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Der emotionale und spielerische Erlebnisfaktor im vorschulischen Spracherwerb wird leider immer noch vernachlässigt.
Wie lernen Kinder mit nicht-deutscher Muttersprache Deutsch im Kindergarten und wie wird Mehrsprachigkeit in den Wiener Kindergärten aktiv anerkannt und unterstützt? Diesen Fragen gingen Experten im Rahmen der 2. Jahrestagung der Kommission für Migrations- und Integrationsforschung in der Österreichischen Akademie für Wissenschaften nach. Herausgekommen ist dabei, dass Kinder mit großem Interesse Deutsch lernen wollen, aber im Kindergarten nicht dazu animiert werden und die Vermittlung der Wertschätzung der Erstsprache der Kinder nicht genug gefördert wird.
Interessant sind vor allem die Ergebnisse des zweijährigen Forschungsprojekts "Spracherwerb und der lebensweltlichen Mehrsprachigkeit im Kindergarten", das von einem interdisziplinärem Team aus Bildungs- und SprachwissenschaftlerInnen sowie PsychologInnen in Kooperation mit dem Verein Zeit!Raum im Auftrag der MA 10 und MA 17 durchgeführt wurde. Ziel des Forschungsprojekts war es die sprachliche Situation in Wiener Kindergärten zu untersuchen und herauszufinden welche Faktoren den Spracherwerb von Erst- und Zweitsprache beeinflussen.
Dazu wurde in drei Kindergärten, die insgesamt von rund 280 Kindern mit mehrheitlich anderer Erstsprache als Deutsch besucht werden, intensiv geforscht. Es kamen sowohl quantitative als auch qualitative Erhebungsmethoden zum Einsatz, unter anderem wurden mehr als 150 Fragebögen in acht Sprachen an Eltern geschickt, auch die Kindergarten-PädagogInnen, die in den untersuchten Kindergärten mehrheitlich Deutsch als Erstsprache haben, wurden befragt und zuguterletzt das Sprachverhalten der Kinder im Alltag mittels Beobachtung und Videoaufnahmen analysiert.
Für Ines Garnitschnig, Projektmitarbeiterin und Psychologin, ist die Ambivalenz der Einstellungen zur Mehrsprachigkeit und dem Handeln im Umgang mit der Erstsprache bei den KindergärtnerInnen augenscheinlich. So gab es bei den befragten KindergartenpädagogInnen zwar große Zustimmung was die Wertschätzung und Vermittlung der Erstsprache angeht, in der Praxis zeigen sich aber Unsicherheiten im Umgang mit der Erstsprache. Für ein Drittel der befragten MitarbeiterInnen ist es unangenehm wenn die Kinder in ihrer Erstsprache sprechen.
Auch eine weitgehend monolinguale Orientierung in den Wiener Kindergärten haben die WissenschaftlerInnen festgestellt, laut Garnitschnig sind ein Drittel der befragten KindergartenpädagogInnen sehr rigide auf die deutsche Sprache ausgerichtet. Rund 30 Prozent der KindergärtnerInnen gab an auf die Wünsche der Kinder nur dann einzugehen, wenn diese auf Deutsch formuliert werden.
Nicht nur bei den Kindergarten-PädagogInnen, auch bei den Eltern selbst ist diese Ambivalenz zwischen dem Wunsch nach mehr Wertschätzung der Erstsprache und dem Wunsch, dass die Kinder nur Deutsch sprechen, vorhanden. 75 Prozent der Eltern wünschen sich einerseits, dass der Erstsprache auch im Kindergarten mehr Wertschätzung entgegengebracht wird, aber auch zu 90 Prozent, dass im Kindergarten nur Deutsch gesprochen werden soll. Selbst bei den Kindern zeichnet sich das geringe Prestige der Erstsprache ab. Danach gefragt welche Sprachen sie sprechen können, nannten die Kinder Deutsch und Englisch, die eigene Muttersprache wie Serbisch oder Türkisch wurde von den Kindern nicht genannt.
