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Klischeehaftes Symbolbild: Verliebte Schwäne.
Ihr Bruder ist mein ehemaliger Klassenkamerad und Kumpel. Sie ist 19, als es passiert. Ich bin betrunken, als es passiert. Und es passiert am 1. März 1990. Es ist mein erster Abend in Wien, nach einer langen Autofahrt von Brač. Nach Brač flüchte ich, um die Trennung von meiner damaligen Freundin wegzusaufen. Mit großem Erfolg. Nun sitze ich in Wien bei meinem Kumpel und betrinke mich aus reiner Routine. Weil ich bald kaum noch gehen kann, soll ich über Nacht im Gästezimmer ausnüchtern.
Auf dem Weg zum Gästezimmer geht eine Tür neben mir auf, und die kleine Schwester meines Freundes zieht mich ins Badezimmer. Sie ist nackt, die Badewanne ist voll und schaumig, bald sind wir drinnen. Selbstverständlich machen wir in ihrem Zimmer weiter (bis heute), doch in dieser Nacht, beim ersten Mal, trifft uns das Klischee des erwachenden Bruders, der seine kleine Schwester mit dem Schulfreund erwischt. Immerhin ist er Realist, schüttelt nur den Kopf und geht wortlos.
Wir haben kein TV-Gerät. Wir haben den Roten Berg. Dort hat der Vater meiner Freundin eine riesige Wohnung, weilt aber oft wochenlang am Wolfgangsee. Dann wohnen wir dort. Hauptsächlich im Fernsehzimmer. Ja, Fernsehzimmer.
Am liebsten sehen wir uns Dokumentarfilme an. Diesmal einen über die Dinosaurier. Bald ist meine Freundin müde und geht schlafen. Ich schleiche zur Bar ihres Vaters und mit dem Hennessy zurück in das Fernsehzimmer. Als der große Meteor kommt, bin ich so voll wie in unserer ersten Nacht eine Tür weiter. Da wanke ich wieder hin und schlafe wie ein Toter.
Am nächsten Morgen fragt mich meine Freundin: "Wie ist das gestern noch ausgegangen mit den Dinosauriern?" Es ist so: Wir Männer - und damit meine ich nur echte Kerle, die 20 oder mehr Jahre immer mit derselben Frau leben - wissen, dass unsere Frauen nicht ungebildet sind. Aber wir wissen auch, dass sie uns oft Fragen stellen, die von uns Männern zu viel Assoziationsarbeit verlangen. Deswegen weiß ich, was meine Freundin meint: "Haben die auch den Meteor gezeigt?" Doch trotz unseres sicheren Wissens um das Missverständnis bestrafen wir echten Männer so eine Frage mit einer Antwort wie dieser: "Die armen Dinos sind alle gestorben, mein Schatz!"
Anschließend lache ich eine gefühlte Stunde über meine Antwort. Doch Gott straft kleine Sünden sofort. Ich kichere noch, als ich wieder im Fernsehzimmer sitze, um den Morgen mit Teletext zu verbringen. Eine Schlagzeile lautet: "Kapitän der Enterprise suspendiert". Was den in mir schlummernden Trekkie weckt: "Schatz! Die haben Captain Kirk gefeuert!"
Es ist so: Man kann ein echter Mann und ein Trekkie sein. Punkt. Und man kann voraussetzen, dass unsere Frauen das wissen und daher wenigstens einigermaßen verstehen, was es bedeutet, wenn James Tiberius Kirk mit einer Pappschachtel und gesenkten Kopfes aus dem Personalbüro der Sternenflotte wankt. Meine Freundin ist informiert: "Seicherl! Das ist nur ein Schauspieler! Die meinen den Kapitän des Flugzeugträgers. Der hat Matrosen ausgegriffen oder so was Unamerikanisches ..."
Und meine Freundin ist grausam: "Mmmmh! Matrosen! Ich kann den verstehen ... Ach, Schatz, bevor ich's vergesse: Mir ist Captain Kirk und sein Star Wars so was von unfassbar wurscht." Das ist die Rache. Unsere Frauen wissen genau, wie sehr es uns trifft, wenn sie den harten Sternenhelden unserer Kindheit in das Universum der Weicheier stoßen. Dann schweigen wir. Und lachen nimmer.
Ja, auch das ist ein Klischee: Links, rechts, Norden, Osten und so weiter sind Begriffe aus der Männersprache. Meine Freundin braucht schon deswegen keinen Norden, weil sie den Stadtplan von Auckland, wo man links fährt und rechts steuert, einfach in jeder Kurve mitdreht. Links und rechts sind ebenfalls gleichgültig; ich merke, dass sie rechts meint, wenn sie ihren rechten Arm einfach wortlos in mein Gesichtsfeld streckt. Ich sehe nichts mehr vor mir, aber das ist ja wurscht, weil ich sowieso rechts abbiegen muss.
