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„Eines Tages bin ich in eine vierte Klasse gekommen, wo ein Junge Lubisa gerufen wurde." Das kam Josefine K.*, Volksschullehrerin, gleich seltsam vor. Sie wusste nämlich: Der Name kommt aus Ex-Jugoslawien und kann nur Ljubiša heißen. Die perplexe Lehrerin forschte daraufhin nach - auch im offiziellen Register der Schule war der Name falsch eingetragen. Es stellte sich heraus, dass der Vor- und Nachname des Zehnjährigen vom serbischen Pass falsch auf den Meldezettel abgeschrieben wurden und dass der Junge sich einfach mit dem neuen Namen abgefunden hat.
Josefine K. unterrichtet an mehreren Wiener Schulen mit hohem Migrantenanteil und kennt viele ähnliche Fälle. „Kinder glauben dann manchmal einfach, zwei verschiedene Namen zu haben und korrigieren Lehrerinnen und Kolleginnen daher auch nicht." Schließlich ist die Lehrerin eine Autorität und die Schule als Behörde auch. „Am ersten Schultag wird's meist entschieden - so wie der Name da gesagt wird, bleibt er picken." Kinder und Familien seien manchmal scheu und eingeschüchtert oder fühlen sich beim ewigen Aussprache-Korrigieren nicht mehr wohl.
Manchmal - wie in Ljubišas Fall - ist es eine Form der stillen Post der Grund dafür, dass Namen von Kindern mit Migrationsgeschichte schlussendlich verstümmelt im Klassenzimmer ankommen. Die zentrale Meldeauskunft der Stadt Wien kann sich aber nicht vorstellen, wie solche Missgeschicke passieren. So wie der Name im Pass steht, wird er transkribiert, lautet die Auskunft. Wie das wohl bei der Transkription aus Alphabeten wie Kyrillisch oder Arabisch ohne Dolmetscher funktioniert? Vor der Einführung des zentralen Melderegisters 2002 war es außerdem technisch gar nicht möglich, Buchstaben mit Hatschek einzutragen. So kommt es, dass beispielsweise verschiedene Namen auf -ić manchmal mit Hatschek, manchmal ohne verzeichnet sind. Auch in manchen Schulverwaltungssystemen ist es nicht möglich, Diakritika einzugeben. „Selbst wenn - das würde manchmal sehr viel Zeit in Anspruch nehmen, deshalb wird einfach darauf verzichet", sagt Josefine K.
„Es geht ehrlich gesagt aber nicht nur um Diakritika, sondern auch um die Betonung und Melodie der Namen", meint Josefine K weiter. Ihrer Erfahrung nach stellt die Mehrzahl der Lehrerinnen und Lehrer keine besonderen Bemühungen an, ungewöhnliche Namen richtig auszusprechen oder gründliche Nachforschungen anzustellen. Alexandra Wojnesitz vom österreichischen Sprachenkompetenzzentrum meint dazu: „Wie die sogenannte "Aufnahmegesellschaft" und deren Repräsentierende damit umgehen, drückt ihre mangelnde Wertschätzung dem Kind und seiner Herkunftsfamilie gegenüber aus." Und: „Der eigene Name ist generell stark mit der Identität verbunden - für Kinder mit Migrationshintergrund ist er vielleicht noch stärker mit der Familie, der Herkunft konnotiert." Auch sei es beispielsweise bei Kindern mit anglosächsischen Wurzeln in der Schule üblich, ihren Namen so auszusprechen, wie es die Familie tut, obwohl es ein „deutsches Äquivalent gibt": „Catherine, David, George - warum nicht auch bei Marija, Danijel und Deniz?"
Im Bildungsministerium zeigt man sich diesbezüglich aufgebracht und perplex. Josef Galley, Pressesprecher von Ministerin Schmied: „Dass da jetzt Lehrer irgendwelche Alphabete auswendig lernen, ist nicht vorgesehen." Denn: „Jeder höfliche Mensch fragt doch nach, wenn er einen Namen nicht sofort versteht. Das ist selbstverständlich, dass man sich da bemüht." So selbstverständlich scheint es nicht zu sein, denn Josefine K. sagt etwa: „Nicht alle Lehrer und Lehrerinnen machen das so sorgfältig, wie es nötig wäre." In Österreich hat rund ein Fünftel der Schüler eine andere Erstsprache als Deutsch, in Ballungsräumen ist der Prozentsatz um einiges höher. Etwa die Hälfte von ihnen hat laut Statistik Austria türkische oder ex-jugoslawische Wurzeln. Josefine K. meint hierzu: „Sich zwei Mal - mindestens für Türkisch und Serbokroatisch - knapp 5 Buchstaben und ihre Aussprache einzuverleiben, dauert wirklich nicht lange, hilft aber ungemein."