Ein wissenschaftliches Team rund um Wilfried Datler, Regina Studener-Kuras und Valentina Bruns vom Institut für Bildungswissenschaften an der Universität Wien hat sich im Rahmen des zweijährigen Forschungsprojekts den emotionalen Faktor beim Spracherwerb anhand von vier Einzelfallstudien genauer angeschaut. Dabei wurden vier Kinder im Alter von drei bis fünf Jahren, die mit geringen Sprachkenntnissen in den Kindergarten gekommen sind und Türkisch als Erstsprache haben, beobachtet.
Die Ergebnisse der Einzelfallstudie sind eher ernüchternd. Datler gibt an, dass trotz bemühtem Interesse und Vergnügen der Kinder die Zweitsprache spielerisch zu lernen, die Kinder "außerhalb der Sprachfördereinheiten kaum angeregt werden Deutsch zu sprechen". Gespräche und Dialoge mit zunehmender Satzkomplexität, damit die Kinder Fortschritte beim Sprechen der ihnen fremden Sprache machen, kamen laut Datler in der Beobachtung kaum vor. Beobachtet wurde auch, dass sich die Kinder primär in der Erstsprache unterhielten - meist halfen die, die bereits gut Deutsch konnten den Kindern, die Deutsch lernen wollten - ohne Eingreifen und Sanktionieren der KindergartenpädagogInnen.
Dabei versteht der Datler unter Sanktionieren keine Ermahnungen. Das Sprechverhalten des beobachten Kindergartenpersonals sei sowieso schon viel zu wenig auf Dialoge ausgerichtet. Viel öfter wurde beobachtet, dass in Form von Befehlen, Ermahnungen oder Aufforderungen mit den Kindern gesprochen wurde. "Solch ein Sprechverhalten hat einen sehr geringen Effekt auf den Spracherwerb", weiß der Experte.
Der Bildungswissenschaftler will nicht moralisierend den Zeigefinger gegen die KindergartenpädagogInnen erheben. Schließlich haben diese laut Datler selbst mit schwierigen Arbeitsbedingungen zu kämpfen. "Sie müssen sich um eine Gruppe von 20 bis 30 Kindern kümmern, haben oft nicht gut ausgebildete Helferinnen zur Seite und tragen die Verantwortung alleine", so Datler. Er plädiert für eine größere Reflexion des Sprechverhaltens der Pädagoginnen im Kindergartenalltag.
Das auffordernde und ermahnende Kommunikationsverhalten ist übrigens kein Zufallsbefund, sondern charakteristisch für die Institution Kindergarten. Laut Datler kommen Studien in Deutschland auch auf dasselbe Ergebnis, nämlich dass es im Kindergarten zu wenig Aug-zu-Aug Kommunikation mit den Kindern gibt. Im Rahmen des zweijährigen Forschungsprojekts an den Wiener Kindergärten wurde auch eine kleine Pilotstudie in einem italienischem Kindergarten durchgeführt. Auch hier zeigte sich ein ähnliches Sprechverhalten der PädagogInnen. Für Datler ein weiteres Indiz dafür, dass der emotionale und spielerische Erlebnisfaktor im vorschulischen Spracherwerb und Kommunikationsverhalten immer noch vernachlässigt wird.
Sprachwissenschaftlerin Ewelina Sobczak kommt auf der Tagung zur Migrations- und Integrationsforschung zu demselben Schluss. Sie macht auf die fehlende Anerkennung der frühkindlichen pädagogischen Arbeit in Österreich als wichtige Grundstufe der Bildung aufmerksam. Laut Sobczak habe die Arbeit der KindergartenpädagogInnen in Österreich immer noch viel zu wenig Prestige und das Personal in den Kindergärten mit immer höheren Ansprüchen zu kämpfen. Aus den Befragungen mit den KindergärtnerInnen kommt letztlich auch der Wunsch nach mehr Personal zum Vorschein: 90 Prozent der MitarbeiterInnen in den untersuchten Kindergärten wünschen sich mehr mehrsprachiges Personal zur Seite. (Güler Alkan, daStandard.at, 20.9.2012)
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Es ist ein Unterschied, ob man andere Sprachen wertschätzt (das merken Kinder, auch, wenn man diese Sprachen nicht beherrscht/lernt) oder ob man - wie tatsächlich einmal geschehen - z.B. einem durstigen Kind das Glas Wasser verweigert, weil es nicht in der Lage ist, die Bitte danach auf Deutsch zu formulieren. Angesichts der obigen Formulierung "auf Wünsche nur dann einzugehen, wenn sie auf Deutsch formuliert werden" ist zu befürchten, dass Situationen wie die oben geschilderte keine Ausnahme sind. Es würde auch niemandem ein Zacken aus der Krone brechen, wenn man z.B. zwei Kinder, die eine andere Muttersprache als Deutsch haben, sich beim Spielen miteinander in dieser Muttersprache unterhalten lässt statt "Red's Deitsch!" zu fordern.
