Kiezhelden - Die soziale Seite des FC St. Pauli

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Mit der Initiative "Kiezhelden" versucht der Sportverein FC St. Pauli das soziale Engagement seiner Fans zu institutionalisieren

Die Fanszene des FC St. Pauli ist so politisch wie kaum eine andere in Deutschland oder sogar europaweit. So verwundert es auch nicht, dass die Fans federführend bei den derzeitigen Protestkundgebungen gegen die Abschiebung der "Lampedusa-Flüchltlinge" aus Hamburg sind. Der traditionell "linke" Verein war zudem der erste, der in seine Stadionordnung ein Verbot von sexistischen und rassistischen Gesängen, Bannern und Äußerungen hineinschrieb - mittlerweile haben das die meisten Vereine in den oberen Ligen dem FC St. Pauli nachgemacht.

Eine weitere Besonderheit ist, dass bei jedem Heimspiel der Fußballmannschaft von den Fans im legendären Stadion Millerntor Banner und Gesänge mit politischen Botschaften hochgehalten werden. So stand zum Beispiel das Heimspiel gegen den FC Sandhausen am 25. Oktober 2013 ganz im Zeichen des Kampfes gegen Homophobie und Sexismus. Das Motto war "Football has no gender". Mit zahlreichen Bannern, auf denen Botschaften wie "Liebe doch wen du willst" hochgehalten wurden und vielen bunten Luftballons wurde die Vielfalt im Stadion gefeiert.  

Kiezhelden

Am 23. Juli 2013 startete der Verein mit einer neuen Initiative namens "Kiezhelden", innerhalb welcher sich "soziale Projekte präsentieren, vernetzen und Spenden sammeln können", wie es auf der Homepage heißt. Um die Spendengelder zu 100 Prozent an die gemeinnützigen Projekte weiterleiten zu können, hat der Verein externe Sponsoren gefunden, die die Plattform finanzieren. Am Anfang integrierte der Verein fünf vereinsnahe Projekte, die eine Vorreiterolle innehaben, wie etwa das Hilfsprojekt "Viva con Agua" (Zur Sicherung der Trinkwasserversorgung in Entwicklungsländern) in die Initiative. Mittlerweile sind elf Kurzprojekte und fünf Dauerprojekte ein Teil von Kiezhelden.

Darunter Projekte wie "Radiofüchse" (interkulturelles Kindermedienprojekt aus St. Pauli), "Lampedusa in Hamburg – Internationaler Flüchtlingsgipfel St. Pauli" (humanitäre Hilfe für afrikanische Flüchtlinge) oder die Spendensammelaktion "Stadionbande Aktionsbündnis", welche Geld dafür lukrierte, um zwischen der Gegengeraden und der Südkurve des Millerntor-Stadions eine braune Bande, mit der weißen Aufschrift "Football has no gender" anzubringen. Diese wurde vor dem Spiel gegen den FC Sandhausen enthüllt.

Sven Brux, der den Geist des FC St. Pauli wie wahrscheinlich kein anderer verkörpert und mit dem Verein seit über 25 Jahren verbunden ist, hat es zwischenzeitlichen zum Fanbeauftragten und zum Organisationsleiter und Sicherheitsbeauftragten im Club geschafft. Brux schätzt genau diese Seite seines Vereines: "Der FC. St Pauli ist ein sehr politischer Verein, der sich gegen die Missstände in der Gesellschaft auflehnt und mit humanitären Aktionen immer wieder ein Zeichen setzt."

Auf die Frage, ob das Hervorheben des sozialen Engagements nicht nur eine Marketingstrategie des Vereines sei, antwortet Brux gelassen: "Wer Gutes tun will, muss es natürlich auch medial vermarkten. Denn nur so kann eine breite Öffentlichkeit erreicht und andere dazu bewegt werden, mitzumachen." (Toumaj Khakpour, Siniša Puktalović, 22.11.2013)

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