Eine ähnliche Einschätzung hat Wojnesitz, die auch an der Uni Wien im Bereich Deutsch als Zweitsprache lehrt. Die Wissenschaftlerin meint: „Ich denke, es reicht, sich basale Aussprachekenntnisse anzueignen. Die kann man aber auch erwerben, indem man den Schülerinnen zuhört und nachfragt." Manche Lehrerinnen sind was Aussprache angeht verunsichert, mehrmaliges Nachfragen wird irgendwann auch unangenehm. Aber: „Kinder schätzen es sehr, wenn die Lehrer und Lehrerinnen sich für ihre Sprachen interessieren. Sie legen das Nachfragen im Normalfall nicht als Schwäche, sondern als Interesse an ihrer Person und Wertschätzung ihrer Herkunft beziehungsweise jener ihrer Familie aus."
„Man kann als Lehrer nicht Grundkenntnisse in den über 80 Sprachen erwerben, die Schüler in Österreich sprechen", meint aber Galley, der auch betont, dass Lehrerinnen und Lehrer - abgesehen von der Problematik mit den Namen, offenbar - eine fundierte Ausbildung genießen, was interkulturelle Didaktik und Migration und Schule angeht. Wojnesitz hierzu: „Es gibt Lehrveranstaltungen, in denen Vortragende angehende LehrerInnen für Mehrsprachigkeit in der Schule sensibilisieren. Es liegt aber viel an der Eigeninitiative."
Eser Arı-Akbaba, Moderatorin von Wien-Heute im ORF, weiß genau, wie es sich anfühlt, ständig falsch angesprochen zu werden. „In der Schule war das bei mir auch so, dass die Lehrer mich eben anders genannt haben als zum Beispiel meine türkischen Freunde oder Familie." Sie hat das meist hingenommen, weil es ihr zu anstrengend war, ständig zu korrigieren. „Manche beherrschen einfach die Aussprache nicht, da kann man auch nicht viel machen." Die Situation sei laut Akbaba schwierig - einerseits käme dieses Bewusstsein und die Wertschätzung für die richtige Aussprache nicht von selbst, andererseits sei man manchmal auch müde, ständig darauf hinzuweisen. „Aber ich denke, wir sind auf dem richtigen Weg, weil immer mehr junge Menschen mit ungewöhnlichen Namen in die Medien vordringen. Dadurch entsteht ganz automatisch ein neues Bewusstsein. Man fragt nach, schaut, ob die Namen richtig geschrieben sind, weil es den Akteuren selbst wichtig ist."
Doch auch diese Einstellung muss gelernt sein: „Manchmal dauert es Jahre, den Kindern überhaupt beizubringen, wie man ihren Namen richtig sagt und schreibt - entgegen der Botschaften, die sie vom Umfeld bekommen." Da fällt mal hier ein ungewöhnliches „j" bei Danijela oder Antonija weg, schleicht sich ein i-Punkt bei türkischen Namen dazu, wo er nicht hingehört, und verschwindet dafür dort, wo er nötig wäre. „Ich frage die Kinder immer, wo sie denn nachschauen können, wie man ihren Namen wirklich schreibt. Sie antworten: Im Schulheft." Josefine K. möchte auch auf die Doppelmoral hinweisen: „Einen Heinz oder Christian umzubenennen, weil man zu faul ist, nachzufragen oder die richtige Aussprache einiger weniger Buchstaben zu lernen - das ist aber unvorstellbar."