In den meisten Kindergartengruppen sind Kinder mit ganz unterschiedlichen Muttersprachen in einer Gruppe beinander. Die Erziehenden sprechen Deutsch mit den Kindern, und auch die Kinder, die nicht dieselbe Muttersprache haben, werden Deutsch miteinander sprechen. Falls Kinder derselben Muttersprache sich isolieren und nur noch miteinander spielen/sprechen, dann können die Erziehenden sanft regulierend eingreifen - aber was in der Praxis oft zu beobachten ist, ist dieses völlig sinnentleerte Generalgebot, immer und ausschließlich Deutsch sprechen zu müssen. Der Gebrauch der eigenen Muttersprache wird dann ungefähr so forsch geahndet als hätte das betreffende Kind eine Ungehörigkeit begangen. Das ist mangelnde Wertschätzung anderer Sprachen.
Aus Deutschland ist der Tenor der Untersuchungen zu dem Thema einhellig: Am relevantesten für die Fortschritte der Kinder in Kindergartengruppen in der deutschen Sprache waren die erwachsenen Sprachvorbilder (also die erwachsenen Bezugspersonen in einer Gruppe und die Möglichkeit mit diesen zu plaudern - das mussten nicht unbedingt die PädagogInnen sein, sondern konnten auch AssistentInnen oder StudentInnen sein - aber es mussten Personen sein, zu denen die Kinder eine positive Beziehung aufbauen konnten, und die ausreichend Zeit für sie hatten, um mit ihnen täglich "ganz normal" reden zu können. (Dabei ging es nicht! um Grammatiküben u.ä.) Solange die Personalsituation in den Kindergärten so bleibt, wie sie ist, ist wohl schwarz zu sehen.
nach einer fünfjährigen ausbildung an einer bhs wäre es auch viel verlangt, wenn die pädagoginnen mit dieser situation richtig umgehen könnten, zumindest in einem land, in dem erstsprachen im zusammenhang mit bildung allgemein nicht geschätzt werden. dieser beruf gehört aufgewertet!
wenn die eltern schlecht deutsch sprechen, dann müssen die betreuer und die deutschsprachign freunde der kinder korrektes deutsch vorleben, es den kindern beibringen.
bei 22 kindern, 1 "pädogogIn" und 1 helferIn die auch putzen, aufräumen, essen vorbereiten und wegräumen muss kann sich das nicht ausgehen.
der schlüssel 1 betreuerIn zu 5 kindern wäre ideal, aber das wollen wir uns nicht leisten.
übrigens, in dem artikel fehlt ein haufen kommas.
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dieses auffordernde und ermahnende kommunikationsverhalten ist übrigens kein zufallsbefund, sondern charakteristisch für experten von forschungsprojekten.
aber wenn der Datler das so sieht, wird's schon stimmen ....
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das sind 33%, die also "nur" oder hauptsächlich deutsch sprechen!
d.h., 66% der kindergartenpädagogInnen sind nicht rigide auf die deutsche sprache ausgerichtet.
aber weil's nicht 100% sind, ist das jetzt "monolingual" - und somit ganz furchtbar?
weil nicht 100% der kindergartenpädagogInnen serbokroatisch, albanisch, türkisch, rumänisch, polnisch, tschechisch, vietnamesisch, ungarisch, russisch und slowakisch sprechen?
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sagt wer?
Sie?
ich kenne niemanden sonst, der sowas sagt.
aber zu verlangen, dass kindergartenpädagogInnen serbokroatisch, albanisch, türkisch, rumänisch, polnisch, tschechisch, vietnamesisch, ungarisch, russisch und slowakisch sprechen sollen, erscheint mir doch etwas überzogen ...
