doch bereits nach der ersten Ausstrahlung am 27. August erreichten den Sender mehr als 200 Beschwerdebriefe, die eine Absetzung der Sendung forderten.
"Citizen Khan"
Die Tageszeitung "Independent" kritisierte die Sendung vor allem für ihre Stereotypisierung, ihr humorloses Spiel mit Klischees und die fehlende Originalität. Die Kritik konzentrierte sich besonders auf die Hauptfigur "Mr. Khan", der mit seiner Familie im selbst ernannten "Capital of British Pakistan", dem englischen Birmingham, lebt und dort seinen Alltag als Vertreter der pakistanischen Gemeinde bestreitet. Vom großen britischen Vorbild "Mind your Language" aus den 1970ern sei die Serie weit entfernt, lautete das Resümee des "Guardian". Mittlerweile hat sich die britische Medienaufsichtsbehörde OFCOM mit dem Fall beschäftigt. Sie soll klären, ob sich Teile der muslimischen Bevölkerung tatsächlich von der Sendung beleidigt fühlen.
Viel Kritik musste sich auch die in Los Angeles produzierte Realityshow "Shahs of Sunset" gefallen lassen. Die Serie begleitet sechs superreiche Amerikaner iranischer Herkunft in ihrem Alltag, geprägt von Geld, Oberflächlichkeit und abfälligen Bemerkungen. "Ich mag keine Ameisen und ich mag keine hässlichen Menschen (...) Ich bin 30 Jahre alt und mein einziger Gehaltsscheck kommt von meinem Papa.", stellt eine der Darstellerinnen fest.
Für die Serie verantwortlich zechnet Ryan Seacrest, der 2007 mit "Keeping up with the Kardashians" ein ähnliches Sendekonzept mitproduzierte. Viele iranische Vereine und Verbände haben unabhängig voneinander Petitionen gestartet, um ihrem Ärger Ausdruck zu verleihen. Die Kritik an derartigen Formaten scheint sich jedenfalls vermehrt zu haben: "Helfen Sie der persischen Gemeinschaft mit der Unterzeichnung dieser Petition um 'Shahs of Sunset' und andere rassistische Fernsehprogramme zu unterbinden.", heißt es in einer Aussendung der iranischen Community. (Toumaj Khakpour, daStandard.at, 14.9.2012)
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