Einer Studie des IZA (Institut für Zukunft der Arbeit in Bonn) zufolge erhalten beispielsweise Bewerber mit türkisch klingendem Namen um 14% (bei kleinen Betrieben sogar bis zu 24%) weniger Einladungen zu Vorstellungsgesprächen als gleich qualifizierte mit „einheimischen" Namen. Ein neues Bewusstsein und damit auch eine Wertschätzung für die korrekte Widergabe von bald gar nicht mehr so ungewöhnlichen Namen könnte laut Josefine K. und Alexandra Wojnesitz eventuell zunächst Vorurteilen und Benachteiligungen in der Schule, dann aber auch solcher späterer Diskriminierung vorbeugen. Denn wenn Toumaj, Güler und Olja selbstverständlich sind, also nicht mehr „fremd klingen", dann halten sich auch die Vorbehalte gegen diese Namen schwerer. Bis dahin könnte die momentan diskutierte „anonyme Bewerbung" Abhilfe schaffen: „Vielleicht würden sich Personal suchende Firmen dann wundern, wie sich der Personenkreis, der es bis zum Vorstellungsgespräch schafft, verändert hat." Also besser gar kein Name, als der falsche. (Olja Alvir, daStandard.at, 22.9.2012)
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zb Männer heißen (Nachname) Ivanov-Frauen Ivanova
Im Staatsbürgerschaftsgesetz ist (oder war?) es so, dass bei Annahme der Staatsbürgerschaft der Nachname des Vaters- oder der Name des Ehemanns übernommen wird. Wenn nur die Mutter in der Geb.Urkunde angegeben ist, dann eben nur die Mutter.
Dh, es bekommen dann Frauen meistens Männernachnamen oder manchmal auch Männer Frauennachnamen.
Dabei stünde hier nichtmal eine schwierige Aussprache oder besondere Schreibweise einer korrekten Benamsung im Weg.
Ich hatte genau das selbe Problem in der Schule damals. Jahrelang wurde mein Name falsch ausgesprochen (weil der original-Buchstabe von den Behörden einfach "eingedeutscht" wurde). Ich hab es immer hingenommen und mich geärgert, bis ich in der Oberstufe mal deutlich gemacht habe, dass ich eigentlich ganz anders heiße. Manche Profs haben sich dann bemüht, manchen war es egal...
Als ich die Staatsbürgerschaft dann angenommen habe, hab ich sofort die Schreibweise meines Namens geändert. Jetzt spricht man ihn zwar noch immer falsch aus, aber er klingt etwas schöner und ich kann damit leben. Und das ist auch der Grund, weshalb ich meinen Kindern später einen Namen geben werde, den es in beiden Ländern gibt und der auch kein Zungenbrecher ist :-)
Guter Artikel, nur find ich sollt der Standard da auch endlich mal konsequent fremdsprachige Buchstaben einführen. Also wenn schon ich von Zuhause aus Miloševic und Erdogan richtig schreiben kann, dann sollten das Leute die dafür bezahlt werden ebenso tun.
Ich hab einen ziemlich bundesdeutschen Nachnamen, der hat ganze 5 Buchstaben, ich buchstabiere ihn IMMER und er wird IMMER falsch geschrieben. Er wird sogar falsch von Blockschrift abgeschrieben.
FÜNF BUCHSTABEN!
Vielleicht haperts einfach am empathischen Teil von "Sprachverständnis" und alles, was man nicht bis zum Alter von 10 an Lauten und Buchstabenkombinationen kennengelernt hat, wird nicht mehr gelernt und mit Misstrauen betrachtet.
*wird mit Tomaten beworfen*
mehr sensibilitaet im umgang mit fremdsprachigen namen kann und soll man von lehrern einfordern.
aber man darf auch erwarten, dass ein kind - auch im kindergartenalter- weiss, wer es ist und wie es heisst. und das dann auch dem lehrer kundtut.
bittegarschoen, kruzifix ;-)
nicht und nicht erscheinen, während zwei später geschriebene längst freigeschaltet sind. Ich wäre mir nicht bewusst, gegen Regeln des Anstands und der Höflichkeit verstoßen oder mich unmoralischer oder demokratiegefährdender Inhalte bedient zu haben...
Abgesehen von mäßigem Schreibstil und aufgeregt klingenden "Fragen", die eher so wirken, als wolltest du die Ausländer an den Schulen bekämpfen ... was ist denn nicht erschienen? Bisserl Geduld könnte gut tun.
Ein paar Antworten:
1) Wer gibt Daten vom Meldezettel in den Computer ein?
2) Auf Gehorsam getrimmte Kinder wehren sich halt nicht, wenn die Lehrerein "Pjotr" sagt statt "Peter".
3) Lies den Artikel (nicht eingebbare Sonderzeichen)
4) Ja, soweit leicht möglich, und ja, Respekt.
6) Sagt man zu Heinz Hauns, weil das halt in der Südsteier so heißt? Nein? Wieso ruft man aber den Metin "Martin"?
Der Rest war schlicht nicht lustig.
