Eine Hommage an die Ausgesperrten, Verdrängten und Unterdrückten

  • Eröffnet wird das Filmfestival heuer mit "Nerven Bruch Zusammen" (Österreich, 2012) von Arash T. Riahi.
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    foto: this human world 2012

    Eröffnet wird das Filmfestival heuer mit "Nerven Bruch Zusammen" (Österreich, 2012) von Arash T. Riahi.

  • "Trains of Thoughts" (Österreich, 2012) von Timo Novotny.
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    "Trains of Thoughts" (Österreich, 2012) von Timo Novotny.

  • "My Brooklyn" (USA, 2012) von Kelly Anderson und Allison Lirish Dean.
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    "My Brooklyn" (USA, 2012) von Kelly Anderson und Allison Lirish Dean.

Das zweitgrößte Filmfestival Wiens "This Human World" rückt das Thema Menschenrechte ins Zentrum seiner Projektionen. Von 29. November bis 9. Dezember 2012

Große Augen, freudige Blicke, lächelnde Münder, ernste Mienen und kleine Hände, die Zeige- und Mittelfinger spreizen und sie als Zeichen des Friedens in die Luft halten. Wie überall auf der Welt werden Kinder von der Anwesenheit einer Kamera wie magisch angezogen. Auch hier, in einem Flüchtlingslager in Jordanien, nahe der syrischen Grenze. Der diesjährige Trailer des Filmfestivals "This Human World" zeigt nur einen winzigen Ausschnitt aus der Gegenwart dieser Kinder, die mit ihren Familien ihr bisheriges Leben unfreiwillig zurücklassen mussten.

Die Regisseure Arash T. Riahi und Arman Riahi nahmen das Material für den Trailer während ihrer Dreharbeiten zu einem anderen Filmprojekt auf. "Mein Bruder und ich arbeiten zur Zeit an unserem ersten gemeinsamen Projekt, es heißt Everyday Rebellion", so Arash T. Riahi bei der Programmpräsentation des Festivals. "Es ist ein Crossmedia-Projekt und Kinodokumentarfilm über den weltweiten gewaltlosen Widerstand." Der Zwischenstand dieser spannenden Arbeit wird am 8. Dezember um 18 Uhr im Top Kino präsentiert.

Rund 80 Filme an elf Tagen

"This Human World", das Internationale Filmfestival für Menschenrechte - das mittlerweile zweitgrößte Festival in Wien - findet heuer bereits zum fünften Mal statt. An elf Tagen werden in vier Wiener Kinos rund 80 Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme gezeigt, deren Themenpalette von der Hinterfragung der "Festung Europa" und der Beobachtung gesellschaftlich unterdrückter Menschen bis hin zur Beschäftigung mit Migration und Feminismus reicht.

Zentral dabei bleibt der Gedanke, dass alle Menschen die gleichen Grundrechte besitzen, und die Kritik, dass vielerorts um deren Durchsetzung nicht oder zu wenig gekämpft wird - und wenn doch, dieser Kampf manchmal bitter verloren wird.

Urbanes Leben und seine Auswirkungen

Einer der Schwerpunkte der diesjährigen Festivalausgabe lautet "This Human Urbanism". Er setzt sich mit dem Lebensraum Stadt auseinander und hinterfragt, wie sich der Alltag in Metropolen sowie Prozesse der Gentrifizierung und Verdrängung auf den Menschen auswirken. Die Dokumentarfilme "Trains of Thoughts" von Timo Novotny oder "My Brooklyn" von Kelly Anderson und Allison Lirish Dean etwa sind Teil des Schwerpunkts. Außerdem befasst sich das Festival heuer auch besonders mit der feministischen Riot Grrrl Bewegung, die nicht zuletzt aufgrund der Ereignisse rund um das Moskauer Kollektiv "Pussy Riot" wieder großes Medienecho erfuhr.

Wie bereits in den vergangenen Jahren fand auch heuer wieder ein SchülerInnen-Kurzfilm-Wettbewerb statt, der junge Menschen dazu ermutigen möchte, sich filmisch und künstlerisch mit dem Thema Menschenrechte auseinanderzusetzen. Die Gewinnerfilme werden am 9. Dezember um 18 Uhr im Top Kino vorgestellt. Als erweitertes Rahmenprogramm zu den Kinovorführungen und Diskussionen im Anschluss an die Filme finden zudem spannende Lectures und Workshops zu den behandelten und verwandten Themen statt.

"Die Würde, die sie verdienen"

Nicht nur der Festivaltrailer, auch der Eröffnungsfilm dieses Jahres stammt von Arash T. Riahi. Der Langzeitdokumentarfilm "Nerven Bruch Zusammen", eine "Hommage an alle die Frauen, die das Leben bisher nicht zu huldigen wusste", beleuchtet das Leben obdachloser Frauen in einem Übergangswohnheim in Wien. Vor zehn Jahren sammelte Riahi in seiner Zivildienstzeit in einem Caritas-Haus bereits filmische Dokumente aus dem Leben dieser Frauen, die von der Gesellschaft ausgesperrt wurden.

Neun Jahre später kehrte er zurück, traf neue Schicksale und auch einige ehemalige Bewohnerinnen. "Die Frauen, die in diesem Film vorkommen, sind Menschen, die vom Leben nicht gerade zimperlich behandelt wurden", sagt Riahi. "Sie freuen sich schon alle sehr und werden auch alle anwesend sein. Es ist schön, wenn solche Menschen die Würde, die sie verdienen, auch einmal zurückbekommen." (Jasmin Al-Kattib, daStandard.at, 16. November 2012)

This Human World 2012
30. November bis 9. Dezember 2012
Top Kino, Schikaneder, Filmcasino, Gartenbau

Eröffnung am 29. November 2012, 20:00 Uhr
Nerven Bruch Zusammen (Österreich 2012, Regie: Arash T. Riahi)
anschließend: Party mit Djs Gojira (Bukarest), chez del (Wien)

Programmheft zum Downloaden

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"festung europa", jössas!

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