Als die dann ein Kind dazu bekamen, das kein Wort Deutsch konnte, haben die Kindergärtnerinnen die anderen Kinder um Übersetzung gebeten - aber wegen des (ansonsten) strengen Deutschverbots haben die Kinder immer nur den Kopf geschüttelt und nichts gesagt ...
Doch, es gibt leider genug KindergartenpädagogInnen, die Kinder anfahren, wenn diese eine (nicht "genehme" Sprache) gebrauchen - seltsamerweise geschieht dies in aller Regel nur bei Sprachen wie Türkisch, Kroatisch - aber nicht z.B. bei Französisch - da wird dann das Sprachentalent und der hübsche Klang gelobt - und so zum ausschließlichen Deutschsprechen zwingen wollen. Deutsch wird also nicht als praktisches Kommunikationsmittel vermittelt (dann beginnen die Kinder ohnehin von selbst, es zu benutzen), sondern als Druck- und Zwangsinstrument. Im Extremfall geht das soweit, dass solche "PädagogInnen" so tun, als verstünden sie nicht, was das Kind will (auch in Situationen, in denen das auch schon ganz ohne Verbalsprache offensichtlich ist).
Darum geht es weniger. Aber es soll so sein: je besser ein Kind die Erstsprache beherrscht, desto besser lernt es dann auch deutsch. Was heissen würde, dass Kindergartenpädagoginnen deutsch und eine Fremdsprache wenigstens können müssten und man die Kinder auch dann dorthin aufteilen müsste, wo die entsprechende Fremdsprache gekonnt wird.
Nur, das wird nicht möglich sein.
Ihnen ist schon klar, dass es sich hier um KINDERGARTENKINDER handelt, die sich Entwicklungspsychologisch in der Phase des ERSTSPRACHERWERBS befinden. Somit ist es für das Kind im Grunde genommen völlig egal ob es die Muttersprache perfekt beherrscht oder nicht um seinen Sprachschatz zu erweitern.
- die Gruppen sind zu groß!
- Sprachförderung findet kaum statt, es gibt kaum zusätzliches bzw. speziell geschultes Personal
- die Ausbildung der Kindergartenpädagoginnen muss aufgewertet und reformiert werden, die BAKIP ist nicht ideal
- bessere Bezahlung ist nötig
- zusätzliche (spielerische) Förderung in der Muttersprache bringt gerade in dem Alter viel und stärkt die Deutschkenntnisse - allein es fehlt PERSONAL und GELD
Um die Missstände zu benennen, sind wohl wirklich keine Studien mehr nötig! Diese längst fälligen Maßnahmen gehören längst umgesetzt.
Aber unser Steuergeld stopft man ja lieber z.B Banken bzw ihren korrupten Managern hinten rein.
Hier wird von unterausgebildetem und schwer unterbezahltem (weil's eh nur Frauen sind und ihnen Kindererziehung im Blut liegt oder wie??) Personal verlangt, etwas zu schaffen, womit auch akademisch ausgebildete und gutbezahlte Leute Probleme hätten. Wieviel Sprachen sollen sie denn können?
Und: In Skandinavien ist das Verhältnis Kinder:KindergartenlehrerIn 5:1 oder so - und wie schaut's hier aus???
Grundsätzlich mißfällt mir allerdings der Tenor der Studie: Wer in ein anderes Land zieht, MUSS davon ausgehen, daß Ausbildungseinrichtungen primär in der Landessprache geführt werden.
Große "Wertschätzung" für die Ursprungssprache erfährt man nun einmal erstrangig im Ursprungsland.
Auswandern heißt nun mal meistens auch Sprachenwechsel.
Wie soll das zustande kommen, wenn 1 PädagogIn auf 25-30 Kinder kommt? Und diese Person hat ja auch anderes zu tun, als sich mit den Kindern zu unterhalten. Soll mal einer versuchen, 30 4-jährige im Zaum zu halten, ohne vor allem in Aufforderungen, Ermahnungen, und Befehlen zu kommunizieren.
Die Förderung der Erstsprache ist eher ein Thema später für die Schule, wenn's darum geht, in der Erstsprache auch Lesen und Schreiben zu lernen, und vielleicht literarische Register zu erwerben. Im Kindergartenalter reicht wohl das, was zuhause gesprochen wird.
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