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vergrößern 959x539SoRyang mit ihrem Flügel auf der Straße.
Die zierliche Dame im traditionsreichen Kaffeehaus Frauenhuber im ersten Wiener Bezirk strahlt über das ganze Gesicht. "Ich bin einfach ein fröhlicher Mensch", sagt SoRyang mit einem breiten Lächeln. Ihre gute, "sanguinische" Laune habe ihr in Wien jedoch nicht nur Gutes beschert: "In Wien reden die Menschen gerne über Probleme, und irgendwann habe ich begriffen, ich muss auch über Probleme sprechen, um mitreden zu können. Ich wollte ja nicht außen vor bleiben", erzählt sie und lacht wieder.
Über Probleme spricht sie dann doch nicht, sondern über ihre Liebe zum Klavierspiel, die sie als Minderjährige aus der südkoreanischen Hauptstadt Seoul zunächst nach Essen an die Folkwang-Hochschule führte und später nach Wien. Es sei nicht leicht gewesen, sich so früh von den Eltern zu trennen: "Am Flughafen hatte ich einen Knödel im Hals. Aber später genoss ich meine Freiheit."
Deutschland und Essen, das habe sieben Jahre lang für sie nur eines bedeutet: studieren, studieren, studieren. "Ich habe mein Studium wirklich geliebt", erzählt SoRyang. "Die Hochschule ist in einem alten, sehr schönen Klostergebäude untergebracht. Wir hatten ganz miserable Übungsklaviere, wir übten die ganze Zeit, aber in der Pause konnten wir miteinander lustig Kaffee trinken. Es war eine schöne Zeit."
Nach dem Konzertexamen sollte die junge Pianistin nach Südkorea zurückkehren, einen guten Job übernehmen und heiraten - das war der Plan. "Ich sollte eine gute Stelle als Professorin annehmen, und meine Eltern hatten sogar einige potenzielle Bräutigame für mich ausgewählt. Ich hätte in Seoul viel Geld verdienen und ein perfektes Leben haben können." Aber SoRyang hatte andere Vorstellungen von einem perfekten Leben: "Ich wollte nicht mit den anderen mitrennen. Mir war klar, dort kann ich meine Freiheit nicht haben." Also führte sie ihren Eltern gegenüber eine "Ausrede" ins Treffen: "Ich sagte zu ihnen, ich muss unbedingt auch in Wien studieren. Schließlich ist Wien die Stadt der Musik."
Die Eltern ließen sich weichklopfen, und SoRyang lernte in Wien zunächst das Leben genießen: "In Deutschland hatte ich nur studiert. In Wien habe ich das Leben kennengelernt. Ich bin zu den Heurigen gegangen und habe gelernt, dass man das Leben auch genießen muss, dass Ehrgeiz nicht alles ist."
Nach der Gründung einer Familie sah es mit der Karriere allerdings nicht mehr so rosig aus. SoRyang hielt sich aber ihre Motivation, Klavier zu spielen, mit der Erinnerung an eine Begegnung mit dem Pianisten und Komponisten Friedrich Gulda aufrecht: "Nach einem Klassenabend war Gulda auf mich zugekommen und hatte mir herzlich zu meinem Klavierspiel gratuliert, er sagte: 'Bravissimo!' Diese Erinnerung hat die ganze Zeit in mir weitergearbeitet, ich dachte, ich muss unbedingt weiterspielen."
Als SoRyang nach der Scheidung alleinerziehende Mutter wurde, versuchte sie, eine eigene Konzertreihe zu organisieren. Der Plan fiel jedoch ins Wasser, und SoRyang erwog, als Fremdenführerin für koreanische Touristen zu arbeiten. Da kam ihr die Idee, zwar für Touristen, jedoch nicht als Fremdenführerin zu arbeiten: "Die Touristen kommen wegen der Musik in die Mozartstadt Wien, aber wenn sie dann hier sind, sehen sie nur Gebäude und hören keine Musik. Im Sommer sind außerdem das Konzerthaus und die Oper geschlossen, die Touristen kommen nicht in die Säle rein." Also beschloss SoRyang, die Musik dorthin zu bringen, wo sie gehört werden kann: auf die Straße.
"Auf der Straße, du bist ja verrückt", sagten viele. Aber SoRyang ließ sich nicht beirren und stellte einen Konzertflügel auf die Straße. Zunächst schob sie das Klavier mit Hilfe eines Kollegen selbst auf die Kärntner Straße oder zum Graben, später organisierte sie einen professionellen Transport für zwei Stunden. "Ich muss jedes Mal zittern, ob das Geld für den Transport reicht."
Dennoch sei die Straßenmusik für sie mehr als eine Notlösung: "Ich liebe diese Arbeit. Die Menschen sind näher als im Konzerthaus, ich fühle mich frei und bin glücklich, dass meine Musik sich mit der Wiener Luft vermischt." Sie möchte die gehetzten Menschen stoppen, sie zum Innehalten anregen, die Menschen mit ihrer Musik bewegen. "Das ist harte Arbeit für mich", erzählt SoRyang allerdings auch.
Da sich Anrainer über die Straßenmusik beschwert hatten, kann die Konzertpianistin nur noch etwa zweimal pro Monat auftreten. Dank ihrer Auftritte sei sie allerdings buchstäblich von der Straße weg auch für andere Aufträge engagiert worden, etwa für das Konzerthaus und den Goldenen Saal im Musikverein. Auch die Reaktionen der Zuhörer seien eine große Motivation: "Ein Mann hat in mein Gästebuch geschrieben, meine Musik sei für ihn das Highlight von Vienna gewesen. Ein anderer Zuhörer hat mir erzählt, dass er zwar keine Ahnung von klassischer Musik hat, aber nach einem Konzert nicht schlafen konnte, weil die Musik ihn so angeregt hatte."
Genau das möchte die virtuose Pianistin mit ihrer Straßenmusik erreichen: das Vorurteil, Klassik sei schwer zu verstehen oder langweilig, entkräften und die pure Emotion der Musik vermitteln. (Mascha Dabić, daStandard.at, 20.10.2012)
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Diese Frau ist bewunderungswürdig, weil sie sich nicht auf staatliche Hilfe verlassen , sondern aus Eigeninitiative eine Möglichkeit gefunden hat, für ihren Unterhalt und den des Kindes sorgt. In ihrem Beruf ist es ja kaum möglich, eine feste Anstellung zu finden. Es ist schön, dass sie inzwischen auch in Konzertsälen auftritt.
Typisch für die "Stadt der Musik"...
Als ich in Barcelona monatelang jeden Tag an denselben Plätzen dasselbe Repertoire spielte - und zwar auf einem kläglichen E-Piano - kamen immer wieder Anrainer und bedankten sich für die schöne Atmosphäre, die ich in ihrer Straße schaffen würde. Und gezahlt haben sie auch, viel mehr als die Touristen. Ich lebte von den Einheimischen.
Stadt der Musik - das kann auf keinen Fall in Österreich sein!
leiwande sache! allerdings gefällt mir die interpretation leider garnicht (was auch an an der schlechten aufnahmequalität liegen kann). und welcher unmusikalische mensch hat denn das video bei 1:30 geschnitten? das hört ja ein blinder, dass das nicht zusammenpasst.
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