Die wortlose Geste ist das Resultat eines vorangegangenen Streits über das Drehen des Stadtplans und das rätselhafte Rechts-links-Phänomen. Dieser Streit endet mit den Worten: "Na gut, scheiß Macho. Dann zeig ich's dir halt mit der Hand! Nachher holst dir selber einen runter!" Das Mitdrehen des Stadtplans bringt uns dennoch ans Ziel. Ich verzeihe ihr für immer das Drehen des Stadtplans. Und onaniere beim Duschen.
Seit 22 Jahren koche ich täglich für uns. Meistens wasche ich auch ab, nur um auch das klarzustellen. Und: Ja! Ich gehe auch einkaufen. Und wenn ich koche, dulde ich niemanden in meiner Küche. Ich will keine Zuschauer, keine Ablenkungen und keine Fragen. Das hat einen guten Grund.
An diesem Abend mache ich das beste Moussaka meines Lebens: grob, fett und rural. Alles, sogar das separate Zubereiten der Melanzani, ist vorschriftsmäßig. Nur wenige Minuten noch, ich öffne den Wein. Dann, endlich: Mit zwei Topflappen hole ich vorsichtig die Kasserolle aus dem Ofen, hebe sie, drehe mich zur Arbeitsfläche, und meine Freundin öffnet plötzlich die Küchentür: "Machst den Wein bitte auf, Schatz?"
Diese brutale Störung meiner Konzentration bewirkt eine Erschütterung im Gefüge der Macht (ich mag "Star Wars" irgendwie doch), mein perfektes Moussaka köpfelt auf den Küchenboden. Die Kasserolle fliegt hinterher und zermatscht es an einem Ende noch. Meine Freundin ist in der Pose erstarrt, weil sie in meiner Gesichtsentgleisung lesen kann, welche seelische Erschütterung mich soeben lähmt. Letztlich hindert mich das Moussaka-Trauma noch drei Jahre lang, eines zu machen.
Am Ende des Tages kann ich nur sagen, dass Todor wohl recht hat. Wir essen trotzdem Moussaka, weil der Alex eines macht, und ich darf anschließend mit Alex zu ihm nach Hause, wo wir uns die komplette erste TV-Staffel von "Star Trek" reinziehen und Cabernet trinken. Wir haben längst kein Auto mehr, brauchen nur den Stadtplan aus dem Internet, und unser Sohn weiß eh, wo der Park ist. Das Leben kann ein langer, ruhiger Sommertag sein.
Ach! Das Wichtigste, das ich fast vergessen hätte: Niemals, unter keinen Umständen, nie nicht - ein Gespräch vor dem Kaffee anfangen! Niemals! (Bogumil Balkansky, daStandard.at, 27.9.2012)
Gewidmet meiner Freundin.
Und jetzt ein Hilferuf an meine Leser: Ich bin zu dumm und geschmacklos, um eine dezente Homepage einzurichten. Wer kann das für mich tun? E-Mail: bogumil.balkansky@gmx.at
Einst denke ich, erwachsen ist man, wenn man nachts allein in Zügen aufwacht. Doch Jahre später, als mich der Besitz eines Automobils so richtig erwachsen macht, denke ich, erwachsen ist man, wenn man nachts alleine im Auto nicht einschläft
Um in Österreich Fluglotse zu werden, so heißt es, muss man räumliches Vorstellungsvermögen, Verständnis für Technik, Teamgeist und Verantwortungsgefühl im Übermaß haben
Während der letzten zwei Wochen blattert unser Sohn feucht vor sich hin. Und darf nicht in den Kindergarten. Bis die roten Wimmerln verheilen habe ich keine Zeit zum Schreiben. Aber ich habe genug Zeit um in Texten zu stöbern, gerettet aus den Trümmern meiner vorletzten Festplatte
Es bedeutet nur "außerhalb der Regel" und so nennt man in Dalmatien Sportarten mit Abenteuergeschmack. Doch für die Stivanjani sind es mehr als bloß zwei Worte, seit einer von Ihnen daraus eine öffentliche Party macht, die eine ganze Woche des Mittsommers in Sutivan tobt
Onkel Rifat kommt aus Ägypten, lernt in Beograd meine Tante Iva kennen und fährt für dubiose Geschäfte nach Triest und Alexandria, wo sein Devisenkonto liegt
Wovor sich ein Balkan-Scheißmacho-Partisanenenkel-Oberkotzbrocken fürchtet
Es ist fast wie mit der Erfindung des Rades. Alle Kommunisten aller Länder meinen gleichzeitig, das Wohnglück der Arbeiterklasse in den Plattenbauten von Neustädten zu erfinden
Die Erleichterung kommt schnell, weil im Wartebereich der chirurgischen Abteilung sonst niemand wartet. Wir sind im Pavillon 16 in Lainz, es ist Samstag
Am Ende eines anstrengenden Tages, wenn nichts mehr eilig ist, döse ich oft in der U6, und meine Tagträume vermischen sich mit dem Zischen der Türen und Wortfetzen