5.) Wer bringt den Kindern bei, wie man ihren Namen sagt und schreibt? Die schauen dafür im Schulheft nach? Erstaunlich. Ich hätte da auf die Eltern getippt. 6.) "Einen Heinz oder Christian" umbenennen?? In seinem eigenen Land? Und ja, die Wahl just dieser beiden Vornamen ist ein Juwel an subtilem und feinsinnigem Sarkasmus und kein bisschen konstruiert. 7.) Und wieder die fabelhafte Idee des anonymisierten Bewerbungsschreibens. Da muss man dann aber auch vermummt und mit einem Sprachverzerrer zum persönlichen Gespräch (ich muss unwillkürlich an die Szene aus "Life of Brian" denken, wo sich die Frauen zur Steinigung schummeln .... "Sie war's, sie war's, äääähhhh, er war's, er war's). Ist dann selbstverständlich verpflichtend für alle!!!
Also...die meisten meiner Klassenkameraden haben tatsächlich schreiben in der Schule gelernt und daher auch ihren Namen...und im Deutschunterricht waren da keine Vokalanhänge bei, damit kann man nicht mal französische Namen richtig schreiben, weswegen mein Bruder auch unter "falschem Namen" rumrennt.
Jap, auch Kristian ist kein "inländischer" Name...
1.)Wer füllt einen Meldezettel aus? Derjenige, der sich wo anmeldet. 2.)Wenn Kinder sagen "zu Hause heiß ich so und in der Schule heiß ich so" dann glauben sie NICHT, zwei Vornamen zu haben, außer sie sind sehr unterbelichtet. Desgleichen werden sie kaum Zweifel darüber haben, wie sie heißen - ich würde sagen, die Eltern stechen da die Frau Lehrer aber ganz locker: "Autorität und Behörde", so ein Schwachsinn. 3.) "Stille Post" ?? Vom zentralen Melderegister?? Bitte mehr Information! 4.) Aha, jeder Name hat exakt wie in der Originalsprache betont und moduliert zu werden - also etwa mit kurzgehaltenen Vokalen kehlig hervorgestoßen oder in hohem langgezogenem Singsang? Eingebaut in den deutschen Sprachfluß? So zeigt man also Respekt? Na gut.
Es ist echt nicht soooo schwer, einen neuen Laut zu lernen. Ist ja nicht so, als ob Sprachen angeboren werden. Es macht sogar Spaß, wenn man mal in der Wiki nach den Artikeln über Laute stöbert und die sehr gut vorgelesenen Sounds imitiert.
Das ist doch bloß Angst der Leute, sich lächerlich zu machen wenn sie es versuchen und nicht gleich schaffen und dann als Abwehrhaltung folgend Aggression den bösen Menschen mit den fremden Lauten gegenüber :)
.
ich habe viel mit kindern "ausländischer herkunft" zu tun, und obwohl ich inzwischen viel über die aussprache türkischer oder bosnischer namen weiß, gibt es immer wieder unklarheiten, und da frage ich die kinder dann einfach.
die erklären mir dann (meist voller stolz), wie man ihren namen richtig ausspricht, und fühlen sich durch die frage weder genervt noch diskriminiert.
außerdem gibt es ja auch jede menge kinder vietnamesischer, albanischer, ungarischer oder polnischer herkunft, und von kindergartenpädagogInnen oder LehrerInnen zu verlangen, dass sie all diese alphabete auswendig zu können bzw. alle namen richtig auszusprechen, halte ich für überzogen.
also im spanischen Sprachraum tut sich kaum jemand eine "richtige" aussprache fremdsprachiger namen an. ich glaub in F und UK ists nicht viel anders. bei uns ist das wissen um aussprache da besser (perfekt wirds nie sein).
die Nachfrage der Frau Alvir genau gestaltet war und wie sehr der Zusammenhang beim Zitieren des Pressesprechers gewahrt wurde. Ich finde "MAN ZEIGT SICH aufgebracht und perplex" ist eine recht tendenziöse und hinterfragenswerte Formulierung.
interessanter artikel.
kinder sollen in schulen in fremdsprachen und aussprachen ausgebildet werden, gleichzeitig gibt es aber keine sensibilisierung auf die aussprache von namen - und alle die meinen, das gehe nicht bei wegen der ""gefürchteten supermigration und dem ende der deutschen sprache"" - tschechische, polnische, russische, arabische, serbokroatische, kroatische, türkische namen werden in österreich (auch in zeitungen) mit vorliebe abgekürzt, verändert und umgebaut... und diese namen und aussprachen hätten wir seit dem letzten jahrhundert lernen können. gehen sie zu einem österr. abendessen oder schulunterricht, da bemüht sich jeder französische namen richtig zu betonen bei einem kroatischen oder ungar. namen eher kaum
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