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Einer der gezeigten Filme, "Sascha", handelt von einem jungen Deutschen mit Migrationshintergrund in Köln, der sich in seinen Klavierlehrer verliebt.
Wenn Lia Böhmer "die Community" sagt, dann meint sie die Queer-Szene in Wien. Lia, eine quirlige Dunkelhaarige, "jüdisch und lesbisch", trägt ein weißes Hemd und eine Plakette um den Hals, ebenso wie einige andere ihrer Kollegen, die zum Organisationsteam der ersten queeren migrantischen Filmtage gehören. Diese fanden vom 6. bis 9. November im Schikaneder-Kino im vierten Wiener Gemeindebezirk statt und schickten sich an, "die besten und spannendsten Geschichten über queere Identitäten, Grenzgänge und Wanderungen zu erzählen - zwischen Wien und Warschau, zwischen Köln, São Paulo und Jerusalem", also die Zuschauer auf eine Mini-Weltreise quer durch migrantische und queere Identitäten einzuladen.
"Queer" steht für "Dinge, Handlungen oder Personen, die von der Norm abweichen", und ist eines jener Wörter, die ursprünglich abwertend gemeint waren, inzwischen aber von der solcherart fremdbezeichneten Personengruppe selbstbewusst als Eigenbezeichnung verwendet werden. Neben Homosexuellen umfasst "Queer" auch Bisexuelle, Transsexuelle, Transgender et cetera.
Lia Böhmer, Mitglied von Migay, einem Verein zur Integration und Förderung von homosexuellen MigrantInnen, erklärt, warum es ihrer Ansicht nach einen Bedarf gibt, die Themen Migration und Queer zusammenzuführen: Homosexuelle Migranten seien eine Minderheit in der Minderheit, das könne mit Diskriminierung Hand in Hand gehen. Lia spricht von "doppelter Belastung" und "doppelter Diskriminierung", von Xenophobie und Homophobie: "Die Leute glauben, es gebe keine Kopftuch tragenden Lesben und keine schwulen Türken oder Juden. Aber das gibt es sehr wohl."
Für Menschen mit patriarchalisch geprägtem familiärem Hintergrund könne es besonders schwierig sein, sich vor der Familie zu outen; andererseits sei die "Community" - also die Queer-Szene - auch nicht immer so weltoffen und tolerant, wie man meinen möge. Lia: "Man könnte meinen, in der Community ist man auch eine Minderheit und weiß, wie schlimm es ist, ausgegrenzt zu werden. Aber trotzdem gibt es auch in der Queer-Community genug Leute, die sagen, mit dem Türken wollen wir nichts zu tun haben."
"Sascha"
Um subtile innere und sozial-familiäre Reibungen einem breiteren Publikum vorzustellen, rief der nunmehr drei Jahre alte Verein Migay dieses Festival ins Leben. Einer der gezeigten Filme, "Sascha", handelt von einem jungen Deutschen mit Migrationshintergrund in Köln, der sich in seinen Klavierlehrer verliebt und damit seinen montenegrinischen Vater zunächst ins Unglück stürzt. Der eigene Sohn soll schwul sein? Für Herrn Vlado Petrović eine Katastrophe, für seinen Sohn Sascha (dargestellt von Saša Kekez) eigentlich kein Problem.
Der bei der Vorführung anwesende Regisseur Dennis Todorović erzählt: "Es ist kein Film über den inneren Konflikt, über den Selbsthass von wegen, ich schlage andere Schwule, weil sie mich an mich selbst erinnern. Darum ging es mir nicht. Sascha hat kein Problem damit." Wohl aber seine Familie, die es vorgezogen hat, 20 Jahre lang die Schwulenkneipe von nebenan geflissentlich zu ignorieren.
Der Regisseur wollte Saschas Doppelidentität und den damit einhergehenden Konflikt herausstreichen: "In Köln hat Sascha kein Problem mit seiner Homosexualität, wohl aber in seiner Familie. Es wäre ein Leichtes zu sagen, habt mich alle gern, ich bin nicht mehr euer Sohn, ab jetzt bin ich ein schwuler Deutscher. Aber Sascha möchte zugleich der Sohn seiner Familie bleiben."
Mit der Idee von "doppelter Diskriminierung" kann Todorović wenig anfangen: "Diskriminierung ist immer schlecht, egal von wem sie ausgeht und wen sie trifft. Aber ich halte nicht viel von einer Opferrolle. Schwul zu sein ist gewisserweise auch eine Bereicherung. Meine Mutter ist Tschechin, mein Vater Montenegriner, aufgewachsen bin ich in Baden-Württemberg und lebe jetzt in Köln. Meine Mutter hat immer gesagt, nimm von allem das Beste und hör auf zu jammern."
Unter den Festivalbesuchern sind viele, auf die die Beschreibung "migrantisch und queer" ebenfalls zutrifft. Srdjan, der aus Serbien stammt und aus eigener Erfahrung weiß, wie schwierig es ist, als Schwuler in einem Land zu leben, in dem nicht einmal die Gay Parade stattfinden kann, weil das homophobe Aggressionspotenzial zu groß ist, empfindet den Film "Sascha" als eine Unterstützung. Der Italiener Diego ist von den gezeigten Filmen und dem Festival an sich ebenfalls angetan, hat aber ein Problem mit Kategorisierungen: "Migrantisch, queer, das sind doch auch nur Zuschreibungen." (Mascha Dabić, daStandard.at, 12.11.2012)
Interview mit dem Schauspieler Saša Kekez: "Die anderen machen es zum Problem"
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