Wer in Dalmatien männlichen Geschlechtes und zwischen dem Anfang und dem Ende der Pubertät ist, wird Mulac genannt. Die herausragende Eigenschaft die den Mulci anhängt, ist das intensive Betreiben von Unfug aller Art
Als Papa mich das erste Mal prügelt, bin ich gerade zwei. Ich kann mich nicht erinnern und weiß es nur aus Erzählungen von Mama. Alle späteren Prügel bleiben ein blasser Erinnerungsbrei, weil es so viele sind
Ich habe schon von ihr geschrieben: der Prostituierten Ivana, meiner Meidlinger Nachbarin. Hier ist ihre ganze - und ganz und gar traurige - Geschichte
Die Idee ist einfach: Jemand mietet eine Yacht für zwei Wochen, fährt aber nur eine Woche, die zweite überlässt er den Kindern von "Mirno More". Das bedeutet "friedliches Meer" und ist der Gruß der Seefahrer Dalmatiens
Die Missgeschicke anderer zu genießen ist nur die halbe Kunst. Man muss stets bereit sein, die eigene Malaise auszukosten
"Die Spira" feiert ihren Siebziger in einem Ottakringer Wirtshaus und ist aufgeladen wie eine fabrikneue Autobatterie
Selbstverständlich liebe ich meine Familie. Darüber hinaus erheitern Sex, Drugs and Rock'n'Roll jenen Teil meines Hirns, der von der mächtigen Eidechse abstammt. Irgendwo dazwischen ist meine persönliche Twighlight Zone der Freude am Missgeschick anderer
Grad hat man einen teuren, schlechten Film über Jesu Wiederkunft in Sachen Weltuntergang gedreht. Von Weltuntergängen halte ich nix. Von Jesu Geburt hingegen sehr viel. Besonders dann, wenn ich sie mir in Simmering unserer Tage denke
Es gibt fünf Dinge, die ich mehr hasse als den Winter in Wien
In den letzten Wochen sterben drei Menschen, die ich kenne und zwei weitere liegen im Koma ohne Wiederkehr. Wien im Winter scheint mir besonders morbid, allemal zu Weihnachten
Ich bin g'rad intelligent genug, um zu wissen, dass ich nichts Weltbewegendes dazu sagen kann, was nicht schon längst gesagt ist
Ich verbringe 1992/93 insgesamt acht Monate in Kroatien auf der Insel Brač. Freunde fragen mich auch heute noch, wozu ich das gebraucht hab'
Es gibt eine Art migrantischen Phantomschmerz, der über das gewöhnliche Heimweh hinausgeht. Es ist nicht so schlimm, wie das, was mancher Opa meiner österreichischen Freunde damals in Stalingrad beim Gedanken an Wien oder Rust empfindet. Diese unsere, migrantische Nostalgie ist irgendwo dazwischen
Ich kann nicht sagen, dass ich beim Bundesheer nichts lerne. Ich lerne beispielsweise, wie man am besten so tut, als ob man was tut
Es gibt diesen pathetischen Augenblick, in dem ein Vater glaubt einen Brief an seinen Sohn schreiben zu müssen, damit im Falle des vorzeitigen Ablebens möglichst nichts von seiner eigenen, im Laufe der Jahre erworbenen Lebensweisheit verloren geht
Wie erklärt man einem Jungen aus dem Punjab die groteske Existenz Fiona Pacifico Griffini-Grassers - auf Denglisch?
Wenn es März wird, sind meine Freundin und ich fast ein Vierteljahrhundert ein Paar.
nachdems dann 22 jahre sein werden (laut angabe)
sinds heute auch fast ein vierteljahrhundert.
wenn man schon solche wissenslücken hat, muss man sie ja nicht unbedingt gleich veröffentlichen!
Wenn 22 Jahre für ihn erst in ein paar Monaten fast ein Vierteljahrhundert sind, dann ist das eben so. Sie können doch da nicht mit Mathematik kommen! Der Mann bringt mit seinen Worten den Duft von Rosmarin und Heidekraut und das Gehöllere von drei Millionen Zikaden nach Wien, dafür sind wir ihm ewig dankbar! Mathematik, pffff.
Selbst ist der Mann: http://de.selfhtml.org/
;)
Ich glaub', er will ja nicht anfangen, eine Webseite zu basteln, sondern seine herrlichen Geschichten veröffentlichen.
Heutzutage nimmt man sich dazu einen Speicherplatz eines ordentlichen Providers, bei dem Easy-Install CMS dabei sind, installiert sich - je nach Vorliebe - Wordpress, Joomla oder ein anderes CMS, wählt ein Template aus, das einem gefällt und kann sich um's Wesentliche, nämlich um das Verfassen solcher Geschichten kümmern, während der Self-HTML Leser noch damit beschäftigt ist, den Unterschied zwischen HTML und CSS herauszufinden.
Ich hab' mich vor vielen Jahren auch durch Self-HTML durchgekämpft, heute ist das absolut obsolet...
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